Kaiserthermen (Trier)


Kaiserthermen (Trier)
Kaiserthermen, von innen

Die Kaiserthermen in Trier sind die Überreste einer großflächigen römischen Badeanlage, die heute noch als eindrucksvolle Ruine besichtigt werden kann. Die erhaltenen Apsiden zeigen noch die römische Bauweise aus Lagen von hellem Stein und roten Ziegeln (sog. Ziegeldurchschuss), die neben Stabilität auch ästhetischen Zielen diente. Dieser Stil wurde in Trier nicht nur für die Kaiserthermen eingesetzt und unter anderem beim Bau des mittelalterlichen Frankenturms kopiert.

Seit 1986 sind die Kaiserthermen Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier, des Weiteren sind sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kaiserthermen (Stadtmodell 4. Jh. n. Chr.)
Kaiserthermen (2005), von der Nachmittagssonne angestrahlt
Kaiserthermen (2009), von außen

Errichtet wurde die Anlage um und nach 300 n. Chr. als ein monumentaler Repräsentationsbau der Kaiser Constantius Chlorus und seines Sohnes Konstantin, die Trier zu ihrer Residenz gemacht hatten. Die Thermen erheben sich etwa südlich der Mitte des kaiserlichen Palastbezirkes, der sich vom Bereich des Domes (ehem. Palast) über den Kernbau des mächtigen Ziegelbaus der Konstantinischen Palastaula bis zum Tempelbezirk im Altbachtal und dem Amphitheater (das gleichzeitig in die römische Stadtmauer integriert war) erstreckte.

Der Ort dieses Bauwerkes und seiner Vorgänger wurde wahrscheinlich gewählt aufgrund seiner guten Wasserversorgung durch Altbach und Herrenbrünnchen sowie durch die spätere Ruwerwasserleitung vom Petrisberg über zwei Aquädukte. Das belegen auch zahlreiche Funde von Holzrohrleitungen, Bleirohren, Trinkwasserkanälen und Brunnen. Aus dem 1. bis 3. Jh. stammen auch drei große Wasserbecken, die auf dem Gelände der späteren Thermen lagen.

Die Kaiserthermen bilden auch den östlichen Abschluss der Mittelachse (decumanus maximus) des römischen Straßensystems in der Augusta Treverorum, beginnend an der Römerbrücke mit der porta inclyta (heute etwa im Bereich Wall-/Bollwerkstraße) über das Forum mit dem Palast des Victorinus (heute Bereich Rathaus/Augustinerhof).

Der Thermenbau bestand unter anderem aus einer freitragenden Halle ähnlich der Konstantinbasilika, die dieser in Größe kaum nachstand. Dem römischen Standard bei solch großen Gebäuden entsprechend wurde eine Vielzahl von Kellergängen zum Beheizen und Entwässern unterhalb der Anlage angelegt. Der Durchmesser der Betonkuppel über dem Tepidarium betrug 16,45 m.[1]

Anhand dieser Gänge und Versorgungsinfrastruktur konnte festgestellt werden, dass die Innenausstattung und technische Ausrüstung der Badeanstalt in den Thermen jedoch nie vollendet und somit der Badebetrieb auch nicht aufgenommen wurde. Nach der Verlegung von Konstantins Amtssitz nach Byzanz blieb der Rohbau unter Konstantin II. ungenutzt und begann zu verfallen, bis Kaiser Valentinian (364-375) um das Jahr 360 die Anlage in eine Kaserne umbauen ließ. Die neue Kaserne bot Platz für etwa 800 bis 1.000 Mann der berittenen kaiserlichen Leibgarde. Die riesige freitragende Westhalle wurde abgerissen und die unterirdischen Anlagen im Westteil des Gebäudes zugeschüttet. Übrig blieben das ehemalige Caldarium (Warmbad), also der Ostsaal mit seinen drei Apsiden und dessen Vorraum, die mit Säulenhallen umgeben fortan als Gerichtssitz und Justizforum dienten.

Nach Ende der Römerzeit wurden die Thermen wie auch die Barbarathermen, die Porta Nigra, die Palastaula und der Dom von der Bevölkerung wenigstens teilweise weiterbenutzt. Die Kaiserthermen dienten als eine Art Burg, in deren Schutz sich im Zentrum des Hofes eine kleine Siedlung entwickelte (Alt-St.-Gervasius). Als die Einwohnerzahl im Frühmittelalter bis auf einen Bruchteil der alten Kaiserstadt zurückging, wurde das städtische Areal von ca. 285 Hektar zu groß für eine erfolgreiche Verteidigung. Unter Erzbischof Bruno von Lauffen (1102-1124) wurde im Süden die neue Stadtmauer vom Moselufer bis zu den Kaiserthermen errichtet und die Süddteile der Stadt inklusive des alten römischen Mauergürtels, der etwa auf der Höhe der heutigen "Töpferstraße" verlief, dem Verfall preisgegeben. Es folgten die Bauten der östlichen und nördlichen Stadtmauer unter den Erzbischöfen Albero (1131-1152) und Arnold II. von Isenburg (1242-1259). Noch heute sind Teile dieser Stadtmauer im Bereich der Süd-, Ost- und Nordallee erhalten. Ost- und Südmauer treffen beim ehemaligen Caldarium der Kaiserthermen zusammen, das nun als südöstlicher Eckpfeiler (Torburg) in den Mauerbering der mittelalterlichen Stadtmauer einbezogen war.

Da im Mittelalter oftmals immer wieder auf vorhandenen Schutt gebaut wurde, so dass der Grund um mehrere Meter gestiegen war (an den Kaiserthermen und der Porta Nigra besonders deutlich zu sehen), konnte das Fenster in der Südapsis als Stadttor ("Altport") benutzt werden. Die viel größeren römischen Fensteröffnungen wurden zugemauert und durch kleinere Schießscharten ersetzt. Im ehemaligen Caldarium - jetzt "Torburg" - residierte der Burggraf als Inhaber des städtischen Militärkommandos. Der Westteil der Kaiserthermen mit Nord-, West- und Südflügel und dem Gymnastikplatz (Palästra) dienten ab dem Hochmittelalter als "Steinbruch" für den Hausbau und wurden weitgehend abgetragen. Hier entstanden, neben der bereits erwähnten Siedlung um die Pfarrkirche Alt-St.-Gervasius, ab ca. 1295 das Kloster St. Agnes im Nord- und Westflügel. In einer Urkunde von 1238 wird auch eine Dreifaltigkeitskapelle erwähnt, die im Caldarium errichtet war, aber den Kämpfen zwischen den Trierern und den Truppen des Kurfürsten Jakob von Eltz im Jahre 1568 zum Opfer fiel und an deren Stelle ein Wachtturm ("Geschlechterturm") erbaut wurde; etwa um dieselbe Zeit wurde die "Torburg" aufgegeben, die nun als normales Stadttor diente. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die große Apsis des Caldarium teilweise zerstört und notdürftig als Stadtmauer wieder hergerichtet (erst 1984 wurde sie wieder aufgebaut, siehe unten).

Im Umkreis der Kaiserthermen ließen sich, vermutlich wegen der oben beschriebenen Wasserversorgung, Weber und Gerber nieder, was sich heute noch an den Namen "Weberbachstraße" und "Gerberstraße" zeigt.

Im Zuge der Säkularisation wurden um 1800 Alt-St.-Gervasius und St. Agnes abgerissen. Beim Abbruch der Kirchen, der Klostergebäude und des Wachturmes stieß man auf die Fundamente der ehemals viel größeren Badeanlage[2]. Nachdem das Caldarium ab 1816 völlig geräumt wurde, musste die "Altport" 1817 geschlossen werden. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen weitreichende Ausgrabungen.

Aus Anlass der 2000-Jahrfeier der Stadt Trier wurden die Kaiserthermen vor dem Jahr 1984 renoviert. Vor Beginn der Arbeiten waren nur die unteren Fensterbögen der Apsiden erhalten; von den oberen Bogenreihen waren nur unverbundene Mauerreste erhalten. Als Teil der Renovierungsarbeiten wurden die oberen Fensterbögen wiederaufgebaut, was als Stabilisierungsmaßnahme begründet wurde. Regionale Kritiker halten diese Maßnahme für unnötig und beanstanden, dass der Wiederaufbau touristischen Zwecken gedient habe und das Erscheinungsbild der Ruinen durch die neu eingefügten (helleren) Steine und Ziegel und den künstlich glatten Abschluss an der Oberkante der Ostapsis dauerhaft beeinträchtigt worden ist.

2005 bis 2006 wurde über dem Nordteil der Ruinen ein vom Architektenbüro von Oswald Mathias Ungers entworfenes Gebäude errichtet, das für den Einlass von Touristen und Besuchern der in den Ruinen stattfindenden Veranstaltungen (vor allem Konzerte, Antikenfestspiele) benutzt wird.

Die große Palästra (nicht überdachter Ringplatz) im Westteil der Kaiserthermen ist heute ein öffentlich zugänglicher Rasenplatz, der noch von den bis ca. ein Meter hohen erhaltenen Ruinen der westlichen Thermenbauten umsäumt wird. Die Palästra wird zum Teil als Circus-Standort, für die Römerspiele Brot & Spiele oder für andere Veranstaltungen verwendet und in der verbleibenden Zeit von der Trierer Bevölkerung für Spiel und Amateursport genutzt.

Tourismus

Heute kann man Mauerreste des Ostsaals und einige freigelegte unterirdische Gänge besichtigen. Einen vergünstigten Eintritt ermöglicht das Römerticket, eine Sammeleintrittskarte für mehrere römische Anlagen in Trier und Umgebung.

Im Sommer werden Führungen durch die Kaiserthermen angeboten, bei denen ein kostümierter Schauspieler in die Rolle des fiktiven Tribuns Mallobaudes schlüpft und von seinem Leben in der Antike erzählt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, in: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139 (124)
  2. Renate Rahmel: Trier - Farbbild-Führer durch die Stadt. Rahmel-Verlag, Pulheim. ISBN 3-926526-33-5 Hier wird jedoch fälschlicherweise davon gesprochen, dass die Fundamente "beim Abriss der Wehrmauer" zu Tage traten, jedoch wurde die Stadtmauer erst Mitte des 19. Jahrhunderts abgetragen und besteht im Bereich der Kaiserthermen bis heute noch; gemeint ist wohl eher die Wehrmauer des Klosters St. Agnes

Literatur

  • Heinz Cüppers: Kaiserthermen. In: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe, Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0 S. 620–623.
  • Sabine Faust: Kaiserthermen. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. Trier 2008, ISBN 978-3-923319-73-2 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 50f.
  • Thomas Fontaine: Die Kaiserthermen. In: Hans-Peter Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier. Theiss, Stuttgart 2001 S. 122–134. ISBN 3-8062-1517-0 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 40).
  • Klaus-Peter Goethert: Römerbauten in Trier: Porta Nigra, Amphitheater, Kaiserthermen, Barbarathermen, Thermen am Viehmarkt. Verlag Schnell + Steiner, ISBN 3-7954-1445-8, S. 125–149.
  • Daniel Krencker: Die Trierer Kaiserthermen 1: Ausgrabungsbericht und grundsätzliche Untersuchungen römischer Thermen. Filser, Augsburg 1929 (Trierer Grabungen und Forschungen 1)
  • Ludwig Hussong/ Heinz Cüppers: Die Trierer Kaiserthermen 2: Die spätrömische und frühmittelalterliche Keramik. Filser, Augsburg 1972, ISBN 3-923319-88-6, (Trierer Grabungen und Forschungen 1,2)

Weblinks

 Commons: Kaiserthermen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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