Robert Stewart, 2. Marquess of Londonderry


Robert Stewart, 2. Marquess of Londonderry
Viscount Castlereagh, Porträt von Thomas Lawrence (um 1810)

Robert Stewart, 2. Marquess of Londonderry und Viscount Castlereagh, (* 18. Juni 1769; † 12. August 1822, Freitod), war ein britischer Staatsmann, der im irischen County Down geboren wurde.

Castlereagh studierte an der Universität in Cambridge und zog 1790 für die Whig-Partei in das irische Parlament ein, doch trat er wenige Jahre später der gegnerischen Tory-Partei bei, weil er mit dieser 1795 ins britische Unterhaus einziehen konnte. Ein Jahr später erhielt er den Titel eines Viscount. 1799 unterstützte er den Versuch des Premierministers William Pitt d. J., Irland und Großbritannien in einem Königreich zu vereinen. Zu diesem Zeitpunkt übte er das Amt des Ministers für Irland aus. Castlereagh, der immer noch im irischen Parlament saß, verhalf dem von Pitt entworfenen Act of Union zur nötigen Mehrheit. Ein Jahr nach der Verabschiedung des Acts of Union trat er am 1. Januar 1801 zurück, da er mit dem politischen Kurs König Georgs III. nicht zufrieden war. Der König stellte sich vehement gegen den Catholic Emancipation Act, dem Gesetz zur Katholikenemanzipation im protestantisch-anglikanischen Königreich. Die irischen Katholiken konnten sich nämlich nach der Vereinigung mit Großbritannien mehr Vorteile verschaffen als britische Katholiken, doch der König setzte nun alle gleich, was bei den Iren tumultartige Aufstände hervorrief. Castlereagh sah seine volle bürgerliche Gleichstellung als Ire in Großbritannien gefährdet.

Ab 1801 war Castlereagh bis zu seinem Tod 1822 Mitglied des britischen Unterhauses und wurde 1812 auch dessen Fraktionsführer. Sein erstes hohes politisches Amt erhielt er aber bereits 1805, als er für ein Jahr zum Kriegs- und Kolonialminister ernannt wurde. Von 1807–1809 war er erneut Kriegsminister und so maßgeblich an der Planung der britischen Feldzüge gegen Kaiser Napoleon Bonaparte beteiligt. Nach einem Duell Castlereaghs mit Außenminister George Canning 1809 mussten beide aus ihren Ministerämtern ausscheiden. 1812 wurde Castlereagh Außenminister, als die Torys unter Robert Banks Jenkinson, 2. Earl of Liverpool einen neuen Premierminister stellten. Castlereagh übernahm nun eine führende Rolle in der britischen Politik und damit auch in der Koalition Europas gegen Napoléon I.

Als Außenminister war es ihm zu verdanken, dass er die Allianz während der entscheidenden Phase des Krieges 1813 und 1814 zusammenhielt. Auf dem Wiener Kongress vertrat er ebenfalls sein Land, war aber erzürnt darüber, dass Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington die Hauptbevollmächtigung erhielt, was möglicherweise auf Castlereaghs Katholizismus zurückzuführen war. Dennoch erreichte er, dass das Mächtegleichgewicht wiederhergestellt wurde und die Pentarchie wieder Europa regieren konnte. Auf dem Aachener Kongress von 1818 zeigte Robert Stewart zum letzten Male sein enormes politisches Geschick, als er es verstand, den Versuchen des russischen Zaren Alexander I. zu widerstehen, Großbritannien in die Heilige Allianz einzubinden.

Trotz seiner diplomatischen Erfolge beim Volk unbeliebt, sank Stewarts politischer Einfluss schließlich. Als Sprecher des Unterhauses war es seine Aufgabe, unpopuläre Maßnahmen der Regierung zu verteidigen. Während einer Audienz bei George IV. am 9. August 1822 überraschte er den König mit der Aussage, man beschuldige ihn „des gleichen Verbrechens wie den Bischof von Clogher“ - dieser war in einem Pub mit einem jungen Mann und heruntergelassener Hose erwischt worden. Am 12. August 1822 nahm Castlereagh sich mit Hilfe eines Brieföffners das Leben.

Literatur


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