Kohlberg (Württemberg)

Kohlberg (Württemberg)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kohlberg
Kohlberg (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kohlberg hervorgehoben
48.5577777777789.3355555555555476
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 476 m ü. NN
Fläche: 4,39 km²
Einwohner:

2.277 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 519 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72664
Vorwahl: 07025
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Metzinger Straße 1
72664 Kohlberg
Webpräsenz: www.kohlberg-wuerttemberg.de
Bürgermeister: Klaus Roller
Lage der Gemeinde Kohlberg im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild
Blick vom Jusi auf Kohlberg

Kohlberg ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Kohlberg ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Kohlberg liegt am Albtrauf in 357 bis 673 Metern Höhe.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehören außer dem Dorf Kohlberg keine weiteren Orte.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Kohlberg, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Esslingen bzw. zum Landkreis Reutlingen¹: Frickenhausen, Neuffen, Metzingen¹ und Grafenberg¹.

Geschichte

Die Spuren der Besiedelung im Raum Kohlberg reichen weit in die Zeit vor Christi Geburt zurück. Im Gewann Mittlerer Wasen wurden aus Jurahornstein gefertigte Werkzeuge geborgen, die aus der Jungsteinzeit, ca. 3000 bis 2000 v. Chr., datieren. Die gefundenen Werkzeuge lassen den Schluss zu, dass die Bewohner des Kohlberger Gemeindegebiets teils Viehhirten, Jäger und Sammler waren. Ein auf dem Jusi gefundenes Töpfchen aus der Spätbronzezeit beweist, dass der Kohlberger „Hausberg“ schon zwischen 1200 und 800 v. Chr. bewohnt war. Dies gilt auch für die Hallstattzeit (800–400 v. Chr.), aus der einige Grabhügel im oberen Autmuttal stammen.

Im 11. Jahrhundert gehörte Kohlberg zum Gebiet der Grafen von Achalm. Die Grafen Luitold und Kuno von Achalm verschenkten im Jahre 1098 mit dem Bempflinger Vertrag große Ländereien an das Kloster Zwiefalten. Der Zwiefaltener Abt Ulrich von Hürzbühl ließ im Jahre 1102 in Kohlberg eine Wohnstätte (domicilium) für Laienbrüder erbauen, die Weinberge anlegten und pflegten. Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts besaß das Kloster Zwiefalten neben dem domicilium weitere Anwesen im Dorf Kohlberg. Zwei ritterliche Dienstmannen des Grafen von Achalm, Eberhard von Urach und Luitold, schenkten dem Kloster drei Huben und die freigeborene Gisela von Hiltensweiler überließ ihm zwei Huben mit dem angrenzenden Wäldchen Berinbolt.

In der Folgezeit gab es um das Kohlberger Gut erhebliche Streitigkeiten. Diese nahmen im 15. Jahrhundert fast kriegerische Formen an, als die Regierung Kaiser Friedrichs III. dem Vizekanzler Ulrich Welzli, einem gebürtigen Göppinger, den Hof als Erblehen verlieh. Dadurch wäre es 1461 fast zu einer Schlacht zwischen den Grafen von Württemberg und – im Auftrag des Kaisers – dem Pfalzgrafen Friedrich gekommen. Der völlig überraschende Tod Ulrich Welzlis machte eine friedliche Lösung möglich. Aufgrund eines Vergleichs des Klosters mit dem Bruder und Erben Welzlis sprach das Rottweiler Hofgericht den Kohlberger Hof im Jahre 1465 wieder den Zwiefaltenern zu, die dafür 1.000 Gulden an Welzli leisten und ihm auf Lebenszeit pro Jahr 100 Gulden zukommen lassen mussten. Im Jahre 1467 erklärte Friedrich III., dass der Kohlberger Hof des Klosters „Eigen“ und kein „Lehen“ sei und setzte es in seine alten Rechte wieder ein.

Im Jahre 1520 überließ das Kloster Zwiefalten Lehensbauern in Neuhausen an der Erms das frühere Gut. Ebenfalls im Jahre 1520 wurde Kohlberg zur selbständigen Pfarrei, nachdem es zuvor Filialgemeinde von Neuffen gewesen war.

Die Pfründgefälle (Abgabenrechte), die Adelige und Pfarreien in Kohlberg hatten, kamen nach der Reformation, die des Klosters Zwiefalten 1750 an Württemberg. Die Gemeinde hatte im 16. Jahrhundert kein eigenes Gericht, sondern gehörte damals und wahrscheinlich von alters her in das Gericht der Stadt Neuffen.

Das wirtschaftliche Leben der Einwohnerschaft drehte sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich um die Landwirtschaft. Der noch auf das Kloster Zwiefalten zurückgehende Obst- und Weinbau hat sich bis heute gehalten. Leinenweberei wurde im Ort nachweislich seit dem 17. Jahrhundert betrieben.

Im 17. Jahrhundert zeigte der Kaiser nochmals Interesse an Kohlberg: Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Württemberger in der Schlacht bei Nördlingen im Jahre 1634 besiegt. Darauf nahm der Kaiser die ganze einstige Grafschaft Achalm, wozu auch Kohlberg gehörte, an sich und übergab den Besitz an die Erzherzogin Claudia von Vorderösterreich. Im Westfälischen Frieden des Jahres 1648 kehrte Kohlberg wieder in die Obhut Württembergs zurück.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde die Gemeinde von Luftangriffen und dergleichen fast völlig verschont. Ab dem 23. April 1945 war die Gemeinde besetzt. Die Grenze zwischen der amerikanischen und französischen Besatzungszone verlief mitten durch die Gemeinde. Dies wurde später korrigiert und die Trennlinie verlief dann identisch mit der Markungsgrenze zu Metzingen. Die Gemeinde war fortan unter amerikanischer Besatzung.

In Württemberg gehörte Kohlberg zunächst zum Oberamt Neuffen. 1806 kam es zum Oberamt Nürtingen und 1938 zum Landkreis Nürtingen. Mit der Kreisreform 1973 wurde der Ort in den Landkreis Esslingen integriert.

Einwohnerentwicklung

  • 1824: 759
  • 1848: 887
  • 1939: 1072
  • 1950: 1381
  • 1961: 1504
  • 1970: 1753
  • 1980: 2106
  • 1990: 2225
  • 2000: 2291
  • 2005: 2321
  • 2010: 2277

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Kohlberg hat 12 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 lag bei 59,01 % und ergab folgende Sitzverteilung:

Freie Wählervereinigung 52,4 % +3,9 % 6 Sitze ± 0
Unabhängige Wählervereinigung 47,6 % -3,9 % 6 Sitze ± 0

Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Wappen

Blasonierung: In geteiltem Schild oben in Blau zwei silberne (weiße) Lilien nebeneinander, unten in Silber (Weiß) ein blauer Rebzweig mit blauer Traube und zwei blauen Blättern.

Der im Schultheißenamtssiegel erstmals 1820 erkennbare Rebzweig ist ein Hinweis auf den seit Jahrhunderten betriebenen Weinbau in Kohlberg. Die beiden Lilien entstammen dem Wappen des Conrad von Achalm, der zeitweise die Reichsvogtei über den Kohlberghof ausübte. Die Gemeindeflagge hat die Farben Weiß-Blau (Silber-Blau). Das Wappen wurde 1952 von der Landesregierung, die Flagge 1973 vom Innenministerium verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Kohlberg liegt an der Württemberger Weinstraße mit vielen Sehenswürdigkeiten.
  • Regelmäßig stattfindende Dorffeste sind das Kirschenfest und das Kohlberger Weinfest.

Bauwerke

  • Kelter, erbaut 1579

Naturdenkmäler

  • Der Jusi ist 673 m hoch. Von dort hat der Wanderer einen einmaligen Panoramablick über Schwaben. Vom Hohenzollern bis zu den Kaiserbergen reicht der Blick weit über das Neckartal, den Schwäbischen Wald und die Filder bis zum Schwarzwald.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)

Literatur

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 539–555.
  • Rolf Winkler et al.: Kohlberg – Perle am Jusi. Geiger, Horb 1991, ISBN 3-89264-640-6.
  • Andreas Schmauder (Hrsg.): Kohlberg – Geschichte und Gegenwart. Gemeinde Kohlberg 1993.
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i.V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 95

Weblinks

 Commons: Kohlberg (Württemberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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