Erzbistum Danzig

Erzbistum Danzig
Erzbistum Danzig
Basisdaten
Staat Polen
Diözesanbischof Sławoj Leszek Głódź
Weihbischof Ryszard Kasyna
Emeritierter Diözesanbischof Tadeusz Gocłowski CM
Generalvikar Stanisław Bogdanowicz
Ryszard Kasyna
Bischofsvikar Stanisław Zięba
Henryk Lew Kiedrowski
Fläche 2.500 km²
Dekanate 24 (31.12.2007 / AP 2008)
Pfarreien 190 (31.12.2007 / AP 2008)
Einwohner 979.972 (31.12.2007 / AP 2008)
Katholiken 918.319 (31.12.2007 / AP 2008)
Anteil 93,7 %
Diözesanpriester 521 (31.12.2007 / AP 2008)
Ordenspriester 201 (31.12.2007 / AP 2008)
Katholiken je Priester 1.272
Ordensbrüder 239 (31.12.2007 / AP 2008)
Ordensschwestern 528 (31.12.2007 / AP 2008)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Polnisch
Kathedrale St. Trinitatis
Konkathedrale Marienkirche
Website www.diecezja.gda.pl
Suffraganbistümer Bistum Pelplin
Bistum Toruń

Das Erzbistum Danzig (lat.: Archidioecesis Gedanensis, poln.: Archidiecezja Gdańska) der Römisch-katholischen Kirche in Polen umfasst Gebiete im Norden Polens und erstreckt sich von der Weichselmündung bis nach Pommerellen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kathedrale St. Trinitatis
Konkathedrale Marienkirche (Danzig)

Durch den Frieden von Versailles kam es 1920 im Raum Danzig zu größeren Verschiebungen der Staatsgrenzen. Westpreußen fiel an den wiedererstandenen polnischen Staat und Danzig, das ebenfalls von Deutschland abgetrennt wurde, erhielt als Freie Stadt Danzig den Status eines Freistaats unter dem Schutz des Völkerbundes. Der Heilige Stuhl trug den neuen Staatsgrenzen Rechnung, indem 1922 die katholischen Pfarreien im Gebiet des Freistaats Danzig als Apostolische Administratur aus dem Bistum Culm, Sitz Pelplin, ausgegliedert wurden. 1925 wurde diese zur Diözese erhoben und Rom direkt unterstellt. Der Freistaat Danzig wünschte einen einheimischen Bischof. Erster Bischof wurde jedoch Graf Eduard O’Rourke. Der aus Weißrussland stammende und langjährig im Baltikum tätige Adelige mit irischen Wurzeln war national neutral, was aus Sicht Roms dazu beitragen sollte, den Nationalitätenstreit zwischen Deutschen und Polen aus der Kirche fernzuhalten. Dies ist nur im begrenzten Maße gelungen.

Im Mai 1933 gewannen die Nationalsozialisten die Wahl zum Danziger Volkstag und hatten fortan die absolute Mehrheit im Parlament. Sie versuchten unmittelbar danach Druck auf die katholische Kirche auszuüben und deren Rechte einzuschränken. Zu den Danziger Katholiken kamen wegen des Vertrags von Versailles viele neu eingesetzte Polen. Der polnische Zoll, das bewaffnete polnische Postamt in der Innenstadt, sowie der nahebei neu erbaute Kriegshafen in Gdingen und das Munitionslager auf der Westerplatte brachten alle polnisches Militär direkt in die zivile Handelsstadt und in die Umgegend. Somit wurden selbst die Katholiken gespalten, so dass ihr Widerstand von vornherein schwach war. Bischof O’Rourke selbst war ziemlich isoliert, daneben gab es dem Zentrum nahestehende gleichwohl deutschnationale Katholiken, Sympathisanten der Nazis und natürlich die polnische Minderheit. 1935 wurde die zweite Diözesansynode abgehalten, auf der unter anderem die Errichtung polnischer Nationalpfarreien kontrovers diskutiert wurde. Der Bischof setzte seinen diesbezüglichen Plan 1937 trotzdem um, was zu wütendem Widerstand des Danziger Senats und auch vieler deutscher Katholiken führte. 1938 ergab sich O’Rourke dem Druck und legte sein Bischofsamt nieder. Nachfolger wurde Carl Maria Splett, nachdem die Danziger Regierung den polnischen Kandidaten des Vatikans Franz Sawicki abgelehnt und seine Verhaftung angedroht hatte. Als bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs das Deutsche Reich Danzig besetzte, verschlechterten sich sofort die Bedingungen für die katholische Kirche. Zuerst wurden die muttersprachlichen Gesänge und Predigten (während des sonst vollständig lateinischen Ritus der Messe) für die polnische Minderheit der Stadt Danzig verboten. Dann wurden die römisch-katholischen Schulen verstaatlicht. Auf Befehl der Gestapo musste Bischof Splett 1941 sogar die Beichte in polnischer Sprache untersagen.

1945 fiel das Gebiet der Diözese Danzig nach den Beschlüssen des Potsdamer Abkommens an Polen. Bischof Splett, der nicht geflohen war, wurde verhaftet. Die polnischen Kommunisten ließen den deutschen Bischof 1946 in einem Schauprozess wegen polenfeindlichen Verhaltens zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilen. Nach acht Jahren konnte er jedoch in die Bundesrepublik ausreisen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1964 gab es in Danzig nur einen polnischen Bistumsadministrator, er blieb selber - mit Unterstützung des Hl. Stuhles - Diözesanbischof, was zu Spannungen zwischen Polen und dem Vatikan führte.

In den 1960er Jahren wurden die Grenzen des Bistums Danzig den neuen seelsorglichen Erfordernissen angepasst und sein Gebiet zu Lasten des Bistums Culm weit ins Umland hinein erweitert. 1972 wurde der erste polnischstämmige Bischof seit Gründung des Bistums ernannt. Im vorher für Danzig zuständigen Culm amtierten im 19. Jahrhundert häufig des Polnischen mächtige Bischöfe, die aus Pommerellen stammten.

Mit der Neu- und Umstruktierung der Katholischen Kirche in Polen durch die am 25. März 1992 von Papst Johannes Paul II. verfügte Apostolische Konstitution Totus Tuus Poloniae Populus wurde die polnische Diözese Danzig zur Erzdiözese erhoben.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Stefan Samerski (Hrsg.): Das Bistum Danzig in Lebensbildern. Ordinarien, Weihbischöfe, Generalvikare, apostolische Visitatoren 1922/25 bis 2000. (= Religions- und Kulturgeschichte in Ostmittel- und Südosteuropa 3). Münster/Hamburg/London 2003. ISBN 3-8258-6284-4
  • Stefan Samerski: Die Katholische Kirche in der Freien Stadt Danzig 1920–1933. Katholizismus zwischen Libertas und Irredenta. (=Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte 17). Köln/Weimar/Wien 1991.
  • Stefan Samerski: Das Verhältnis von Staat und katholischer Kirche in der Freien Stadt Danzig (1920–1939). In: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 48 (1996), S. 138–165.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ioannes Paulus II: Const. Apost. Totus Tuus Poloniae populus, AAS 84 (1992), n. 3, S. 1099–1112.

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