Edgar Ende


Edgar Ende

Edgar Ende (* 23. Februar 1901 in Altona; † 27. Dezember 1965 in Netterndorf) war ein deutscher surrealistischer Maler und Vater des Schriftstellers Michael Ende. Sein Werk steht in der Tradition der phantastischen und visionären Kunst und gilt als einer der wichtigsten Beiträge der deutschen Malerei des 20. Jahrhunderts zu dieser Stilrichtung.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend in Altona

Altona, 1894

Edgar Karl Alfons Ende wird am 23. Februar 1901 als Sohn von Gustav und Auguste Ende in Altona geboren. Ein Jahr später kommt sein Bruder Helmuth Ende († 1986) zur Welt. Von 1907-1914 besucht er die Volksschule in Altona. Anschließend absolviert er eine Lehre als Dekorationsmaler, die er 1919 mit der Gesellenprüfung abschließt. Parallel dazu besucht er die Handwerker- und Kunstgewerbeschule. 1921 wird er Mitglied des Altonaer Künstlervereins.

Auf Drängen seiner Eltern heiratet er 1922 Gertrude Strunck, eine Ehe die nach vier Jahren wieder geschieden wird. Ab 1924 wird Edgar Ende langsam bekannt, er kommt mit Paul Kemp und Gustaf Gründgens in Kontakt. 1927 nimmt er an der Ausstellung "Europäische Kunst der Gegenwart" in der Hamburger Kunsthalle teil und verbringt längere Zeit in Berlin.

Zeit in Garmisch

Garmisch um 1900

1928 siedelt er nach Garmisch über, auf der Suche nach einem Mädchen, in das er sich verliebt hatte und das seine Eltern, um es vor ihm zu schützen, angeblich nach Garmisch verbracht hatten. Dort macht er in der Pension "Nirwana" die Bekanntschaft des Schriftstellers Heinrich Mann.

Im selben Jahr lernt er dort auch seine zweite Ehefrau Luise Bartholomä (1892-1973) kennen, die ein Geschäft für Spitzen und Edelsteine im "Bunten Haus" in der Bahnhofsstraße besitzt. Edgar Ende war aufgrund eines heftigen Regenfalls in das Geschäft geflüchtet, und da der Regen auch nach Ladenschluss nicht aufhört und sie eine angeregte Unterhaltung begonnen haben, bittet Luise ihn zum Tee in ihre Wohnung im ersten Stock. So lernen die beiden sich kennen, und schon bald zieht Ende bei ihr ein. Die standesamtliche Trauung findet am 22. Februar 1929 statt. Im gleichen Jahr, am 12. November, wird ihr Sohn Michael Ende geboren.

Die Münchner Jahre

Alte Pinakothek in München um 1900

1931 zieht die Familie nach München-Obermenzing in die Villa des Bildhauers Joseph Flossmann (heute Marsopstraße 19). Der Maler wird Mitglied der Münchner Secession. Im gleichen Jahr finden Ausstellungen in München und Stuttgart statt, die ihn auch international bekannt machen, Museen tätigen erste Ankäufe seiner Bilder.

Im selben Jahr macht er eine Italienreise, wo er mit der pittura metafisica von Giorgio de Chirico in Kontakt kommt. In den folgenden Jahren steigt das Interesse für Endes Malerei stetig und durch seine zunehmende Bekanntheit verbessert sich auch die finanzielle Situation der Familie. Doch der Nationalsozialismus beendet diese glückliche Zeit, ab 1933 wird es zunehmend schwieriger für Ende seine Bilder zu verkaufen, so dass die Familie 1935 nach einer billigeren Wohnung sucht und schließlich nach Schwabing in eine Atelierwohnung in der Kaulbachstraße 90 umzieht.

Unterdrückung unter den Nationalsozialisten und Zweiter Weltkrieg

1936 wird von der Reichskulturkammer ein Berufs- und Ausstellungsverbot verhängt. Endes Malerei gilt als "Entartete Kunst" und ab 1937 werden erste Werke in Museumsbesitz beschlagnahmt. Ende arbeitet heimlich weiter, doch er kann an keinen Ausstellungen mehr teilnehmen und auch sein anfänglicher Erfolg im Ausland wird unterbunden. Die ökonomische Situation der Familie verschlechtert sich rasch, da seine Frau Luise nun allein für den Unterhalt sorgen muss, wofür sie Heilgymnastik und Massage erlernt.

1940 wird Edgar Ende zur Wehrmacht eingezogen und dient zunächst in einer Luftabwehr-Einheit in der Nähe von Köln, später kommt er an die Ostfront nach Polen. Er gerät 1945 in Liezen (Steiermark) in amerikanische Kriegsgefangenschaft, kommt jedoch sechs Wochen später, kurz nach Ende des Krieges wieder frei.

Bei einem britischen Fliegerangriff auf München im April 1944 brennt die Wohnung in der Kaulbachstraße und damit auch das Atelier des Malers ab. Über 250 Gemälde und Zeichnungen, sowie die gesamte Druckgrafik und sämtliche Radiervorlagen werden zerstört. Damit sind fast 70 Prozent seiner Werke vernichtet, nur wenige Gemälde können von dem Generaldirektor der Bayerischen Staatssammlungen Buchner gerettet werden, der sie vorher in Sicherheit gebracht hatte.

Nachkriegszeit und neue Erfolge

Akademie der Bildenden Künste München

Nach Kriegsende ist Ende 1946 Mitbegründer des Berufsverbandes Münchner Künstler, ein erneuter künstlerischer Aufschwung beginnt. Im selben Jahr findet eine Ausstellung im Carnegie Institute statt, die erste Ausstellung eines deutschen Malers nach dem Krieg. 1948 veröffentlicht er seine Autobiografie und nimmt zum ersten Mal an der Biennale in Venedig teil. Im folgenden Jahr wird er in die Ausstellungsleitung der Großen Münchner Kunstausstellung im Haus der Kunst gewählt, für die er sich bis 1961 engagiert, dreimal auch als deren Präsident.

1950 ist er Mitinitiator der Neugründung des Deutschen Künstlerbundes und der bis 1953 existierenden Internationalen Vereinigung der Surrealisten. 1953 trennt er sich von seiner Familie und lebt von nun an mit seiner Schülerin Lotte Schlegel zusammen. Im Jahr 1958 wird er Mitglied der CIAFMA (Centre International de l'Actualité Fantastique et Magique) in Brüssel. 1962 wird ihm der Seerosenpreis der Stadt München verliehen, im folgenden Jahr wird er Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste München. Im gleichen Jahr erleidet er einen ersten Herzinfarkt und verbringt einige Zeit im Krankenhaus.

Er zieht anschließend aufs Land, nach Netterndorf in der Nähe von München, in ein ehemaliges Schulhaus. Dort stirbt er an einem zweiten Herzinfarkt am 27. Dezember 1965. Edgar Ende ist auf dem Friedhof in Antholing begraben.

Werk

In seinen autobiografischen Schriften findet sich folgender Satz von Edgar Ende: "Die moderne Kunst führt zu neuen, nie bewusst betretenen Gefilden. Ein Abenteuer ist die Kunst, ein Vorstoß ins Unbekannte, eine Begegnung mit Dämonen und Engeln."

Von den geschätzten 1.200 Werken, die im Laufe seines Lebens entstanden sind, ist nur ein Bruchteil erhalten. Ein Großteil ging während des Zweiten Weltkriegs verloren (siehe oben).

Visionäre Kunst

Das umfangreiche Werk Edgar Endes steht in der Tradition der visionären Kunst. Die Ideen zu seinen Bildern entstehen in einer "Dunkelkammer", in die sich der Maler zurückzieht, um sich auf die Visionen in seinem Inneren zu konzentrieren. Zu diesem Zweck dunkelt er sein Atelier manchmal für mehrere Tage ab und wartet, sitzend oder auf einem Sofa liegend, bis Bilder vor seinem inneren Auge entstehen. Diese skizziert er dann mit Bleistift. Doch nicht alle dieser Skizzen werden sofort zu Bildern verarbeitet, sondern erst einmal beiseite gelegt, um Monate oder Jahre später wieder verwendet zu werden.

Michael Ende

Der Schriftsteller Michael Ende, Sohn des Malers, greift die Gedankenwelt des Vaters in verschiedener Weise auf (siehe Ende/Krichbaum 1985). Die Bilder Edgar Endes hatten unverkennbar starken Einfluss auf das schriftstellerische Schaffen seines Sohnes. Besonders deutlich zeigt sich dies in seinem Buch Der Spiegel im Spiegel, das eine Sammlung surrealistischer Texte zu Bildern von Edgar Ende darstellt.

Zu der Kunsthistorischen Bedeutung seines Vaters befragt äußerte sich Michael Ende wie folgt: "(...)Ich möchte doch sagen, dass Edgar Ende nach meiner Ansicht für die mitteleuropäische Malerei ein Rang zugestanden werden müsste, der in etwa dem von Magritte entspricht. Auch hinsichtlich der Wichtigkeit, die seine Bilder für die Kunstentwicklung damals hatten. Denn viele haben eigentlich von ihm gelernt, ohne es zuzugeben. Manche geben es auch zu. Ich habe z.B. mit verschiedenen Malern der Wiener Schule geredet, die gesagt haben, selbstverständlich, Ende ist unser Vater. Beispielsweise Ernst Fuchs, der sein Werk sehr gut kannte und der ihn außerordentlich schätzte. Mit Fuchs habe ich persönlich einen Abend darüber geredet, und er sagte, wir alle kennen Ende, uns ist Ende eine ganz wichtige Voraussetzung für unsere eigene Arbeit"

Abbildungen

siehe Abbildungen der Werke Edgar Endes

Ausstellungen (Auswahl)

Jahr  Ort  Ausstellung 
1919 Hamburg "Sezession"
1926 Hamburg Kunsthalle
1927 Hamburg "Europäische Kunst der Gegenwart"
1927 Berlin Galerie Neumann
1931 München Glaspalast
1933 New York Carnegie Institute
1934 Pittsburgh Carnegie International
1935 München Neue Pinakothek: Jubiläumsausstellung Münchner Neue Sezession
1938 Chicago Theobald Galleries
1946 Basel Kunsthalle
1946 Konstanz "Neue deutsche Kunst"
1946 Dresden Stadthalle: "Erste allgemeine deutsche Kunstausstellung"
1947 München Lenbachhaus: "1. Ausstellung Künstlerverband Neue Gruppe"
1948 Venedig Biennale
1948 Köln Kölnischer Kunstverein: „Alo Altripp/Edgar Ende“
1948 München Lenbachhaus: "2. Ausstellung Künstlerverband Neue Gruppe"
1951 Berlin Hochschule für Bildende Künste: "1. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1951 Kiel "Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts"
1952 Saarbrücken Saarland Museum: "Surrealistische Malerei in Europa - Peinture surréaliste en Europe"
1952 Venedig Biennale
1952 Köln "2. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1952 New York Museum of Fine Arts
1953 Hamburg "3. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1954 Frankfurt am Main "4. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1954 Venedig Biennale
1955 Hannover "5. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1955 Baden-Baden "6. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1957 Berlin "7.Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1957 Rom Galleria d’arte moderna: "Arte Tedesca"
1958 Essen "8. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1959 Wiesbaden "9.Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1960 München "10. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1962 Wien Künstlerhaus: "Surrealismus. Phantastische Malerei der Gegenwart"
1963 Stuttgart "13. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1964 Paris Galerie Charpentier
1966 Essen "16. Ausstellung Deutscher Künstlerbund"
1966 Brüssel Galerie Studio 65: "Fantasmagie"
1966 München Haus der Kunst: "Edgar Ende - Wilhelm Heise - Hans Meyboden"
1968 Schleswig Schloss Gottorf: "Heinrich Basedow, Edgar Ende, Franz Radziwill"
1972 München Haus der Kunst: "Surrealismus 1922-1942"
1974 Paris Musée des Arts Décoratifs: "Surrealismus 1922-1942"
1975 Berlin Akademie der Künste: "Als der Krieg zu Ende war. Kunst in Deutschland 1945-1950"
1977 München Haus der Kunst: "Große Münchner - Drei Jahrzehnte Neue Gruppe"
1987 München Haus der Kunst: "40 Jahre Neue Gruppe" sowie "Entartete Kunst: Dokumentation zum nationalsozialistischen Bildersturm"
1987 München Lenbachhaus: "Retrospektive"
1988 Hamburg Kunsthalle: "Retrospektive"
1988 Berlin Berlinische Galerie im Gropiusbau: "Stationen der Moderne"
1989 Tokio "Edgar Ende & Michael Ende"
1991 Mailand Palazzo della Permanente: "Der Traum offenbart das Wesen der Dinge"
1993 Moskau Puschkin-Museum: "Der Traum offenbart das Wesen der Dinge"
1997 München Haus der Kunst: "Große Kunstausstellung - 50 Jahre Neue Gruppe"
2001 Berlin Museum Zitadelle Spandau: "Der Spiegel im Spiegel. Edgar und Michael Ende"

Literatur

Ausstellungskataloge

  • Alo Altripp, Edgar Ende : Gemälde, Monotypien, Zeichnungen, Kölnischer Kunstverein, 1948
  • Heinrich Basedow, Edgar Ende, Franz Radziwill, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schleswig, Schloß Gottorf, 1968
  • Edgar Ende: Gemälde, Gouachen und Zeichnungen, Edition Weitbrecht, Stuttgart, 1984, ISBN 3-522-70260-3

Monografien

  • Michael Ende, Jörg Krichbaum: Die Archäologie der Dunkelheit. Edition Weitbrecht, Stuttgart 1985, ISBN 3-522-70190-9
  • Jörg Krichbaum (Hrsg.): Edgar Ende: Der Maler geistiger Welten, eine Monographie. Edition Weitbrecht, Stuttgart 1987, ISBN 3-522-70260-3
  • Volker Kinnius (Hrsg.): Edgar Ende, Visionen aus dem Dunkel. Die Gemälde der 20er und 30er Jahre. Kerber Verlag, Bielefeld 1998, ISBN 3-933040-08-6
  • Axel Hinrich Murken: Edgar Ende. Sein Leben und sein Werk. Seine kunsthistorische Stellung in der Malerei des 20. Jahrhunderts. Verlag Murken-Altrogge, Bonn 2001, ISBN 3-921801-94-X
  • U. Voswinckel: Von der Pension Nirwana ins Lenbachhaus. Der Maler Edgar Ende und München. München 1988

Weblinks


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