Sawety

Sawety
Ortsteil
Sawety/Kattenau
Заветы
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Kattow, Kattenaw,
(Gut) Kattenau (bis 1946)
Zeitzone UTC+3
Kfz-Kennzeichen 39, 91
Geographische Lage
Koordinaten 54° 40′ N, 22° 25′ O54.66666666666722.416666666667Koordinaten: 54° 40′ 0″ N, 22° 25′ 0″ O
Sawety (Russland)
Red pog.svg
Lage in Russland
Sawety (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Oblast Kaliningrad

Sawety (russisch Заветы, deutsch (Gut) Kattenau, lit. Zavetai) ist ein kleines Dorf in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Siedlung Furmanowka (Alt Kattenau, 1928–1946 Neu Trakehnen) in der Iljuschinskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Iljuschino (Milluhnen, 1938–1946 Mühlengarten)) im Rajon Nesterow (Kreis Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode).

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Sawety liegt zwölf Kilometer nördlich von Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen) und ist über den Abzweig beim Bahnhof Diwnoje Nowoje (Trakehnen) an der russischen Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) zu erreichen. Außerdem treffen in Sawety je eine Straße aus der Rajonshauptstadt Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) sowie aus Dobrowolsk (Pillkallen, 1938–1946 Schloßberg) über Sadowoje (Jentkutkampen, 1938–1946 Burgkampen) zusammen.

Die nächste Bahnstation ist Diwnoje Nowoje (Trakehnen) an der Bahnstrecke von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) nach Nesterow zur Weiterfahrt nach Litauen (Teilstück der früheren Preußischen Ostbahn). Bis 1945 bestand außerdem Bahnanschluss über die Station Swirgallen (1936–1938 Schwirgallen, 1938–1946 Eichhagen, heute russisch: Sawodskoje) an der Bahnstrecke von Tilsit (Sowetsk) nach Stallupönen (1938–1946 Ebenrode).

Geschichtliches

Das Gebiet des heutigen Rajon Nesterow war bis in das 16. Jahrhundert hinein nicht besiedelt. Es bildete so einen geeigneten Schutzwall gegen feindliche Eindringlinge aus dem Osten. Vertraglich allerdings war die Grenze zwischen dem Deutschen Orden und Litauen bereits seit 1422 festgelegt. Aber erst unter Herzog Albrecht von Preußen, Ordenshochmeister, siedelten hier Menschen an. Die erste urkundlich bekannte Siedlung war Kattow, das spätere „Kattenau“.

Das Gut Kattenau erwarb August Schawaller im jahre 1838 vom Amtsrat Major, der gleichzeitig Oberamtmann im Remontedepot Kattenau war. Die Familie Schawaller (aus der Schweiz stammend) besaß damals bereits das Gut Dörschkehmen (1938–1946 Derschau) im Landkreis Pillkallen. August Scawaller kaufte kleine Höfe am Rande des Gutswaldes Kattenau hinzu und bildete daraus das Vorwerk Amalienau (zwischen Jentkutkampen (Sadowoje) und Swirgallen (Sawodskoje), benannt nach seiner Frau Amalie. Gut Kattenau war damals 576 Hektar groß.

Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Kattenau 96 Einwohner gegenüber 619 Einwohnern der Landgemeinde Kattenau[1]. Beide gehörten zum Landkreis Stallupönen im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Kattenau in die Landgemeinde Kattenau eingegliedert. 1933 lebten hier 734 Menschen. Mit dem südlich gelegenen Vorwerk Alt Kattenau (1928–1946 Neu Trakehnen, russisch: Furmanowka) grenzte Kattenau unmittelbar an die Ländereien von Trakehnen (russisch: Jasnaja Poljana), weiter südöstlich lag das Vorwerk Neu Kattenau (Neschinskoje). Am 1. Oktober 1937 wurde in die Gemeinde Kattenau die Gemeinde Mikuthelen eingegliedert, und 1939 wurden in Kattenau 696 Einwohner gezählt[2].

Nach 1945 kam Kattenau zur Sowjetunion und erhielt ab 1946 den Namen Sawety. Das Dorf ist heute Ortsteil der Siedlung Furmanowka in der Landgemeinde Iljuschino im Rajon Nesterow in der russischen Oblast Kaliningrad.

Amtsbezirk Kattenau (1874–1945)

Kattenau war zwischen 1874 und 1945 namensgebender Ort und Sitz des Amtsbezirks Kattenau (neben dem Amtsbezirk Alt Kattenau, der 1931 in „Amtsbezirk Neu Trakehnen“ umbenannt wurde)[3]. Er wurde am 24. Juni 1874 aus neun Landgemeinden und einem Gutsbezirk gebildet:

Name (bis 1938) Name (1938–1946) Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Degimmen -- -- bereits 1908 nicht
mehr genannt
Dräweningken Dräwen --
Kattenau Kattenau Sawety
Kiaulacken Quellbruch --
Mikuthelen -- -- 1937 nach Kattenau eingemeindet
Noruszuppen (Noruschuppen) Altenfließ --
Schwentakehmen Schwanen --
Tutschen Tutschen Watutino
Willkinnen Willdorf Scholochowo
Gutsbezirk:
Kattenau -- -- 1928 in die Gemeinde
Kattenau eingegliedert

Am 1. Januar 1945 gab es noch sieben Gemeinden, die den Amtsbezirk Kattenau bildeten und von denen heute nur noch drei Orte existieren: Altenfließ, Dräwen, Kattenau (Sawety), Quellbruch, Schwanen, Tutschen (Watutino) und Willdorf (Scholochowo).

Sawetinski sowjet (bis 2008/2009)

Bis zu einer umfangreichen Strukturreform in der Oblast Kaliningrad im Jahre 2008/2009[4] war Sawety zentraler Ort des nach ihm benannten Sawetinski sowjet (Dorfsowjet) mit 16 Siedlungen:

Heutiger Name Deutscher Name (bis 1938) Deutscher Name (1938–1946)
Большое Мостовое
(Bolschoje Mostowoje)
Jucknischken Föhrenhorst
Брикетное (Briketnoje) Neu Budupönen Neupreußenfelde
Ватутино (Watutino) Tutschen Tutschen
Вишнёвое (Wischnjowoje) Kummeln Kummeln
Высокое (Wyssokoje) Schilleningken Hainau
Воронцово (Woronzowo) Bersbrüden Bersbrüden
Заводское (Sawodskoje) Swirgallen (Schwirgallen) Eichhagen
Зелёное (Seljonoje) Grünhaus Grünhaus
Калиново (Kalinowo) Alt Budupönen Altpreußenfelde
Кубанское (Kubanskoje) Eyßeln Eyßeln
Нежинское (Neschinskoje) Neu Kattenau Neu Kattenau
Орловское (Orlowskoje) Kalbassen Schwaighöfen
Садовое (Sadowoje) Jentkutkampen Burgkampen
Симоновка (Simonowka) Uschdeggen Raineck
Фурмановка (Furmanowka) Alt Kattenau (bis 1928) Neu Trakehnen(ab 1928)
Шолохово (Scholochowo) Willkinnen Willdorf

Burg Otholichien

Nicht weit von der später erbauten Kirche entfernt befand sich auf einem Hügel, der wie künstlich aufgeschüttet wirkte, die pruzzische Wallburg Otholichien. Sie wurde 1274 vom Orden zerstört.

Kirche

Kirchengebäude

In Kattenau entstand nach Pillupönen (1938–1946 Schloßbach, heute russisch: Newskoje) 1560 die zweite Kirche in der Region Stallupönen. Ein Nachfolgebau von 1755 brannte 1805 ab und wurde 1811 durch einen schlichten Saalbau ohne Turm ersetzt. Die Glocken hingen in einem separaten hölzernen Glockenstuhl auf der Westseite.

1944/1945 wurde die Kirche kaum beschädigt. Danach jedoch wurde sie von einem Landwirtschaftsbetrieb als Lagerraum zweckentfremdet. Im Jahre 1980 gab man sie auf und sie verfiel. 1992 wurden die Ruinenreste abgerissen.

Kirchengemeinde

Im Zuge der Besiedlung im 16. Jahrhundert, gleichzeitig mit der Einführung der Reformation entstanden durch Urbarmachung Bauernstellen, die zu Kirchspielen zusammengefasst wurden, in deren Mittelpunkt Kirchen entstanden. So wurde auch Kattenau frühzeitig ein Kirchdorf, zu dem ab 1589 ein Pfarrsitz gehörte. Die Predigtsprache war jahrhundertelang die litauische Sprache, weil sie auch Umgangssprache war.

Einst der Inspektion Insterburg (Tschernjachowsk) zugehörig war das von einer überwiegend evangelischen Bevölkerung bewohnte Kattenau bis 1945 Teil des Kirchenkreises Stallupönen (1938–1946 Ebenrode) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Zeit der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in Sawety zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand im benachbarten Jasnaja Poljana (Groß Trakehnen) eine neue evangelische Gemeinde vornehmlich aus Russlanddeutschen, die sich der neugebildeten Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland eingliederte. Die zuständigen Pfarrer sind die der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen).

Pfarrer 1560-1945

In Kattenau amtierten von der Reformationszeit bis zum Zweiten Weltkrieg als evangelische Geistliche[5]:

  • Jacob Hoffman, bis 1575
  • NN., 1576
  • George Buchholtz, bis 1595
  • Caspar Machler, 1595–1635
  • Justin Gallus, ab 1632
  • Johann Klein, 1633–1662
  • Ernst Ditzel, 1659–1661
  • Theophilus Schultz, 1662–1673
  • Philipp Ruhig, 1674–1675
  • Michael Schultz, 1675–1710
  • Sebastian Beier, 1692–1695
  • Friedrich Behrent, 1695–1700
  • Alexander Feiff, 1700–1707
  • Christian Musculus, 1707–1710
  • Johann Gabriel Krause, 1710–1726
  • Heinrich Günther Plewe, 1727–1751
  • Carl Gustav Voß, 1751–1767
  • Johann Andreas W.M. Zippel, 1767–1790
  • Friedrich Gottlieb Hahn, 1790–1805
  • Friedrich Hassensetin, 1805–1813
  • Benjamin Lebrecht Hinz, 1813–1824
  • Carl L.Th. Kalau vom Hofe, 1824–1849
  • Wilhelm August Fritz, 1850–1882
  • Christoph Gottlieb Pohl, 1882–1903
  • Hermann Robert Jopp, 1903–1909
  • Arthur Br. Hch. Pipirs, 1910–1924
  • Hermann Pilzecker, 1925–1937
  • Klaus Wegner, 1937–1945

Die Pfarrer Michael (Johann) Schultz (litauisch: Jonas Šulcas) , Johann Klein (Jonas Kleinas), Ernst Ditzel (Ernestas Dicelijus), Theophil Schultz (Teofilis Šulcas) und Christoph Pohl (Kristofas Polis) traten hervor in ihrem Einsatz für die litauische Sprache und die Pflege des litauischen Brauchtums.

Persönlichkeit des Ortes

  • Philip Ruhig (litauisch: Pilypas Ruigys), (* 31. März 1675 in Kattenau), lutherischer Theologe, Philosoph und Philologe

Verweise

Weblinks

Fußnoten

  1. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  2. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Kattenau
  4. Gesetz über die Zusammenlegung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni /1. Juli 2009 nebst Anlagen: Gesetz Nr. 258 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  5. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968

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