Lancaster-Tetralogie


Lancaster-Tetralogie

Die Lancaster - Tetralogie gehört zu William Shakespeares Historien, die thematisch eine eigene Gattung darstellen, in der die englische Geschichte ausgeleuchtet wird - insbesondere der im Tudor-Mythos zur Ruhe kommende Konflikt von Gottesgnadentum und Usurpation bzw. Widerstandsrecht. Ästhetisch betrachtet nutzt Shakespeare in den Historien sowohl die Form der Tragödie (Richard II.) als auch die der Komödie (Heinrich IV. mit der Falstaff-Handlung).

Historischer Hintergrund

Der historische Stoff der Königsdramen der der Lancaster-Tetralogie zu Grunde liegt, übte auf die Menschen des elisabethanischen Englands eine besondere Faszination aus, da die Ereignisse keine zwei Jahrhunderte zurücklagen und dennoch bis in ihre Gegenwart nachwirkten. Edward des III. zweit geborener Sohn John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster begründet die Herrscherlinie des Hauses Lancaster, sein Sohn besteigt den Thron als Heinrich IV. (Henry IV.). Der legitime aber unfähige König Richard II., Sohn des „Schwarzen Prinzen“ von Wales, Edward, wird von Heinrich IV. verdrängt und kommt im Tower of London ums Leben. Heinrich V. setzt im Krieg die englischen Besitzansprüche auf Frankreichs Thron durch. Heinrich VII. schließt mit der Gründung des Hauses Tudor diese Epoche ab.

Die Dramen

Richard II. (King Richard II.; zwischen 1590 und 1599, gedruckt 1597)
Heinrich IV.
Teil 1 (King Henry IV., Part 1; um 1595/96, gedruckt 1598)
Teil 2 (King Henry IV., Part 2; um 1597, gedruckt 1600)
Heinrich V. (King Henry V.; 1599, gedruckt 1600 (Raubdruck))


Richard II.

Im ersten Teil der „Lancaster-Tetralogie“ entwirft Shakespeare die faszinierende Charakterstudie des rechtmäßigen, aber „unfähigen“ Königs Richard II., der erst im Untergang seine persönlichen Grenzen und die der politischen Macht erkennen kann. Und er schildert den Aufstieg des weltmännischen Usurpators Bolingbroke, der sich mit Machtwillen und politischem Kalkül vom Entrechteten zum Herrscher aufschwingt und eine neue Welle politischer Gewalt auslöst. Eine niederschmetternde Analyse der Entwicklung von Macht: Jeder neue König ertrinkt wieder im eigenen oder fremden Blut.

Heinrich V.

Heinrich V. erweist sich wider Erwarten als erfolgreicher Machtpolitiker und Kriegsherr. Um von den innenpolitischen Konflikten abzulenken, führt er England in einen erbarmungslosen Krieg gegen Frankreich. Der endlich errungene Friede währt nicht lange. Heinrich V. stirbt früh und hinterlässt sein Königreich einem Kind – dem konfliktscheuen und melancholischen Heinrich VI. Unter seiner Regentschaft bricht der Bürgerkrieg zwischen der weißen Rose der Yorks und der roten Rose der Lancasters offen aus. Aus dem Gemetzel der „Rosenkriege“ geht schließlich Richard III. als Diktator hervor (ein weiteres Drama von Shakespeare,siehe auch York-Tetralogie, Richard III.).

Quellen

  • King Henry V , König Heinrich V. - Herausgeber Dieter Hamblock, Verlag Philipp Reclam ISBN 3-15-009899-8
  • DER VOLKS-PLOETZ - Auszug aus der Geschichte 5. Auflage, Verlag Ploetz Freiburg·Würzburg ISBN 3-87640-351-0

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