Gerblingerode

Gerblingerode
Gerblingerode
Koordinaten: 51° 30′ N, 10° 16′ O51.49416666666710.261944444444186Koordinaten: 51° 29′ 39″ N, 10° 15′ 43″ O
Höhe: 186 m ü. NN
Einwohner: 1.738 (1. Juni 2010)
Eingemeindung: 1973
Postleitzahl: 37115
Vorwahl: 05527
ehemaliges Gemeindewappen von Gerblingerode

Gerblingerode ist ein Ort im Landkreis Göttingen in Niedersachsen und liegt an der Bundesstraße 247 zwischen Teistungen und Duderstadt, ein Kilometer südlich von Duderstadt an der Landesgrenze zu Thüringen. Das zum Untereichsfeld gehörende Dorf ist seit 1973 ein Ortsteil der Stadt Duderstadt und hat rund 1738 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gerblingerode wurde 1151 als Gerewardingeroth erstmals urkundlich erwähnt. Diese Erwähnung fand in der Chronik des Nonnenklosters Lippoldsberg statt, wobei angegeben ist, dass in dessen Besitzungen auch Zehntrechte in Cherewardingeroth gehörten. Von 1432 bis 1815 war der Ort ein Ratsdorf der Stadt Duderstadt. Dieser war Gerblingerode zu Lieferungen bezüglich von Naturalabgaben und Dienstleistungen verpflichtet. Im Bauernkrieg lagerte das Bauernheer im Mai 1525 einen Tag lang zwischen Gerblingerode und Duderstadt, Ihre Anführer, Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiffer, quartierten sich dabei in der Kirche zu Gerblingerode ein, wo sie auf eine Abordnung Duderstadts warteten. Der Duderstädter Bürgermeister Hesse erreichte, dass Müntzer von einer Zerstörung Duderstadts absah. Einer der Anführer entdeckte im Tabernakel der Kirche einen Kelch, den der Probst zu Teistungenberg dort abgestellt hatte, entweihte ihn und nahm den Kelch als Beute an sich. Ähnlich wie die anderen Dörfern des Untereichsfelds litt auch Gerblingerode unter den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts. So erlebte der Ort Plünderungen und wurde zu Einquartierung und Kontributionszahlungen, unter anderem in Form von Brot, Fleisch, Getreide und Bier, verpflichtet. Im Jahre 1630 legte General Tilly der Stadt Duderstadt und seinen Ratsdörfern eine Zahlung von insgesamt 21.000 Reichstalern auf, wobei in den Jahren von 1632 bis 1636 die Ratsdörfer die Summe von 18.400 Reichstalern an den Kurfürsten von Braunschweig sowie an den Herzog von Braunschweig entrichteten.[1] Gerblingerode lieferte dabei unter anderem 1636 144 Reichstaler, 21 Groschen und 11 Pfennig zu Kontributionszwecken ab. Weitere Zahlungen, allerdings in Naturalien, sind für das Dorf im Jahre 1645 belegt. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges litt der Ort weiterhin an durchziehenden Armeen, so schritten 1675 und 1705 hannoversche und brandenburgische Truppen durch Gerblingerode und bezogen dort auch Quartier.

Zwischen den Jahren 1700 und 1718 stagnierte die Einwohnerentwicklung Gerblingerodes, bis es in den Jahren zwischen 1718 und 1744 zu einer erneuten Abnahmekam. Die Gründe dafür sind in dem spürbaren Mangel, den hohen Teuerung des Jahre 1720, der viele Eichfelder dazu brachte, nach Ungarn auszuwandern, sowie den Viehseuchen der Jahre 1724 / 1725, Misswüchse und einem Großbrand vom 11. März 1718 zu suchen, bei dem von den insgesamt 33 Häusern 25 in Schutt und Achse gelegt wurden. Ein epidemisches Fieber suchte die Bevölkerung Duderstadts in den Jahren 1737 / 1738 heim und griff auch auf Gerblingerode über. Mit der Einführung von Manufakturen und Webstühlen ab 1750 fand wiederum ein, bis 1816 anhaltendes Bevölkerungswachstum statt, so waren 1772 bereits 52 Wollweber in Gerblingerode ansässig, welche jenes Handwerk als Nebentätigkeit ausübten. Gleichzeit fand auch ein Strukturwandel statt, da man sich nun vermehrt auf das Manufakturwesen konzentrieren konnte und allmählich von dem Ackerbau, und dem dazugehörigen Handwerk, sich abkehrte. Bis 1816 sollte sich die Einwohnerzahl des Ortes verdreifachen, der Ort belegte damals, mit seinen Einwohnern, den vierten Platz innerhalb der 11 Ratsdörfer Duderstadts.

Im Siebenjährigen Krieg erlitt Gerblingerode weitere Rückschläge, da es indirekt in die Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich verwickelt wurde. Dies geschah dadurch, dass der Mainzer Kurfürst Johann Friedrich Karl sich auf die Seite von Maria Theresia stellte, womit das Eichsfeld von allen Seiten von Feinden umgeben war, da dessen protestantische Nachbargebiete den preußischen König Friedrich II. unterstützten. Dieses Bündnis mit Österreich sollte dem Eichsfeld teuer zu stehen kommen, wie man am Beispiel Gerblingerodes erkennen kann. Als 1758 hannoversche Truppen in das Eichsfeld einfielen, verpflichtete man alle Einspänner Fouragefuhren in die Lande Kurhannovers zu verrichten. Die Bauern aus Gerblingerode hatten demnach vier Fuhren, in der Zeit vom 4. Dezember 1758 bis zum 25. Februar 1759, abzuleisten. Weiterhin war der Ort verpflichtet, Einquartierungen vorzunehmen, Proviantfuhren und Kontributionszahlungen abzuleisten. Für das Jahr 1759 wird für diese Zahlungen ein Betrag von insgesamt 173 Reichstaler, 22 Groschen und 4 Pfennigen genannt. Vier Jahre später finden sich in den Zahlungen auch Naturalabgaben in Form von 19 Pferden, 50 Rindern und 32 Schafen wieder. Der Grund für die zusätzlichen Abgaben war die im Februar 1763 von Preußen eingeführte „extraordinäre“ Kopf-, Vermögens- und Nahrungssteuer. Als eine letzte Steuer führte Preußen noch im selben Jahr die Brandschutzsteuer ein, welche 1739 Reichstaler, 6 Groschen und 6 Pfennige betrug. Die enormen Belastungen, unter denen Gerblingerode 1756 bis 1763 litt, wurden durch die zahlreichen Durchmärsche und Einquartierungen von französischen, preußischen, alliierten, hannoverschen und hessischen Truppen unterstrichen. Die Gesamtkosten bezifferten sich auf 18.773 Fürstengulden und 54 dreiviertel Kreuzer.

Knapp einen Kilometer südlich des Dorfes gab es von 1972 bis zur Wiedervereinigung 1990 einen innerdeutschen Grenzübergang zur DDR („Kleiner Grenzverkehr“).

Das Ortswappen

Das Ortswappen ist zweigeteilt und in Gold, Schwarz und Rot gehalten. Der obere Teil zeigt zwei schwarze Äbtissinnenstäbe auf goldenem Grund. Diese symbolisieren die Zugehörigkeit zum Zisterzienserinnenkloster Teistungenburg. Das nahe Kloster besaß in früheren Zeiten zahlreiche Gebäude und Grundstücke in der Gemeinde und weihte auch den Ortspriester. Gleichzeitig gehörte Gerblingerode natürlich auch zur Stadt Duderstadt und deswegen wurde auch das Wappen der Stadt in das eigene aufgenommen. Dieses zeigt sich an zwei goldenen Löwen ("Leoparden, siehe Wappenurkunde") auf rotem Grund in der unteren Hälfte des Wappens.

In der heutigen Form und Farbgebung führt Gerblingerode das Wappen seit dem 2. Juni 1951.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Mariä Geburt

Der gelbe, schiefergedeckte Klinkerbau, welcher aus dem Jahre 1970 stammt, stellt die noch relative junge Pfarrkirche Mariä Geburt in Gerblingerode dar. Sie besitzt zudem einen freistehenden, 32 m hohen Glockenturm aus drei übereck angeordneten Betonpfeilern und wird gekrönt durch ein dreiansichtiges Kreuz mit einer Höhe von 2,50 m. Zwei Vorgängerbauten existierten vor der heutigen Pfarrkirche, wobei eine davon ein Backsteinbau war, der 1895 nach Plänen von Paschalis Gratze errichtet wurde. Der Franziskaner aus Hülfenberg im Obereichsfeld zeichnete sich daneben noch für weitere Kirchenbauten im Untereichsfeld aus. So erstellte er unter anderem ebenfalls Pläne für die Kirchen in Brochthausen und Breitenberg. Der zweite Vorgängerbau stellte eine Barockkapelle dar, die als Zentrum für die ehemalige Gerblingeröder Wallfahrt bekannt war. Der Braunschweiger Architekt Wolfgang Tschirwitz strebte bei der Errichtung der neuen Kirche eine bauliche Einheit des Sakralraums sowie der angegliederten Nebenräume an. Sie sollten als Pfarrzentrum dienen. Der Kirchenraum selbst stellt sich als ein langgezogenes Sechseck dar und wird durch eine holzgetäfelte Pyramidendecke überspannt. Im weiträumigen und durch einige Stufen erhöhten Altarraum im westlichen Bereich der Kirche befindet sich der Tabernakel. Er wurde aus farbigem Email und Kupfer hergestellt und trägt eine geometrische Ornamentik. Blockhaft und aus weißem Stein präsentiert sich dagegen der Altar, über welchem ein Barockkruzifix angebracht ist. Hinterfangen wird es durch eine ornamentierte Metallplatte in einer abgewandelten Kreuzform. Der einstmalige Mittelpunkt der bereits 1439 erwähnten Marienwallfahrt, eine gotische Maria-Kind-Gruppe, fand seitlich des Altars vor einem weißen Steinblock mit flammenartiger Mandorla einen neuen Platz. Die Decke wird durch Oberlichter durchbrochen, daneben befinden sich an der Nordwand vier farbige Glasfenster mit Passionsdarstellungen.

Politik

Ortsbürgermeister ist Dieter Thriene (CDU).

Wirtschaft und Infrastruktur

Mit der Einführung des Tabakanbaus in Duderstadt im Jahre 1660 verbreitete sich die Anpflanzung des Gewächses relativ rasch im gesamten Gebiet des Eichsfeldes. Genügend menschliche Arbeitskräfte, welche den geringen Arbeitseinsatz von Tieren kompensieren konnten, erlaubten es, den Tabakanbau auch in Gerblingerode zu betreiben. Liegen die Zahlen über die Pflanzer in den Anfangsjahren noch im dunklen, so bezeugen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1843, dass im Ort bereits 83 Pflanzer ansässig waren. Bis in das Jahr 1938 sollte die Anzahl noch auf 140 steigen. Die hohe Bedeutung, die der Tabak für Gerblingerode besaß, brachte es mit sich, dass die Firma Engelhardt und Biermann im Januar 1875 ihre zweite Zigarrenfabrik im untereichfeldischen Raum, die erste wurde 1871 in Duderstadt errichtet, eröffnete. Neben der Fertigung der Zigarren in der Fabrik gesellte sich noch die Produktion derselben in Heimarbeit. Im Jahre 1912 zählte man 12 % der eichsfeldischen Zigarrenproduktion als Heimarbeit, in Gerblingerode verrichteten 1914 insgesamt neun Personen die Zigarren in Heimarbeit. Diese Zeit beschreibt zudem auch die Blüte der örtlichen Zigarrenproduktion mit den meisten Beschäftigten. In den folgenden Dekaden des 20. Jahrhunderts nahm die Gesamtzahl der Arbeiter kontinuierlich ab, so waren noch 1921 75 Arbeiter beschäftigt, während man 1965 lediglich nur noch 33 Personen zählte. Das Jahr 1965 stellt gleichzeitig die Schließung der Gerblingeröder Zigarrenfabrik dar, welche am 26. Februar ihre Pforten schloss.

Literatur

  • Hans Geisenhanslüke: Gerblingerode. Geschichtliche Entwicklung eines Dorfes. Mecke, Duderstadt 2001, ISBN 978-3-932752-76-6.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans Geisenhanslüke: Gerblingerode. Geschichtliche Entwicklung eines Dorfes. Mecke, Duderstadt 2001, S. 43.

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