Erich Roßmann

Erich Roßmann
Erich Roßmann

Erich Hermann Roßmann (* 10. Januar 1884 in Pößneck (Sachsen-Meiningen, heute Thüringen); † 29. September 1953 in Meran) war ein deutscher Politiker der SPD.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Der als Sohn eines Arbeiters geborene Erich Roßmann wurde im Jahre 1902 Mitglied der SPD. Er arbeitete von 1904 bis 1915 als Redakteur bei der Schwäbischen Tagwacht, dem Organ der württembergischen SPD in Stuttgart und bei der Donau-Wacht in Ulm. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er die Position eines Regierungsrats im Reichsarbeitsministerium und war Vorsitzender des Reichsbundes der Kriegsopfer sowie Direktor des Versorgungsamtes Stuttgart.[1] Als Nachfolger von Otto Steinmayer war Roßmann von 1924 bis 1933 Landesvorsitzender der SPD in Württemberg und somit neben Wilhelm Keil und später Kurt Schumacher einer der bedeutenden Politiker in der württembergischen SPD. Von 1924 bis 1933 gehörte Erich Roßmann dem Reichstag an, war aber nie Mitglied im württembergischen Landtag oder in einem Ministeramt auf Landes- beziehungsweise Reichsebene tätig.

Politik

Im für die SPD so erfolgreichen Wahlkampf 1928 zur württembergischen Landtags- und zur Reichstagswahl warf Roßmann den Kommunisten vor, diese hätten der Arbeiterklasse nach dem verlorenen Krieg suggeriert, dass der „Trümmerhaufen in wenigen Jahren in ein Paradies zu verwandeln“ sei, und dieser „Wechselwirkung von Schwindel und Leichtgläubigkeit“ verdanke die KPD ihre Existenz.[2] Auf dem SPD-Parteitag in Magdeburg vom 26. bis 31. Mai 1929 befürwortete Roßmann mit Wilhelm Keil und den meisten württembergischen Delegierten das Wehrprogramm der SPD, welches von Kurt Schumacher wegen der Demokratieferne der Reichswehr abgelehnt wurde. Nach dem Scheitern der letzten demokratischen Reichsregierung der Weimarer Republik reklamierte Roßmann mit einer Rede auf der württembergischen SPD-Landesversammlung am 10. August 1930 die Rechte der SPD auf politische Teilhabe gegen die „Anmaßungen der bürgerlichen Parteien“.[3] Auf dem Parteitag der SPD in Leipzig vom 31. Mai bis 5. Juni 1931 verteidigte Roßmann die Tolerierungspolitik der SPD-Reichstagsabgeordneten gegenüber der Regierung Brüning.[4] Am 22. Juni 1932 erließ der württembergische Landesvorstand der SPD eine Warnung, dass Unterorganisationen der SPD vor Ort auf keinen Fall mit kommunistischen Organisationen in Verhandlungen treten dürfen.[5] Der massiven Gewalt und dem wachsenden politischen Erfolg der NSDAP stand Roßmann zunehmend ratlos gegenüber und betonte stets die Schuldlosigkeit der SPD am kommenden Unheil[6] und die großen Verdienste der Sozialdemokratie, so auch auf einer Kundgebung der SPD in Stuttgart am 28. Juli 1932 vor 10.000 Zuhörern.[7] Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und der Reichstagswahl vom 5. März 1933 resignierte Roßmann wie auch Keil und sie setzten beide auf ein eventuelles Arrangement mit dem Nationalsozialismus. Damit befanden sie sich im Einklang mit der Berliner SPD-Parteiführung,[8] brachten jedoch die SPD in Stuttgart und insbesondere Kurt Schumacher völlig gegen sich auf.

Entrechtung ab 1933 und Rehabilitierung nach 1945

Trotz seiner Haltung wurde Roßmann am 23. Juni 1933 in Stuttgart verhaftet und ins Konzentrationslager Heuberg abtransportiert.[9] Mitte Oktober 1933 wurde er ins KZ Oberer Kuhberg nach Ulm gebracht und dort am 24. Oktober 1933 aus der sogenannten Schutzhaft entlassen, so dass er zu seiner Familie nach Stuttgart zurückkehren konnte. Am 25. August 1944 wurde er im Zuge der Aktion Gitter erneut verhaftet und schließlich bis Ende Oktober 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er Generalsekretär des Süddeutschen Länderrats und von 1948 bis 1949 Intendant von Radio Stuttgart.

Veröffentlichungen

  • Autobiographie: Ein Leben für Sozialismus und Demokratie. Verlag Rainer Wunderlich, Stuttgart 1946

Quellen und Anmerkungen

  1. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 67
  2. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 66
  3. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 238
  4. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 295
  5. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 395
  6. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 402
  7. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 404
  8. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 475
  9. Thomas Kurz: Feindliche Brüder… , Seite 466

Literatur

  • Walther Killy: Deutsche Biographische Enzyklopädie. K.G. Saur, München 1995, Band 8, Seite 406
  • Thomas Kurz: Feindliche Brüder im deutschen Südwesten. Sozialdemokraten und Kommunisten in Baden und Württemberg von 1928 bis 1933. Duncker & Humblot, Berlin 1996
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1. 

Weblinks


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