Robert Zoellick


Robert Zoellick
Robert Zoellick (2008)

Robert Bruce Zoellick [ˈɹɑːbɚt bɹuːs ˈzɛlɪk] (* 25. Juli 1953 in Naperville, Illinois) ist ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei). Er gehörte den Regierungen der US-Präsidenten George Bush und George W. Bush an. Seit dem 1. Juli 2007 ist Zoellick Präsident der Weltbank.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Robert Zoellick wurde als Sohn von William T. und Gladys Zoellick geboren. Die Familie hat deutsche Vorfahren, deren Wurzeln vermutlich nach Rostock zurückreichen. Zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder, William (Zoellick jr.), wuchs er in Naperville auf. Nachdem er 1971 die Naperville Central High School abgeschlossen hatte, ging er aufs Swarthmore College, wo er 1975 seine Ausbildung als Mitglied der akademischen Verbindung Phi Beta Kappa abschloss. An der Harvard Law School studierte er Jura und an der Harvard’s University John F. Kennedy School of Government Politikwissenschaften. Im Jahre 1981 schloss er seine Studien mit einem J.D. (wiederum mit Auszeichnung, magna cum laude) bzw. dem M.P.P. (Master of Public Policy) ab.

Politische Ämter

Von 1985 bis 1988 war Zoellick in verschiedenen Positionen im Finanzministerium tätig. Während der Regierungszeit Ronald Reagans war er unter anderem Berater von Finanzminister James Baker.

Zoellick gilt auch als Deutschland-Kenner. Nach dem Mauerfall hatte er sich als US-Chefunterhändler bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen für eine zügige Wiedervereinigung eingesetzt. Für sein hervorragendes Engagement um die deutsche Wiedervereinigung erhielt er 1992 das Bundesverdienstkreuz (Ordensstufe: Großes Verdienstkreuz mit Stern) vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Unter Außenminister Baker wurde Zoellick Abteilungsleiter für wirtschaftliche und landwirtschaftliche Angelegenheiten (Under Secretary of State for Economic and Agricultural Affairs) und Berater des Ministers. Im August 1992 wurde er stellvertretender Stabschef (White House Deputy Chief of Staff) und persönlicher Berater des Präsidenten.

In der Wirtschaft

1993 verließ er den Staatsdienst und war bis 1997 Vizepräsident der HypothekenbankFannie Mae(Federal National Mortgage Association). Anschließend war er Professor für National Security an der United States Naval Academy (1997 bis 1998), forschte am Belfer Center for Science and International Affairs der Universität Harvard und war Berater für internationale Agenden der Investmentbank Goldman Sachs.

Haltung zum Irak vor dem Krieg

1998 gehörte Zoellick, neben Richard Armitage, John R. Bolton, Francis Fukuyama, Robert Kagan, Zalmay Khalilzad, Richard Perle, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz, zu den Unterzeichnern eines Briefes des neokonservativen Think Tanks Project for the New American Century an den damaligen Präsidenten Bill Clinton, in dem vor der Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen gewarnt und vehement die Entmachtung Saddam Husseins („[…] removing Saddam Hussein and his regime from power“) gefordert wurde.[1] Fünf Jahre später, nachdem George W. Bush Präsident geworden war und nach den Terroranschlägen am 11. September 2001, nannte die US-Regierung, der nun die Mitunterzeichner Rumsfeld als Verteidigungsminister, Wolfowitz als dessen Stellvertreter, Armitage als Vize-Außenminister und Perle als Vorsitzender des Defense Policy Board Advisory Committee angehörten, die selben Argumenten bei ihrer Begründung für den Irakkrieg.

In der Außenpolitik

Robert Zoellick mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe (2006)

Während des Wahlkampfes zur Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 war Zoellick als Mitglied einer Gruppe („The Vulcans“) um Condoleezza Rice Berater George W. Bushs für Außenpolitik. Nach der Wahl gehörte er von 2001 bis 2005 als Handelsvertreter der Vereinigten Staaten dem Kabinett Präsident Bushs an und war für die internationale Handelspolitik der USA verantwortlich. In dieser Position war er an den Verhandlungen zum Beitritt der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) zur Welthandelsorganisation (WTO) und der WTO-Ministerkonferenz in Doha beteiligt. Weiters setzte er sich für die Schaffung des zentralamerikanischen Freihandelsabkommens (Central American Free Trade Agreement, DR-CAFTA) ein.

Am 7. Januar 2005 nominierte ihn der Präsident zum Vizeaußenminister unter Condoleezza Rice; am 22. Februar trat Zoellick das Amt im Außenministerium an. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war eine Neuausrichtung der US-Politik in Bezug auf China. Am 19. Juni 2006 gab er seinen Rücktritt bekannt und kündigte an, als Direktor und Vorsitzender der internationalen Abteilung zu Goldman Sachs zurückzukehren.[2] Grund dafür war Medienberichten zufolge, dass er von George W. Bush nicht zum Nachfolger des Finanzministers John W. Snow ernannt wurde, dessen Amtszeit am 7. Juli 2006 endete.[3]

Weitere Ämter

Zoellick ist bzw. war auch Aufsichtsratsmitglied verschiedener Unternehmen, darunter Alliance Capital, Said Holdings und der Precursor Group, Berater von Enron und Viventures (ein Risikokapital-Fonds) und Direktor der Strategie-Gruppe des Aspen-Instituts. Unter Verteidigungsminister William Cohen gehörte er dem Defense Policy Board Advisory Committee an.

Zoellick ist darüber hinaus Mitglied der Think-Tanks Council on Foreign Relations und Trilaterale Kommission. Zudem war er viermal Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz.

Weltbank

US-Präsident George W. Bush schlug Zoellick am 29. Mai 2007 als Nachfolger für den zurückgetretenen Paul Wolfowitz für das Amt des Präsidenten der Weltbank vor. Am 25. Juni bestätigte der Exekutivrat der Weltbank die Wahl Zoellicks einstimmig und am 1. Juli übernahm er die Amtsgeschäfte.

Haltung zu Europa

Robert Zoellick hat die mangelnde Führung Angela Merkels in der Euro-Krise beklagt und der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, keine Vision für die weitere Entwicklung der Gemeinschaftswährung zu haben. „Vieles in der Politik geschieht in der Art des Durchwurstelns, aber die Wirtschaft und die Märkte brauchen Orientierung und Klarheit“, sagte Zoellick Anfang Oktober 2011 in einem Interview der „Wirtschaftswoche“.[4]

Einzelnachweise

  1. Project for the New American Century: Letter on Iraq, 26. Januar 1998
  2. The Times: Zoellick quits State Department for Goldman, 19. Juni 2006
  3. Die Welt: Stellvertretender US-Außenminister Robert Zoellick tritt zurück, 20. Juni 2006
  4. Weltbankchef Zoellick wirft Merkel Durchwursteln vor - in: Wirtschaftswoche vom 8. Oktober 2011, abgerufen am 8. Oktober 2011

Weblinks

 Commons: Robert Zoellick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Robert Zoellick — Saltar a navegación, búsqueda el presente articulo a sido traducido del articulo en ingles Robert Zoellick Robert Bruce Zoellick (pronounciado /ˈzʌlɪk/; nacido en Julio 25, 1953) es el onceavo presidente del Banco Mundial, una posicion que… …   Wikipedia Español

  • Robert Zoellick — Infobox Politician name = Robert Bruce Zoellick birth date = birth date and age|1953|07|25 birth place = Naperville, Illinois, U.S. residence = Chevy Chase, Maryland, U.S. nationality = American death date = death place = office = 11th President… …   Wikipedia

  • Robert Zoellick — Portrait officiel du Président du Groupe de la Banque mondiale, Robert Zoellick. Robert Bruce Zoellick (API : /zʌlɪk/), né le 25 juillet 1953, est un avocat et un homme politique américain. Il est depu …   Wikipédia en Français

  • Robert B. Zoellick — Robert Zoellick (2004) Robert Bruce Zoellick [ˈɹɑːbɚt bɹuːs ˈzɛlɪk] (* 25. Juli 1953 in Naperville, Illinois) ist ein US amerikanischer Politiker. Er gehörte den Regierungen der US Präsidenten …   Deutsch Wikipedia

  • Robert Bruce Zoellick — Robert Zoellick (2004) Robert Bruce Zoellick [ˈɹɑːbɚt bɹuːs ˈzɛlɪk] (* 25. Juli 1953 in Naperville, Illinois) ist ein US amerikanischer Politiker. Er gehörte den Regierungen der US Präsidenten …   Deutsch Wikipedia

  • Zoellick — Robert Zoellick (2004) Robert Bruce Zoellick [ˈɹɑːbɚt bɹuːs ˈzɛlɪk] (* 25. Juli 1953 in Naperville, Illinois) ist ein US amerikanischer Politiker. Er gehörte den Regierungen der US Präsidenten …   Deutsch Wikipedia

  • Robert S. McNamara — Robert McNamara 1967 Robert Strange McNamara (* 9. Juni 1916 in San Francisco) ist ein US amerikanischer Geschäftsmann und Politiker. Robert McNamara wurde 1960 der erste Präsident der Ford Motor Company, der nicht aus der Familie Ford stammte.… …   Deutsch Wikipedia

  • Robert Strange McNamara — Robert McNamara 1967 Robert Strange McNamara (* 9. Juni 1916 in San Francisco) ist ein US amerikanischer Geschäftsmann und Politiker. Robert McNamara wurde 1960 der erste Präsident der Ford Motor Company, der nicht aus der Familie Ford stammte.… …   Deutsch Wikipedia

  • Robert (prénom) — Robert Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Robert, qui signifie « réputation dorée », est un prénom masculin d origine germanique. Il vient de hrod (gloire) et beraht (brillant) et …   Wikipédia en Français

  • Zoellick, Robert B. — ▪ 2008 Robert Bruce Zoellick  born July 25, 1953, Evergreen Park, Ill.  On July 1, 2007, Robert Zoellick, an American with extensive experience in economic policy and foreign affairs, began a five year term as the 11th president of the World Bank …   Universalium


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.