An der schönen blauen Donau

An der schönen blauen Donau
Titelblatt einer Ausgabe um 1910
Anhören: An der schönen blauen Donau, Spieldauer 2:57

Der Donauwalzer wurde von Johann Strauss im Spätherbst 1866 und Winter 1866/67 komponiert. Der eigentliche Titel des Walzers lautet An der schönen blauen Donau und ausgespielt dauert er etwa neun Minuten. Er wurde bald zu einer heimlichen Hymne Österreichs und wird regelmäßig zum Jahreswechsel gespielt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Johann Strauss war zunächst vom Wiener Männergesang-Verein eingeladen worden, bei einer Sommerliedertafel im Juli 1865 in Hietzing mitzuwirken. Da seine alljährlichen Verpflichtungen in Pawlowsk dies nicht zuließen, versprach er zunächst für 1866 eine Komposition.

1866 wurde Strauss an sein noch offenes Versprechen durch den Männergesang-Verein erinnert. Allerdings hatte inzwischen der Krieg zwischen Preußen und Österreich mit der von Österreich verlorenen Schlacht von Königgrätz stattgefunden, so dass die Frage nach einer geeigneten Uraufführung schnell im Raum stand. Da überdies viele Bälle in der Faschingszeit abgesagt wurden, einigte man sich, dass für die Liedertafel 1867, der Männergesangverein ersetzte damit seinen traditionellen Narrenabend, ein Walzer entstehen sollte. Das 1865 gegebene Versprechen löste Strauss also mit dem Walzer An der schönen blauen Donau ein[1].

Der Walzer wurde von Johann Strauss von vornherein in zwei Fassungen konzipiert, wobei zeitlich zunächst bis Ende 1866 die Orchesterfassung entstand. Daraufhin unterlegte der Polizeikommissar Josef Weyl, Hausdichter des Männergesang-Vereines, diesem seinen Text mit parodistischem Charakter und zeitkritischer Satire, erst danach besorgte Johann Strauss die Zweitfassung für Männerchor und Klavier als Chorwalzer[2].

Am 15. Februar 1867 fand die Uraufführung der Chorfassung im Saal des Dianabades statt. Entgegen anderslautenden Behauptungen fast aller Strauss-Biographien und deren unkritischer Übernahmen steht heute, beginnend seit den Forschungen von Norbert Linke seit Beginn der 1980er-Jahre anhand der Original-Quellen zweifelsfrei fest, dass dieser Walzer an diesem Abend nicht nur jubelnd aufgenommen wurde, er „[…] ‚schlug zündend ein‘ […] Das ‚Neue Fremdenblatt‘ ließ am 17. Februar 1867 sogar verlauten: ‚Die Eröffnungsnummer der zweiten Abteilung war ein entschiedener Schlager‘.“[3], womit musikhistorisch der Begriff „Schlager“ erstmalig belegt ist. Der Männergesangverein überreichte nach der Aufführung an Johann Strauss als „Ehrensold“ einen Golddukaten[1].

Gleichwohl setzte sich der Walzer zunächst nicht durch. Johann Strauss soll nach der ersten Aufführung in der Orchesterfassung am 10. März 1867 im k.k. Volksgarten gegenüber seinem Bruder Josef geäußert haben:

„Den Walzer mag der Teufel holen, nur um die Coda tut’s mir leid – der hätt’ ich einen Erfolg gewünscht.“

Der ursprüngliche Text von Josef Weyl, dem Vereinsdichter des Wiener Männergesangvereins, lautete (in der Fassung der Uraufführung, Ausschnitten, B=Bässe, T=Tenöre):

B: Wiener, seid froh …
T: Oho, wieso?
B: No-so bli-ickt nur um -
T: I bitt, warum?
B: Ein Schimmer des Lichts …
T: Wir seh'n noch nichts!
B: Ei, Fasching ist da!
T: Ach so, na ja!
B: Drum trotzet der Zeit …
T: (kläglich): O Gott, die Zeit …
B: Der Trübseligkeit.
T: Ah! Das wär' g'scheit!
    Was nutzt das Bedauern,
    das Trauern,
    Drum froh und lustig seid!

Als Strauss jedoch später im Jahre 1867 bei der Weltausstellung in Paris auftrat und dringend neue Kompositionen benötigte, erinnerte er sich daran. Unter dem Namen „Le beau Danube bleu“ wurde das Stück sofort zu einem großen Erfolg. Der Donauwalzer wird auch heute zumeist als reiner Orchesterwalzer aufgeführt.

Im Jahre 1889[4] dichtete Franz von Gernerth einen neuen Text, der mit „Donau so blau“ nun auch den Titel des Walzers berücksichtigte.

Donau so blau,
so schön und blau
durch Tal und Au
wogst ruhig du hin,
dich grüßt unser Wien,
dein silbernes Band
knüpft Land an Land,
und fröhliche Herzen schlagen
an deinem schönen Strand.

Die Erstaufführung mit seinen Worten fand am 2. Juli 1890 anlässlich der Sommerliedertafel des Wiener Männergesang-Vereins im Dreher-Park in Meidling statt (heute Schönbrunner Straße 307).[5][6]

Strauss griff bei der originalen Benennung des Stücks auf zwei Gedichte des ungarischen Dichters Karl Isidor Beck zurück, die jeweils die Textpassage An der schönen blauen Donau enthalten, wobei diese sich aber nicht auf Wien bezog, sondern auf Baja, den Geburtsort Becks: Baja liegt an der „blauen“ Donau, wobei eine Abgrenzung zu der in der Nähe befindlichen Theiß, die als „blond“ beschrieben wird, vorgenommen wird.

Hymne und Jahreswechsel

Der Musikkritiker Eduard Hanslick bezeichnete den Donauwalzer schon 1874 als eine „wortlose Friedens-Marseillaise.“[7] In einem Buch aus dem Jahre 1888 werden in einer Reihung genannt: die Volkshymne, O du mein Österreich und der Strauss'sche Donauwalzer.[8] Und zur Erstaufführung von Gernerths Text schreibt die Presse: „Es ist erfreulich, daß der schon längst auch außerhalb Oesterreichs und sogar jenseits des Oceans populär gewordenen ‚Hymne der Stadt Wien‘ nunmehr endlich auch ein ihr würdiger Text unterlegt ist.“ ([5]) Als am 29. April 1945, anlässlich der Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs, keine Nationalhymne zur Verfügung stand wurde vor dem Parlament der Donauwalzer intoniert. Ebenso wurde er bei den ersten Spielen der österreichischen Fußballnationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg gespielt. Und auch heute gilt er noch neben dem Radetzkymarsch, O Du mein Österreich, dem viel moderneren I am from Austria und einigen anderen als die heimliche Hymne.

Der Walzer wird traditionellerweise auch zu jedem Jahreswechsel im österreichischen Hörfunk (Auf allen Programmen des ORF einschließlich des Jugendsenders FM4) und im Fernsehen kurz nach Mitternacht – nach dem Geläute der Pummerin – gesendet. Er ist auch fixer Bestandteil und Höhepunkt der Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker, obwohl er nie Bestandteil des offiziellen Programms ist und immer als Zugabe (wie der Radetzkymarsch) gespielt wird.

Der Österreichische Rundfunk begann am 1. August 1955 um 17 Uhr sein Fernseh-Versuchsprogramm nach einführenden Landschaftsbildern mit Musikuntermalung mit einem Logo-Standbild, zu dem der Donauwalzer gespielt wurde.[9] Wahrscheinlich in den 1960er Jahren, spätestens in den 1970er Jahren, wurde daraus eine stilisierte elektronische Version aus acht Tönen. Diese Senderkennnung wurde bis in die späten 1980er Jahre jeweils kurz vor jedem Sendebeginn (vormittags und nachmittags) zum ORF-Logo gespielt, dann kam der Satz „Hier ist der Österreichische Rundfunk mit seinem Fernsehprogramm“, eine etwas längere Pause mit Uhr und Logo und dann nochmals die Tonfolge.[10][11] Solange es einen Sendeschluss gab wurde zu diesem die offizielle Bundeshymne gespielt.

Weitere Rezeption

Eine Reihe von Komponisten und Pianisten um die Jahrhundertwende wie Moriz Rosenthal, aber auch später noch (György Cziffra), haben hochvirtuose Konzertparaphrasen über das Werk geschrieben. Die bekannteste stammt von Adolf Schulz-Evler.

Der Donauwalzer war das letzte Stück, das das Bordorchester im Speisesaal der Ersten Klasse während des letzten Mittagessens auf dem englischen Luxusdampfer Lusitania vollenden konnte, bevor dieser am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot vor der irischen Küste versenkt wurde.

Sehr bekannt ist der Donauwalzer auch durch die Verwendung in Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum geworden.

Er wird als Kennmelodie für den Verkehrsfunk in Neuseeland und für den Küstenfunk in Uruguay verwendet.

Innerchinesische Fluglinien spielten ihn als Beruhigung bei der Landung.

Literatur

  • Monika Fink: An der schönen blauen Donau, Walzer, op. 314. In: Monika Fink, Hans-Dieter Klein, Evelin Klein: Meisterwalzer. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1999, ISBN 3-631-35189-5, S. 5–14 (Persephone. Publikationsreihe zur Ästhetik. Bd. 4).

Weblinks

 Commons: An der schönen blauen Donau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Wiener Institut für Strauss-Forschung: Strauss-Elementarverzeichnis. Thematisch-bibliographischer Katalog der Werke von Johann Strauß (Sohn). Verlag Hans Schneider, Tutzing, 1997, ISBN 3-7952-0873-4, (Band 7), S. 478.
  2. Norbert Linke: Johann Strauß (Sohn) mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rowohlts monographien 304, rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1982, ISBN 3-499-50304-2, S. 82. Die Partitur dieser Fassung wurde von Johann Strauss dem Männergesang-Verein geschenkt und dort heute noch aufbewahrt.
  3. Norbert Linke: Johann Strauß (Sohn) mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rowohlts monographien 304, rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1982, ISBN 3-499-50304-2, S. 83, mit weiteren Nachweisen.
  4. Franz von Gernerth, Eintrag in der Datenbank der Johann Strauss-Gesellschaft Wien, Version: 8. August 2002
  5. a b Liedertafel des Wiener Männergesang-Vereins.. In: Die Presse (1848–1896), 3. Juli 1890, S. 10 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr
  6. 2. Juli 1890, Sommerliedertafel des Wiener Männergesang-Vereins, Eintrag in der Datenbank der Johann Strauss-Gesellschaft Wien, Version: 8. August 2002
  7. Hans Weigel: Flucht vor der Grösse: Beiträge zur Erkenntnis und Selbsterkenntnis Österreichs, Wollzeilen Verlag, 1960, S. 244
  8. Wiener Gemeinderat (Hrsg.), Robert Hamerling, Heinrich Zeissberg, Max Wirth, Karl Weiss, Karl Glossy, Robert Zimmermann, Emanuel Hannak, Karl Friedrich Arnold von Lützow, Jacob von Falke, Heinrich Richter, Eduard Hanslick, Ludwig Speidel, Friedrich Uhl: Wien, 1848-1888: Des Babenberger erwachen in der Vornacht des 2. Dec. 1888, S. 96
  9. Ina Weber: Fernsehen, Zähneputzen, Schlafen, Wiener Zeitung, 13. August 2010
  10. Eröffnung ORF Nachmittagsprogramm 1985, youtube.com (Schon mit neuer Uhr und drehender Senderkennung)
  11. ORF Signatur 1988

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