Holden (Automarke)


Holden (Automarke)
Holden
Holden-Logo
Rechtsform Division/Marke
Gründung 1856
Sitz Port Melbourne, Australien
Branche Automobilhersteller
Produkte Automobile
Website holden.com.au
Holden FX 1948−1953
Holden FJ 1953−1956
2006 Holden Rodeo
Der VE Commodore, der erste komplett selbst entwickelte Pkw von Holden (2006)

Holden ist eine Automarke des US-amerikanischen Automobilkonzerns General Motors mit Unternehmenssitz in Australien. Holden verfügt über eigene Produktionsstätten und eine eigene Entwicklungsabteilung.

Einige Modelle lehnen sich an Produkte von Opel bzw. Vauxhall und Daewoo/Chevrolet an, manche unterscheiden sich lediglich im Firmenlogo. In Australien werden zum Beispiel Holden Astra (fast identisch zum Opel Astra) verkauft. Wegen der höheren Preise für importierte Modelle werden Opel Astra und Vectra seit 2006 durch australische Modelle ersetzt. Die Modelle Barina, Viva, Epica und Captiva basieren auf Fahrzeugen von GM Daewoo.

Andere Fahrzeuge, insbesondere die großen und luxuriösen bzw. die Pickups, die für australische Bedingungen besser geeignet erscheinen, sind weitgehend Eigenentwicklungen, die teilweise auf Fahrzeugen anderer GM-Marken basieren. So wurde der Holden Commodore und die darauf basierenden Statesman, Caprice und Ute in Australien entwickelt. Darüber hinaus werden einige Holden-Modelle in Nord- und Südamerika unter dem Label verschiedener anderer GM-Marken verkauft. Die neuen Vierzylindermotoren von Opel sind australische Entwicklungen, die durch das GM-Fiat-Joint-Venture Powertrain den hiesigen Bedürfnissen angepasst wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der 17jährige Alexander Holden wanderte 1852 von Staffordshire, England, nach Adelaide in Australien aus. Er befasste sich mit der Anfertigung von Lederwaren und eröffnete in Adelaide eine Sattlerei. Das Unternehmen J. A. Holden & Co. Merchants entwickelte sich sehr gut und sah sich 1860 nach größeren Räumlichkeiten um. 1879 führte Holden seinen Sohn Henry James in das Geschäft ein. 1885 wurde der deutschstämmige Henry Frederick Frost als Juniorpartner aufgenommen – Holden & Frost Ltd. entstand.

Als James Alexander Holden 1887 mit nur 52 Jahren starb, wurde sein Sohn Seniorpartner. Das Unternehmen produzierte nun pferdegetriebene Wagen und Kutschen. 1905 trat Henrys Sohn Edward Wheewall Holden ins Unternehmen ein. Inzwischen reparierte Holden & Frost auch Polster für die ersten Automobile und fertigte Kühlerhauben und Vorhänge für Seitenfenster.

Als Frost 1909 starb, kaufte Henry Holden dessen Anteile an der Firma auf und begann Seitenwagen für Motorräder herzustellen. 1913 stellten Holden & Frost mit zeitgenössischen Fertigungstechniken aus dem Kutschenbau ihr erstes Automobil her.

William Capro Durant hatte in den USA die General Motors Corporation (GM) gegründet und kaufte etliche Automobilunternehmen zu. 1911 wurde die „GM Export Co.“ gegründet und ein Außenposten in Sydney errichtet. Die ersten GM-Automobile trafen kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Australien ein. Da Deutschlands U-Boote Australiens Schifffahrtslinien beeinträchtigten, führte die australische Regierung Handelsrestriktionen ein. Darin war die Anzahl der komplett gefertigten Importwagen limitiert. Nur ein Fertigfahrzeug durfte auf je drei Chassis eingeführt werden. Diese Handelsbeschränkung wollte australisches Kapital in Australien halten.

Holden war eine von vielen Firmen, die aus der Situation expandierte. 1917 verlagerte Holden die Produktion auf die Herstellung von Automobilkarosserien. Nachdem Holden im ersten Jahr etwa 100 Karosserien auf Buick- und Dodge-Fahrgestellen gefertigt hatte, stieg die Produktion 1918 auf 587 Exemplare. Ein Jahr später wurden fast 1600 Fahrzeuge hergestellt.

Indem man moderne Produktionsmaschinen einführte und Formen fertigte, die nur noch minimale handwerkliche Endarbeiten erforderten, verringerte sich nicht nur der Stückpreis, es sorgte auch für eine gute Reputation von Holden-Autos beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Die 1920er Jahre sorgten in Amerika für einen stetigen Ausstoß neuer Automobildesigns. Holden besorgte sich frühzeitig Zeichnungen der Importmodelle, um Karosserien bereits beim Eintreffen der ersten Chassis vorrätig zu haben.

Im April 1923 bereiste Edward W. Holden Europa und die USA, und einigte sich mit GM auf eine Zusammenarbeit. Nachdem Holden 1924 90.000 m² Land in Woodville, South Australia, erwarb, wurde dort eine der modernsten Produktionsstraßen der Welt eingerichtet. Im ersten Jahr produzierte Holden 65 Karosseriemodelle und stellte insgesamt 2.150 Automobile her. Zu diesem Zeitpunkt belieferte Holden etwa 50 % des australischen Automobilmarktes. Neben Pkw-Karosserien produzierte Holden auch Eisenbahnwaggons, Busse und Straßenbahnwagen.

In den späten 1920er Jahren wurde zum ersten Mal das Symbol des Löwen mit dem Stein benutzt. Das Symbol hat sich in vielen Überarbeitungen bis heute als Markenzeichen erhalten.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wollte GM die Firma Holden als Tochterunternehmen in den Konzern aufnehmen. 1931 wurde Holden schließlich für fast 2,25 Millionen US-Dollar an GM verkauft. General Motors Australia (GMA) und Holden Motor Body Builders wurden verschmolzen zur Konzerntochter General Motors Holdens (GM-H). Die Verkaufszahlen sanken, auch die Bilanzen blieben im roten Bereich. Nun wurde Vauxhall-Vorstand und GM-Troubleshooter Larry Hartnett beauftragt, die Lage zu drehen oder aber das Unternehmen zu liquidieren. Innerhalb eines Jahres machte die Firma 1,5 Millionen US-Dollar Gewinn und erhöhte ihre Produktion wieder auf 23.129 Automobile, im Gegensatz zu 3.674 aus dem Vorjahr.

GM-H hatte innerhalb eines Jahres ein neues Hauptgebäude sowie ein neues Montagewerk in Fishermen’s Bend, einem Stadtteil von Melbourne, auf einem 20 Hektar großen Stück Land errichtet. Eine Gießerei und eine Motorenwerkstatt entstanden. Hartnett hatte die Visionen einer eigenen australischen Automobilproduktion. Hartnetts Traum hätte Wirklichkeit werden können, wäre nicht ein weiterer Weltkrieg dazwischengekommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde aus dem florierenden Autobauer ein Waffenhersteller. Alle Gattungen militärischer Fahrzeuge wurden hergestellt: Flugzeuge, Flugzeugrahmen, Boote, Landmaschinen, Panzerfahrzeuge, Anhänger, Mannschaftswagen und vieles mehr. Mit dem Rückgang der Militäraufträge erinnerte man sich wieder an die Pläne für ein australisches Auto. Das Projekt 2000 aus den 1930er Jahren führte 1944 zu einem Prototyp, basierend auf Willys-Technik.

Im selben Jahr schrieb die australische Regierung die Produktion des australischen Autos aus. GM-H erklärte sich bereit, das Projekt durchzuführen, jedoch ohne eigene finanzielle Unterstützung zu leisten. GM-USA empfahl, in Australien nach Geldgebern zu suchen. 6 Millionen US-Dollar waren veranschlagt. Premierminister Ben Chifley bewog die Commonwealth Bank of Australia, gemeinsam mit der Bank of Adelaide die Kredite zur Verfügung zu stellen.

Das Projektteam um das neue Auto umriss die Rahmenbedingungen für australische Kunden. Amerikanische Ingenieure hatten sich bereits auf eine Lösung geeinigt. Ein Experimentalwagen mit Chevrolet-Zeichen aus dem Jahre 1940 schien zu den Spezifikationen der Australier zu passen. Sie modifizierten das Styling und stellten ein Tonmodell her, das vom GM-H-Team abgenommen wurde. Insgesamt wurden drei Prototypen fertiggestellt. Sie waren praktisch identisch mit dem später produzierten ersten Modell, dem 48-215. Nachdem die Wagen Ende 1946 auf dem GM-Testgelände in Detroit geprüft worden waren, wurden sie nach Australien verschifft. Die Prototypen wurden ausgiebig auf den Straßen in der Umgebung von Melbourne getestet. Die GM-H-Chefs fürchteten, dass ein schlechter Ruf beim ersten Modell alle finanziellen Anstrengungen zunichte machen würde. Die Entscheidung für den Namen „Holden“ blieb geheim bis kurz vor dem offiziellen Produktionsstart im November 1948.

Larry Hartnett war inzwischen ersetzt worden durch Harold Bettle. Ständige Querelen und Hartnetts Eigenmächtigkeiten hatten das Verhältnis zur Chefetage zerrüttet. Hartnett verließ General Motors frustriert. Dennoch war er 40 weitere Jahre erfolgreich in der Industrie tätig. Einige Jahre nach dem Weggang bei Holden wurde er für seine Leistungen geadelt.

Bettle überwachte in den Jahren 1947/48 den Fortgang des Projektes. Nachdem eine Vorlaufproduktion von zehn Wagen im April 1948 stattfand, um Fertigungstoleranzen zu überprüfen und letzte Fehler auszumerzen, wurde die Fertigung freigegeben. Am 29. November 1948 liefen die ersten Holden 48-215 in Fishermen’s Bend feierlich vom Band. Premierminister Chifley empfing den ersten Holden mit den Worten „She’s a beauty!“ Nach Jahren der Rationierung und der Kriegswirren wurde dieses in Australien produzierte Auto zum Symbol des Aufschwungs.

Modelle

Zeitleiste der Holden-Modelle von 1980 bis heute
Typ 1980er 1990er 2000er 2010er
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1
Kleinwagen Barina Barina Barina Barina Barina
Gemini Gemini
Kompaktklasse Viva Cruze
Astra Astra Nova Nova Astra Astra Astra
Mittelklasse Camira Apollo Apollo Vectra Vectra Epica
Commodore
Obere Mittelklasse Commodore Commodore Commodore/Calais
Statesman Statesman Statesman/Caprice
Oberklasse Royale
Sportwagen Piazza Calibra Tigra
Monaro
Utes Rodeo Rodeo Rodeo Colorado
Kingswood Commodore Ute Ute
One Tonner One Tonner
Crewman
Vans/Hochdachkombi Scurry Combo Combo
Shuttle
Kompaktvans Zafira
Mini-SUVs Drover Cruze
Kompakte/Mittelgroße SUVs Frontera Frontera Adventra Captiva
Jackaroo Jackaroo Jackaroo
Große SUVs Suburban
Siehe auch: Liste der Automobile von Holden
  •  auf GM Plattform oder (weitgehend) eigenständige Holden-Produktion
  •  auf Basis von Nissan
  •  auf Basis von Suzuki
  •  auf Basis von Toyota
  •  auf Basis von Isuzu
  •  auf Basis von Opel
  •  auf Basis von GM-Daewoo
  •  auf Basis von Chevrolet

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Holden (Automarke) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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