Erich Maschke


Erich Maschke

Erich Maschke (* 2. März 1900 in Berlin; † 11. Februar 1982 in Heidelberg) war ein deutscher Historiker und Professor für Geschichte. Er lehrte zuletzt an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Studium

Der Sohn eines Augenarztes begann nach dem Abitur an der Askanischen Oberschule im Jahr 1919 ein Studium der Medizin in Berlin, Innsbruck und Freiburg. Er war in der bündischen Jugendbewegung engagiert und arbeitete redaktionell an der Zeitschrift Der weiße Ritter mit. Diese Erfahrungen veranlassten ihn, im Jahr 1923 das Studienfach zu wechseln und ab 1923 in Berlin und später ab 1925 in Königsberg Geschichte und Geographie zu studieren, unter anderem auch bei Erich Caspar. 1927 promovierte er über den Deutschen Orden, 1929 folgte die Habilitation über den Peterspfennig in Polen und im Deutschen Osten. In dieser Zeit bildeten sich auch mit der Geschichte des Deutschen Ordens, der Geschichte und Historiografie Preußens und dem europäischen Spätmittelalter seine Forschungsschwerpunkte heraus. Aus der 1931 mit Elsbeth Horn, einer Studentin aus Ziegelhausen bei Heidelberg, geschlossenen Ehe gingen zwei Söhne hervor.

1933 bis 1945

In Königsberg war er nach Abschluss des Studiums zunächst Dozent und wurde 1935 zum ao. Professor für ostdeutsche und westslawische Geschichte ernannt.[1] 1937 wurde er an die Universität Jena auf den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte berufen. 1938 trat Maschke der NSDAP und der SA Thüringen bei, in der er Leiter des Arbeitskreises für Grenz- und Auslandsfragen wurde.[1] Während des Zweiten Weltkrieges war er mit der Schulung Wehrmachtsangehöriger beim Generalstab in Posen beauftragt. 1942 wurde er an die Universität Leipzig berufen, wo er sich fast ausschließlich mit dem Mittelalter, vor allem den Staufern beschäftigte. Daneben war er als wissenschaftlicher Berater im Amt Rosenberg tätig, beteiligte sich an der Erstellung von Lehrplänen für NS-Ordensburgen, wurde Lektor im NS-Amt für Schrifttumspflege und wurde innerhalb der Reichsleitung der NSDAP Referent der parteiamtlichen Prüfungskommission.[1] 1943 konnte er die Ergebnisse seiner Forschungen zur Reichsgeschichte in einer Monographie über Das Geschlecht der Staufer veröffentlichen.

Nach 1945

Nach achtjähriger sowjetischer Kriegsgefangenschaft kehrte er 1953 zu seiner Familie zurück, die inzwischen in Speyer wohnte. Gemäß einer Vereinbarung mit der Stadt veröffentlichte er ab 1954 über mehrere Jahre verschiedene Arbeiten zur Speyerer Stadtgeschichte, deren spätere Zusammenfassung zu einem Gesamtwerk der Stadtgeschichte vorgesehen war. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg über Wirtschafts- und Handelsgeschichte des Mittelalters, ab dem Sommersemester 1956 erhielt er den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Von 1959 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1968 leitete er zusammen mit Werner Conze das neu gegründete Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Dadurch ergaben sich neue Kontakte zu Industrieunternehmen und Firmenarchiven. Auch am Gesprächskreis Kammergeschichte des Industrie- und Handelstages nahm er teil. In den 1960er-Jahren veröffentlichte er einige Arbeiten zu Kartellen in Deutschland im 15. Jahrhundert, die Kartellgeschichte und die Gutehoffnungshütte. Aus Kontakten nach Frankreich, u. a. zu Fernand Braudel in Toulouse, einem Mitglied der Annales-Schule, ergab sich 1963 eine der ersten Einladungen an einen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Gastprofessur an der École Pratique des Hautes Etudes der Sorbonne.

1958 wurde er in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften berufen. Von 1962 bis 1974 war er der Herausgeber einer 22-bändigen Reihe Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs.[1] Seit 1968 gehörte er der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an und war auch maßgeblich an den Vorbereitungen für die Stauferausstellung in Stuttgart im Jahr 1975 beteiligt.

Erich Maschke starb im Februar 1982 nur wenige Tage nach seiner Frau, die ihn in seinen späteren Jahren auf Grund seiner Sehbehinderung oft zu Tagungen, Konferenzen und auf Vortragsreisen begleitet hat. Erich Maschkes Nachlass befindet sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Teile seiner Unterlagen wurden auch an das Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg im Breisgau abgegeben.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Es entsteht ein Konzern. Paul Reusch und die GHH, Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen 1969, ISBN 3-8052-0131-1

Literatur

  • Friedrich Facius/ Jürgen Sydow (Hrsg.): Aus Stadt- und Wirtschaftsgeschichte Südwestdeutschlands. Festschrift für Erich Maschke zum 75. Geburtstag. Stuttgart 1975. (Inhalt)
  • Barbara Schneider: Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus - Das Wirken Erich Maschkes in Jena. In: Tobias Kaiser/ Steffen Kaudelka/ Matthias Steinbach: Historisches Denken und gesellschaftlicher Wandel. Studien zur Geschichtswissenschaft zwischen Kaiserreich und deutscher Zweistaatlichkeit. Berlin 2004, S. 91–114, ISBN 3-936411-23-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 393.

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