Cardiff Castle


Cardiff Castle

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Cardiff Castle
Cardiff Castle.JPG
Alternativname(n): Castell Caerdydd
Entstehungszeit: 1091 bis 1271
Burgentyp: Motte
Ort: Cardiff
Geographische Lage 51° 28′ 56″ N, 3° 10′ 52″ W51.482222222222-3.1811111111111Koordinaten: 51° 28′ 56″ N, 3° 10′ 52″ W

Cardiff Castle (walisisch: Castell Caerdydd) ist eine mittelalterliche Burg und ein neugotisches Herrenhaus im Stil der Viktorianischen Architektur. Die Burg steht auf den Überresten eines Römerkastells in Cardiff, der Hauptstadt von Wales.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Römerkastell

An der Stelle der heutigen Burg standen mehrere römische Kastelle. Das erste wurde wahrscheinlich um 55 nach Christus während des Feldzugs gegen die Silurer errichtet. Um 75 n. Chr. bauten die Römer das Kastell in der nördlichen Hälfte der alten Anlagen neu. In der südlichen Hälfte wurden Werkstätten aufgebaut. Um das Jahr 250 wurde ein drittes Kastell mit drei Meter dicken Steinmauern errichtet, das bis zum Abzug der Römer gegen 500 n. Chr. als strategische Basis gegen Überfälle vom Meer aus in Benutzung blieb.[1]

Die normannische Burg

Der normannische Keep

Der normannische Keep, von dem die Außenmauern auf dem unweit des Herrenhauses gelegenen Burghügel bis heute erhalten sind, wurde um 1091 als Motte von Robert Fitzhamon, dem Lord von Gloucester und Eroberer von Glamorgan erbaut. Nach seinem gescheiterten Versuch, Heinrich I. die Krone von England zu entreißen, wurde Robert II., der Sohn Wilhelms des Eroberers, bis zu seinem Tod im Jahr 1134 hier eingekerkert.[2][3]

Die steinerne Burg ging nach 1216 in die Hände der Familie Clare über und wechselte in den folgenden Jahrhunderten oft den Besitzer: Nach der Familie Despencer (1306–1411) und Beauchamp (1411–1445) war die Familie Neville (1445–1483) Herr über Cardiff Castle, bevor es in den Besitz der Tudors (1485–1550) und dann der Herberts (1550–1766) überging. 1766 gelangte die Burg durch Heirat Charlotte Jane Herberts an ihren Mann John Stuart, 4. Earl of Bute und 1. Marquess of Bute, der 1776 zum Baron Cardiff of Cardiff Castle ernannt wurde.[1]

Das viktorianische Herrenhaus

Der Glockenturm
Burges’ Entwurf für den Summer Smoking Room

Unter der Führung der Butes wurde Cardiff einer der größten Kohlehäfen der Welt, und in ihrem Auftrag wurde Cardiff Castle umgebaut. Der erste Marquis von Bute ließ von Capability Brown und seinem Schwiegersohn Henry Holland das Gelände umgestalten. Unter anderem wurden der Burggraben aufgefüllt, die Bäume auf dem Burghügel gefällt und einige Gebäude entfernt, bevor Holland große Teile der Anlage umbaute und modernisierte. Für John Crichton-Stuart, 2. Marquess of Bute wurde die Burg weiter vergrößert und modernisiert. Mit dem Auftrag von John Crichton-Stuart, 3. Marquess of Bute an den Architekten William Burges, den Zustand der Burg zu untersuchen, begann eine sechzehnjährige Zusammenarbeit, in deren Verlauf die Burg in ein neugotisches „Märchenschloss“ umgebaut wurde. Während dieser Bautätigkeiten wurde auch das römische Militärlager entdeckt, das sich auf dem Gelände befand.[1]

Der Umbau begann mit der Errichtung eines überdachten Wehrganges mit Schießscharten. 1875 wurde der Glockenturm fertiggestellt. Später wurden vier Türme errichtet, der Bute Tower, der Herbert Tower, der Guest Tower und der Tank Tower sowie der achteckige Octagon Tower aus dem 15. Jahrhundert wiederhergestellt und um einen Dachreiter erweitert. An der Stelle des alten Rittersaals, der unter dem 1. Marquis abgerissen worden war, wurden eine neue Bibliothek und ein Festsaal gebaut.[1]

Im Inneren der Burg gestaltete Burges eine Reihe von prächtigen Räumen: Je einen Smoking Room für Winter und Sommer, den Chaucer Room mit Glasmalereien, welche die Canterbury Tales darstellen, den Arab Room in orientalisierendem Stil, Lord Bute’s Bedroom mit verspiegelter Zimmerdecke und aufwendig vertäfelten Wänden sowie im obersten Stockwerk den einem Atrium ähnlichen Roof Garden mit bemalten Wänden und einem Springbrunnen.[4]

Löwe auf William Frames Animal Wall

Burges starb 1881, doch sein früherer Assistent William Frame führte sein Werk fort, indem er das Nordtor restaurierte und die Animal Wall errichtete, eine Mauer mit Skulpturen verschiedener Tiere.

Als der 3. Marquis 1900 starb, mussten für das Anwesen hohe Erbschaftsteuern gezahlt werden. Dennoch setzte sein Sohn die Bauarbeiten fort.[1] 1947 wurde die Burg vom 5. Marquis von Bute für den symbolischen Preis von einem Pfund Sterling an die Stadt Cardiff verkauft.

1947 bis heute

Cardiff Castle ist heute eine beliebte Touristenattraktion und beherbergt neben den genannten Räumen das Regimentsmuseum der 1st The Queen’s Dragoon Guards. Um die Burg erstreckt sich der Bute Park. Außerdem ist Cardiff Castle Veranstaltungsort verschiedener Konzerte sowie von Sport- und Kulturereignissen.

Der Architekturhistoriker Dan Cruickshank nahm Cardiff Castle in die Auswahl von acht Gebäuden in seinem Buch The Story of Britain's Best Buildings auf. In seinen Augen ist es ein „seltsames Produkt“, das im „großen Konflikt der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen dem doktrinären Christentum und den neuen Entdeckungen der Wissenschaft [entstand], die den Wahrheitsgehalt der Bibel und ihrem Schöpfungsbericht in Frage zu stellen schienen.“ („Cardiff Castle […] is a strange product of the great mid-19th-century conflict between doctrinaire Christianity and the new discoveries of science that appeared to question the veracity of the Bible and its account of Creation.“[5]

Einzelnachweise

  1. a b c d e cardiffcastle.com, Zugriff am 3. Juni 2009.
  2. Eintrag Cardiff. In: John Ayto, Ian Crofton: Brewer's Britain & Ireland. Weidenfeld Nicolson, London 2005, ISBN 0-304-35385-X.
  3. John Davies: Cardiff and the Marquesses of Bute. University of Wales Prints, Cardiff 1981, ISBN 0-7083-0761-2.
  4. Cardiff Castle auf history-tourist.com, Zugriff am 3. Juni 2009.
  5. Choosing Britain’s Best Buildings. BBC History, abgerufen am 3. Juni 2009.

Literatur

  • J. Mordaunt Crook: The Strange Genius of William Burges. National Museum of Wales, Cardiff 1981, ISBN 0-7200-0234-6.
  • J. Mordaunt Crook: William Burges and the High Victorian Dream. John Murray, London 1981, ISBN 0-7195-3822-X.
  • Mark Girouard: The Victorian Country House. Yale University Press, New Haven [u. a.] 1985, ISBN 0-300-03472-5.
  • John Newman: The Buildings of Wales. Band 3: Glamorgan. Penguin, Harmondsworth 1995, ISBN 0-14-071056-6.

Weblinks

 Commons: Cardiff Castle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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