Syndicus der Freien Hansestadt Bremen

Syndicus der Freien Hansestadt Bremen


Syndicus der Freien Hansestadt Bremen (auch historisch als Stadtsyndicus bezeichnet) waren die Syndici, die als Rechtsgelehrte und später als Juristen den Bremer Rat und später dann den Senat der Freien Hansestadt Bremen berieten, für ihn Aufträge ausführten und später Dienststellen leiteten. Heute ist die Stelle auch mit der eines Staatsrates vergleichbar.

Die Syndici nahmen mit beratender Stimme an den Sitzungen des Rats bzw. des Senats teil. Sie hatten Aufgaben vor Gericht, in der Kanzlei des Rats oder des Senats, im Archiv und andere übertragene Aufgaben zu erfüllen. Der Syndicus stand zumeist an der Spitze der Rats- oder Senatskanzlei.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Johann Wachmann der Jüngere, Syndicus im 17. Jahrhundert

Das Amt Syndicus ist in Bremen seit 1492 überliefert. Seit 1634 gab es auch das Amt des Vice-Syndicus. Die Bezeichnung 1. Syndicus und 2. Syndicus ist in den Quellen zu finden. Das Amt wurde zunächst auf Zeit vergeben später dann aber dauerhaft und oft endete das Amt erst mit dem Tod. Diese Stelle war jedoch nicht zu allen Zeiten besetzt. Zeitweise, vor allem im 18. Jahrhundert, wurde das Amt mit dem des Archivars gleichgesetzt. In der Bremer Franzosenzeit gab es keine Syndici. 1813 wurde diese Position wieder eingeführt. Seit 1823 wurde die Senatskanzlei jedoch von einem Senator mit der Bezeichnung Direktor geleitet. Die beiden Syndici waren juristische Berater. Am 19. April 1849 wurde dieses Amt aufgelöst. Seit 1913 gab es dann wieder Syndici als Vertreter einzelner Senatoren. 1921 nahmen sechs Syndici die Aufgabe war; sie wurden nunmehr Staatsräte genannt. Nur der Leiter des Staatsarchivs Bremen behielt zunächst den Titel Syndicus, wurde dann aber seit 1933 als Staatsarchivar bezeichnet.

Weitere Hinweise

Als Syndikus (griech. σύνδικος) wird ansonsten heute ein Rechtsanwalt bezeichnet, der aufgrund eines ständigen Beschäftigungsverhältnisses seine Arbeitskraft einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber (z. B. Unternehmen, Verband, Stiftung) zur Verfügung stellt. So hatte und hat auch die bremischen Kaufmannschaft – heute vertreten durch die Handelskammer Bremen – einen Syndikus.

Hamburg kennt den vergleichbaren Senatssyndicus, der heute als Staatsrat bezeichnet wird und der als Beamter einem Senator als Leiter einer senatorischen Behörde beigegebenen war.

Bekannte Bremer (Stadt-) Syndici

Auswahl, zeitlich geordnet

  • Diedrich Lange (Dr. Diricus Lange) († 1641 in Regensburg, Erster Syndicus (um 1632–1641) und Kanzleidirektor
  • Gerlach Buxdorff, Syndicus, hinterließ 1628 der Stadt seine Bücher
  • Johann Wachmann der Ältere (1592–1659), Syndicus (1634–1659 ?)
  • Johann Wachmann der Jüngere (1611–1685), Syndicus (17. Jahrhundert)
  • Liborius Line, Syndicus (17. Jahrhundert), evtl. auch oder nur Bremer Ratsherr
  • Burchard Eden (1618–1689), Syndicus (1646–1661), 1661 Bremer Gesandter beim Reichstag
  • Everhard Otto (1685–1756), Syndicus
  • Wilhelm Friedrich Hombergk, Syndicus (1761–1763)
  • Franz Köhne, Syndicus, der Syndicushof in Bremen-Walle wurde nach ihm benannt
  • Caspar Meyer, Syndicus bis 1766
  • Simon Hermann Post (1724–1808), Syndicus und Kanzleidirektor (1763–1808), war auch Archivar (1753–1763), Sohn von Hermann Post
  • Johann von Eelking (1748–1806), Syndicus (1771–1806)
  • Christian Hermann Schöne (1763–1822), Syndicus (1792–1817 mit Unterbrechung in der Franzosenzeit), 1817 Bremer Bürgermeister
  • Georg Olbers, Syndicus bis 1825
  • Heinrich Gröning (1774–1839), Syndicus (1808–1811, 1817–1821), 1821 Bremer Bürgermeister
  • Friedrich Wilhelm Heineken (1787–1848), Syndicus (1818–1848); er war von 1822 bis 1848 zugleich auch Senator
  • Albert Georg Benjamin Gröning (1784–1843), Syndicus (1822–1843)
  • August Ferdinand Arnold Iken (1793–1853), Syndicus (1829–1849), danach Richter
  • Heinrich Smidt (1806–1878), Syndicus (1843–1849), Senator (1849–1878), Archivar (1832–1849)
  • Georg Wilhelm Albers (1800–1876), 1844 Syndicus, seit 1847 Senator
  • Johann Focke (1848–1922), Syndicus 1898, Gründer des Focke-Museums in Bremen
  • Arthur Ulrich (1882–1958), Jurist, Syndikus der Handelskammer Bremen, 1913 Syndicus von Bremen
  • Richard Duckwitz (1886–1972), Syndicus (um 1921), 1934 Finanzsenator, später Kommissarischer Bürgermeister

Siehe auch

Literatur

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Syndicus der Hansestadt Lübeck — (auch historisch als Stadtsyndicus oder Ratssyndicus bezeichnet) waren die Syndici, die als Rechtsgelehrte und später als Juristen den Rat der Stadt und später dann den Senat der Hansestadt Lübeck berieten, für ihn Aufträge und Gesandtschaften… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Bremer Senatoren — In der Liste der Bremer Senatoren sind auch die Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen, die auch Bürgermeister und zumeist auch Senatoren waren und die Bürgermeister als Stellvertreter des Präsidenten des Senats enthalten.… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Söhne und Töchter der Stadt Bremen — Die folgende Übersicht enthält bedeutende in Bremen geborene Persönlichkeiten, unabhängig von ihrem späteren Wirkungskreis. Unter dem Abschnitt Sonstige Persönlichkeiten werden einige Personen genannt, die in Bremen wirkten, aber anderenorts… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Wachmann der Ältere — (* 22. Juli 1592 in Bremen; † 12. Mai 1659 in Bremen) war Syndicus der Freien Hansestadt Bremen und Gesandter der Stadt bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Biografie Wachmann war der Sohn des Bremer Ratsherrn Johann Wachmann. Er… …   Deutsch Wikipedia

  • Johann Wachmann der Jüngere — in einer Lithographie aus dem Jahr 1850 Johann Wachmann, auch Johann Wachmann der Jüngere genannt, (* 16. September 1611 in Bremen; † 15. Februar 1685 ebendort) war ein bedeutender Bremer Rechtsgelehrter, Diplomat und Gesandter der Stadt im 17.… …   Deutsch Wikipedia

  • Landtag Bremen — Der 1966 eingeweihte Neubau der Bremischen Bürgerschaft Die Bremische Bürgerschaft ist das Landesparlament der Freien Hansestadt Bremen. Von den 83 gewählten Abgeordneten werden 68 in der Stadt Bremen und 15 in der Stadt Bremerhaven gewählt. Sie… …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Stadt Bremen — Bremer Stadtwappen aus dem Jahr 1562 Die Geschichte der Freien Hansestadt Bremen ist von der Hanse, vom Handel und der Seefahrt sowie vom Streben nach Selbständigkeit geprägt. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Staatsarchiv Bremen — Das Bremer Staatsarchiv (vom Präsident Kennedy Platz aus gesehen) Das Staatsarchiv Bremen (kurz StAB, vollständiger Name Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen) bewahrt und erschließt als staatliches Archiv das archivwürdige Schriftgut des… …   Deutsch Wikipedia

  • Handwerkskammer Bremen — Die Handwerkskammer Bremen ist in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts auf dem Gebiet der Freien Hansestadt Bremen die zuständige Handwerkskammer als selbstverwaltete Interessensvertretung und Dienstleister für das ansässige… …   Deutsch Wikipedia

  • Wittheit zu Bremen — Wissenschaftliche Gesellschaft Wittheit zu Bremen e.V. (Wittheit) Zweck: Förderung der Wissenschaft im Lande Bremen Fachgesellschaft Vorsitz: Gerold Wefer Gründungsdatum: 29. Oktober 1924 Sitz: Bremen, Haus der Wissenschaft Sandstraße 4/5 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”