August Wittich

August Wittich
August Wittich (1854) [1]
Neues Collegium Albertinum mit Bibliothek und Archiv

August Wittich (* 7. August 1826 in Königsberg (Preußen); † 25. März 1897 ebenda) war ein Archivar und Bibliothekar in Königsberg i. Pr..

Inhaltsverzeichnis

Leben

Wittich besuchte das Kneiphöfsche Gymnasium und studierte Theologie an der Albertus-Universität Königsberg. Ohne ein Examen zu machen, wurde er für eine Weile Hauslehrer. Schließlich fand er 1875 eine feste Anstellung als Leiter der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs, in der er bis zu seinem Tod blieb.

Als 1880 die verfallene Stoa Kantiana abgerissen und Kants Gebeine ausgegraben wurden, beteiligte sich Wittich an den Arbeiten.

1892 entdeckte er die beiden Karzer im Collegium Albertinum (Königsberg).

Corpsstudent

Im Wintersemester 1848/49 wurde er Mitglied der Silber-Litthuania. Mit Otto von Oehlschläger gründete er am 11. Mai 1851 das Corps Baltia.[2] Er war ein ausgezeichneter Senior und jahrzehntelang der Spiritus rector des Corps, das er sein Leben lang aus dem Schatten von Masovia herausbringen wollte.[3] Als er von Silber-Litthuania im Wintersemester 1852/53 gebraucht wurde, machte Baltia ihn zum (dritten) Ehrencorpsburschen. Er ging im Corpsstudententum auf, für das er seine berufliche Ausbildung vernachlässigte. In aller Entschiedenheit kämpfte er für die Erhaltung der ostpreußischen Eigenheiten in den Königsberger Corps. Durch die Reichsgründung damit auf verlorenem Posten, legte er 1873 das Baltenband nieder. Aus freiem Entschluß legte er es beim 40. Stiftungsfest (1891) wieder an. Als „August“ (wie er entgegen corpsstudentischem Brauch mit dem Vornamen genannt wurde) mit 72 Jahren gestorben war, nahm trotz der Semesterferien jeder erreichbare Balte an der letzten Ehrung des Verstorbenen teil. Nach dem Begräbnis versammelten sich die Corpsbrüder in seinem Sinne auf der Corpskneipe und sangen ihm zum Gedächtnis „Vom hoh´n Olymp herab“, während der Trauersalamander den offiziellen Teil abschloß.

„Wie er seinerzeit seine beiden Corps im SC vertrat, so arbeitete er jetzt für seine Heimatstadt, deren Überlieferung er zu wahren hatte, während gleichzeitig die Schätze der Vergangenheit ans Licht der Gegenwart zu fördern waren, daß sie der Forschung dienen konnten. Es war nicht seine Aufgabe, in die politische Entwicklung einzugreifen und die Geschicke seiner Mitbürger zu lenken, wie er seinerzeit sein Amt als Senior verstanden hatte. Sein Beruf füllte ihn jedoch aus, da er, wie die Wahl seines Studiums zeigte, in erster Linie Erzieher zu sein und nicht Führer als seine Lebensaufgabe betrachtete. Trotz der unruhigen Jugendjahre neigte er zur Besinnlichkeit. Er war aber schwer zu behandeln, wenn es nach seiner Sicht um Grundsatzfragen ging.“

Siegfried Schindelmeiser

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Unter dem Bild findet sich die Widmung: „Regiomonti d. 15. Juli 1854. Kap. 1 Timoth. C. 5, v. 23: „Trinke nicht mehr ausschließlich Wasser, sondern wegen Deines Magens und Deiner häufigen Kränklichkeit genieße etwas Wein.“ D.S. Nach Belieben zu gebrauchen, täglich wie nächtlich. Ein altes Rezept eines Urtheologen, aber trotz seines Alters unübertroffen für alle Zeit, zum Hohn und Spott für alle Mediziner! August Wittich geb. 7.8.1826, Archivar und Stadtbibliothekar zu Königsberg, Silber-Litthauer und Gründer des Corps Baltia, aktiv 15.5.1851 – 30.11.1852 s. lb. Ernst Dalkowski, geb. 30.3.1832, Dr. med. und prakt. Arzt zu Wiesbaden., Stifter des Corps Baltia, aktiv 17.5.1851 – 1853, z. f. E.“
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 139, 22; 137, 1
  3. In der Festschrift zu Masovias 50. Stiftungsfest heißt es auf S. 40: „Der Secretär des geheimen Archivs, Herr August Wittich, ein lieber Freund vieler Masuren, hatte dem Carzer des alten Albertinums ein Festkleid angelegt“ und ein großes Schild für Masovia (blau-weiß-rot), drei kleine für Borussia (weiß-schwarz-weiß), Baltia I (blau-weiß-blau) und Scotia (blau-schwarz-blau) und drei für Littuania (grün-weiß-rot), Normannia (hellblau-gold-schwarz) und Baltia II (weiß-hellblau-schwarz-weiß) angebracht – „als die Farben der alten Königsberger Landsmannschaften, deren Mitglieder einstmals da oben Muße fanden, über die Beschwerden des Studiums, des Fechtbodens und der Kneipe nachzudenken.“

Literatur

  • Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. (1970–1985). Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preussen, herausgegeben von R. Döhler und G. v. Klitzing, München 2010. ISBN 978-3-00-028704-6

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