Tafertsweiler

Tafertsweiler
Tafertsweiler
Gemeinde Ostrach
Ehemaliges Gemeindewappen von Tafertsweiler
Koordinaten: 47° 59′ N, 9° 25′ O47.9758972222229.40845Koordinaten: 47° 58′ 33″ N, 9° 24′ 30″ O
Fläche: 1,950 km²
Einwohner: 283 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 88356
Vorwahl: 07585

Tafertsweiler ist ein Ortsteil der Gemeinde Ostrach mit 283 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2010[1]) im Landkreis Sigmaringen (Baden-Württemberg).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Tafertsweiler liegt rund 3,2 Kilometer nordöstlich vom Hauptort Ostrach in einer Endmoränenlandschaft. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 1950 Hektar (Stand: 31. Dez. 2010[2]). Die Ortschaft ist landwirtschaftlich geprägt und wird fast vollständig von einem breiten Waldgürtel umschlossen. Seit 1983 wird das Moränenmaterial durch die Kiesbaggerei Weimar abgebaut.

Gliederung

Die Ortschaft Tafertsweiler besteht aus den vier ehemaligen hohenzollerischen Wohnplätzen Tafertsweiler, Bachhaupten, Eschendorf und Gunzenhausen sowie der früheren Exklave Wirnsweiler. Sie gehört vor der Gemeindereform zur ehemaligen württembergischen Gemeinde Friedberg (heute Stadtteil von Bad Saulgau).

Geschichte

Tafertsweiler im Ostrachgau war Besitzung des letzten freiherrlichen Sprossen Bertold von Bachobiten (Bachhaupten), der als Mönch im Kloster Salem starb. Im Jahre 1175 erlangte Salem durch Testament, beziehungsweise Kauf, Bachhaupten, Tafertsweiler und Eschendorf. 1200 kamen mit Genehmigung der Grafen Konrad und Heinrich von Wartenberg die Besitzungen der Herren Haller zu Gunzenhausen an Salem. Somit bildeten die Orte Bachhaupten, Tafertsweiler, Eschendorf und Gunzenhausen das erste Salemische Amt im Ostrachgau - das Amt Bachhaupten.[3]

1603 wurde das Amt Bachhaupten nach dem Marktflecken Ostrach verlegt und hieß Oberamt Ostrach. Der weltliche Oberamtmann saß nun in Ostrach, der geistliche Pfleger, ein Pater, blieb im Schloss zu Bachhaupten als Präfekt und Repräsentant des Reichsabtes von Salem.[3]

Als der 40. Abt, Kaspar Oexle, regierte, kam über das freien Reichsklosters Salem und somit für die „Obere Herrschaft“, die Region rund um Ostrach, das schicksalhafte Ende.[3] Am 25. Februar 1803 wurden im Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg die Fürsten für Abtretungen auf dem linken Rheinufer entschädigt. Im Rahmen der Säkularisation schlug auch für das Reichsstift Salem die letzte Stunde.[4]

Laut dem Geschichtsbuch Salem oder Salmansweiler aus dem Jahre 1863 erfolgte schon Ende des Jahres 1802, bereits Monate vor dem Reichsdeputationshauptschluss, die Enteignung des Reichsstifts und die Übernahme der Herrschaft Ostrach mit ihren befindlichen Besitzungen, sprich das Oberamt Ostrach mit Ostrach und den umliegenden Dörfern wie Tafertsweiler, durch das Fürstenhaus Thurn und Taxis, das als Inhaber der Grafschaft Friedberg-Scheer rechts der Ostrach bereits in der Region präsent war.[4][3]

Das Oberamt Ostrach existierte nach kurzer Zugehörigkeit zu Thurn und Taxis auch noch nach 1806, als dieses per Rheinbundakte zugunsten von Hohenzollern-Sigmaringen mediatisiert wurde.[3] Thurn und Taxis behielt als Standesherr gewisse Rechte, so die niedere Gerichtsbarkeit und das Jagdrecht. Fortan bestand das Oberamt Ostrach als Patrimonialamt unter hohenzollerischer Landeshoheit. Dem Handbuch des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen aus dem Jahr 1844 ist zu entnehmen, das das Pfarrdorf Tafertsweiler zu diesem Zeitpunkt 48 Gebäude und 171 Einwohner hatte und einschließlich der standesherrlichen Waldungen des Reviers Bachhaupten 4356 Morgen groß war.[5]

Ansichtskarte von Tafertsweiler

Tafertsweiler gehört von 1806 bis 1829 im hohenzollerischen Oberamt Ostrach zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. 1850 ging das Oberamt Ostrach als Teil der Hohenzollernschen Lande an Preußen. Die standesherrliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde 1852 abgeschafft. Im Zuge einer Vereinfachung der Verwaltung wurde das Oberamt Ostrach durch Erlass vom 28. März 1862 aufgehoben und ins Oberamt Sigmaringen eingegliedert.[3] Durch das Gesetz zur Vereinfachung der Verwaltung vom 7. Oktober 1925 kam die Gemeinde Tafertsweiler zum Landkreis Sigmaringen.

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurde die selbständige Gemeinde Tafertsweiler zum 1. Januar 1975 nach Ostrach eingemeindet.

Religion

Die katholische Pfarrei Tafertsweiler gehört zum Dekanat Meßkirch.[6] Die evangelischen Christen gehören zur Kirchengemeinde Ostrach.

Politik

Ortsvorsteher

Ortsvorsteher von Tafertsweiler ist Wolfgang Pfeiffer (Stand: Juli 2011).

Wappen

Das ehemalige Gemeindewappen von Tafertsweiler zeigt in geteiltem Schild oben in Silber an einem roten Hebebaum eine rote Bütte, unten in Schwarz ein doppelreihig rot-silbern geschachter Schrägbalken.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Die Pfarrkirche St. Urban weist einen langschiffigen Baukörper mit aufgesetztem Glockenturm und Spitzdach auf.
  • Das ehemalige Schul- und Rathaus von Tafertsweiler wurde 2009/10 zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut und modernisiert.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

  • Balthasar Puolamer (1615–1681), geboren in Bachhaupten, neunzehnter Abt der Reichsabtei Ochsenhausen
  • Reinhold Frank (1896–1945), geboren in Bachhaupten, Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, hingerichtet nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944

Einzelnachweise

  1. Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 4. Februar 2011.
  2. Angaben Gemeinde Ostrach vom 11. Januar 2011.
  3. a b c d e f Josef Unger (ugr): Ostrach unter der Herrschaft der Reichsabtei Salem. In: Südkurier vom 27. Oktober 2010
  4. a b Josef Unger (ugr): Für Reichsstift schlug letzte Stunde. In: Südkurier vom 21. Dezember 2002
  5. Josef Unger (ugr): Vor 200 Jahren wurden die Ostracher "Taxianer". In: Südkurier vom 22. März 2003
  6. Alfred Th. Heim: Sprengel mit Tradition seit 1130. In: Südkurier vom 9. Juni 2005

Weblinks


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