Poppenwald

Poppenwald
Felsen am Eingang zur Prinzenhöhle
Ruine der Isenburg

Der Poppenwald bildet ein zusammenhängendes Waldgebiet im Westerzgebirge.

Er bedeckt den südöstlichen Teil des Altlandkreises Zwickauer Land und den nordwestlichen Teil des Altlandkreises Aue-Schwarzenberg. Begrenzt wird das Waldgebiet im Norden durch die Stadt Hartenstein und im Süden durch den Kurort Bad Schlema. Die Verbindungsstraße von Hartenstein nach Aue sowie die Bahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg durchqueren den Poppenwald im Tal der Zwickauer Mulde. Die Silberstraße, eine Ferienstraße im Erzgebirge, streift das Gebiet als B 93.

Die heute als "Poppenwald" bekannte Landschaft besteht eigentlich aus drei aneinander grenzenden Waldgebieten: Den rechts der Mulde gelegenen und flächenmäßig größten Hartensteiner Forst sowie das am linken Ufer gelegene Forstrevier Stein und den eigentlichen, namengebenden Poppenwald. Dieser bedeckte früher den gesamten linken Talhang der Zwickauer Mulde zwischen Niederschlema und Wildbach, ist heute jedoch deutlich kleiner. Der Name leitet sich aus dem niederdeutschen Wort Pfaffe ab und deutet an, das sich der Wald in Kirchenbesitz befindet. Bereits im Jahre 1478 erwarb ihn die Zwickauer Kirche von den Schönburgern[1].

Zentrales Gewässer ist die tief eingeschnittene Zwickauer Mulde. Der Fluss wird oberhalb der Burg Stein aufgestaut. Ein weiteres Wehr befand sich unterhalb der Isenburg, wurde aber durch ein Hochwasser zerstört und ist kaum noch erkennbar. Große Teile des Poppenwaldes bilden ein Natur- oder Landschaftsschutzgebiet. Hier dominieren naturnahe Buchen-Mischwälder mit altem Baumbestand und hohem Totholzanteil. Neben Rot- und Schwarzwild sind zahlreiche Vogel- und Kleintierarten heimisch. Offene Felsbildungen, Steilhänge sowie trockenwarme und schattig-feuchte Standorte prägen das abwechslungsreiche Geländeprofil und führen zur Herausbildung einer artenreichen Flora. Hervorzuheben sind tief eingeschnittene Kerbtäler, wie das Tieftal, das Ottertal oder der Bärengrund. Hier wurde im Jahre 1749 der letzte Braunbär erlegt.

Im gesamten Gebiet sind Zeichen Jahrhunderte währender Bergbautätigkeit zu finden. Reste verfallener Mundlöcher und Schieferhalden belegen, dass der Untergrund lange Zeit nach Bodenschätzen durchsucht wurde. Als mineralogische Seltenheit für das Erzgebirge gilt der Abbau von Zinnober, das der Quecksilbergewinnung diente. Die wenig ergiebigen Lagerstätten waren aber schon frühzeitig erschöpft. Als letzter Bodenschatz wurde bis Anfang der 1990er Jahre Uranerz abgebaut. Die Mine (Schacht 371) war mit einer Teufe von fast 2000 m unter Tage zeitweise die tiefste Europas und in den 1990er Jahren auch Besuchern zugänglich. Die Gruben sind heute geflutet, die Abraumhalden begrünt und kaum mehr als solche zu erkennen.

Der Poppenwald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Zahlreiche Wanderwege verbinden historische Bauten und Ausflugsgaststätten. Bekannte Sehenswürdigkeiten sind die Burg Stein und die Prinzenhöhle, beide spielten eine wichtige Rolle während des Sächsischen Prinzenraubes. Außerdem befinden sich die Ruinen des Hartensteiner Schlosses und der Isenburg im Poppenwald. Daneben kann man das bereits als Filmkulisse benutzte Schloss Wolfsbrunn besuchen.

Ab den 1990ern wurde im Poppenwald nach Kunstschätzen gesucht, die dort am Ende des Zweiten Weltkriegs in verlassenen Stollen versteckt worden sein sollen. Der Schatzsucher Dietmar B. Reimann mutmaßte in mehreren Büchern, dass der Poppenwald ein mögliches Versteck des Bernsteinzimmers sein könnte, blieb bei verschiedenen Suchaktionen jedoch erfolglos. Die Zwickauer Kirchgemeinde als Besitzer des Waldes untersagte 2010 weitere Grabungen.

Einzelnachweise

  1. Zwischen Zwickauer Mulde und Geyerschem Wald. 1. Auflage. Akademie-Verlag Berlin, Berlin 1980 (Werte unserer Heimat. Band 31).
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