Matthäus-Passion (Schütz)

Matthäus-Passion (Schütz)

Die Matthäus-Passion (SWV 479), voller Titel: Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heiland Jesu Christi nach dem Evangelisten Matthäus, ist ein geistliches Chorwerk komponiert von Heinrich Schütz.

„In den Historien von Heinrich Schütz kulminiert die Entwicklung der ausschließlich auf das Bibelwort gegründeten Passion; auf lange Zeit hinaus war sie abgeschlossen.“

Kurt Gudewill

Inhaltsverzeichnis

Besetzung

Die Besetzung (Gemischter Chor / SATB) ist, ungleich der berühmten Passionen Bachs, rein vokal, wenn man von der Originalversion ausgeht. Die vorkommenden Rollen und ihre Besetzung bei Heinrich Schütz [1]:

Rolle Stimmlage Textbeispiele aus der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz
Christus Bass "Nehmet, esset, das ist mein Leib!"
Evangelist Tenor "Da antwortete Judas, der in verriet:"
Judas Altus "Bin ichs, Rabbi?"
Caiphas Bass "Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?"
Petrus Tenor "Ich kenne des Menschen nicht!"
Ancilla I Sopran "Und du, du warest auch mit dem Jesus aus Galiläa!"
Ancilla II Sopran "Dieser war auch mit Jesus aus Nazareth!"
Pilatus Tenor "Bist du der Juden König?"
Pilati Weib Altus "Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten."
Zweene falsche Zeugen Tenor I und II gemeinsam "Er hat gesaget: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen ..."

Die normale Chorführung ist Diskant, Alt, Tenor und Bass. Wenn aber die Hohenpriester im Vordergrund stehen, wechselt Schütz schon einmal in die dunklere Besetzung Alt - Tenor - Tenor - Bass. Die "dunklen Szenen" werden effektvoll durch einen tieferen und dunkler klingenden Chorklang verstärkt[2].

Aufführung und liturgischer Ort

Uraufführung

Das Werk stammt aus dem Jahre 1666, als Schütz auch die Johannes-Passion komponierte, und steht in g-Dorisch.

Die Matthäuspassion hatte im Gottesdienst der Dresdener Schlosskirche ihren festen Platz. Sie wurde also für liturgischen Gebrauch geschaffen. Musikinstrumente durften während der Passionszeit wie vielerorts auch in Dresden in der Kirche nicht verwendet werden[3]. Selbst der Generalbass ist bei der Matthäuspassion von Schütz ausgeschlossen. Die Passion war ursprünglich für den Sonntag Judica bestimmt, den 5. Sonntag der Passionszeit.[4].

Eigenheit

Wenn Heinrich Schütz den althergebrachte f-Modus als Passionston hier verlässt, bricht er eine Tradition, die er in seiner Lukas-Passion noch aufrechterhält. Otto Brodde interpretiert dies so: "Der Evangelist Matthäus stellt Christus als den Schöpfer der neuen Gemeinde dar, eine grundlegende und darum für den Christen allgemeinverbindliche Aussage. Um solche grundlegende Allgemeinverbindlichkeit zu symbolisieren, nimmt Schütz die universelle Tonartengruppe, die in der Gabrieli-Schule die Mitte aller möglichen Affektlagen zeichenhaft symbolisiert"[5].

Wiederentdeckung

Das Werk wurde über 200 Jahre lang nicht aufgeführt und erst zu Beginn der 1880er Jahre auf Anregung von Friedrich Spitta durch Arnold Mendelssohn in Bonn wiederaufgeführt. In der Originalfassung, also a cappella, war diese Passion 1929 auf dem zweiten Heinrich-Schütz-Fest in Celle erstmals wieder zu Gehör gebracht worden [6].

Quelle

Als Quelle gilt die kalligraphisch ansprechende Handschrift von Johann Zacharias Grundig[7].

Siehe auch

Hauptartikel: Passion (Musik)

Einzelnachweise

  1. Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957
  2. Otto Brodde, Heinrich Schütz. Weg und Werk, Kassel 1979, 2. Aufl., S. 266, ISBN 3761801599
  3. Hans Eppstein, Heinrich Schütz, Neuhausen-Stuttgart 1975, S. 150, ISBN 377510190X
  4. Einleitung von Kurt Gudewill in der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, ohne Seitenzahl
  5. Otto Brodde, Heinrich Schütz. Weg und Werk, Kassel 1979, 2. Aufl., S. 263; auch Siegfried Schmalzriedt, Heinrich Schütz und andere zeitgenössische Musiker in der Lehre Giovanni Gabrielis. Studien zu ihren Madrigalen. Dissertation Tübingen 1969, Neuhausen Stuttgart 1972, S. 81 f
  6. Fritz Schmidts Vorwort von 1929, abgedruckt in der Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, S. 107
  7. Fritz Schmidts Vorwort von 1929, abgedruckt in der Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, S. 107

Weblinks


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