Malireich


Malireich
Der Herrscher Mansa Musa von Mali (Katalanischer Weltatlas, 1375)
Mutmaßliche Ausdehnung des Malireiches im 13.Jahrhundert

Das mittelalterliche Reich Mali (auf Mandinka: Manden Kurufa) war das größte westafrikanische Reich der Geschichte.

Staatsvolk waren die Malinke („Leute Malis“) und wichtigste Einkommensquelle war der Goldhandel. In seinen Grenzen entsprach es ungefähr dem heutigen Mali. In seiner größten Ausdehnung reichte das Malireich aber vom Atlantischen Ozean bis zum Gebirge des Aïr.

Inhaltsverzeichnis

Gründung des Malireiches

Nach dem Zerfall des großen Ghanareiches kam es in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts am Oberlauf des Niger zur Bildung des Reiches Mali. Unterstützt von Truppen des Kleinkönigs von Mema marschierte der Heerführer Sundiata Keïta gegen den mächtigen König der Soso-Schmiede Sumanguru Kante. Er besiegte ihn in der Schlacht von Kirina, übernahm seine Herrschaftsattribute und gründete das muslimische Reich Mali. Anschließend eroberte er auch den nördlichen Teil des Reiches, vertrieb auch dort die Soso und machte Mali damit zum Nachfolgereich Ghanas.

Pilgerfahrten der Maliherrscher nach Mekka

Sein Nachfolger Mansa Wali konnte deshalb die Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen, ohne im Sahel das Territorium eines Nachbarstaates durchqueren zu müssen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts brach auch Mansa Sakura, ein offensichtlich nicht zu den Keïta gehöriger "Klient der Könige von Mali" nach Mekka auf. Zweifellos die bedeutendste Pilgerfahrt aller westafrikanischen Könige aber unternahm Mansa Musa im Jahre 1324. Mehrere ägyptische Chronisten berichten übereinstimmend, dass durch die Einkäufe des Königs von Mali und seiner Begleiter soviel Gold auf den Markt von Kairo kam, dass der Goldpreis drastisch fiel. Der Preissturz muss nach modernen Berechnungen ungefähr 25 % betragen haben.

Lokale Sitten und Gebräuche – Praxis des Islam

Als Ibn Battuta 1352-53 das Malireich bereiste, herrschte nicht mehr Mansa Musa, sondern dessen Bruder Mansa Sulayman. Der große Reisende hatte den Eindruck, dass schon zu dieser Zeit die Einwohner des Landes tief vom Islam geprägt waren. Nach seinen Beobachtungen verrichteten die Bewohner der Hauptstadt Niani regelmäßig die fünf täglichen Gebete, sie beteiligten sich auch zahlreich an den islamischen Festen, Eltern legten großen Wert darauf, dass ihre Kinder den Koran auswendig lernten, Rechtsstreitigkeiten wurden teilweise von den Kadis geregelt und nicht von den politischen Autoritäten. Daneben gab es allerdings auch Bräuche, die einen gläubigen Muslim wie Ibn Battuta schockierten: Sklavinnen bedienten ihre Herrn völlig unbekleidet und erschienen auch so in der Öffentlichkeit; zur Begrüßung des Königs streuten sich die Leute Sand und Asche auf ihr Haupt, eine Ehrerbietung, die nach muslimischen Verständnis höchstens Allah angemessen ist, nicht aber einem Menschen; grotesk und unangemessen erschienen ihm ebenfalls die Preislieder zu Ehren des Königs, bei denen die Barden in einer eigenartigen Verkleidung auftraten. Aber diese Einzelerscheinungen ändern nichts an der Tatsache, dass der Islam im Malireich von der städtischen Bevölkerung bereits zur Mitte des 14. Jahrhundert mit großer Anteilnahme und Hingabe praktiziert wurde. Wie Ibn Battuta außerdem lobend hervorhebt, herrschten im gesamten Machtbereich der Keïta friedliche und gesicherte Verhältnisse.

Zerfall des Malireiches

Gegen Ende des 14. Jahrhundert zeigten sich erste Verfallserscheinungen im Malireich. Hauptgrund dafür waren die dynastischen Konflikte, von denen Ibn Chaldun ein beredtes Zeugnis ablegt: Innerhalb von 30 Jahren herrschten sechs Könige - ein Sohn des Sulayman, drei Nachkommen Musas, ein Usurpator und letztlich ein Nachkomme Sundiatas aus der Linie seines Sohnes Wali. Dazu kam die De-facto-Herrschaft eines mächtigen Amtsträgers, der für einige Zeit den rechtmäßigen König in Gewahrsam nahm und an seiner Stelle die Macht ausübte. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Entwicklung in der Folgezeit rückgängig gemacht werden konnte, denn 1433 mussten die Keïta Timbuktu aufgeben; auch die Handelsstadt Djenné konnten sie nicht mehr halten. Der Niedergang des großen Malireiches wird indirekt durch die Portugiesen bestätigt. Nach ihren Erkundungen in Senegambien herrschte ein großer Malikönig irgendwo im Inneren des Landes. Diesem waren zwar die Mandinka-Könige des Gambia untertan, aber er residierte zurückgezogen am Oberlauf des Niger. Schon lange hatte er die Kontrolle über den transsaharanischen Goldhandel verloren.

Siehe auch

Bibliographie

  • Ralf A. Austen (Hg.): In Search of Sunjata, Bloomington 1999.
  • Nehemia Levtzion: Ancient Ghana and Mali, London 1973.
  • Madina Ly Tall: L'empire du Mali, Dakar 1977.

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