Kloster Pillenreuth

Kloster Pillenreuth

Das Kloster Pillenreuth ist ein ehemaliges Kloster der Augustinerchorfrauen in der Diözese Eichstätt; heute ist Pillenreuth nach Nürnberg eingemeindet (Stadtbezirk 7 - Außenstadt Süd).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Mariä Schiedung (zuletzt Maria Himmelfahrt) geweihte Augustiner-Chorfrauen-Stift wurde 1345 durch Konrad Groß gegründet; Konrad Groß war damals kaiserlicher Schultheiß in Nürnberg. 1422 übernahm Pillenreuth die Reformstatuten des Kardinals Branda[1] und spielte damit eine Vorreiterrolle im Zuge der damaligen Bestrebungen nach einer Kirchen- und Klosterreform; so übernahm auch das Stift Inzigkofen 1431 die Pillenreuther Regel. 1552 wurde Pillenreuth dann zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die letzte lebende Nonne übergab 1596 den Besitz der Stadt Nürnberg, die ihn im Ganzen veräußerte. Später wurde der Besitz aufgeteilt und weiterverkauft. Seit 1808/18 gehörte die Ansiedlung zu Worzeldorf und mit dieser Gemeinde kam Pillenreuth am 1. Juli 1972 im Rahmen der Gemeindegebietsreform an Nürnberg. Heute sind nur noch Reste der ehemaligen Klosteranlage vorhanden.

Ehemalige Bibliothek

Von Bedeutung bleibt das Kloster Pillenreuth jedoch auch weiterhin durch die Bestände seiner ehemaligen Bibliothek. Das neu gegründete und reich dotierte Kloster war wahrscheinlich zumindest bis 1379 Alterswohnsitz Heinrichs von Nördlingen, des engagierten Propagators mystischer Spiritualität und Literatur. Mit seiner Hilfe dürfte man u. a. Schriften seines „Vaters“ Tauler und Bücher aus dem Kloster Engelthal erhalten haben. Solche Texte wurden dann jedenfalls im 15. Jahrhundert in Pillenreuth erneut abgeschrieben und auch an andere Klöster ausgeliehen, als Pillenreuth nach Annahme der Reformstatuten eine lebhafte Übersetzungs-, Schreib- und Leihtätigkeit entfaltete. Besonders unter der engagierten Nonne Anna Ebin (1461-1476 Pröpstin; † 1485) wurden mit hoher Kennerschaft vor allem Texte des mystischen und des erbaulichen Schrifttums rezipiert. Dabei stand man in Austausch mit zahlreichen Reformklöstern, besonders dem Katharinenkloster Nürnberg, dem Stift Inzigkofen, den Klöstern Schönensteinbach und Rebdorf. Der Rezeptionstätigkeit dieses Netzwerks von Klöstern ist ein nicht unwesentlicher Teil der auf die heutige Zeit überkommenen mystischen Literatur zu verdanken.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zu Branda siehe Hermann Tüchle: Das Mainzer Reformdekret des Kardinals Branda. In: Remigius Bäumer (Hrsg.): Von Konstanz nach Trient. Beiträge zur Geschichte der Kirche von den Reformkonzilien bis zum Tridentinum. Fs. f. August Franzen. Paderborn 1972, S. 101-117
  2. Siehe dazu Ringler, 1980 (s. u.: Literatur), passim

Literatur

  • Günther P. Fehring, Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. (Kurzinventar). 2. Ausgabe. Bearbeitet von Wilhelm Schwemmer. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1977. Deutscher Kunstverlag, München 1982, ISBN 3-422-00558-7, (Bayerische Kunstdenkmale 10), S. 396f.
  • Heinrich Gürsching: Neue urkundliche Nachrichten über den Mystiker Heinrich von Nördlingen? In: Festgabe für K. Schorbaum. Neustadt (Aisch) 1950, S. 42-57
  • Elvira Langen: Eine neue Quelle für die Kenntnis des mystischen Lebens im Kloster Pillenreuth. Untersuchungen und Texte. Diss. Heidelberg 1960
  • Siegfried Ringler: Viten- und Offenbarungsliteratur in Frauenklöstern des Mittelalters. Quellen und Studien. Artemis, München 1980 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 72), S. 41f.; 49-63
  • Siegfried Ringler: Ebin (Eybin), Anna. In: VL², Bd. 2 (1980), Sp. 295-297
  • Martin Schieber: Die Geschichte des Klosters Pillenreuth. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 80, 1993, S. 1-115, online.
  • Heinrich Wich: Geschichte von Kloster Pillenreuth mit Weiherhaus und Königshof. Nürnberg 1925

Weblinks

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