Institut für Demoskopie Allensbach

Institut für Demoskopie Allensbach
Institut für Demoskopie Allensbach (IfD)
Rechtsform GmbH
Gründung 1947
Sitz Allensbach
Leitung Renate Köcher
Mitarbeiter Festangestellte: ca. 95
Nebenberufliche Interviewer: ca. 2000
Umsatz 9,1 Mio. Euro (2008)
Produkte Marktforschung, Medienanalyse, Umfragegutachten
Website www.ifd-allensbach.de

Das Institut für Demoskopie Allensbach – Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH (IfD) mit Sitz in Allensbach am Bodensee wurde 1947 von Elisabeth Noelle-Neumann gegründet und ist das älteste Meinungsforschungsinstitut in Deutschland. Seit 1988 ist Renate Köcher Geschäftsführerin, bis 2010 an der Seite der Gründerin. Das Institut hat Niederlassungen in Bonn und Berlin. Unter den 95 Mitarbeitern befinden sich 25 Wissenschaftler. Die rund 2000 nebenberuflichen Interviewer werden aus allen Gesellschaftsschichten rekrutiert. Es gilt als dem konservativen politischen Spektrum zugehörig. Neben der Meinungsforschung arbeitet das Institut auch im Feld der Medienforschung (u.a. mit den Studien Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA), Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA), TOPLevel). Als einziges deutsches Institut arbeitet Allensbach nicht mit Zufallsstichproben sondern mit Quotenverfahren, erzielt damit allerdings ähnliche Ergebnisse wie seine Konkurrenten.[1]

Rezeption

Als einziges der fünf großen deutschen Meinungsforschungsinstitute gibt Allensbach bei der Sonntagsfrage Werte für die Parteien im Dezimalstellenbereich an, obwohl der Fehlerbereich bei dieser Art von Erhebung im zwei bis drei Prozentpunktebereich liegt. Für öffentliche Kritik sorgte eine Umfrage zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996, bei der das Institut der Partei Die Republikaner 4,5 Prozent Stimmenanteil vorhersagte. Das tatsächliche Wahlergebnis der Republikaner lag bei 9,1 Prozent. In einem Interview zu dem Vorfall räumte Renate Köcher ein, dass sie der Partei keine Plattform bieten wolle und daher im Vorfeld der Wahl nicht von dem ihr bekannten höheren Wert berichtet hatte. Dieses Vorgehen stieß in der Publizistik und Wissenschaft auf Kritik.[2] Auch die Nähe zwischen Elisabeth Noelle-Neumann und Helmut Kohl führte zu negativen Kritiken.[3]

Hans Magnus Enzensberger bezeichnete 1965 das Institut als Orakel vom Bodensee, da er eine „strukturelle Ähnlichkeit mit den mantischen Praktiken der Alten Welt“ sah. „Demoskopische Befragungen werden im allgemeinen in Auftrag gegeben: Der Unwissende bringt den Priestern von Allensbach seine Opfergaben dar und stellt seine Fragen. Die Pythia antwortet nicht auf eigene Faust, sie gibt die Fragen an eine höhere Instanz weiter, an die Stimme Gottes, die im Jargon der Demoskopen „repräsentativer Querschnitt“ heißt.“ [4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jochen Groß: Die Prognose von Wahlergebnissen. Ansätze und empirische Leistungsfähigkeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2010, ISBN 978-3-531-17273-6, S. 281. 
  2. Dieter Roth 2009: Demoskopie und Politik - Zum Verhältnis und den Missverständnissen zwischen zwei stark kritisierten Professionen. In: Jürgen Winkler (Hrsg.) Politik-Wissenschaft-Medien, ISBN 3531166212, S. 250f.
  3. Dieter Roth 2009: Demoskopie und Politik - Zum Verhältnis und den Missverständnissen zwischen zwei stark kritisierten Professionen. In: Jürgen Winkler (Hrsg.) Politik-Wissenschaft-Medien, ISBN 3531166212, S. 249.
  4. Orakel vom Bodensee Hans Magnus Enzensberger über das „Jahrbuch der öffentlichen Meinung 1958-1964“ DER SPIEGEL 37/1965

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