Griechische Anthologie

Griechische Anthologie

Die Griechische Anthologie ist eine Sammlung von Gedichten, zumeist Epigrammen, die die gesamte Zeit der griechischen Literatur von der Antike bis zum Byzantinischen Reich umfasst.

Die heutigen Ausgaben setzen sich aus dem Gedichtbestand zweier griechischer Manuskripte zusammen, von denen das ältere und umfangreichere Anfang des 17. Jahrhunderts in der Kurpfälzischen Bibliothek (Bibliotheca Palatina) in Heidelberg auftauchte und daher den Namen Anthologia Palatina trägt. Daneben existiert ein kürzeres Manuskript, das aber schon länger bekannt ist und bereits 1494 erstmals gedruckt wurde, die nach ihrem Kompilator Maximus Planudes benannte Anthologia Planudea.

Inhaltsverzeichnis

Das Epigramm im antiken Griechenland

Epigramme – aus einem oder mehreren Versen, je einem Hexameter und einem nachfolgenden Pentameter bestehende Sinnsprüche zu den verschiedensten Themen – waren im alten Griechenland als Inschriften auf allerlei Gegenständen beliebt. Als leicht zu memorierende, kurze und doch formvollendete kleine Gedichte gehörten sie zum Unterhaltungsrepertoire der gebildeten Kreise. Sie wurden bei allen denkbaren Anlässen, besonders bei festlichen Gastmählern (Symposien) gern zur allgemeinen Erheiterung und Gemütserhebung vorgetragen. Dabei konnten sich ernste Lebensweisheiten, historische Reminiszenzen und eher schlüpfrige, durch ihre poetische Form veredelte Sprüche zwanglos aneinanderreihen.

Wachstum der Sammlung über tausend Jahre

Die älteste rekonstruierbare Sammlung von Epigrammen ist die des Meleagros von Gadara, die er unter dem Titel Stephanos („Kranz“ oder „Girlande“) um 70 v. Chr. herausgab. Sie enthält Gedichte von ihm selbst und 46 anderen Dichtern, darunter Archilochos, Alkaios, Anakreon und Simonides. Meleagers Kranz war beliebt genug, um spätere Erweiterungen zu veranlassen. Hundert Jahre nach ihm nahm Philipp von Thessalonike wiederum eigene Gedichte sowie die weiterer 13 Autoren, die in der Zwischenzeit geschrieben hatten, auf. In Verbindung mit seinem Kranz fällt im Manuskript der Anthologia Palatina auch erstmals das Wort Anthologie. Ende des 6. Jahrhunderts fügte Agathias in seinem Kyklos („Kreis“) weitere Gedichte hinzu und gliederte den Stoff thematisch in 7 Bücher. Die Vorworte Meleagers, Philipps und Agathias' sind im 4. Buch der Anthologia Palatina erhalten.

Daneben waren in der Zwischenzeit auch andere Epigrammsammlungen entstanden, so im 2. Jahrhundert die des Grammatikers Diogeneianos mit satirischen und festlichen Epigrammen und die Mousa paidika („knabenhafte Muse“) des Straton von Sardis, eine Sammlung homoerotischer Verse.

Die endgültige Ausgabe der Anthologia Palatina stammt im Wesentlichen von Konstantinos Kephalas aus dem 10. Jahrhundert. Er arbeitete die Sammlungen des Diogeneianos und Stratons ein sowie die Epigramme aus den Textausgaben des Kallimachos, Theokrit, Diogenes Laertios und anderer; ferner christliche Epigramme, literarisch überlieferte (Gregor von Nazianz) und aus Kirchen zusammengetragene; Christodoros’ Beschreibung der Standbilder in einem byzantinischen Gymnasium, sowie Inschriften aus einem Tempel in Kyzikos.

Kephalas gliederte sein Material in 15 Bücher, die insgesamt 3700 Epigramme umfassten. Seine Sammlung, die er vermutlich nicht mehr endgültig redigiert hat, ist im Original nicht erhalten; sie bildet jedoch den Grundstock einer nochmals erweiterten Fassung, von der eine Abschrift erhalten ist, die vier Schreiber nacheinander anfertigten und die Ende des 10. Jahrhunderts begonnen wurde (Codex Palatinus 23).

Die verkürzte Fassung des Planudes und die Wiederentdeckung des Originals

Ende des 13. Jahrhunderts fertigte Maximus Planudes eine eigene Ausgabe der Griechischen Anthologie an, wobei er eigene Gedichte hinzufügte und die wegließ oder „säuberte“ (also umschrieb!), die ihm unrein erschienen. Eine Anzahl von Epigrammen zur Kunst, die bei Kephalas (oder in der erhaltenen Abschrift seiner Sammlung) fehlt, ist nur durch Planudes erhalten. Insgesamt bietet er 2400 Epigramme in 7 Büchern.

Ein Exemplar seiner Zusammenstellung blieb im Autograph, also als eigenhändige Abschrift des Planudes, erhalten: der im Jahre 1301 geschriebene Codex Marcianus 481 (nach der Bibliothek von San Marco in Venedig), auf dessen Basis 1494 die erste Ausgabe gedruckt wurde. Lange Zeit war diese Sammlung, die Anthologia Planudea, die Hauptquelle für die Kenntnis der griechischen Epigrammatik in Westeuropa.

1606 entdeckte Claudius Salmasius in der Bibliothek in Heidelberg die genannte Abschrift der Sammlung des Konstantinos Kephalas wieder, den Codex Palatinus 23. Publiziert wurde der Text jedoch erst 1776, als Richard François Philippe Brunck ihn in seine Analecta einbezog. Die erste textkritische Ausgabe ist die von Friedrich Jacobs (13 Bände, 1794-1803, durchgesehen 1813–1817). Das Manuskript selbst gelangte 1623 nach Rom, 1797 in die Pariser Nationalbibliothek. 1816 wurde ein Teil nach Heidelberg zurückgegeben, der andere blieb in Paris. Die ersten Druckausgaben beruhten auf Abschriften, die in Rom angefertigt wurden.

Das Material, das Planudes zusätzlich zum Codex Palatinus bietet, wird in den heutigen Ausgaben der Griechischen Anthologie als Buch XVI abgedruckt.

Ausgaben

  • H. Beckby (Hg.): Anthologia Graeca, griechisch/deutsch, 4 Bde., 2. Aufl. München 1965 ff. (Sammlung Tusculum)
  • Dietrich Ebener (Hg.): Die Griechische Anthologie in drei Bänden, Aufbau-Verlag, Berlin 1991 (Bibliothek der Antike), ISBN 3746600960

Literatur

Weblinks


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