Symposion


Symposion
Griechisches Symposion, Fresko von 475 v. Chr.

Der altgriechische Ausdruck Symposion (gr.: συμπόσιον sympósĭon; spätlat.: symposium) steht sinngemäß für „gemeinsames, geselliges Trinken“. Die Übersetzung als Gastmahl führt dazu, im Symposion fälschlich nur ein ausgelassenes Trink- und Essgelage zu sehen. Für die Griechen der Antike stand aber die gemeinsame gottverbundene und entsprechend ritualisierte Geselligkeit im Mittelpunkt.

Aus der Bedeutung für gesellige Treffen hat sich später der Begriff Symposium für wissenschaftliche Konferenzen entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Bei solchen antiken Geselligkeiten versammelten sich die Gäste nach dem Essen um den Hausaltar. Nun wurde das Symposion mit kultischen Reinheitshandlungen wie Händewaschen und Besprengen mit wohlriechenden Essenzen eingeleitet. Sodann bekränzte man sich und die Weingefäße mit Efeu, Myrten, Blumen, auch weiße und rote Wollbinden wurden verwendet. Man bekundete so die Zugehörigkeit zum Kreis der Dionysosdiener.

Der erste Schluck Wein aus einer die Runde machenden Schale wurde zu Ehren des guten Geistes, des Daimon getrunken. Als Zeichen der Gottverbundenheit spendete man den Göttern Wein, den man aus dem Becher herausschleuderte. Dazu sang man unter Flötenbegleitung ein altes, dem Apollon gewidmetes Kultlied.

Anschließend wurden nur für das Symposion bestimmte Lieder, die so genannten Skolien, gesungen. Während Xenophons Gastmahl auch von artistischen Darbietungen berichtet, scheint man sich überwiegend der geistigen Unterhaltung gewidmet zu haben: Man improvisierte Reden zu einem bestimmten Thema – wie bei Platon – löste Rätsel, die man sich gegenseitig aufgab, oder entschied sich für das beliebte Spiel, treffende Vergleiche zu finden.

Oft wurde einer der Anwesenden für den Abend zum Symposiarchen gewählt. Er legte die Einzelheiten des Trinkens und der Themen fest und sorgte so für die angemessene Ordnung. Von einem ehrenvollen Mann erwartete man, dass er über dem Trinken nicht seine Tugendhaftigkeit vergäße und danach auch ohne Begleitung nach Hause fände.

Innenbild einer rotfigurigen Trinkschale

Die einzigen schriftlichen Vorschriften für Symposienfeiern sind uns von Platon in seinen Nomoi erhalten. Ein Gedicht gleichen Namens des Xenophanes von Kolophon bezeugt die Feier des Symposion schon im sechsten Jh. v. Chr. Symposien in der hier beschriebenen Form wurden bis zum Ende der Antike abgehalten. Als weitere Quellen können die Vasenmalereien angesehen werden, bei denen es auch Darstellungen gibt, die auf erotische und sexuelle Handlungen schließen lassen.[1]

In der christlichen Tradition wird das Symposion auch als eucharistische Gemeinschaft beim Abendmahl verstanden; Vorbild dafür ist das im Markusevangelium (Mk 6, 39 f.) geschilderte Speisungswunder.

Die Bedeutung des heute verwendeten Ausdrucks Symposion bzw. Symposium entspricht dem ursprünglichen Sinn nur entfernt.

Der Anwendungsbereich des Ausdrucks ist vielfältig geworden, so gibt es auch thematische Konzeptionen der „Zusammenkunft“ in kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen. Das Wort Wirtschaftssymposium hat sich daraus weiterentwickelt.

Siehe auch

Quellen

  • Platon: Sämtliche Werke. Bd. IV. Hamburg 1994.
  • Xenophon: Das Gastmahl. Ditzingen 1986.

Literatur

  • Hans Kleinstück: Griechisch-römische Lyrik. Lengerich (Westf.) o. J.
  • James N. Davidson: Kurtisanen und Meeresfrüchte. Berlin 1999. Speziell: S. 65 ff. (gute Gesamtdarstellung mit weiterer Literatur)
  • Alfred Schäfer: Unterhaltung beim griechischen Symposion. Darbietungen, Spiele und Wettkämpfe von homerischer bis in spätklassische Zeit. von Zabern, Mainz 1997. ISBN 3-8053-2336-0.
  • Elke Stein-Hölkeskamp: Das römische Gastmahl. Eine Kulturgeschichte. C. H. Beck Verlag, München 2005.

Weblinks

 Commons: Symposium scenes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Symposion – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Man kann im zweiten Teil der Symposionsfeste, dem Komos, Flötenspielerinnen sehen, die bereits halb entkleidet und in zärtliche Beziehungen zu den Männern eingetreten sind, es gibt turbulente Szenen mehrerer unbekleideter Männer und Frauen bei spielerischen Verfolgungsjagden, bei denen die Männer unübersehbar erotisch erregt sind; es gibt Gemeinschaftsszenen, bei denen die Verfolgungen dadurch ihr Ende gefunden haben, daß die einzelnen Paare miteinander im Liebesakt verbunden sind. Leseprobe aus Wolfgang Schuller: Die Welt der Hetären: berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit. Stuttgart : Klett-Cotta 2008, ISBN 978-3-608-96001-3

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