Germinal (Roman)

Germinal (Roman)
Werbung für Germinal in der Zeitschrift Gil Blas vom 25. November 1884

Germinal, 1885 erschienen, ist das Hauptwerk von Émile Zolas zwanzigbändigem Werk Das Leben der Familie Rougon-Macquart. Es beschreibt die unmenschlichen Verhältnisse in französischen Bergwerken des 19. Jahrhunderts. Zugleich beleuchtet der Roman die Konflikte, die sich nicht nur zwischen arm und reich, sondern auch zwischen den verschiedenen Versuchen, gerechtere Verhältnisse herzustellen, auftun. Ein Teil der Bergarbeiter und Bergarbeiterinnen befürwortet einen Streik, ein anderer Teil versucht, mit den Eigentümern der Gruben Einvernehmen herzustellen und zu verhandeln. Dabei wird deutlich, dass vor allem der Eigentümer kleinerer, wenig ergiebiger Gruben den auf ihm lastenden Konkurrenzdruck an die Arbeiter und Arbeiterinnen weitergibt. Sein Argument: Wenn nicht schneller und mehr Kohle gefördert wird, muss er seine Gruben schließen, und dann haben die dort Beschäftigten gar keine Arbeit mehr.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Protagonist der Handlung ist der Maschinist Etienne Lantier, der Sohn der Wäscherin Gervaise Coupeau, welche ihrerseits die Protagonistin des Romans Der Totschläger ist. Er hat Lille wegen Respektlosigkeit gegenüber seinem Arbeitgeber verlassen müssen und kommt auf der Suche nach Arbeit in die Bergarbeiter-Siedlung des Schachtes „Le Voreux“. Hier findet er bei der Familie Maheu, in deren älteste Tochter Catherine er sich verliebt, Unterkunft und in der Kohlengrube von Voreux neue Arbeit. Von den unmenschlichen Lebensumständen empört und von der Idee des Sozialismus begeistert, stachelt er die verzagten Bergarbeiterfamilien zum Aufstand auf, der zunächst auch Erfolg hat: Die Arbeiter treten in Streik, der jedoch von den Arbeitern anderer Gruben nicht mitgetragen wird. Die Lebensbedingungen der Arbeiter verschlechtern sich, da sie nun überhaupt nicht mehr bezahlt werden, drastisch. Das Heer der wütenden Arbeiter von Le Voreux zerstört die Kohlengrube „Jean Bart“ und tötet den raffgierigen Lebensmittelhändler Maigrat. Als die Bergbauunternehmer belgische Arbeiter zur Reparatur der Gruben holen und die empörten Arbeiter dagegen vorgehen wollen, greift das Militär ein. Es kommt zu einer Schießerei mit Toten und Verletzten. Hunger und Verzweiflung führen schließlich dazu, dass sie ihre Arbeit für noch niedrigere Löhne wieder aufnehmen müssen. Auch Etienne gibt klein bei, nachdem er bei den ausgehungerten Kameraden zur „Persona non grata“ geworden ist. Just am Tag der reumütigen Arbeitswiederaufnahme ist jedoch der Schacht Le Voreux vom Anarchisten Suwarin sabotiert worden, was seine Überflutung bis hin zum völligen Einsturz zur Folge hat. Dabei werden etwa 20 Arbeiter, darunter Etienne, Catherine und deren Liebhaber Chaval verschüttet. Zur Rettung der Eingeschlossenen wird ein Tunnel gegraben, der diese jedoch erst erreicht, als Etienne den Liebhaber Catherines aus Eifersucht erschlagen hat und sie selbst verhungert ist. Etienne verlässt nach seiner Rettung Voreux, nach wie vor vom Endsieg des Sozialismus überzeugt. Der Roman ist wegen der sehr realistisch dargestellten Konflikte mehr als ein Zeugnis für unmenschliche Arbeitsbedingungen und menschliche Gleichgültigkeit derer, die davon profitieren.

Herkunft des Namens

Germinal ist der Name des in etwa dem April entsprechenden Monats des französischen Revolutionskalenders und bedeutet Keimmonat. Erst im letzten Absatz des Romans wird erklärt, dass das Aufbegehren der niedrigen Bevölkerungsschichten nun einem Keim gleicht, der aus der Erde dringt.

Rezeption

Der Roman wurde mehrfach verfilmt, unter anderem von Albert Capellani als Stummfilm im Jahre 1913, von Yves Allégret im Jahr 1963 und von John Davies als Mehrteiler für die BBC im Jahre 1970. Zuletzt wurde der Stoff im Jahre 1993 von Claude Berri verfilmt, siehe Germinal (1993).

Interpretationen

  • Jacques Vassevière: Émile Zola, Germinal. Reihe: Klett Lektürehilfen Französisch. Bearb. Wolfgang Ader. Klett, Stuttgart 2. Aufl. 1995 ISBN 3129224084[1]

Weblinks

 Wikisource: Germinal – Quellen und Volltexte (Französisch)

Notizen

  1. in Französisch
  2. weitgehend identisch mit der Klett-Ausgabe, dort geringfügige Ergänzungen für deutsche Schüler

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