Gasometer (Lübeck)

Gasometer (Lübeck)

Der 1954 von der Firma Klönne gebaute und im Jahr 2005 restaurierte Gasometer im Gewerbegebiet an der Geniner Straße 80 auf dem Gelände des Gaswerkes II, das 1893/1894 in Betrieb genommen wurde, ist eines der auffälligsten Bauwerke der Stadt Lübeck. Viele der schönsten Ansichten der Innenstadt von Süden her sind ohne den Gasometer nicht zu haben.

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Bei dem 70 m hohen Turm handelt es sich technisch um einen sogenannten Scheibengasbehälter, bei dem eine Scheibe auf das gespeicherte Gas drückt und daher mit der Gasentnahme nach unten rutscht. Die Abdichtung erfolgt über Manschetten an der Scheibe. Alternativ wurden sogenannte Teleskopgasbehälter gebaut, bei denen der zylindrische Gasbehälter in einem Gerüst hängt und bei Gasentnahme in ein Wasserbassin sinkt, das den Behälter abdichtet. In Lübeck stand ein solcher Gasbehälter auf dem Gelände des Gaswerkes I in der Moislinger Allee 9, wo 1930 das Hauptgebäude der Energie und Wasser Lübeck errichtet wurde. Überregional ist der Typ des Teleskopgasbehälters durch den Gasometer auf der Roten Insel in Berlin bekannt. Heute werden überwiegend über- oder unterirdische Druckgasbehälter gebaut. Auch ein solcher steht seit 1975 - unauffälliger als der Gasometer - auf dem Gelände des Gaswerkes II. Er hat das 20fache Fassungsvermögen des Scheibengasbehälters.

Die Vorgänger des heutigen Scheibengasbehälters dienten bis zur endgültigen Umstellung auf Kokereigas 1930 der Speicherung von Stadtgas, das auf dem Gelände aus Steinkohle gewonnen wurde. Von dem Gaswerk, in dem die Verkokung durchgeführt wurde, sind Teile wie die Kohlenlagerhalle auf dem Gelände noch erhalten. Als der Gasometer gebaut wurde, war die Umstellung auf Kokereigas schon abgeschlossen. Es wurde bis zur endgültigen Umstellung auf Erdgas zwischen 1965 und 1969 aus dem Hochofenwerk Lübeck in Herrenwyk bezogen. Seitdem wird in dem Scheiben-Gasbehälter Erdgas gespeichert.

Der Scheiben-Gasbehälter fasst 80.000 Kubikmeter Erdgas. Das ist heute weniger als die Abgabemenge in einer Stunde zu Spitzenabgabezeiten. Die Funktion solcher Gasbehälter besteht deshalb nicht in der Bevorratung, sondern darin, die Spitzenmengen der Gasabgabe zu decken, was den Gasbezug bei den Vorlieferanten verbilligt, die den Preis nicht lediglich nach der Energiemenge, sondern zugleich nach der Spitzenmenge (sog. Benutzungsstunden) berechnen. Auch der Druckgasbehälter, in dem Butan gespeichert wird, dient in ähnlicher Weise der Spitzendeckung. Der Gasbehälter wird also nachts, wenn der Gasverbrauch geringer ist mit Erdgas gefüllt. Bei hohem Verbrauch am Tag wird dieses gespeicherte Gas dann wieder entnommen.

Er wird von der Stadtwerke Lübeck GmbH betrieben und ist der letzte erhalten Scheiben-Gasbehälter in Schleswig-Holstein und einer von wenigen noch erhalten Scheiben-Gasbehälter der Firma Klönne in Deutschland.

Siehe auch

Literatur

  • Sven Bardua: Gaswerk Lübeck. In: Ders.: Vergessene Technik. Ein Führer zu den Denkmälern der Industriekultur zwischen Fehmarn und Elbe, 1997. ISBN 3980150631, S. 127 - 130
  • Günter Friege und Ingo Sens: 150 Jahre Gasversorgung in der Hansestadt Lübeck 1854 - 2004, hrsg.: Stadtwerke Lübeck GmbH, ohne ISBN

Weblinks

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