Gartenbohne

Gartenbohne
 

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Gartenbohne
Gartenbohne mit unreifen Früchten

Gartenbohne mit unreifen Früchten

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Phaseoleae
Gattung: Phaseolus
Art: Gartenbohne
Wissenschaftlicher Name
Phaseolus vulgaris
L.
Eine Auswahl an Farben und Formen bei Gartenbohnen-Sorten.
Frisch keimende Gartenbohne.

Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris), auch Fisole oder Grüne Bohne genannt, ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae). Es gibt viele Nutzpflanzenarten, die „Bohnen“ genannt werden. Wenn man in Deutschland von „Bohne“ spricht, bezieht man sich fast immer auf die Gartenbohne, die je nach Wuchsform auch als Buschbohne oder Stangenbohne bezeichnet wird. Gartenbohnen (engl. common bean, span. frijol, port. feijão) gehören botanisch zu den Körnerleguminosen und nach landwirtschaftlichem Nutzen zu den Eiweißpflanzen. In den Tropen (vor allem in Mittel- und Südamerika) spielen Gartenbohnen aufgrund ihres hohen Proteingehaltes eine elementare Rolle für die Grundversorgung der Bevölkerung, da Maniok und Kochbananen nur einen geringen Eiweißgehalt aufweisen. Körnerleguminosen haben mit 23% Roheiweißgehalt den zweithöchsten Proteinwert von Nahrungspflanzen nach den Sojabohnen.[1] Gartenbohnen enthalten für den Menschen giftige Lektine (Phaseolin), die durch Kochen zerstört werden. Bohnen und Hülsen sind daher roh nicht genießbar.[2]

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Gartenbohne ist eine einjährige Pflanze. Die Blätter sind dreizählig, in ihren Achseln entspringen Seitentriebe. Von den zwei Varietäten wird die Stangenbohne zwei bis vier Meter hoch, und windet sich als Linkswinder (gegen den Uhrzeigersinn) an Stützen nach oben. Die Buschbohne hat ein begrenztes Längenwachstum, windet nicht und wird nur 30 bis 60 cm hoch. Die Buschbohne beendet nach vier bis acht Internodien das Wachstum und bildet endständige Blütenstände.

Die Hauptwurzel ist schwach ausgeprägt. Von ihr zweigen viele Seitenwurzeln ab, die bis 30 cm lang werden. An den Seitenwurzeln sitzen die für die Leguminosen charakteristischen Wurzelknöllchen mit den stickstofffixierenden, symbiontischen Knöllchenbakterien der Art Rhizobium leguminosarum.

Gartenbohnen bilden unterschiedliche Wuchshabitus aus:

  • determinate: buschbildend, begrenztes Wachstum, Vegetationspunkt endet am Hauptsproß
  • indeterminate: buschbildend, kurzer Hauptsproß, Terminalknospe des Hauptsproß bleibt vegetativ
  • unbegrenzt wachsend, schwach rankend, langer Hauptsproß
  • unbegrenzt wachsend, stark rankend abhängig von Standort und Tageslänge[3]

Die Blüten stehen wechselständig zu mehreren in Trauben. Eine Blüte ist ein bis zwei Zentimeter lang. Fremdbestäubung ist möglich, es herrscht jedoch Selbstbestäubung vor. In Mitteleuropa erfolgt die Bestäubung bereits vor Öffnung der Blüten. Die europäischen Sorten sind sämtlich tagneutral, die Zeit bis zur Blüte ist von der Wärmemenge abhängig.

Die Hülsen sind im Querschnitt flach oder rund und sehr variabel. Ihre Farbe kann grün, gelb, blau, violett-gestreift oder schwarz marmoriert sein. Ihre Länge reicht von 5 bis 25 cm. Die Samen sind ebenfalls unterschiedlich groß, ihre Farbe reicht von weiß, hellbraun bis dunkelbraun und weiß-rot gesprenkelt. Das Tausendkorngewicht beträgt je nach Sorte zwischen 250 und 530 g.

Die Keimung verläuft epigäisch, die dicken Speicher-Keimblätter kommen aus dem Boden und entfalten sich, sterben aber recht schnell ab.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[4]

Kulturgeschichte

Die Gartenbohne ist nur in Kultur bekannt. Ihre wilde Stammform dürfte die in Südamerika heimische Phaseolus aborigineus sein. Die ältesten Funde der Gartenbohne stammen aus der Guitarrero-Höhle in Peru von etwa 6000 v. Chr. und aus Pichasca in Chile von etwa 2700 v. Chr.[5] Die nächsten Funde stammen dann erst wieder aus der Zeit von 300 v. Chr. bis etwa Christi Geburt, der Zeit der mittelamerikanischen Hochkulturen. Die Funde sind sowohl Samen wie auch Hülsen. Generell sind die Samen kleiner als die heutiger Sorten, aber wesentlich variabler in Form, Farbe und Muster.

In präkolumbischer Zeit verbreitete sich der Gartenbohnen-Anbau in Amerika sehr weit. Die Gartenbohne war neben Kürbis und Mais die wichtigste Nahrungspflanze (Milpa). Im Norden reichte der Anbau bis zum Sankt-Lorenz-Strom, von wo Jacques Cartier den Anbau beschrieb. Aus Florida beschrieb de Soto die Gartenbohne 1539, Lescarbot 1608 aus Maine. Alle frühen europäischen Autoren betonen auch die große Bedeutung der Bohnen für die Ernährung der Indianer. Bei den Inka war die Gartenbohne nach frühen spanischen Berichten (Garcilaso de la Vega) die Nahrung der unteren Bevölkerungsschichten, während die Oberschicht die Mondbohne (Phaseolus lunatus) bevorzugte.

Während die nord- und mittelamerikanischen Wildsippen ebenfalls zu Phaseolus vulgaris gestellt werden, werden die wilden Verwandten in Südamerika zu Phaseolus aborigineus gestellt. Die nord- und mittelamerikanischen Wildsippen werden als eingeschleppt interpretiert.

Nach Europa gelangte die Gartenbohne im 16. Jahrhundert. Die älteste Abbildung aus Deutschland stammt aus dem Kräuterbuch von Leonhart Fuchs 1543, der sie als „Welsch Bonen“ bezeichnet. Weitere frühe Erwähnungen stammen von Georg Oelinger (1553) und Kaspar Bauhin. In Europa verdrängte sie die bis dahin angebauten Bohnen, die Ackerbohne und die Kuhbohne. Die lateinische und auch noch mittelalterliche Bezeichnung für die Kuhbohne, fasiolum, faseolum und phaseolum gingen nun auf die neue, vorherrschende Gartenbohne über.

Genetik

Schwarze Bohnen.

Infolge der Domestikation der Bohne vor 7000 oder 8000 Jahren hauptsächlich im Hochland von Mexiko ist sie heute weltweit eine bedeutende Nutzpflanze für eine Reihe von Klimazonen und unterschiedlichen Landnutzungssystemen. Infolge der ersten Domestikationsphase über die folgende Evolution unter Inkulturnahme, Selektion, Migration und genetischer Drift veränderten sich die morphologischen, physiologischen und genetischen Eigenschaften der heutigen Bohnensorten. Als Anpassung auf die unterschiedlichsten geographischen Lagen und Klimazonen bildete sich eine große genetische Variabilität an Stämmen von Rhizobium phaseoli und die unterschiedlichsten Krankheiten und Schädlingen aus.[6] Bohnen liefern durch die Hybridisierung der einzelnen Genotypen eine noch höhere genetische Variabilität, was die pflanzenphysiologische Grundlagenforschung und Züchtungsarbeit sehr erleichtert.[7]

Bei Bohnen unterscheidet man nach ihrer genetischen Herkunft den andinen (andines Hochland von Peru und Bolivien) und den mesoamerikanischen (Mexiko und Mittelamerika) Genpool. In beiden Genzentren wurden unterschiedliche Bohnengenotypen für die lokalen Boden- und Klimaverhältnisse entwickelt. Die Wildform von P. vulgaris wurde erstmals entlang dem Andenbogen von Argentinien bis Venezuela domestiziert. Bohnen sind neben den Kürbissen die ältesten angebauten Nutzpflanzen Amerikas und gehören noch heute zu den wichtigsten Pflanzenkulturen der kleinbäuerlichen Subsistenzlandwirtschaft in Lateinamerika und Afrika.

In der Saatgutbank des CIAT (IBN – International Bean Germplasm Nursery) werden über 10.000 unterschiedliche Bohnenherkünfte mit den unterschiedlichsten Resistenzgenen konserviert, davon sind allein 2.000 Genotypen aus Ruanda, Burundi, Honduras und Chile.

Zu den Hauptzielen in der Pflanzenzüchtung gehört die qualitative Verbesserung von Inhaltsstoffen (z. B. Aminosäuremuster), der ökophysiologischen Anpassung und Ertragsstabilität für suboptimale Standorte (z. B. abiotischer Stress wie Trockentoleranz, Bodenazidität, etc.) und Resistenzzüchtung gegen Krankheiten und Schädlinge. Genetische Untersuchungen verschiedener Bohnenlinien haben ergeben, dass insbesondere für die qualitative Verbesserung noch ein großes züchterisches Potential vorhanden ist.[8]

Exportpflanzen und Marktfrüchte (cash crops) wie Getreide und Sojabohnen als Ölsaat liefern immer noch den höchsten Anteil der pflanzlichen Roheiweißproduktion und wurden traditionell züchterisch intensiver bearbeitet als Eiweißpflanzen wie die Körnerleguminosen. Auch blieb das Anbaugebiet der Bohnen von 1972-1981 noch weitgehend konstant.[9]

Sorten

Es gibt tausende von Sorten. Für den Anbau unterteilt man nach der Nutzung in Filetbohnen, das sind Sorten mit fleischiger Hülse, die vorwiegend als grüne Hülse geerntet und genutzt werden und in Kernbohnen oder Trockenkochbohnen, bei denen die Nutzung der Samen (genannt Bohnenkerne) im Vordergrund steht. Zwiebohnen sind Sorten, die je nach Erntezeitpunkt sowohl zur Gewinnung grüner Hülsen, als auch zur Ernte von Bohnenkernen nutzbar sind. Wachsbohnen sind Filetbohnen mit gelben Hülsen, Perlbohnen sind meist kleinsamige Bohnen, bei denen die rundlichen Samen in der Hülse hervortreten und wie eine Perlenkette aufgereiht aussehen. Prinzessbohnen sind besonders jung geerntete und daher feinere Filetbohnen. Außerhalb der Saison werden aus verschiedenen afrikanischen Ländern teils mit Luftfracht importierte Filetbohnen als Keniabohnen vermarktet. In Deutschland verbreitete Sorten sind bei Filetbohnen: Neckarkönigin, Saxa, Delinel, Blauhilde; bei Wachsbohnen: Beste von allen, Neckargold; als Zwiebohne: Feuerzunge.

Kidney-Bohnen

Kidney-Bohne ist ursprünglich nur ein anderer Name für die Gartenbohne, bezeichnet heute aber auch bestimmte rotsamige Sorten. Der Begriff Kidney-Bean (zu deutsch: „Nieren-Bohne“) wurde im 19. Jahrhundert im englischen Sprachraum noch für alle Vertreter der Gattung Phaseolus gebraucht, in Abgrenzung zu den heute als Ackerbohne bezeichneten Bohnen. Ausschlaggebend war die ausgeprägte Nierenform der Samen.[10][11][12] Zwar ist der Begriff im englischen Sprachraum auch heute noch für die Gartenbohne als Art in Gebrauch, wird aber umgangssprachlich vor allem für die großen, roten Samen der Gartenbohne gebraucht.[13] Sorten der Kidneybohne, großsamig, rot bis rosa: Red Kidney, Redkloud, Diacol-Calima.

Pintobohne.

Die Pintobohne (Spanisch: frijol pinto) ist rot-braun gesprenkelt mit beigefarbenem Grundton - die Farbgebung ähnelt einem Wachtelei darum wird sie auch Wachtelbohne genannt. Es ist die in den USA[14] und Nordwesten von Mexiko[15] am häufigsten verwendete Varietät der Gartenbohne. Die Pintobohne wird im Aufweichwasser gekocht, püriert und teilweise fritiert. Ganz oder püriert wird sie oft als Füllung für Burritos verwendet. Im Südwesten der USA wird die Pintobohne als wichtiges Symbol der regionalen Identität angesehen, insbesondere bei den mexikanischstämmigen Einwohnern. Zusammen mit der Chilifrucht ist sie die offizielle Gemüsesorte des Bundesstaates New Mexico. Sorten der Pintobohne sind: Sierra, Burke, Othello, Maverick.

Weitere handelsübliche Bohnensorten von überregionaler Bedeutung sind:

  • großsamig, weiß: ‘Alubia’, ‘Cristal’
  • kleinsamig, schwarz: ‘Rio Tibagi’, ‘Porrillo sintético’, ‘ICA-Pijao’
  • kleinsamig, weiß: ‘Arroz’, ‘California’, ‘White’, ‘Sanilac’[16]

Ökophysiologie

Bohnen als „plastische“ Pflanzen sind an die verschiedensten Klimata und ökologischen Bedingungen angepasst. Nur wenige Pflanzen zeigen eine derart große Mannigfaltigkeit an Anpassungsmechanismen an unterschiedlichen Standorten, sowie Wuchstypen und Vegetationslängen.[17] Phaseolus vulgaris wächst am besten in Regionen mit einer durchschnittlichen Temperatur von 18 bis 30 °C während der Wachstumsperiode. Möglichst gleichmäßig verteilte Niederschläge und relativ kühle Nächte unter 20 °C begünstigen Wachstum und Samenertrag. Im kühlen und niederschlagsarmen Hochland wird der Anbau von großsamigen Sorten bevorzugt, da durch eine rasche und tiefgründige Wurzelentwicklung ein größeres Bodenvolumen erschlossen wird und unerwartete und kurze Trockenperioden somit überbrückt werden können.[18] Trockenperioden, die länger als zwei Wochen dauern, können die Bohnen in den Tropen, insbesondere während der Blüte nachhaltig schädigen und es kommt zu Ertragsreduktionen. In den humiden Tropen auf schlecht drainierten Standorten sind wiederum Sorten mit einem flacheren Wurzelwerk von Vorteil, um teilweise auch Staunässe auszuhalten.[18] Starke Niederschläge verbunden mit einer hohen Luftfeuchtigkeit können das Entstehen zahlreicher Pilzkrankheiten begünstigen. Die meisten handelsüblichen Bohnensorten sind im Vergleich zur Sojabohne tagneutral, das bedeutet die Photoperiode Kurztag/Langtag hat keinen nachweislichen Einfluss auf die Blühinduktion. Geeignet sind Böden mit einem mittleren pH-Wert zwischen 4,5 und 8,0. Auf sauren Böden treten Mangelerscheinungen wie Phosphormangel auf, dabei kann Phosphor nicht mehr in ausreichenden Mengen von der Wurzel aufgenommen werden. Gelöste Metalle wie Aluminium und Mangan können zu toxischen Symptomen führen. Stark ertragsreiche Bohnensorten werden nur unzureichend durch die N-Fixierung versorgt, hier muss mit Stickstoff (bis ca. 10 kg N/ha)[18] nachgedüngt werden.[19]

Nutzung

Brasilianische Feijoada
Bohnenanbau in Belém/Paraíba, Brasilien
Bohnenfeld

In Europa, Nordafrika und dem Vorderen Orient werden die noch nicht ausgereiften Hülsen der Gartenbohnen vielfach als Gemüse gegessen (Grüne Bohnen, gelbe Wachsbohnen), ein bekanntes deutsches Gericht daraus sind Saure Bohnen. Getrocknet erhält man die in der Schweiz verbreiteten Dörrbohnen. Generell werden aber auch die reifen, trockenen Samen, die sich leicht lagern lassen, viel genutzt. Bohnen werden vielerorts als Suppen- und Eintopfzutat verwendet, beispielsweise im Bohneneintopf der deutschen Küche oder in der italienischen Minestrone. Sie sind der Grundbestandteil des brasilianischen Nationalgerichts “Feijoada” und können je nach Region ein Bestandteil von Chili con Carne sein. Im Reifegrad zwischen den „Grünen Bohnen“ und der „Trockenkochbohne“ oder „Körnerbohne“ liegen die Flageoletbohnen, bei denen die milchreifen Kerne geerntet werden, wenn die Hülsen eine lederartige Reife haben. Sie gelten als Delikatesse.

Anbaumethoden und Produktionsverfahren

In Lateinamerika und Afrika finden sie ihre häufigste Verwendung in kleinbäuerlichen Mischkulturen zusammen mit Mais oder Kaffee. Der Anbau der Bohnen erfolgt entweder gleichzeitig mit der Aussaat des Maises oder zeitlich versetzt, um sich die Wechselwirkungen der Stickstoff-Fixierung zunutze zu machen. In Kaffeeplantagen Kolumbiens wurden Bohnen angebaut, um die Grundnahrungsversorgung der Pflücker zu sichern. Der Grund dafür, dass Bohnen selten in größeren Kulturen angebaut werden, liegt an ihrer hohen Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, geringen und instabilen Erträgen, hohe Marktpreisfluktuationen und lokale Präferenzen eines ganz bestimmten Samentyps.[17] Das semiaride Hochland Mexikos ist das größte zusammenhängende Bohnenanbaugebiet der Welt. Obwohl andere Nutzpflanzen mit höheren Deckungsbeiträgen wie Mais die Bohnen dort vielerorts verdrängt haben, sind in dieser Zone mit geringen und unregelmäßigen Niederschlägen, lokale Bohnen-Landsorten mit die beste Option der Landnutzung. In Brasilien werden Bohnen in allen Bundesstaaten angebaut, wobei die fruchtbarsten und ertragsfähigsten Böden meist mit profitablen Sojabohnen bepflanzt werden und Bohnen mehr und mehr auf ungünstigere und weniger produktive Standorte verdrängt werden. Diese Verschiebung auf die Marginalböden führt zu neuen Risiken wie dem Goldenen Mosaikvirus und Ertragsausfällen durch Trockenheit und geringer Bodenfertilität.[20]

Die Saattiefe beträgt meist nicht mehr als 2,5 cm, um ein rasches Wachstum zu beschleunigen. Der Boden wird vorher grundbearbeitet, soll abgesetzt, mindestens 25 cm tief sein und einen geringen Bestand an Unkräutern (korrekte Bezeichnung Ackerwildpflanzen oder Ackersegetalflora) haben, um die Bohnen einem möglichst geringen Konkurrenzdruck durch andere Pflanzen auszusetzen. In den Tropen wird nach Möglichkeit am Anfang der Regenzeit ausgesät, um während der gesamten Vegetationsperiode ausreichende Niederschläge zu erhalten. In den gemäßigten Breiten erst, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind und die durchschnittliche Temperatur über 12 °C liegt.

Im Bohnenanbau finden Herbizide wie Alachlor, Fluorodifen und Metolachlor im Vorauflauf (vor der Saat) und Bentazon im Nachauflauf (nach der Saat) Verwendung.

Um hohe Samenerträge zu erreichen wird mit Stickstoff gedüngt, um das vegetative Wachstum und einen hohen Blattflächenindex anzuregen. Phosphorarme tropische Böden erfordern außerdem zusätzliche P-Gaben, da Phosphate beispielsweise in Ultisolen und Oxisolen fest fixiert werden. Kommt eine Mineraldüngung aus Kostengründen nicht in Frage, so kann die Bodenbiologie durch Gründdüngung und Mulchwirtschaft nachhaltig verbessert werden.Die verschiedenen Rhizobienstämme sind hochspezialisiert auf den jeweiligen Bohnen-Genotyp angepasst und finden ihr Optimum bei einer ausreichenden Versorgung mit Spurenelementen wie Kalzium, Molybdän, Kobalt, Eisen und Kupfer, einer Bodentemperatur nicht über 32 °C und eine hohe Assimilatversorgung durch die Pflanze.[18] Auf schattenarmen Standorten mit starker Sonneneinstrahlung verhindert ein dichter, geschlossener Pflanzenbestand die übermäßige Bodenerhitzung und Schädigung der Rhizobien.[18]

Erntereif sind die Bohnen bei einem Wassergehalt von etwa 18 %, die Hülsen müssen dabei trocken und dreschfähig sein. In Lateinamerika (Ausnahme Chile und Argentinien mit bis zu 4000 kg/ha bei günstigen Standortbedingungen und geringem Schädlings- und Krankheitsdruck) liegen die Durchschnittserträge meist nur zwischen 500 und 1000 kg/ha. In den USA werden Erträge von 1500 kg/ha erreicht, 75 % mehr als im größten Bohnenerzeugerland Brasilien (Stand 1989), welches die Hälfte des Weltertrages an Bohnen liefert.[16] Weitere wichtige Hauptanbauländer sind Indien, China und Mexiko. Argentinien und Chile exportieren weiße Bohnen für den Konsum in arabischen Ländern. Die Gesamterzeugung liegt bei 10 bis 14 Millionen Tonnen (Stand 1986).

Ernährungsphysiologie

Die Samen der Gartenbohne haben einen hohen Proteingehalt und enthalten eine Reihe von essentiellen Aminosäuren, das enthaltene Protein deckt aber nicht alle essentiellen Aminosäuren ab. Die Kohlenhydrate der Bohne liegen in vom Menschen teilweise nicht abbaubaren Oligosaccharosen vor. Sie enthalten größere Mengen der Mineralstoffe Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen (v. a. in der Form von Leghämoglobin), sowie der Vitamine B2, B6, C, E, Provitamin A (Betacarotin) und Folsäure[21]. Das Vitamin C unterstützt die Aufnahme des enthaltenen Eisens, geht allerdings durch das Kochen zum größten Teil verloren.

Annibale Carracci
Der Bohnenesser

Der Verzehr von Bohnen kann zu einer stark vermehrten Gasbildung im Dickdarm und dadurch zu Blähungen führen. Der Grund hierfür ist, dass bestimmte in Bohnen enthaltene Dreifachzucker, wie zum Beispiel Raffinose, nicht vom Menschen verdaut werden können, von Darmbakterien aber sehr wohl – unter Absonderung von Faulgasen – metabolisiert werden. Dies führt zu Blähungen. Eine Möglichkeit, dieser Nebenwirkung vorzubeugen, ist, die Bohnen vor der Zubereitung zu wässern, um die fraglichen Zucker auszuwaschen. Dabei gehen aber auch Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine verloren. Die andere Möglichkeit besteht in der Einnahme des Enzyms, das die Raffinose in Saccharose und Galaktose spaltet. Die Zugabe von Gewürzen wie Asant, Fenchel, Anis, Koriander, Kreuzkümmel und Kümmel führt nicht zu einer Verringerung der Menge an produziertem Gas, wirken aber entspannend auf die Darmmuskulatur, was die Blähungen für manche Erwachsene und insbesondere Kleinkinder weniger unangenehm macht.

Pharmakologie

Als Droge dienen die Bohnenschalen d. h. die von den Samen befreiten Früchte (Hülsen) Phaseoli pericarpium. Die Droge hat schwach harntreibende Wirkung und wird deshalb bei Katarrhen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung der Bildung von Harngrieß und Harnsteinen eingesetzt. Es ist nicht bekannt, auf welche Inhaltsstoffe diese Wirkung zurückzuführen ist. In der Volksheilkunde wird die Droge als Diabetikertee zur Senkung des Blutzuckerspiegels genutzt; die Wirkung ist aber nicht gesichert.

Krankheiten und Schädlinge

Befall mit Bohnenrost.

Die im folgenden genannten Arten haben vor allem in Mitteleuropa Bedeutung im Gartenbohnen-Anbau. Die wichtigste Virenerkrankung ist das Gewöhnliches Bohnenmosaikvirus (bean common mosaic virus[22]), das zum Absterben der befallenen Pflanzenteile und zu erheblichen Ertragseinbußen führt. Von geringerer Bedeutung sind das Gelbmosaikvirus der Gartenbohne (bean yellow mosaic virus[23]), das Tabakmosaikvirus (tobacco necrosis virus[24]) und Luzernemosaikvirus (alfalfa mosaic virus[25]).

Die bedeutendste bakterielle Krankheit ist die Fettfleckenkrankheit, verursacht durch Pseudomonas syringae pv. phaseolicola. Sie führt zu starken Ertrags- und Qualitätseinbußen. Es können alle Blätter einer Pflanze vertrocknen und vor der Blüte abfallen. Unter den pilzlichen Erregern sind die Erreger der Brennfleckenkrankheit wirtschaftlich am wichtigsten, unter ihnen Colletotrichum lindemuthianum. Sie befallen meist schon die Sämlinge und können zum Absterben der Jungpflanzen führen, zumindest den Ertrag stark reduzieren. Weitere Krankheiten sind der Bohnenbrand (Xanthomonas campestris pv. phaseoli) der Bohnenrost (Uromyces appendiculatus) und Sclerotinia sclerotiorum.

Unter den tierischen Schädlingen sind zwei von Bedeutung. Die Schwarze Bohnenblattlaus (Aphis fabae) überwintert an Euonymus europaea und befällt im Mai die Gartenbohne, wo sie in mehreren Generationen besonders im Juni und Juli in Massen auftreten kann. Die Bohnenfliege (Phorbia platura) legt ihre Eier an die Bohnensamen, von denen sich die Maden dann ernähren.[26]

Als Vorratsschädling können getrocknete Bohnen von Bohnenkäfern (Acanthoscelides obtectus) aus der Familie der Samenkäfer befallen werden.[27]

Trivia

Getrocknete Bohnen als Zählsteine gaben dem „Bohnenspiel“, einer Variante der weit verbreiteten Mancala-Spiele, seinen deutschsprachigen Namen. Zum Dreikönigstag (6. Januar) wurde früher eine Bohne in den Kuchen gebacken. Wer sie fand, war der Bohnenkönig, manchmal gab es auch zusätzlich eine weiße Bohne für die Bohnenkönigin. Wenn der König trank, wurde gerufen: „Der König trinkt!“ und alle mussten mittrinken. Bei diesem Fest wurde das Bohnenlied gesungen, woher die Redewendung kommt: Das geht mir über das Bohnenlied. Der Anbau von Bohnen ist das Hauptthema des prämierten Kartenspiels „Bohnanza“ und seiner zahlreichen Ableger. Dabei werden nicht nur Bohnen im eigentlichen Sinne dargestellt, sondern auch metaphorisch „Bohnen“ genannte Gegenstände wie Blaue Bohnen, Kakaobohnen oder Weinbrandbohnen.

Belege

  • Georg Vogel, Hans Dieter Hartmann, Klaus Krahnstöver: Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-5285-1, S. 637-657 (Merkmale, Krankheiten). 
  • Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-933203-40-6, S. 99-114 (Kulturgeschichte). 
  • Crop Science http://crop.scijournals.org/
  • Annual Report CIAT – Bean Program (Strategic Research and Regional Networks), CIAT, Palmira/Kolumbien, Dezember 1994.
  • Sigmund Rehm (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. 2. völlig neubearbeitete und erweiterte Ausgabe. Ulmer, Stuttgart 1989, ISBN 3-8001-3072-6, (Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern 4).
  • Howard F. Schwartz, Guillermo E. Gálvez: Bean Production Problems - Disease, Insect, Soil and Climatic Contstraints of Phaseolus vulgaris, CIAT, Kolumbien, 1980.
  • Current Topics in Breeding Common Beans, CIAT, Kolumbien, November 1988.
  • A. van Schoonhoven, O. Voysest (Hrsg.): Common Beans. Research for Crop Improvement. CAB International, Wallingfort u. a. 1991, ISBN 958-9183-24-7.
  • Sigmund Rehm, Gustav Espig: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Ulmer, Göttingen 1984, ISBN 3-8001-4108-6.
  • Jeffrey Wescott White: A quantitative analysis of the growth and development of bean plants (Phaseolus vulgaris L.). University Microfilms International, Ann Arbor Mich. 1981 (PhD Thesis, University of California, Berkeley).
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, 2004, ISBN 3-440-09387-5
  • K.Hiller/M.F.Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4

Einzelnachweise

  1. Sigmund Rehm, Gustav Espig: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Ulmer, Göttingen, 1984, S. 117, 118.
  2. Giftzentrale uni-bonn.de
  3. Sigmund Rehm: Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Bd. 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. Göttingen 1989, S. 266.
  4. Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Band 4. Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 10., bearb. Auflage. Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2. 
  5. A. van Schoonhoven, O. Voysest: Common Beans – Research for Crop Improvement. CAB International, 1991, Cali, Kolumbien, S. 9.
  6. A. van Schoonhoven, O. Voysest: Common Beans – Research for Crop Improvement. CAB International, 1991, Cali, Kolumbien, S. 7.
  7. O. Voysest, M.C. Valencia, M.C. Amezquita: Genetic Diversity among Latinamerican Andean and Mesoamerican Common Bean Cultivars, Crop Science No. 34. S. 1100–1109 oder crop.scijournals.org.
  8. Sigmund Rehm, Gustav Espig: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Ulmer Verlag, Göttingen, 1984, S. 121.
  9. Sigmund Rehm, Gustav Espig: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Ulmer Verlag, Göttingen, 1984, S. 119.
  10. John Claudius Loudon: An encyclopaedia of gardening. 1824, S. 621.
  11. Lawson seed and nursery co, ltd: The agriculturist’s manual, forming a report of Lawson’s agricultural museum in Edinburgh. 1836, S. 85.
  12. William Rhind: A history of the vegetable kingdom. 1857, S. 314.
  13. Kidneybean. Merriam-Webster Online Dictionary, 2009, Online, letzter Zugriff 4. Dezember 2009.
  14. GRIN
  15. siea.sagarpa.gob.mx (PDF, spanisch)
  16. a b Sigmund Rehm: Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Bd. 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. Göttingen 1989, S. 267.
  17. a b A. van Schoonhoven, O. Voysest: Common Beans – Research for Crop Improvement. CAB International, 1991, Cali, Kolumbien, S. 1.
  18. a b c d e Sigmund Rehm, Gustav Espig: Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen. Ulmer Verlag, Göttingen, 1984, S. 120.
  19. Sigmund Rehm: Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern. Bd. 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. Göttingen 1989, S. 266–267.
  20. A. van Schoonhoven, O. Voysest: Common Beans – Research for Crop Improvement. CAB International, 1991, Cali, Kolumbien, S. 5.
  21. Ernährungsinformationssystem Universität Hohenheim
  22. ncbi.nlm.nih.gov
  23. ncbi.nlm.nih.gov
  24. phene.cpmc.columbia.edu
  25. ncbi.nlm.nih.gov
  26. Sigmund Rehm: Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Bd. 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen. Göttingen 1989, S. 269.
  27. schaedlingskunde.de

Weblinks

 Commons: Gartenbohne – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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