Fallschirmspringen


Fallschirmspringen
Fallschirmspringer mit russischer Flagge
Ein Fallschirmspringer direkt nach dem Absprung mit einer Aufziehleine

Fallschirmspringen bezeichnet die Gesamtheit von Absprung, anschließendem Fall oder Freifall und abschließender Landung einer Person aus einer so erhöhten Position (meist aus Luftfahrzeugen), dass das Auftreffen am Boden ohne die Benutzung eines Fallschirms Verletzung oder Tod zur Folge hätte. Der Fallschirm dient dabei dem Erreichen einer verträglichen Sinkgeschwindigkeit zum Zeitpunkt der Landung.

Fallschirmspringen findet Anwendung zur Rettung der Besatzung von Luftfahrzeugen in Luftnot, ist militärisch eine mögliche Verbringungsart der Fallschirmjägertruppe, von Spezialeinheiten der Luftlandetruppen und anderer Teilstreitkräfte wie den Kampfschwimmern sowie zivil als Luftsportart.

Die Verzögerungswirkung des Fallschirms kann entweder unmittelbar beim Absprung (automatischer Fallschirmsprung) oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt während des Falles (Freifallsprung) aktiviert werden. Sie erfordert zur sicheren Nutzung jedoch eine gewisse Mindesthöhe respektive Mindestzeit für den Öffnungsvorgang. Gleitfallschirme sinken bei 100 % Vorwärtsfahrt (die mehr als 60 km/h betragen kann) mit etwa 5 m/s (18 km/h), das Auftreffen auf dem Boden (ohne die horizontale Komponente) entspricht etwa einem Sprung aus 1,25 m Höhe. Rundkappenfallschirme haben je nach Kappengröße und Springergewicht eine konstante Sinkgeschwindigkeit von 3,5–5 m/s.

Für das sportliche Fallschirmspringen wird auch oftmals der englische Begriff Skydiving benutzt. Zum Teil dient der Fallschirm dabei nur noch der verletzungsfreien Landung. Der sportliche Schwerpunkt liegt auf dem noch verzögerungslos ausgeführten Fall bzw. Flug vor der Öffnung des Fallschirms für Relativ- und Stilsprünge, am geöffneten Fallschirm auch für Kappenrelativ.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zeichnung des von Garnerin erfundenen Fallschirms, mit dem Jeanne Labrosse absprang.

Leonardo da Vinci (1452–1519) fertigte 1483 eine Zeichnung eines pyramidenförmigen Fallschirms aus Leinen und Holz an. Ein Test dieses Musters im Jahre 2000 belegte, dass dieser Fallschirm funktioniert, sanfter fliegt als moderne Fallschirme, jedoch durch sein Gewicht von 90 kg ohne Lenkung beim Aufsetzen problematisch ist.[1]

Der Kroate Faust Vrančić (1551–1617) gilt als der erste Mensch, der erfolgreich einen Fallschirm ersann, baute und erprobte: Im Jahr 1617 sprang er vor zahlreichen Zuschauern mit einem 6×6 m stoffbespannten Holzrahmen vom Glockenturm des 86 m hohen St. Martinsdoms in Bratislava. Später wiederholte er seine Sprünge unter anderem auch in Venedig.

Der Franzose André-Jacques Garnerin (1769–1823) sprang am 22. Oktober 1797 aus einem zirka 400 m hoch fliegenden, mit Wasserstoff gefüllten Ballon über Paris ab.[2] Als eine der ersten Fallschirmspringerinnen gilt die deutsche Luftakrobatin Käthe Paulus (1868–1935). Sie war zugleich auch die erste deutsche Berufsluftschifferin und die Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms.

Verbreitung fand das Freifallspringen in Deutschland nach 1945.

Allgemein

Freifall mit einem Tandempassagier
Ein Fallschirmspringer mit Tandempassagier im Landeanflug

Absprünge sind von festem Untergrund und aus jeglichem Luftfahrzeug heraus möglich. Häufig werden als Absetzmaschine Flugzeuge wie Pilatus Porter, Cessna 182, Antonow An-2, Cessna Caravan, Twin Otter, Dornier Do 28, Short Skyvan oder Cessna 206 Soloy (PPL-fähig) eingesetzt. Insbesondere in der Anfangszeit des sportlichen Fallschirmspringens in Deutschland kam die Dornier Do 27 häufig zum Einsatz, da sie gute Langsamflugeigenschaften hat, was beim Absetzen der Springer von Vorteil ist.

Ein Fallschirmsprung erfolgt im Allgemeinen aus 1000 bis 4500 m über Grund. Der Steigflug im Flugzeug bis in diese Höhe dauert etwa 5 bis 20 Minuten. Im freien Fall werden bei der klassischen Freifallhaltung in Bauchlage innerhalb der ersten 10 Sekunden 300 Höhenmeter überwunden, bis Körpergewicht und Luftwiderstand so gegeneinander wirken, dass die weitere Fallgeschwindigkeit etwa 180 km/h beträgt. Je nach Körperhaltung sind auch höhere Geschwindigkeiten möglich. Bei Tandemsprüngen wird kurz nach dem Absprung ein kleiner Brems- und Stabilisierungsschirm (Drogue) geöffnet, der die Geschwindigkeit nicht über 200 km/h ansteigen lässt. Bei einem Absprung aus 4000 m ist die Öffnungshöhe in etwa 40 bis 60 Sekunden erreicht.

Der Fallschirm wird in der Regel zwischen 1.500 und 700 m über Grund geöffnet. Der Entfaltungsvorgang des Fallschirms dauert zwei bis fünf Sekunden und etwa 200 Höhenmeter, der Schirm hat während des Öffnens eine Bremsbeschleunigung von bis zu etwa 20 m/s². Die anschließende Schirmfahrt dauert etwa 3 bis 5 Minuten mit einer Sinkgeschwindigkeit von etwa 5 m/s. Gesteuert wird der Flächenfallschirm durch eine rechte und eine linke Steuerleine, durch die die Kappe jeweils einseitig abgebremst wird. Durch gleichzeitiges Ziehen an beiden Steuerleinen wird das Profil der Gleitfallschirmkappe verändert, der resultierende dynamische Auftrieb verringert kurzzeitig die Sinkgeschwindigkeit(bis auf Null-sogar einige Meter Steigen sind möglich) als auch die Vorwärtsfahrt. So kann eine stehende und sanfte Landung erreicht werden.

Bei einer Öffnungsstörung oder einem Totalversagen des Fallschirms kann die Hauptkappe durch ein Trennkissen (bei Rundkappen durch Kappentrennschlösser) abgetrennt werden und durch Betätigen einer zweiten Öffnungsvorrichtung der Reserveschirm geöffnet werden. Folgende zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen sind möglich und üblich: Die Reserve Static Line (RSL) ist eine Verbindung zwischen der Hauptkappe und der Öffnungsvorrichtung für den Reservefallschirm, die automatisch beim Trennen der Hauptkappe den Reservefallschirm öffnet. Ein Öffnungsautomat misst ständig Höhe und Fallgeschwindigkeit des Springers und öffnet automatisch die Reserve, wenn unterhalb einer definierten Höhe eine definierte Sinkgeschwindigkeit überschritten wird.

Ausbildung und Lizenz

Ausbildungswege

Fallschirmspringen ist in Deutschland nur mit einer gültigen Lizenz rsp. in der Ausbildung erlaubt. Voraussetzung für die Ausbildung sind eine Tauglichkeitsbescheinigung vom Hausarzt, der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses und ein Mindestalter von 14 Jahren (eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorausgesetzt).

Während der Ausbildung darf der Schüler nur unter Aufsicht eines geprüften Ausbilders springen. Das beinhaltet unter anderem einen Ausrüstungscheck vor dem Besteigen des Flugzeuges. In Deutschland sind als Ausbildungsmethode die konventionelle Fallschirmausbildung und die AFF-Methode zugelassen. Während der Ausbildung führt der Schüler bei beiden Methoden Sprünge durch, bei denen er Aufgaben zu lösen hat (Springen mit Sprungauftrag). Das können ein besonderer Exit (Verlassen des Flugzeuges), Drehungen im Freifall und eine Ziellandung sein. Während der Ausbildung ist das Tragen eines Hartschalenhelms und ein automatisches Öffnungsgerät für den Fallschirm Pflicht.

Zum Erhalt der Lizenz muss ein Schüler in Deutschland eine theoretische Prüfung ablegen (Multiple Choice) und zwei Prüfungssprünge aus 1.200 und mindestens 3.000 m absolvieren. Der Schüler muss bis dahin mindestens 23 Sprünge vorweisen können und mindestens 16 Jahre alt sein.[3] In Österreich müssen mindestens 28 Sprünge nachgewiesen werden, damit er hier einen Prüfungssprung und die schriftliche Prüfung ablegen kann.[4] In anderen Ländern kann es daher je nach bestehenden Luftfahrtgesetzen weitere Abweichungen geben.

Die einmal erworbene Lizenz ist unbeschränkt gültig. Regelmäßige medizinische Kontrolluntersuchungen sind nicht vorgeschrieben. Es sind mindestens zwölf Sprünge in den letzten zwölf Monaten nachzuweisen. Sollte diese Sprungzahl nicht erreicht werden, kann die Lizenz durch Überprüfungssprünge jederzeit wieder reaktiviert werden. Somit kann eine Fallschirmsprunglizenz in Deutschland nicht verfallen.

Als Trockenübung wird das Bodyflying in einem vertikalen Windkanal (Rundturm mit starkem Motor und horizontalem Propeller oder starkem Luftgebläse) durchgeführt.

Sicherheitsausrüstung

Anzeige auf dem Altimeter während des Sprungs (mit Erklärung)

Öffnungsautomat

Siehe Hauptartikel: Öffnungsautomat

Der Öffnungsautomat misst die Höhe und Fallgeschwindigkeit des Springers und öffnet automatisch den Reservefallschirm, wenn unter einer definierten Höhe (meistens 225 m über Grund) eine definierte Sinkgeschwindigkeit überschritten wird. Frühe Öffnungsautomaten waren rein mechanische Bauteile, während heutzutage vorwiegend elektronische Varianten verwendet werden. Diese Geräte sind sehr zuverlässig und gehören mittlerweile zur Grundausstattung eines Fallschirmsystems. Teilweise sind sie auch für verschiedene Springergruppen und auf vielen Sprungplätzen vorgeschrieben.

Reservefallschirm

Siehe Hauptartikel: Fallschirm#Reservefallschirm

RSL

Die RSL (Reserve Static Line), auch Stevens Lanyard genannt, verbindet einen Haupttragegurt des Hauptschirms mit der Öffnungsleine des Reservefallschirmcontainers. Beim Abtrennen des Hauptschirms zieht der wegfliegende Hauptschirm den Verschluss-Pin des Reservecontainers, wodurch der unter dem Druck einer eingebauten Feder stehende Reservehilfsschirm herausspringt und den Reservefallschirm öffnet. Die RSL verkürzt die Zeitspanne bis zur vollen Funktionsfähigkeit des Reserveschirms wesentlich.

Höhenmesser

Ein Höhenmesser für Fallschirmspringer mit 4000-m-Skala.

Beim Fallschirmspringen wird mit einem Höhenmesser am Handrücken oder an der Brust die Sprung- und Öffnungshöhe gemessen. Höhenmesser haben in der Regel eine Skala bis 4000 m (eine volle Umdrehung) oder 12000 Fuß, seltener finden sich auch Skalen bis 6000 m. Das Kreissegment von 0 bis 800 m ist meistens rot, von 800 bis 1000 gelb markiert. Vor dem Start wird der Höhenmesser manuell auf Platzhöhe (QFE) eingestellt. Bei einer Außenlandung oder einem Absprung über einem Fremdplatz wird der Höhenmesser auf diesen eingestellt. Die Höhe über NN kann den Flugkarten entnommen werden. Barometrische Abweichungen werden zumeist vernachlässigt.

Höhenmesser am Handrücken werden für den Freifall und Relativ benutzt, an der Brust für Zielspringen und Außenlandungen, da sich die Hände an den Steuerleinen befinden und der Boden beobachtet wird. In speziellen Disziplinen des Fallschirmspringens, wie beispielsweise der Freefly-Version, finden auch Höhenmesser Anwendung, die seitlich an den Brustgurten mit der Skala nach oben angebracht sind. Dadurch ist es möglich, insbesondere im freien Fall die Arme uneingeschränkt zum Steuern zu benutzen, ohne die Armhaltung durch den Blick auf einen am Handrücken angebrachten Höhenmesser verändern zu müssen. Für Wettbewerbe, die eine exakte Höhenmessung erfordern, wie beispielsweise beim Swoopen, kommen auch vermehrt elektronische Höhenmesser zum Einsatz, die das Einstellen von ein oder mehreren akustischen und optischen Alarmeinstellungen zulassen. Bei Wasserlandungen entfällt der Höhenmesser sowie akustische Höhenwarner, da eindringendes Wasser diesen beschädigen würde.

Schutzhelm

Fallschirmspringer, die sich beim Freifall nahe kommen, können eine hohe Relativgeschwindigkeit zueinander entwickeln. Das kann besonders bei Gruppensprüngen zu schweren Kopfverletzungen führen. Für Sprungschüler sind daher Hartschalenhelme vorgeschrieben. Da die Helme die Bewegungsfreiheit einschränken, ziehen viele lizenzierte Springer Lederkappen vor.

Der Kopfschutz dient auch dazu, bei harten Landungen den Kopf zu schützen. Lederkappen haben hier eine geringere Schutzwirkung als Hartschalenhelme, sind aber bequemer zu tragen. Zudem kann der Helm bei Gefahrensituationen im Absetzflugzeug von Nutzen sein, etwa bei Turbulenzen oder einer Notlandung, insbesondere da die Springer in diesen Maschinen oft nicht angegurtet sind.

Bei Freifallformationen bzw. relative Work (Relative Work) werden oft Integralhelme mit Vollvisier getragen. Sie reduzieren das Windgeräusch im Freifall, haben ein weites Sichtfeld, sind meistens beschlagfrei und bieten Platz für optische und akustische Höhenwarner.

Risiken

Die Risiken beim Fallschirmspringen sind überschaubar, für die meisten gibt es eine Korrekturmöglichkeit.

Abgesehen von möglichen Problemen mit dem Absetzgefährt und im freien Fall ergeben sich die meisten Risiken bei der Schirmöffnung und bei der Landung.

Fehlöffnungen

Kommt es zu einer Fehlöffnung, kann diese unter bestimmten Umständen beseitigt werden. Andernfalls sollten Notfallmaßnahmen eingeleitet werden (Abtrennen des Hauptschirms und Öffnen des Reserveschirms). Die häufigsten Ursachen für Fehlöffnungen sind Materialfehler, Packfehler und Fehlverhalten während des Öffnungsvorgangs.

  • Vollständiges Blockieren der Schirmöffnung
Nach dem Betätigen der Öffnungsvorrichtung passiert nichts. Dies kann vorkommen, wenn der Öffnungsgriff ins Lee gerät (Windschatten am Rücken), die Hilfsleine nicht sauber verlegt wurde oder der Haltestift der Öffnungsklappen verkehrt gesteckt ist. Ein oder mehrere Schläge mit dem Ellbogen gegen den Fallschirm-Container können die Blockierung möglicherweise lösen.
  • Baglock
Der Hauptschirm wurde zwar durch das Handdeploy herausgezogen und die Leinen sind gestreckt, der Schirm kann sich aber nicht öffnen, da er noch in seiner Tasche (Pod) feststeckt. Dies ist u. U. durch ruckartiges Ziehen an den Tragegurten behebbar.
  • Fahne/Fackel
Der Schirm öffnet sich nur teilweise, ist gerissen oder hat sich verheddert. Hier ist eine Abtrennung mit Öffnen des Reserveschirms notwendig.
  • Hufeisen
Der Hauptschirm wird noch vor Betätigen des Öffnungssystems aus dem Container gezogen, sodass er am vorderen Ende noch am Springer festhängt. Vor dem Öffnen der Reserve sollte dieser Zustand durch nachträgliches Lösen der Öffnungsvorrichtung aufgelöst werden.
  • Leinenüberwurf
Eine oder mehrere Leinen haben sich im Öffnungsvorgang über den Schirm gelegt und blockieren dessen symmetrische Entfaltung und damit die Steuer- und Bremsfähigkeit. Während in manchen Fällen ein Durchschneiden der betroffenen Leine(n) Abhilfe schaffen kann, ist meistens ein Abtrennen des Schirms und das Öffnen der Reserve empfehlenswert.
  • Leinenriss
Durch Reißen einer oder mehrerer Leinen sind die Symmetrie und die Flugfähigkeit Schirms beeinträchtigt. Bei maximal zwei gerissenen Leinen kann der Hauptschirm aber meist noch sicher gelandet werden.
  • Biplane
Zusätzlich zum Hauptschirm hat sich auch der Reserveschirm geöffnet (z. B. durch eine automatische Reserveaktivierung bei zu tiefer Schirmöffnung). Stehen beide Schirme voreinander, kann diese Variation durch vorsichtiges Steuern mit dem hinteren Schirm sicher geflogen und gelandet werden. Stehen die beiden Schirme nebeneinander („side by side“) oder klappt ein Schirm unter den Springer („down turn“, was zu einer senkrechten Abwärtsfahrt mit schneller Drehung und ohne Bremsmöglichkeit führt), muss der Hauptschirm abgetrennt werden.
  • Leinenverdrehung
Die Fangleinen verdrehen sich während der Öffnung ineinander, bei voll geöffnetem Schirm. Bei ausreichender Höhe kann dies durch Rotation des Springers gegen die Eindrehrichtung behoben werden.
  • Festhängender Slider
Der Slider bleibt im oberen Leinenbereich hängen, wodurch sich der Schirm nicht voll entfalten kann. Durch Ziehen an den hinteren Trageleinen kann der Slider in der Regel gelöst werden.

Störungen bei der Landung

  • Hindernislandung
Durch widrige Wetterbedingungen (z. B. Windböen) oder Steuerfehler kann es im Landevorgang zur Kollision mit Hindernissen (z. B. Bäume, Hausdächer, Masten usw.) kommen.
  • Bremsfehler
Wird der Schirm im Landeanflug zunächst zu hoch abgebremst, kippt er beim Lösen der Bremse leicht nach vorne und nimmt erneut Geschwindigkeit auf. Dabei kann es zu einer Erhöhung der Sinkgeschwindigkeit kommen, die bei zu geringem Abstand zum Boden nicht mehr korrigiert werden kann.
  • Drehungen in Bodennähe
Bei Drehungen in Bodennähe (z. B. beim Swooping) kann es zu Fehleinschätzungen der Höhe kommen, wodurch die Abwärtsspirale der Drehung vor Bodenkontakt nicht mehr rechtzeitig beendet werden kann.
  • Downwash
Abwinde oder Böen in Bodennähe können den Landeanflug in nicht mehr korrigierbaren Ausmaß beeinflussen.

Sprungablauf

  1. Gurtzeug (inkl. Ausrüstung) prüfen und anlegen
  2. Flugzeug in umgekehrter Sprungreihenfolge besteigen (wingsuits, Tandem, AFF, Solo höher öffnend, Freeflyer, RW - bei Anflug gegen den Wind)
  3. Aufstieg auf Sprunghöhe und letzter Check
  4. Türöffnung und Ausstieg (min. 5sec Abstand)
  5. Bei erreichen der Öffnungshöhe (1000 bis 1200m) Stabile Position, Ausgleichsbewegung und Handdeploy ziehen
  6. nach 3sec. Kappencheck
    1. Symmetrie (sieht der Schirm gleichmäßig aus)
    2. Alle Kammern mit Luft gefüllt
    3. Leinen frei und Slider unten
    4. keine Beschädigungen
  7. Ab 300m wird die Landung eingeleitet
  8. Die Landung sollte gegen den Wind erfolgen, ab 2m mit halber dann voller Bremse ausgeführt werden.

Disziplinen

Formationssprung (Vierer-Formation)
Freeflyer in der Headdown-Position
Zielspringen (sequence) World Games 2005, Duisburg

Das Fallschirmspringen untergliedert sich in verschiedene Disziplinen.

  • Klassische Disziplinen:
    • Zielspringen – Der Springer versucht, bei der Landung einen vorgegebenen Zielpunkt präzise zu treffen und eine elektronische Zielscheibe die in Zentimeter die Abweichung vom Nullpunkt misst.
    • Stilspringen – auch Figurenspringen genannt. Der Springer absolviert im freien Fall vorher festgelegte linke und rechte Drehungen (horizontal) und Salti vorwärts und rückwärts (vertikal) in möglichst sauberer Ausführung und Ausrichtung.[5] Diese Disziplin ist inzwischen durch das breiter gefächerte Freestyle-Springen weitgehend verdrängt worden.
  • Freifallformation/RW (Relative Work) – Der Springer fällt bäuchlings und bildet mit anderen Springern im freien Fall Figuren, die zwei bis mehrere Hundert Springer groß sein können. Die gängigsten Varianten bei Wettbewerben sind Vierer- und Achter-Formationen, die in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele vorher festgelegte Figuren absolvieren müssen.
  • Kappenformation/CF (Canopy-Formation)/CRW (Canopy-relative-Work) – Nach dem Absprung wird sofort der Fallschirm geöffnet und die Springer bilden Formationen am geöffneten Schirm.
  • Freeflying – Der Springer fällt im Sitzen (Sitfly) oder auf dem Kopf (Headdown).
  • Skysurfing – Entwickelt etwa ab Anfang der 1990er-Jahre, erfolgten Fallschirmsprünge mit einem an den Füßen befestigten „Surfbrett“. Nach etwa 10 Jahren begann der Niedergang dieser Disziplin, sie ist mittlerweile nur noch eine Randerscheinung.
  • Wingsuit – Fliegen mit einem Flügelanzug.
  • Base-Jumping bzw. BASE-Jumping – BASE steht für ‚Buildings, Antennas, Spans and Earth‘ und ist eine Bezeichnung für Sprünge von festem Untergrund wie von Brücken, Hochhäusern, Antennenmasten oder Felsen. Aufgrund des extremen Risikos sind BASE-Sprünge nur an wenigen Orten auf der Welt dauerhaft erlaubt, zusätzlich gibt es Einzelgenehmigungen für besondere Veranstaltungen.
  • Canopy-Piloting/Swooping – Disziplin, bei der am Schirm kurz vor der Landung hohe Geschwindigkeiten knapp über dem Boden (meistens über einem Wassergraben) geflogen werden. Ziel ist es, das Steigen des Schirmes, das sich durch den erhöhten Auftrieb beim Bremsen entwickelt, so lange wie möglich in waagrechte Vorwärtsfahrt umzusetzen. Disziplin mit hohem Risiko, da auf Bodenhöhe mit voller Vorwärtsfahrt geflogen wird und zuvor, um den Effekt noch zu erhöhen, eine sehr hohe Anfangsgeschwindigkeit aufgebaut wird, beispielsweise durch eine 180°-Drehung knapp über dem Boden (Hook Turn).
  • Para-Ski – Eine Wintersportkombination aus Zielspringen in alpinem Gelände und Riesentorlauf, die ihren Ursprung in der Bergrettung hat.
  • HAHO high altitude high opening – Eine aus dem Militär stammende Disziplin, bei der aus großer Höhe (bis 10.000 m) mit Sauerstoffmaske gesprungen wird. Der Fallschirm wird nach kurzem Freifall in großer Höhe geöffnet, um dann im Gleiteinsatz eine möglichst große Strecke mit Wind bis zu einem geplanten Landegebiet zurückzulegen.[6]
  • HALO high altitude low opening – Eine aus dem Militär stammende Disziplin, bei der aus großer Höhe (bis 10.000 m) mit Sauerstoffmaske gesprungen wird. Der Fallschirm wird nach dem Freifall in geringer Höhe (1000–1500 m) über dem Landegebiet geöffnet. Ein Gleiteinsatz wie beim HAHO entfällt.
  • Hit ’n’ Rock – Eine Disziplin, die das traditionelle Zielspringen mit einem akrobatisch-komischen Element verbindet. Es geht darum, möglichst nah an einer Zielscheibe zu landen, sich der Fallschirmausrüstung zu entledigen und dann in einem 12 m (40 Fuß) von der Zielscheibe entfernten Schaukelstuhl Platz zu nehmen. Die Zeit wird von der ersten Bodenberührung bis zum Hinsetzen gemessen. Hit ’n’ Rock ist eine beliebte Disziplin bei POPS-Treffen (Parachutists Over Phorty Society).
  • Speedskydiving – Ziel ist es, im freien Fall eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.

Abgesehen von den Disziplinen „Zielspringen“, „Swooping“ und „Kappenformation“ liegt der Schwerpunkt beim Skydiving auf dem freien Fall, nicht auf der Fahrt am geöffneten Schirm.

Rekorde

Sprunghöhe und -dauer

Formationen

  • größte Freifallformation, international: 400 Springer[8], gesprungen in Udon Thani, Thailand am 8. Februar 2006
  • größte Freifallformation nur Frauen, international: 181 Springerinnen[9], gesprungen in Perris, USA am 27. Oktober 2009
  • größte Freifallformation nur deutsche Teilnehmer: 200 Springer[10], gesprungen in Eloy, USA am 14. November 2008
  • größte Freifallformation nur Frauen, Deutschland: 84 Springerinnen[11], gesprungen in Eisenach am 16. September 2011
  • größte Formation am geöffneten Fallschirm, international: 100 Springer[12], geflogen in Lake Wales, Florida, USA am 21. November 2007

Sprungzahl

  • Gesamt: Don Kellner, über 39.000 Sprünge[13]
  • Frauen: Cheryl Stearns, über 17.000 Sprünge[14]
  • Innerhalb von 24 Stunden, Männer: Jay Stokes, 640 Sprünge, 8. September 2006[15]
  • Innerhalb von 24 Stunden, Frauen: Cheryl Stearns, 352 Sprünge, 8.–9. November 1995

Alter

  • Ältester Fallschirmspringer: Frank Moody, 102 Jahre

Überlebte Abstürze ohne Fallschirm

Das Überleben eines ungebremsten Absturzes wäre nur unter außergewöhnlichen Bedingungen möglich, da ein Aufprall bereits bei geringerer Geschwindigkeit, als sie im freien Fall auftritt, aufgrund der Umwandlung der kinetischen in Deformationsenergie in der Regel tödlich endet. Bei einem überlebten Absturz ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Fallschirm mindestens teil- oder fehlgeöffnet war und durch eine gewisse verbliebene Resttragfähigkeit die Aufprallgeschwindigkeit vermindern konnte.

Es soll im Zweiten Weltkrieg in zwei Fällen zum Überleben eines Sprungs ohne Hilfsmittel gekommen sein. Diese wurden jedoch bislang nicht genauer untersucht oder einwandfrei geklärt und blieben auch eine physikalische Erklärung schuldig:

  • Das Flugzeug von Nicholas Alkemade (1923–1987) wurde am 24. März 1944 bei einem Luftgefecht in der Nähe von Schmallenberg von der deutschen Luftwaffe abgeschossen. Alkemade sprang in etwa 5.500 Metern ohne Fallschirm aus der abstürzenden brennenden Maschine. Der Aufprall auf dem Boden soll durch Äste einer Pinie und einen schneebedeckten Untergrund so weit abgefangen worden sein, dass er lediglich eine Beinverletzung davontrug.
  • Leutnant I. M. Chisov wurde im Januar 1942 in einer Iljuschin Il-4 von zwölf Messerschmitts angegriffen. Er stieg aus der Maschine aus und wurde im freien Fall bewusstlos. Er soll in einer stark abschüssigen Schlucht, bedeckt mit Schnee, gelandet sein, was seinen Sturz abbremste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind keine Fälle mehr bekannt geworden, in denen ein Totalversagen eines Fallschirms überlebt wurde.[16][17][18]

In einem Fall ist ein mit einem „Hilfsmittel“ überlebter Absturz bekannt geworden:

  • Am 26. Januar 1972 soll Vesna Vulović, eine damals 22-jährige jugoslawische Flugbegleiterin, den Flugzeugabsturz einer Douglas DC-9 aus zehn Kilometern Höhe über dem tschechischen Dorf Srbská Kamenice überlebt haben. Vermutlich durch einen Bombenanschlag riss der hintere Teil des Flugzeugs, in dem sich Vulović gerade befand, ab und fiel auf einen steilen, schneebedeckten Berghang, an dem er herunterrutschte und so allmählich abgebremst wurde. Vulović überlebte als einzige von insgesamt 28 Flugzeuginsassen schwer verletzt und leidet seither an den gesundheitlichen Folgen. Der Vorfall wurde als „höchster überlebter Fall ohne Fallschirm“ ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, wobei man sich auf ursprünglich von der tschechoslowakischen Staatssicherheit aufgestellte Behauptungen verließ. Spätestens seit Anfang des 21. Jahrhunderts bestehen jedoch Zweifel an den Schilderungen des Ablaufs, insbesondere an der Absturzhöhe.[19]

Psychologische Betrachtungen

Der Reiz des Fallschirmspringens erwächst aus einem zwiespältigen Erleben: Einerseits ist Fallen grundsätzlich etwas Angst Auslösendes, andererseits wird es von Fallschirmsportlern bewusst gesucht und als lustvoll und lohnend erlebt. Der Unterschied liegt in der Art und Weise des Fallens: Wer ungewollt, aus Ungeschicklichkeit oder Nachlässigkeit fällt, erlebt dies als negatives Ereignis. Wer aber das Fallen aktiv zu beherrschen, zu steuern und zu gestalten vermag, verbindet dies mit positiven Gefühlen. Der Fallschirmspringer strebt nach dem kontrollierten Fall, nicht nach dem Absturz. Dieses spannungsgeladene Erleben zeigt sich besonders intensiv in Extremformen des Sports wie dem Basejumping, dem Wasserfallspringen (Sprung im freien Fall über herabstürzende Wassermassen) oder dem Höhlenspringen (Sprung im freien Fall in eine oben offene Erdhöhle), aber auch in der Befindlichkeit von Sprungschülern.

G. Semler[20], Fallschirmspringer und Psychologe, sieht den Reiz des Fallschirmspringens in der Überwindung der Angst und im Angst-Lust-Erlebnis, das die erfolgreiche Abwicklung des Sprungs begleitet. S. A. Warwitz[21], Wagnisforscher, spricht von der „Kultivierung eines Traumas“. Bei seinen empirischen Recherchen über die ganze Bandbreite des Fallschirmsports kommt er auf neun verschiedene Erklärungsmodelle.[22] Als wesentliche Motive nennt er:

  • das Erleben von Hochgefühlen wie Glück, Stolz und Selbstbewusstsein beim Beherrschen des freien Falls,
  • die Erfahrung von Freiheit und Souveränität über Körper und Raum,
  • die Lust an der Gestaltung von Bewegung im freien Raum,
  • die Sinnverwirklichung und Selbstfindung bei der Bewältigung einer schwierigen selbst gestellten Aufgabe, auch im Verbund mit Gleichgesinnten.

Obwohl es sich beim Fallschirmspringen um eine Bewegung in der Vertikalen, also um ein Fallen, handelt, wird sie von den Sportlern wegen der ungehemmten Bewegungsmöglichkeiten im Luftraum auch als Fliegen erlebt.

Mythen und Irrtümer

Falsche Ansichten über das Fallschirmspringen werden insbesondere durch Spielfilme und Medienberichte verbreitet, die die Sportart dramatischer oder „verrückter“ darstellen wollen, als sie in Wirklichkeit ist. Dabei werden auch häufig physikalische Gegebenheiten außer Acht gelassen. Hier eine Richtigstellung der häufigsten Irrtümer:

  • Ein Fallschirmspringer wird durch das Öffnen des Schirms nicht wieder nach oben gezogen. Filmaufnahmen, die solch einen Eindruck erwecken, entstehen dadurch, dass der gefilmte Springer durch die Schirmöffnung stark abgebremst wird, während der Kameramann mit gleich bleibender Geschwindigkeit weiter fällt. (Öffnet der Kameramann seinen Fallschirm zuerst, sieht es umgekehrt so aus, als ob der Fall des gefilmten Springers plötzlich stark beschleunigt wird.)
  • Eine Unterhaltung im freien Fall ist nur unter besonderen Umständen möglich. Bei einer Freifallgeschwindigkeit von etwa 200 km/h ist das Windgeräusch normalerweise so laut, dass alles andere übertönt wird. Für eine Verständigung müsste daher entweder ein Springer dem anderen aus nächster Nähe ins Ohr schreien, oder beide benutzen geschlossene Helme mit Funkverbindung.
  • Nur wenige Naturtalente können bereits bei den ersten Fallschirmsprüngen ihres Lebens sofort eine saubere und stabile Freifallhaltung einnehmen, ohne auf fremde Hilfe (zum Beispiel mitspringende Ausbilder) angewiesen zu sein. Aber selbst für solche Ausnahmeathleten sind Freifallformationen, Skysurfing usw. erst nach entsprechendem Training möglich.
  • Bei einer üblichen Absprunghöhe von 4.000 m über Grund dauert der freie Fall etwas mehr als 60 Sekunden. Filmszenen, bei denen die Freifalldauer mehrere Minuten beträgt, sind aus Aufnahmen mehrerer Sprünge zusammengeschnitten. Unter realen Bedingungen wäre ein mehrminütiger freier Fall nur aus einer so großen Absprunghöhe möglich, dass die Springer einen aufwändigen Kälteschutz und eine eigene Sauerstoffversorgung bräuchten.
  • Es ist zwar möglich, einer aus einem Flugzeug gefallenen Person innerhalb einiger Sekunden hinterher zu springen und sie (bei ausreichender Höhe bzw. Zeit) im freien Fall einzuholen. Die anschließend während der Schirmöffnung auftretenden Kräfte und Belastungen wären jedoch für ein Festhalten mit reiner Muskelkraft zu groß. Falls im freien Fall keine mechanische Verbindung zum Schirmgurtzeug hergestellt werden kann, würde diese Person beim Öffnen des Schirms mit hoher Wahrscheinlichkeit losgerissen.
  • Im modernen Fallschirmsport sind Todesfälle durch einen sich nicht öffnenden Fallschirm zur Ausnahme geworden. Die häufigsten Ursachen für tödliche Verletzungen sind Unfälle nach der Schirmöffnung, wie etwa Kollisionen, Drehungen am Schirm zu dicht über dem Boden und Lenk- bzw. Bremsfehler bei der Landung.

Deutschland

Zahlen

Deutschland 1995 bis 2009 2008 2009
Jahres-
Minimum
Jahres-
Maximum
Fallschirmsprünge 226.000 311.000 289.000
Tandemsprünge 16.000 31.500 31.500
Reserveaktivierungen 245 310 260
meldepflichtige Unfälle 47 112 77 85
schwere Unfälle 2 5 4 2
tödliche Unfälle 2 10 10 4
Sprung-Lizenzen 14.051 14.580
neue Sprung-Lizenzen 460 460
gültige Lehrer-Lizenzen 849 838
AFF-Lehrer-Lizenzen 219 225
Tandem-Lizenzen 531 544

In den Jahren 1995 bis 2009 wurden jährlich zwischen 226.000 und 311.000 Fallschirmsprünge in Deutschland absolviert. Zwischen 16.000 und 31.500 Tandemsprünge werden jährlich durchgeführt. Der Reserveschirm wurde jedes Jahr in 245 bis 310 Fällen aktiviert. Beim Fallschirmspringen ereigneten sich jedes Jahr zwischen 47 und 112 meldepflichtige Unfälle, wovon in jedem Jahr zwischen 2 und 10 tödlich ausgingen. Im Jahr 2008 gab es in Deutschland 849 gültige Fallschirmsprung-Lehrer-Lizenzen, 531 Tandemsprung-Lizenzen und 219 AFF-Lehr-Lizenzen. Springerlizenzen wurden in Deutschland bis Ende 2009 insgesamt 14.580 ausgestellt, davon sind 9.056 unbefristet. Es wurden im Jahr 2008 460 Lizenzen, im Jahr 2009 462 Lizenzen erstmalig erworben.[23][24][25]

Der Deutsche Fallschirmsportverband berichtet in seinen Kurzberichten für das Jahr 2008 von zehn tödlichen und vier schweren Unfällen, für das Jahr 2009 von vier tödlichen und zwei schweren, für das Jahr 2010 von vier tödlichen und fünf schweren Unfällen.[26]

Rechtliches

Nach Luftverkehrsgesetz sind Fallschirme nicht-verkehrszulassungspflichtige Luftfahrzeuge. Fallschirme sind Luftsportgeräte. Für die Ausübung des Fallschirmsports ist ein Luftfahrerschein erforderlich. Voraussetzungen der Erlaubnis für Fallschirmspringer bestimmen sich aus der Verordnung über Luftfahrtpersonal (LuftPersV). Die Lizenzen vergibt der Deutsche Fallschirmsportverband, der hierzu vom Bundesverkehrsminister beauftragt ist. Das Mindestalter für den Beginn der Ausbildung zum Erlangen der Erlaubnis für Fallschirmspringer beträgt 14 Jahre, für die Lizenzerteilung beträgt das Mindestalter 16 Jahre. Eine Lizenz für Fallschirmspringer wird seit 2004 unbefristet erteilt.[27]

Für Fallsprünge innerhalb des kontrollierten Luftraums ist eine Flugverkehrskontrollfreigabe der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle vom Führer des Absetzfahrzeugs einzuholen (Luftverkehrs-Ordnung §16a Absatz 1 und 2, jeweils Satz 1, Punkt 1). Für einen Fallschirmsprung außerhalb eines genehmigten Flugplatzes ist neben der Flugverkehrskontrollfreigabe eine Außenlandeerlaubnis des beauftragten Verbandes erforderlich. Ungenehmigte Außenlandungen sind Straftaten.[27] Die Absetzfreigabe wird mit der Sprechgruppe Dropping Approved („Absetzen genehmigt“) erteilt. Der Pilot meldet das Absetzen des letzten Fallschirmspringers mit Last Jumper Out („letzter Springer abgesetzt“). Vom Erteilen der Erlaubnis bis drei Minuten, nachdem der letzte Springer das Flugzeug verlassen hat, werden vom kontrollierten Flugverkehr Sicherheitsabstände zur Sprungzone eingehalten, der unkontrollierte Flugverkehr erhält Navigationswarnungen (NOTAM).[28]

Der Fallschirmspringer hat einen Nachweis einer Halter-Haftpflicht (Haftplichtsumme 1,5 Mio. Euro), eine gültige Lizenz als Fallschirmspringer, einen Lufttüchtigkeitsnachweis, einen Reserve-Packnachweis und sein Sprungbuch mitzuführen. In das Sprungbuch sind alle Sprünge mit Datum, Sprungort, Sprunghöhe, Sprungart und Kennzeichen des absetzenden Flugzeuges einzutragen. Im Fallschirmsport gilt rechts vor links, auf Konfrontationskurs weichen beide Fallschirmspringer nach rechts aus, der untere Fallschirmspringer hat Vorrecht vor dem oberen.[27]

Wenn bei einem Fallsprung eine Person schwer verletzt wurde, schwerer Sachschaden am Luftfahrzeug oder ein Drittschaden von mehr als 500 Euro entstand, ist dies vom Halter dem Deutschen Fallschirmsportverband zu melden.[27]

Für Fallschirmsprung-Schüler darf die Windgeschwindigkeit 8 m/s nicht übersteigen.

International

Die United States Parachute Association berichtet für 1983 bis 1993 jährlich durchschnittlich 29 tödliche Unfälle, für 1994 30, für 1995 27, 1997 31, 1998 47, 1999 25, 2000 32, 2001 35.[29] 2010 gab es 21 tödliche Unfälle (USPA, bei ca. 3 Mio. Sprüngen).

Siehe auch

Literatur

  • U. Beckmann: Fallschirmsport in Wort und Bild. Verlag Toeche-Mittler, Darmstadt 1974.
  • W. Buss und K. Pietzsch: Die Fallschirmentwicklung in Deutschland 1934–1945. DFVLR, Braunschweig 1982.
  • W. D. Brown: Parachutes. Sir Isaac Pitman & Sons Ltd., London 1951.
  • W. Gericke: Das Fallschirmspringen. Tilia Verlag, Wiesbaden 1962.
  • Klaus Heller: Fallschirmspringen für Anfänger und Fortgeschrittene. Nymphenburger, München 1981–2008, ISBN 3-485-01636-5.
  • G. Semler: Die Lust an der Angst. München 1994.
  • H. Steiner: Der Fallschirm. Verlag Richard Karl Schmidt & Co, Berlin 1931.
  • S. A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001, ISBN 3-89676-358-X.

Weblinks

 Commons: Fallschirmspringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Verbände und Behörden

Allgemeine Informationen

Einzelnachweise

  1. Dropzone.com: Adrian Nicholas Proves Da Vinci Chute Works, www.dropzone.com, 9. Juli 2000 (englisch)
  2. André Jacques Garnerin ('Spartacus Educational'): History of Aviation (englisch)
  3. DFV: Ausbildung in Deutschland
  4. Skydive-Tirol.com: Ausbildung in Österreich
  5. Fallschirmspringen – DAeC Landesverband Nordrhein Westfalen e.V.
  6. http://www.danmil.de/Absetzsysteme.html
  7. a b High Altitude World Record Jumps
  8. WE DID IT!!! – World Team Thailand '06
  9. Woman’s World Record Final Release (englisch)
  10. Neuer Deutscher Rekord: 200 Springer in größter Freifallformation – ka-news.de
  11. DFV: Fallschirmspringerinnen knacken deutschen Rekord
  12. Rekorde International – canopy-formation.de
  13. Vita – Homepage von Don Kneller
  14. Cheryl Stearns mit 30 Weltrekorden im Fallschirmspringen
  15. Jay Stokes Rekord
  16. Zentrale Meldestelle für Fallschirmunfälle der USPA
  17. Bis 1995 zurückverfolgbare Datenbank von Unfällen mit Fallschirmspringern
  18. Dropzone.com – Unfallstatistik
  19. Die Zehn-Kilometer-Lüge. Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2009, abgerufen am 23. August 2009.
  20. G. Semler: Die Lust an der Angst. München 1994.
  21. S. A. Warwitz: Fallen – die Kultivierung eines Traumas. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001. S. 77–87
  22. S.A. Warwitz: Erklärungsmodelle für das Streben nach Wagnis. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001. S. 98–308.
  23. Deutscher Fallschirmsportverband, Statistik 2008
  24. Deutscher Fallschirmsportverband, Statistik 2009
  25. Deutscher Fallschirmsportverband, Statistik 2003
  26. Deutscher Fallschirmsportverband, Unfallberichte
  27. a b c d Deutscher Fallschirmsportverband, Luftrecht
  28. Voraussetzungen für die Erteilung einer Flugverkehrskontrollfreigabe zur Durchführung von Fallschirmabsprüngen ... im kontrollierten Luftraum vom 25. Januar 2007 (NfL I – 59/07)
  29. Zusammenfassungen der Unfallberichte

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