Ernst Platz

Ernst Platz
Selbstporträt 1908

Ernst Heinrich Platz (* 13. September 1867 in Karlsruhe; † 17. Januar 1940) war ein deutscher Bergmaler und Alpinist.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Platz wurde am 13. September 1867 in Karlsruhe geboren. Das Interesse an den Bergen weckte sein Vater, Professor Dr. Ph. Ernst Platz, der nicht nur als Gründungsmitglied und Vorstand der örtlichen Alpenvereinssektion, sondern auch als Geologe in den Bergen unterwegs war.

Nach drei Jahren brach er sein Studium der Architektur in Karlsruhe ab, zog nach München und widmete sich nun ausschließlich der Malerei und dem Bergsteigen. Nach Privatstudien bei Julius Exner (Akt, Porträt) ging er für drei Jahre an die Akademie der Künste, wo er bei Professor Alexander von Wagner[1] lernte. Seine vom Professor angeratene Pause, um seine Fertigkeiten in der Natur zu erproben nützt er. Als sowohl Aufsatz wie Illustrationen in das Jahrbuch des „Deutschen und Österreichischen Alpenvereins“ aufgenommen wurden, förderte dies sein Interesse an der Landschaftsmalerei und festigte in ihm den Entschluss sein Leben der Malerei und dem Bergsteigen zu widmen. Neben den gut verkäuflichen Landschaftsbildern widmete er sich verstärkt der Darstellung des Menschen im Gebirge. Es sind auch Menschen, die in jenen Werken im Mittelpunkt stehen, die er 1893 im Münchner Glaspalast ausstellt: „Memento Mori“ und der „Kletterer in den Kalkalpen“.

Im Jahr 1898 unternahm Platz seine erste große Auslandsbergfahrt. Mit dem Geographen und Verleger Dr. Hans Meyer bestieg er den Kilimandscharo, den höchsten Berg des ,schwarzen' Kontinents, und brachte zahlreiche Bilder und Skizzen von dieser Reise zurück nach München. Er zog sich bei der Reise jedoch auch eine Malariainfektion zu, die ihm drei Jahre lang zu schaffen machte.

1903 nahm er an der erfolgreichen Kaukasusexpedition unter Leitung von Willi Rickmer-Rickmers teil, während der er sich allerdings auf die bildliche Dokumentation dieser Reise beschränkte. 1911 nahm er nochmals an einer Fahrt in den Kaukasus teil, auch hier ist die Ausbeute an Bildern größer als seine Eintragungen im Tourenbuch. Die für 1914 geplante Teilnahme an einer Himalayaexpedition scheiterte am Ausbruch des Krieges.

Nach dem Krieg, den er nach freiwilliger Meldung in der Etappe erlebte, unternahm Ernst Platz zwar noch viele Bergfahrten, aber lediglich Wandertouren und auch diese nicht mehr außerhalb Europas. Dies hing nicht zuletzt mit der gerade für Künstler finanziell schwierigen Nachkriegszeit zusammen.[2]

7. Juni 1922: „...der Vorkriegstraum von einem behaglichen Schaffen ist eben ein Traum geblieben, und ich gebe mich keinen Illusionen hin.“

Ernst Platz stirbt am 17. Januar 1940. Sein Grab befindet sich auf dem Karlsruher Hauptfriedhof.

Ernst Platz privat

Platz war nie verheiratet, auch Kinder hinterließ er nicht. Selbst Bindungen an Freunde sind nicht bekannt. Obwohl er sich sowohl dem künstlerischen (Münchner Künstlergenossenschaft, Münchner Künstlerkameradschaft) als auch dem alpinistischen (Akademischer Alpenverein München, Deutscher- und österreichischer Alpenverein) Vereinsleben nicht ausschloss war er dennoch eher der Typ des Einzelgängers, was auch auf seine Maltätigkeit zurückgeführt werden kann. Sein liebster Urlaubsort war Pettneu am Arlberg, wo er jährlich mehrerer Wochen verbrachte.

Bergtouren

Platz gehörte nicht zur Elite der damaligen Bergsteigergilde, dennoch gelangem ihm einige bemerkenswerte Touren, unter ihnen: erste führerlose Ersteigung des Watzmann von St. Bartholomä aus (1895), Erstbesteigung von Fensterlturm (1895), Stablerturm (1895), Winklerturm (1896), Piz Bernina (1897), Kibo Erstbesteigung von Norden über Hans Meyer-Scharte / zweite Ersteigung (1898), Kaukasus: (1903), 1911: Schau-Choch, Mainkpars-Tau, Kalasan-Tau (alles Erstbesteigungen).

Beurteilung

Das Werk von Ernst Platz ist stark an seinen Verdienstmöglichkeiten orientiert. Neben seinen Landschaftsbildern und Porträts war er ein eifriger Maler und Zeichner von Gebrauchsgrafiken wie Postkarten, Plakaten, Zeitungswerbung, Karikaturen und Buchillustrationen. Auch sein Architekturstudium spiegelt sich in Bildern wider, die Gebäuden oder Innenräumen zeigen. Den nachhaltigste Eindruck haben jedoch seine oft nur skizzenhaft gebliebenen Bewegungsstudien hinterlassen. Sie waren der Grund für seine Beliebtheit als Illustrator von alpinen Lehrbüchern und Bergsportkatalogen. Die neben Platz bekanntesten Bergmaler dieser Zeit (Compton und Reschreiter) haben sich mit diesem Thema nicht auch nur annähernd so ausführlich befasst.Diese Bilder bieten heute wertvolle, weil seltene Hinweise auf die sich stets wandelnde Ausrüstung und Bekleidung der Alpinisten.

Quellen

  • Maike Trentin-Meyer (Verf.), Deutscher Alpenverein (Hrsg.): Ernst Platz. Bergsteigermaler und Illustrator. Alpine Klassiker; Bd. 21. Berg bei Bruckmann, München 1997. ISBN 3-7654-3063-3

Weblinks

 Commons: Ernst Platz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Artikel in englischsprachiger Wikipedia
  2. Vgl. J.Berg: Bergsteigermaler Ernst Platz. München 1997

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