Die Sklavin Isaura

Die Sklavin Isaura
Seriendaten
Deutscher Titel Die Sklavin Isaura
Originaltitel Escrava Isaura
Isaura - Logo.gif
Produktionsland Brasilien
Originalsprache Portugiesisch
Produktionsjahr(e) 1976–1977
Länge 60 Minuten
Episoden im Orig. 100, in Dt. 40 Folgen
Genre Telenovela
Idee Bernardo Guimarães, Gilberto Braga
Erstausstrahlung 10. November 1976 auf Rede Globo
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
24. November 1986 (BRD) auf ARD
Besetzung

Die Sklavin Isaura (Originaltitel: A escrava Isaura) ist eine brasilianische Telenovela, die bis heute als die erfolgreichste ihres Genres gilt. Die Fernsehserie wurde in 95 Länder verkauft[1] und gehörte zu den ersten westlichen Sendungen, die im damals noch bestehenden Ostblock gesendet werden durften und erfolgreich waren. Mit der Ausstrahlung der Serie im chinesischen Fernsehen waren dort erstmals westliche Schauspieler vertreten. Regie führten seinerzeit Milton Gonçalves und Herval Rossano.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Isaura wird am Anfang des 19. Jahrhunderts zur Zeit der Sklaverei als Tochter einer weißhäutigen Sklavin namens Juliana und eines unbekannten Vaters auf der südamerikanischen Tabak-Plantage (Fazenda) von Don Almeida in der Nähe von Rio de Janeiro geboren. Da ihre Mutter während der Geburt stirbt, wird sie von ihrer Herrin Dona Ester wie ein eigenes Kind aufgezogen. Dagegen wird sie von ihrem Herrn Don Almeida kühl und abweisend behandelt. Isaura bekommt Unterricht und ist allein durch ihr Äußeres nicht von einer „normalen“ Bürgerin zu unterscheiden.

Seit ihrer Kindheit wird sie ständig von Leôncio, dem Sohn ihrer Besitzer, sexuell bedrängt. Schließlich wird Leôncio nach Europa in die Schule geschickt. Als beide erwachsen sind, kommt er mit einem Haufen Schulden und noch lasterhafter als vorher wieder auf die Plantage zurück und fängt erneut an, Isaura zu bedrängen. Zwar heiratet er die vermögende Dona Malvina, will sich aber dennoch Isaura als Konkubine halten. Leôncios Ziehmutter, die Isaura die Freiheit versprochen hatte, kann nicht mehr einschreiten, denn sie erkrankt und stirbt, bevor sie ihr Versprechen einlösen kann. Leôncios Vater heiratet nach Esters Tod die Schauspielerin Carmen und verlässt die Fazenda, ohne sich um Isauras Schicksal zu kümmern.

Isaura verliebt sich in Tobias, den Besitzer der Nachbarplantage. Als dieser sie heiraten will, lässt Leôncio ihn entführen und in eine verlassene Windmühle sperren. Einen Freilassungsbrief, den die Mutter kurz vor ihrem Tod verfasste, verbrennt Leôncio vor Tobias Augen. Malvina, geleitet von der Sklavin Santa, sucht Tobias, findet ihn in der Mühle und will ihn befreien, aber Leôncio glaubt, es sei Isaura. Rasend vor Eifersucht zündet er das Gebäude an, so dass beide verbrennen. Santa wird Augenzeugin des Vorfalls, aber vom Sklaventreiber Francisco eingeschüchtert, um ihr Stillschweigen zu bewahren. Der Vater will sie nun freikaufen, aber Leôncio setzt einen überhöhten Preis von 15 Mio Reals an (ein herkömmlicher Sklave kostet um die Zeit 2 Mio Reals, eine hübsche Sklavin 3 Mio, wird als Vergleich im Film genannt), um jeglichen Kaufversuch unmöglich zu machen. Am Ende ist es doch möglich, Isaura mit gemeinsamer Hilfe der großzügigen Spende von Tais – der Schwester von Tobias, die für diese ihren gesamten Familienschmuck verkauft – das Geld zusammenzusuchen, aber Leôncio weigert sich beharrlich, Isaura zu verkaufen.

Von der Köchin Januria hört Isaura, dass Don Almeida Isauras Mutter Juliana zu ihren Lebzeiten ähnlich verehrte wie Leôncio jetzt sie. Das war auch einer der Gründe, weshalb Dona Ester ihren Sohn nach Europa schickte: die Angst, die Geschichte könnte sich wiederholen. Im Laufe der Geschichte lernt Isaura ihren echten Vater kennen: Miguel, einen freien Bürger und ehemaligen Verwalter der Plantage, der von Don Almeida gekündigt wurde, als dieser von der Liaison erfuhr. Mit ihm möchte sie ein normales Leben führen. So fliehen die beiden in die Stadt und leben unter falschem Namen. Isaura lässt sich zur Tarnung „Elvira“ nennen, aber Leôncio sucht sie. Ein vornehmer Bürger namens Alvaro, der dem Abolitionismus angehört, verliebt sich in sie und will sie heiraten, aber Leôncio, der ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt hat, findet sie auf einem Ball, lässt sie bloßstellen und – da sie vor dem Gesetz nach wie vor sein Eigentum ist – wieder auf die Fazenda bringen.

Alles scheint verloren, bis Alvaro entdeckt, dass Leôncio durch sein ausschweifendes Leben zahlungsunfähig ist. Er übernimmt über Strohmänner den gesamten Besitz von Leôncio, inklusive Isaura. In seiner Verzweiflung über den Verlust Isauras und all seiner Güter erschießt sich Leôncio am Ende.

Hintergrund

Roman und weitere Verfilmungen

Die Telenovela basiert auf dem Roman Die Sklavin Isaura des brasilianischen Autors Bernardo Guimarães aus dem Jahr 1875. Das Anti-Sklaverei-Buch ist Schullektüre in Brasilien und wurde mehrfach verfilmt, zuerst als Stummfilm im Jahre 1929, dann als Spielfilm 1949 und zuletzt als Neuauflage der Serie im Jahre 2004, mit einem der zwei Regisseure von 1976, Herval Rossano. Rubens de Falco, Darsteller des Leôncio 1976, wurde in die Neuauflage übernommen, in der er die Rolle Don Almeida spielte. 1976 wurde er neben der damals 19jährigen Lucélia Santos als jugendlicher Bösewicht besetzt, obwohl er nur vier Jahre jünger war als sein Filmvater Gilberto Martinho. Auch Norma Blum, die in der Version von 1976 die Rolle der unterdrückten Ehefrau Malvina spielte, wurde wieder besetzt, in der Neuversion wirkte sie diesmal in der Rolle der Gertrudes, eine Figur, die in der Serie von 1976 nicht vorkommt, mit.

Musik

Die Titelmusik der Telenovela Escrava Isaura ist eine reduzierte Neuversion des Liedes Retirantes von Dorival Caymmi. Es wurde auch eine CD mit dem Soundtrack der Serie veröffentlicht. Immer wiederkehrende musikalische Hauptthemen der Serie waren:

  1. Prisioneira von Elizeth Cardoso
  2. Amor sen Medo von Francis Hime
  3. Retirantes von Dorival Caymmi (Titelmusik)
  4. Nana von Orquestra Som Livre
  5. Banzo von Tincoas
  6. Moe preta von Coral Som Livre

Arrangeur war César Guerra-Peixe, Musikproduzent Guto Graça Mello

Der Originaltext des Titelliedes lautet:[2]

Vida de negro é difícil
É difícil como o quê
Vida de negro é difícil
É difícil como o quê
Eu quero morrer de noite
Na tocaia a me matar
Eu quero morrer de açoite
Se tu negra me deixar

Vida de negro é difícil
É difícil como o quê
Meu amor eu vou me embora
Nessa terra vou morrer
Um dia não vou mais ver
Nunca mais eu vou viver
Vida de negro é difícil
É difícil como o quê

Ausstrahlungen

Die Sklavin Isaura wurde auf Rede Globo vom 11. Oktober 1976 bis zum 5. Februar 1977 um 18 Uhr ausgestrahlt. Im Original hat sie 100 Folgen à 60 Minuten Laufzeit. Für Deutschland wurde sie zu 40 Folgen à 25 Min. zusammengestrichen, um die Geschichte zu straffen, was den Erfolg aber nicht minderte. Premiere in Deutschland war am 24. November 1986 auf ARD, die letzte Folge wurde am 5. Februar 1987 gesendet. Die Folgen wurden an vier Tagen in der Woche ausgestrahlt, Montag- bis Donnerstagnachmittags gegen 16 Uhr, mit Ausnahme der Weihnachts- und Silvester-Feiertage, an denen jeweils vom 24. bis zum 28. Dezember und dem 31. Dezember bis zum 4. Januar keine Ausstrahlungen stattfanden. Weitere Sender, die die Serie in ihr Programm aufnahmen, waren West 3 (1990), Bayerisches Fernsehen (1991), ORB (1992), Eins Plus (1993), DF1 Herz & Co TV (1997/98) und Premiere Sunset TV (1999).[3] Ursprünglich war die Serie auf Kinder und Jugendliche als Zielpublikum angelegt, überraschenderweise waren es aber vermehrt Erwachsene, die auf die Serie ansprachen.[4]

Episodentitel der in Deutschland ausgestrahlten 40 Folgen waren:

1. Ein außergewöhnliches Mädchen 2. Leôncios Rückkehr 3. Machtproben 4. Der selbstsüchtige Sohn 5. Die Wohltäterin 6. Das Versteckspiel 7. Unterdrückte Wünsche 8. Schatten der Vergangenheit 9. Gegensätzliche Meinungen 10. Familienstreit 11. Zusammenkünfte 12. Liebesgeständnisse 13. Die Wiedervereinigung 14. Der Theaterbesuch 15. Der Empfang 16. Ein verlockendes Angebot 17. Die Hochzeit 18. Der Tyrann 19. Dona Esters letzter Wunsch 20. Der zurückgehaltene Brief 21. Die Ablehnung 22. Heimlichkeiten 23. Das Zerwürfnis 24. Widerstand 25. Der Freilassungsbrief 26. Trügerisches Glück 27. Das Feuer 28. Falsche Freiheit 29. Ganz unten 30. Eine großzügige Geste 31. Die Flucht 32. Untergetaucht 33. In ständiger Gefahr 34. Nachforschungen 35. Neue Liebe 36. Der Verrat 37. Korrupte Geschäfte 38. Verzweiflungstaten 39. Eine teuflische Strategie 40. Der letzte Kampf

Ausstrahlung in sozialistischen Ländern

Die Serie gehörte zu den wenigen „westlichen Serien“ die auch jenseits des Eisernen Vorhangs ausgestrahlt wurden. Ungarn war das erste Land des Ostblocks, das die Serie in sein Programm aufnahm. Die Ausstrahlung erfolgte dort im Jahr 1986 auf MTV (Magyar Televízió) und war ein gewaltiger Erfolg. Eine moderne Legende berichtet, dass ungarische Zuschauer der Fernsehserie 75.000 US-Dollar sammelten und diese zur Befreiung Isauras der Brasilianischen Botschaft übergaben.[5]

Nach Ungarn nahmen immer mehr Staaten des Ostblocks die Serie in ihr Programm auf, darunter die ehemalige UdSSR und schließlich China. Die Sklavin Isaura war die erste westliche Fernsehproduktion, die in China gesendet werden durfte. In Kuba avancierte sie sogar zur Lieblingssendung Fidel Castros, der ZK-Sitzungen verschoben haben soll, um keine Folge zu verpassen. Lucélia Santos entwickelte sich zu Castros Lieblingsschauspielerin und wurde mehrfach von ihm nach Kuba eingeladen.[6] Santos wurde auch in China zum Filmstar und arbeitet noch heute als Beauftragte der brasilianischen Regierung für die Stärkung der kulturellen Beziehungen zwischen Brasilien und China. In der DDR wurde die Serie nicht ausgestrahlt.

Insgesamt wurde die Serie in 95 Länder verkauft, der Fernsehsender Rede Globo ist dank des internationalen Erfolgs heute einer der größten Fernsehsender der Welt.

Einzelnachweise

  1. http://www.quetzal-leipzig.de/themen/kultur/medien-und-kommunikation/die-entwicklungsgeschichte-der-lateinamerikanischen-telenovela-von-den-anfangen-bis-zur-transkulturellen-verbreitung.html - Unter dem Kapitel: VI. Telenovela goes global – Transnationalisierung und -kulturalisierung ab den späten 1970er Jahren
  2. http://www.teledramaturgia1.kit.net/escrt.htm
  3. http://www.dramahome.net/telenovelaguide.htm
    http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=0636&seite=6
  4. Prisma 9/1987, S. 18 zitiert nach http://www.bamby.de/1986/86Isaura00.htm
  5. http://www.teledramaturgia1.kit.net/alfabetica.htm - Unter Escrava Isaura, Seite in Portugiesischer Sprache
    http://www.freeweb.hu/telenovelas/escavaisaura.html, Seite in Ungarischer Sprache mit Filmfotos
  6. DIE ZEIT, Telenovela oder Die unendliche Serie Anne Schiwek, 16. September 1988 Nr. 38

Weblinks


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