Kanina (Albanien)

Kanina (Albanien)

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Kanina
Reste der Burg

Reste der Burg

Entstehungszeit: 4. Jahrhundert v. Chr.
Burgentyp: Hügelburg
Erhaltungszustand: Ruine
Bauweise: Steinbau
Ort: Kanina / Vlora
Geographische Lage 40° 26′ 23″ N, 19° 31′ 8″ O40.43972222222219.518888888889Koordinaten: 40° 26′ 23″ N, 19° 31′ 8″ O
Kanina (Albanien)
Kanina

Kanina (albanisch auch Kaninë) ist ein Dorf im Süden Albaniens. Der Ort liegt etwa sechs Kilometer südöstlich der Hafenstadt Vlora auf einem Hügel, der zu den nördlichen Ausläufern des Ceraunischen Gebirges gehört. Das Zentrum der Ortschaft bilden die Reste einer alten Festung, von der man sowohl die nahe gelegene Meeresküste als auch die Stadt Vlora überblickt.

Die Besiedlung erfolgte im 4. Jahrhundert v. Chr., als die Illyrer eine kleine Festung anlegten. Im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde der Ort wegen der Barbareneinfälle in die Balkanprovinzen des Römischen Reiches erneut befestigt. Kaiser Justinian ließ die Befestigungen weiter ausbauen, in deren Schutz nun eine kleine städtische Siedlung entstand. Wohl zur Zeit der Bulgarenherrschaft im 10. Jahrhundert wurde Kanina Sitz eines Bischofs, der dem Metropoliten von Ohrid unterstand.

Im späten Mittelalter blieb der Ort weiter von strategischer Bedeutung. Die Despoten von Epirus unterhielten eine Garnison in Kanina. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde Kanina als Mitgift der Helena Komnena Dukas aus der Familie der Angeloi an ihren Gatten Manfred von Sizilien übergeben. Dieser überließ es einem seiner Vasallen zur Verwaltung.

Die Burg von Kanina diente dann ungefähr von 1270 bis 1330 mehrfach als Residenz der Statthalter, die die angevinischen Besitzungen in Albanien verwalteten. Danach bildete sie für einige Jahrzehnte das Zentrum eines kleinen Fürstentums, das nacheinander Vasall der epirotischen Fürsten, des serbischen Zaren und der Venezianer war. Die Fürsten waren Angehörige der Familie Strazimirovic, einer Nebenlinie des bulgarischen Königshauses Asen. Die epirotischen Fürsten, ebenso wie die Angevinen und die Strazimirovics, warben viele ihrer Soldaten unter den Albanern, die sich deshalb im 13. und 14. Jahrhundert in großer Zahl in der Gegend ansiedelten und bald die Bevölkerungsmehrheit bildeten.

Die neue Moschee des Ortes
Ansicht der Burg

1417 eroberten die Osmanen Kanina und gliederten es in ihr Reich ein. Ruzhina, die letzte Fürstin von Kanina ging nach Korfu ins Exil. Der Ort wurde wie viele andere albanische Städte verwüstet und zählte 1431 nur noch 216 Häuser.[1] Noch lange Zeit war die Burg zum Schutz des Hafens von Vlora militärisch von Bedeutung. Als der türkische Reisende Evliya Çelebi 1670 nach Kanina kam, fand er die Festung noch in gutem Zustand und mit einer Garnison von 400 Mann versehen. Er zählte 300 Häuser im Ort, dazu 20 in der Zitadelle und erwähnte die von Osmanen errichtete Moschee sowie die nahe gelegene Teqe. Eqrem Bej Vlora schreibt in seinen Lebenserinnerungen, dass seine Familie im Schloß von Kaninë wie im Schlaraffenland gelebt habe – mit 200 bis 300 Bediensteten. 1820 sei die Familie in ein großes Anwesen in Vlora gezogen.[2]

Als der englische Maler Edward Lear Kanina 1848 besuchte, lag die Festung in Trümmern. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Kanina zur Sommerfrische der wohlhabenden Bürger von Vlora, die sich hier Landhäuser errichten ließen. In der kommunistischen Zeit (bis 1990) war der Ort ein ruhiges Bauerndorf. In der Gegenwart wird Kanina wegen seiner Aussicht auf den Golf von Vlora häufig von Touristen besucht, die an der nahegelegenen Küste Urlaub machen. Das Areal der Burg wurde mehrfach für Theateraufführungen und Fernsehshows genutzt.

Literatur

  • Henry Baerlein: Southern Albania under the Acroceraunian Mountains. Chicago 1968 (eine politische und kulturgeschichtliche Abhandlung über die Region südlich von Vlora).
  • Edward Lear: Journals of a landscape painter in Albania. London 1851, S. 212–220.
  • Robert Elsie: Kanina dhe Vlora nga udhëpërshkrimi (Sejahatnameja) e Evlija Çelebiut. In: Albanica Ekskluzive. Revistë mujore për dije e kulturë. Nr. 68, Prishtinë, Mai 2007, S. 82–85. pdf
  • Ekrem Vlora: Kalaja e Kaninës. arti grafiche editoriali A. Urbinati, Rom 1961. (Neudruck: Kalaja e Kaninës dhe shkrime të tjera. Botimet Koçi, Tirana 2004, ISBN 99927-871-5-5)

Einzelnachweise

  1. Emin Riza: Die albanische Stadt im Mittelalter und in der osmanischen Zeit. in Walter Raunig (Hrsg.): Albanien – Reichtum und Vielfalt alter Kultur. Staatliches Museum für Völkerkunde, München 2001, ISBN 3-9807561-2-2
  2. Ekrem Bey Vlora: Lebenserinnerungen (1885 bis 1912). In: Mathias Bernath (Hrsg.): Südosteuropäische Arbeiten. Bd. I, R. Oldenbourg Verlag, München 1968, S. 21.

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