Deutschordenskommende Koblenz

Deutschordenskommende Koblenz
Das Deutschherrenhaus mit dem Kreuz des Deutschen Ordens (das eigentliche Deutsche Eck)
Der Rheinbau, heute Deutschherrenhaus, der ehemaligen Deutschordenskommende
Das Deutschherrenhaus mit der Ruine der Kapelle links daneben
Der Torbau der ehemaligen Deutschordenskommende Koblenz
Der Blumenhof zur Bundesgartenschau 2011

Die Deutschordenskommende Koblenz war eine Niederlassung (Kommende) des Deutschen Ordens am Zusammenfluss von Mosel und Rhein in Koblenz, die im 15. Jahrhundert zur Kammerballei aufstieg. Die nur noch in Teilen erhalten gebliebene Anlage liegt heute zwischen dem Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal und der Basilika St. Kastor. Im Rheinbau, der heute Deutschherrenhaus genannt wird, ist das Ludwig Museum untergebracht.

Seit 2002 ist die Anlage der ehemaligen Deutschordenskommende Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Deutschordenskommende in Koblenz war die erste Niederlassung des Deutschen Ordens im Rheinland und gehörte zu den wichtigsten Standorten im Westen. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem dort befindlichen St.-Nikolaus-Krankenhaus. Eine Motivation für die Ansiedlung des Ordens war in dessen Eignung für die Krankenpflege zu sehen.

Unmittelbar an der Ecke, wo die Mosel in den Rhein fließt, entstand bald danach eine Deutschordensniederlassung. Mitte des 13. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung des Ritterordens in der Stadt stark an und die Ordensanlage wurde mit Unterstützung der Trierer Erzbischöfe weiter ausgebaut. Seit dieser Niederlassung des Deutschen Ordens trug diese Stätte zunächst die Bezeichnung „Deutscher Ordt“ und dann den Namen „Deutsches Eck“. Mit Bau des Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals 1897 verlagerte sich der Name „Deutsches Eck“ vom Gelände der Deutschordensniederlassung auf das Areal des Denkmals.

Im 15. Jahrhundert stieg die Bedeutung der Deutschordensniederlassung weiter an, da sie Sitz einer von vier Kammerballein wurde, die dem Hochmeister des Ordens direkt unterstellt war. Die Ballei Koblenz besaß weit verstreuten Landbesitz, seit 1263 auch das Dorf und die Kirche in Elsen im heutigen Rhein-Kreis Neuss. Elsen war das einzige reichsunmittelbare Territorium im Besitz der Kammerballei Koblenz. Dadurch hatte der Landkomtur ein Mitspracherecht in den Organen des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Gräfin Mechthild, Witwe des Grafen Heinrich III. von Sayn (1202–1246), vermachte nach dem Tode ihres Gatten die schon bestehende Pfarrei Waldbreitbach (Kreis Neuwied) dem Deutschen Orden. Nach 1313 gelangte die Kommende Breitbach in die Zuständigkeit des Komturs zu Horneck (am Neckar). Bis zur Auflösung im Jahr 1803 verblieb die Pfarrei sodann bei der Ballei Koblenz.

Der Landkomtur der Ballei Koblenz verlegte um 1600 seinen Sitz nach Köln zur dort seit 1218 bestehenden Kommende St. Katharina. 1619 ging das Schloss Morsbroich in den Besitz des Deutschen Ordens über, das nach 1794 zum alleinigen Sitz des Landkomturs wurde.

Nachdem französische Revolutionstruppen Koblenz 1794 erobert hatten, wurde das linke Rheinufer grundlegend von den Franzosen reorganisiert. Das Einsetzen der Säkularisation ab 1802 bedeutete das Ende der kirchlichen Herrschaft und auch das Ende für die Deutschordenskommende in Koblenz. Sie wurde 1809 aufgelöst und in Privatbesitz verkauft. Nach der französischen Zeit und mit Bau der preußischen Festung Koblenz nahmen die Gebäude der Deutschordenskommende ab 1821 das Proviantmagazin auf. Im Zuge des Neubaus der Stadtbefestigung entstand an der Moselmündug vor dem Rheinbau der heute noch bestehende Kasemattenbau, der das Kreuz des Deutschen Ordens trägt.

Von 1897 bis 1941 beherbergte die ehemalige Anlage des Deutschen Ordens das preußische Staatsarchiv Koblenz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage bei den Luftangriffen auf Koblenz 1944 weitgehend zerstört. Danach wurde nur der Rheinbau wieder aufgebaut und von der Straßenverwaltung genutzt. Die Stadt Koblenz kaufte 1988 das Gebäude vom Land Rheinland-Pfalz und baute es von 1990 bis 1992 zum Ludwig Museum um. Im Jahr 2002 wurde auf den Ruinen des ehemaligen Archivdienerhauses ein modernes Gebäude errichtet. Während der Vorbereitung zur Ausrichtung der Bundesgartenschau 2011, das Areal ist Teil des Kernbereichs „Blumenhof am Deutschen Eck“, wurden weitere Zeugnisse des Ritterordens freigelegt und gesichert.

Bauten

Das Areal der Deutschordenskommende bestand aus einem Hauptgebäude, dem Rheinbau (1279 errichtet) und mehreren Nebengebäuden, die sich hufeisenförmig um einen Hof gruppierten, der nach Süden offen war. Dazu kam eine am Westbau angegliederte Ordenskirche, die 1306 geweiht und 1811 abgebrochen wurde.

Infolge der Zerstörungen nach den Luftangriffen auf Koblenz von 1944 und der anschließenden Abrissarbeiten haben sich von den Wohn- und Hofgebäuden nur noch Teile erhalten. Wiederaufgebaut wurde der Ostflügel (ehemals Komturswohnung) an der Rheinseite. Dabei handelt es sich um einen dreigeschossigen Rechteckbau mit einem mehreckigen Treppenturm an der Südwestecke und steilen Schildgiebeln. Vom Westflügel existieren noch zwei über Säulen gewölbte Erdgeschosssäle. Von der abgerissenen Deutschordenskirche besteht noch die Südwand mit prächtigen Gewölbekonsolen. An diese schloss sich südlich eine kleine gotische Kapelle (1354/1355 errichtet) an, die in den 1960er-Jahren noch Spuren von Wandmalereien aufwies und von der sich lediglich Teile der Außenmauern erhalten haben. Das Portal in der westlichen, zur Basilika St. Kastor führenden Begrenzungsmauer stammt von dem ehemaligen Waisenhaus, das unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz erbaut worden war. Der Blumenhof befindet sich hinter dem Hauptgebäude und ist heute eine Gartenanlage.

Kommenden der Kammerballei Koblenz

Kommenden und andere Besitzungen der Balleien Koblenz und Alden-Biezen im 18. Jahrhundert

Die folgenden Kommenden unterstanden der Kammerballei Koblenz:

Komture der Kammerballei Koblenz

Name des Komturs erste Erwähnung letzte Erwähnung
Ludwig 1219 1231
Walter de Porta Castri 1249 1272
Matthias von Lonnich 1274 1295
Dirk von Holland 1297 1304
Jakob 1309
Winrich von Baesweiler 1315 1318
Berthold von Buchegg 1324
Jakob von Trier 1324 1339
Eberhard von Monheim 1339 1343
Johann von Langerak 1343 1346
Christian von Binsfeld 1349 1360
Rüdiger von Friemersheim 1361 1375
Gottfried von Bicken 1379 1382
Berthold Kriskorb 1382 1387
Adolf von Virmond 1389 1392
Gerhard von Fischenich 1394 1395
Balduin Staël von Holstein 1397 1399
Winrich von Rheindorf 1400 1402
Albrecht von Thunen 1405 1410
Wilhelm von Wittlich 1411
Konrad von Buchseck 1412 1414
Gerhard von Benesis 1416 1431
Philipp von Kendenich 1432 1435
Eberhard von Nackenheim 1435 1439
Philipp von Kendenich 1439 1442
Eberhard Thyn von Schlenderhahn 1442 1446
Nikolaus von Gielsdorf 1446 1460
Lambert von Neudorf 1461
Heitgin von Miele 1463
Werner Overstolz 1464 1479
Philipp von Solms 1479 1483
Johann Scherfchen 1483 1486
Werner Spies von Büllesheim 1486 1501
Ludwig von Seinsheim 1501 1524
Herzog Erich von Braunschweig 1524
Wilhelm von Isenburg 1524 1525
Georg von Eltz 1532
Walter von Heußenstamm 1532 1547
Wilhelm Halber von Hergern 1547 1557
Anton von Weyer zu Nickendich 1557 1558
Gerhard von Bohneburg 1560 1573
Otto von Gunß 1574 1577
Reinhard Scheiffart von Merode 1578 1598
Adolf von dem Bongart 1598 1631
Johann Friedrich von Syburg 1631 1639
Werner Spies von Büllesheim 1639 1643
Johann von Elleren zu Oest 1643 1646
Heinrich Freiherr von Reuschenberg 1646 1677
Goswin Scheiffart von Merode 1677 1685
Johann Carl Goswin Freiherr von Nesselrath 1685 1698
Johann Friedrich Mohr von Wald 1703 1704
Heinrich Wilhelm von Mirbach 1706 1715
Karl Gottfried von Loe 1716 1720
Jobst Moritz Freiherr von Droste zu Senden 1720 1752
Friedrich Christian von Mengersen 1752 1753
Ignaz von Wurmbrand 1753 1761
Ignaz Franz Felix Freiherr von Roll zu Bernau 1761 1794
Carl Franz Friedrich Freiherr Forstmeister zu Gelnhausen 1795 1805
Wenzel Joseph Graf Colloredo-Mels und Wallsee 1805 1806
Säkularisation 1809

Ludwig Museum

César: Le Pouce – Der Daumen, seit 1993 im Ludwig Museum, Leihgabe des Ludwig Forums
Hauptartikel: Ludwig Museum Koblenz

Das Ludwig Museum ist die fünfte vom Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig initiierte Kunstsammlung in Deutschland und wurde am 18. September 1992 mit der Ausstellung „Atelier de France“ eröffnet. Die Ausrichtung des Museums auf französische Kunst des 20. Jahrhunderts, vornehmlich der Entwicklungen nach 1945 bis hin zu aktuellen Positionen, ist in Deutschland einmalig.

Das Ludwig Museum nutzt neben seinen Ausstellungsräumen auf vier Etagen auch den angrenzenden „Blumenhof“, der sich als Ausstellungsfläche für markante dreidimensionale Arbeiten anbietet. Zu den Beständen des Museums gehören hier der „Daumen“ von César und die Installation „Stätte der Erinnerung und des Vergessens“ von Anne und Patrick Poirier, die diese Arbeit eigens zur Museumsgründung für diesen Ort entwickelt haben.

Siehe auch

Literatur

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992. ISBN 3-8062-0876-X
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993. ISBN 3-8062-1036-5
  • Johann Heinrich Hennes: Codex diplomaticus Ordinis Sanctae Mariae Theutonicorum = Urkundenbuch zur Geschichte des Deutschen Ordens, insbesondere der Ballei Coblenz. Verlag Kirchheim, Schott und Thielmann, Mainz 1845 (Digitalisat im DjVu-Format)
  • Albert Hardt: Im Lande der Neuerburg an der Wied. Verbandsgemeinde, Wolfenacker 1987 (darin: Die Commende des Deutschen Ordens in Waldbreitbach an der Wied)
  • Dieter Kerber, Udo Liessem: Der Deutsche Orden in Koblenz. Studien zur Geschichte und Bauentwicklung im Mittelalter. Görres-Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-920388-12-7
  • Dokumentation zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz
    • Band 1: Stadt im Wandel: Die Region Mittelrhein bereitet sich vor. Garwain, April 2011, ISBN 978-3-936436-19-8
  • Herbert Dellwing (Bearbeiter): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.2: Stadt Koblenz. Innenstadt. Werner, Worms 2004. ISBN 3-88462-198-X

Weblinks

 Commons: Deutschherrenhaus Koblenz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
50.3627777777787.605

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужен реферат?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Stadtbefestigung Koblenz — Fundort des römischen Kastells aus der Zeit des Kaisers Augustus an der Kastorkirche 2008 …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Kulturdenkmäler in Koblenz-Altstadt — In der Liste der Kulturdenkmäler in Koblenz Altstadt sind alle Kulturdenkmäler im Stadtteil Koblenz Altstadt der rheinland pfälzischen Stadt Koblenz aufgeführt. Grundlage ist die Denkmalliste des Landes Rheinland Pfalz (Stand: 2. Februar 2010).… …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Stadt Koblenz — Wappen von Koblenz Die Geschichte der Stadt Koblenz ist sehr wechselhaft und gekennzeichnet von kriegerischen Auseinandersetzungen bei zahlreichen Grenzkonflikten sowie einem großen baulichen Wandel. Bereits seit der Steinzeit ist das Gebiet von… …   Deutsch Wikipedia

  • St. Kastor (Koblenz) — Basilika St. Kastor mit Kastorbrunnen …   Deutsch Wikipedia

  • St. Jakobus (Koblenz) — Der Südflügel des ehemaligen Leyenschen Hofs mit der St. Jakobus Kapelle (rechts) Die St. Jakobus Kapelle ist eine Kapelle der alt katholischen Gemeinde in Koblenz. Das 1355 erbaute gotische Gotteshaus war ursprünglich eine Friedhofskapelle des… …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Museum Koblenz — Das Deutschherrenhaus beherbergt das Ludwig Museum …   Deutsch Wikipedia

  • Deutsches Eck — Das Deutsche Eck an der Mündung der Mosel in den Rhein, am linken Bildrand die Rheinseilbahn, die Kastorkirche und das Deutschherrenhaus, Ansicht von der Festung Ehrenbreitstein, 2011 …   Deutsch Wikipedia

  • Pfarrei Deutscher Orden — Wappen des Großmeisters des Deutschen Ordens. Der Deutsche Orden ist ein religiöser Orden der Katholischen Kirche, dessen Mitglieder stets aus Priestern und Laien bestanden. Im Verlaufe seiner Geschichte bekam er zahlreiche Pfarreien… …   Deutsch Wikipedia

  • Theoderich von Wied — Theoderich II. von Wied, auch genannt Dietrich von Wied (* um 1170; † 28. März 1242 in Trier), war von 1212 bis 1242 Erzbischof und Kurfürst von Trier. Er war ein Sohn des Dietrich I. von Wied, der Name seiner Mutter unbekannt. Urkundlich wurde… …   Deutsch Wikipedia

  • Berthold von Buchegg — (auch von Bucheck; * vor 1279; † 25. November 1353 in Molsheim) war Bischof von Speyer 1328 und als Berthold II. Bischof von Straßburg von 1328 bis 1353. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Wappen 3 Literatur …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”