Bombardierung von Valparaíso

Bombardierung von Valparaíso
Bombardierung von Valparaíso

Die Bombardierung von Valparaíso am 31. März 1866 ist eine Kriegshandlung während des Spanisch-Südamerikanischen Krieges und wurde international als ein Kriegsgräuel eingestuft. Sie führte letztlich dazu, dass während der Brüsseler Konferenz von 1874 festgelegt wurde, dass nur befestigte Städte bombardiert werden dürften.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Ein schon länger bestehender Konflikt zwischen Spanien und Chile eskalierte im September 1865 zum Krieg. Spaniens Kriegsziel war es zunächst, die chilenische Flotte zu vernichten. Dieses Ziel konnte jedoch nicht erreicht werden, vielmehr unterlag die spanische Marine zweimal der chilenischen. Gegen Ende März 1866 näherte sich die spanische Flotte der chilenischen Küstenstadt Valparaíso und drohte, die unbefestigte Stadt unter Beschuss zu nehmen. Vor der Eröffnung des Panama-Kanals war Valparaíso der erste größere Hafen, den Schiffe nach der Umfahrung von Kap Hoorn erreichten. Deshalb war im 19. Jahrhundert der Hafen der Stadt der dominierende am südlichen Pazifik und neben San Francisco einer der beiden bedeutendsten Häfen an der Westküste Amerikas. Aus diesem Grund lagen britische und amerikanische Kriegsschiffe im Hafen von Valparaíso, die der spanischen Flotte mit einem Seegefecht drohten, falls diese die unbefestigte und nicht verteidigungsfähige Stadt angreifen sollte. Der spanische Admiral Casto Mendez Nunez bot allerdings nur eine Vorwarnzeit von vier Tagen an. Dies sollte den zahlreichen Händlern in der Stadt, die Bürger neutraler Staaten waren, die Gelegenheit geben, sich und ihre Waren in Sicherheit zu bringen. Dies allerdings unterblieb aus mehreren Gründen: Zum einen vertrauten die Einwohner darauf, dass wegen der im Hafen liegenden britischen und amerikanischen Schiffe ein Bombardement unterbleiben würde. Zum anderen hatte der in der Stadt befindliche britische Botschafter Thomson gegenüber der Bevölkerung von Valparaíso die Ansicht vertreten, dass eine unbefestigte und nicht geschützte Stadt vor einem Angriff sicher sei.[1] Am 31. März 1866 wurde die Stadt von der spanischen Flotte jedoch sechs Stunden lang unter Beschuss genommen. Auf Grund der Vorwarnungen kamen dabei nur fünf Menschen ums Leben.

Reaktionen

Ähnlich wie zwölf Jahre zuvor bei der Bombardierung von Greytown kam es international zu scharfen Protesten. In der Presse wurde das Bombardement, das sich gegen ungeschützte Zivilisten richtete, als barbarisch bezeichnet. Im britischen Unterhaus wurde das Vorgehen als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Zahlreiche Regierungen protestierten scharf gegen dieses Vorgehen. Die Bombardierung von Valparaíso führte letztlich dazu, dass in der Brüsseler Erklärung von 1874 in Artikel 15 festgelegt wurde, dass nur befestigte Städte bombardiert werden dürften und dies nach Vorwarnung zu erfolgen habe.[1]

Belege

Literatur

  • Jan Martin Lemnitzer: Kriegsgreuel auf See im 19. Jahrhundert. In: Sönke Neitzel, Daniel Hohrath (Hrsg.): Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Schöningh, Paderborn u. a. 2008, ISBN 978-3-506-76375-4, (Krieg in der Geschichte 40).

Einzelbelege

  1. a b Lemnitzer, S. 82

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать реферат

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bombardierung von Greytown — durch die USS Cyane Während der Bombardierung von Greytown am 13. Juli 1854 wurde die nicaraguanische Kleinstadt Greytown (span.: San Juan del Norte) durch Beschuss des US amerikanischen Kriegsschiffes USS Cyane vollständig zerstört. Anlass für… …   Deutsch Wikipedia

  • Brüsseler Konferenz von 1874 — Die Brüsseler Konferenz von 1874 fand vom 27. Juli bis zum 27. August 1874 mit dem Ziel statt, eine internationale Übereinkunft über die Gesetze und Gebräuche des Krieges zu verabschieden. Die Initiative ging vom russischen Zaren Alexander II.… …   Deutsch Wikipedia

  • Sturz von Salvador Allende am 11. September 1973 — Salvador Allende (Briefmarke der DDR von 1974) Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile. Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende kam unter ungeklärten Umständen zu Tode, nachdem die… …   Deutsch Wikipedia

  • Spanisch-Südamerikanischer Krieg — Peruanische Batterie in der Schlacht von Callao 1866 …   Deutsch Wikipedia

  • Salvador Allende Gossens — [salbaˈdoɾ aˈʎende ˈgosens] (* 26. Juni 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) war promovierter Arzt und von 1970 bis 1973 Präsident Chiles. Allendes Präsidentschaft war der Versuch, auf demokratischem Wege eine… …   Deutsch Wikipedia

  • Salvador Allende — Gossens [salbaˈdoɾ aˈʎende ˈgosens] (* 26. Juni 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) war promovierter Arzt und von 1970 bis 1973 Präsident Chiles. Seine Präsidentschaft war der Versuch, auf demokratischem Wege …   Deutsch Wikipedia

  • 4. April — Der 4. April ist der 94. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 95. in Schaltjahren), somit bleiben 271 Tage bis zum Jahresende. Historische Jahrestage März · April · Mai 1 2 …   Deutsch Wikipedia

  • Charles Horman — (* 15. Mai 1942 in New York; † 19. September 1973 in Santiago de Chile) war ein US amerikanischer Journalist, der kurz nach dem Putsch in Chile 1973 von Militärs entführt und ermordet wurde. Der Putsch unter der Führung des Generals Augusto… …   Deutsch Wikipedia

  • Almirante-Lynch-Klasse — HMS Botha Übersicht …   Deutsch Wikipedia

  • 11. September 1973 — Salvador Allende (Briefmarke der DDR von 1974) Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile. Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende kam unter ungeklärten Umständen zu Tode, nachdem die… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”