Burhan Cahit Doğançay

Burhan Cahit Doğançay

Burhan Cahit Doğançay (* 11. September 1929 in Istanbul) ist ein in New York City und Istanbul lebender türkisch-amerikanischer Maler und Fotograf.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

In Sachen Kunst wurde Doğançay schon früh von seinem Vater, dem türkischen Maler Adil Doğançay, sowie dem Maler Arif Kaptan ausgebildet. Nach Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Ankara ging er anfangs der 50er Jahre nach Paris um an der Universite de Paris zu promovieren und nebenbei an der Académie de la Grande Chaumière Kunst zu studieren. Nach einer kurzen Karriere im diplomatischen Dienst, die ihn 1962 nach New York brachte, beschloss Dogançay in 1964, sich in New York permanent niederzulassen und sich voll und ganz der Kunst zuzuwenden. Seit einigen Jahren lebt er auch teilweise in Turgutreis, Türkei.

Kunst

Seit jeher fasziniert von städtischen Mauern und Wänden, mache Doğançay diese zum Thema seiner Kunst. In seinen Augen sind sie Barometer unserer Gesellschaft und Zeugen der Vergänglichkeit der Zeit, standhaft gegenüber dem Ansturm der Elementen und den Spuren der Menschen. Mitte der 1970er Jahre begann Doğançay städtische Mauern und Wände zu fotografieren, ein Projekt, das er damals noch als zweitrangig einstufte. Dieses Projekt gewann aber schnell an Bedeutung. Nach fast vier Jahrzehnten umfasst seine Sammlung Fotografien aus mehr als hundert Ländern. 1982 organisierte das Centre Georges Pompidou in Paris unter dem Titel "Les Mures Murment, Ils Crient, Ils Chantent... (Die Mauern flüstern, sie schreien, sie singen...) eine Einzelausstellung mit seinen Fotografien. Doğançays Aufnahmen sind ein Archiv unserer Zeit und die Grundlage für seine Gemälde, die ebenfalls unsere Zeit dokumentieren.

Sein bevorzugtes Medium ist die Collage. Die wichtigsten Bestandteile dafür sind die Plakate und Objekte/Bruchstücke, die er von und bei den Mauern sammelt und teilweise durch das Mittel der "Fumage" (das Schwärzen durch die Rußspur einer Kerze) bearbeitet. Doğançay bildet Mauern nach, er arbeitet in Serien, die sich jeweils auf Türen, Farben, Graffiti-Stile oder die Objekte beziehen, die er in seine Werke integriert. In den 1970er und 1980er Jahren entstand aus seiner Interpretation der städtischen Wände die Serie "Ribbons" (Bänder), die zu seinem Markenzeichen geworden ist, deren einzelne Werke, im Kontrast zu den collagierten Plakatstücken, aus sauberen, Acrylstreifen und deren kalligraphisch geformte Schattenwürden bestehen. Grundlage waren dreidimensionale Maquetten, die später auch den Anstoß zu Schattenskulpturen aus Alucobond und Aluminium sowie Aubusson-Wandteppichen gaben.

Sein Werk, das in zahlreichenden Büchern dokumentiert ist, besteht aus Gemälden, Skulpturen, Fotos, Grafiken, Zeichnungen und Aubusson-Wandteppichen. Die Einflüsse seiner Reisen durch über 100 Länder fließen oft in seine Werken ein. Wände haben eine besondere Bedeutung für den Künstler - die Wandlung von Wänden in Kunst ist seine Passion. Bis heute hat Dogançay vielerlei Auszeichnungen für sein Werk erhalten, mitunter auch einen Preis für sein Lebenswerk, verliehen durch den türkischen Präsidenten.

Dogancay Museum

2004 eröffnete Dogançay das erste zeitgenössische Museum der Türkei, das Dogançay Museum im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu. Das Museum zeigt ca. 100 von Dogançays Werken aus seinen bedeutendsten Schaffensperioden. Zudem sind seine Werke weltweit in den Sammlungen prominenter Museen vertreten, einschließlich dem Metropolitan Museum in New York.

Literatur

  • Taylor, Brandon, Urban Walls - A Generation of Collage in Europe and America, New York, Hudson Hills Press, 2008, ISBN 978-1-55595-288-4
  • Blanchebarbe, Ursula, Walls of the World, Bielefeld, Kerber Verlag, 2003, ISBN 978-3-936646-07-8
  • Budak, Emel, Burhan Dogancay: A Retrospective, Istanbul, Duran Editions, 2001, ISBN 978-975-97427-2-0
  • Vine, Richard, Burhan Dogançay: Works on Paper 1950 -2000, New York: Hudson Hills Press, 2003, ISBN 978-1-55595-226-6
  • Lopate, Phillip, Bridge of Dreams, New York, Hudson Hills Press, 1999, ISBN 978-1-55595-173-3
  • Moyer, Roy, Rigaud, Jacques, Messer, Thomas M., Dogançay, New York, Hudson Hills Press, 1986, ISBN 978-0-933920-61-3

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Burhan Dogancay — Burhan Cahit Doğançay (* 11. September 1929 in Istanbul) ist ein in New York City und Istanbul lebender türkisch amerikanischer Maler und Fotograf. In Sachen Kunst wurde Doğançay schon früh von seinem Vater, dem türkischen Maler Adil Doğançay,… …   Deutsch Wikipedia

  • Burhan Doğançay — Burhan Cahit Doğançay (* 11. September 1929 in Istanbul) ist ein in New York City und Istanbul lebender türkisch amerikanischer Maler und Fotograf. In Sachen Kunst wurde Doğançay schon früh von seinem Vater, dem türkischen Maler Adil Doğançay,… …   Deutsch Wikipedia

  • Dogancay — Burhan Cahit Doğançay (* 11. September 1929 in Istanbul) ist ein in New York City und Istanbul lebender türkisch amerikanischer Maler und Fotograf. In Sachen Kunst wurde Doğançay schon früh von seinem Vater, dem türkischen Maler Adil Doğançay,… …   Deutsch Wikipedia

  • Burhan Doğançay — Burhan Cahit Doğançay (born 1929 in Istanbul, Turkey) is a Turkish American painter and photographer.BiographyBurhan Dogançay obtained his artistic training from his father Adil Dogancay, and Arif Kaptan, both well known Turkish painters. In his… …   Wikipedia

  • Burhan — (arabisch ‏برهان‎, DMG Burhān) ist ein arabischer männlicher Vorname, der unter anderem auch im Türkischen[1][2] und als Familienname vorkommt. Es ist ferner ein Epitheton des islamischen Propheten Mohammed und einer seiner vielen Namen.… …   Deutsch Wikipedia

  • Doğançay — bezeichnet den Familiennamen des türkischen Künstlers Burhan Cahit Doğançay einen Ort in der türkischen Provinz Mardin Doğançay (Mardin) Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort be …   Deutsch Wikipedia

  • Academie de la Grande Chaumiere — Die Académie de la Grande Chaumière ist eine Kunstakademie am Montparnasse in Paris (14 rue de la Grande Chaumière, 6. Arrdt.). Sie wurde ca. 1902 gegründet und von 1909 bis 1945 von der Schweizer Malerin Martha Stettler (1870–1945), ihrer… …   Deutsch Wikipedia

  • Ankara Üniversitesi — Vorlage:Infobox Hochschule/Mitarbeiter fehltVorlage:Infobox Hochschule/Professoren fehlt Universität Ankara Gründung 1936 Trägerschaft …   Deutsch Wikipedia

  • Grande Chaumière — Die Académie de la Grande Chaumière ist eine Kunstakademie am Montparnasse in Paris (14 rue de la Grande Chaumière, 6. Arrdt.). Sie wurde ca. 1902 gegründet und von 1909 bis 1945 von der Schweizer Malerin Martha Stettler (1870–1945), ihrer… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Do–Dol — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”