Unterwasserstation

Unterwasserstation
Unterwasserstation Helgoland im Nautineum Stralsund

Unterwasserstationen sind dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum errichtete Taucherbasen unter Wasser. Sie dienten in den 1960er und 70er Jahren der Erforschung insbesondere der Offshore-Tauchtechnik und des Sättigungstauchens, auch wurden neue Erkenntnisse in Zoologie und über die Unterwasserfauna gewonnen.

Die Stationen verblieben während des Forschungsauftrages in der festgelegten Tiefe, die Versorgung war über Schiffe oder von Land sichergestellt.

In Zukunftsvisionen und im Science Fiction fanden sich bald ganze Unterwasserstädte.

Aufgrund des hohen Aufwandes werden heute kürzere Tauchgänge bzw. wird heute transportable Tauchtechnik bevorzugt. Unterwasserhäuser finden sich zum Teil noch im touristischen Sektor.

Stationen

Bekannteste und wegweisende Projekte:

  • Experimente und Vorarbeiten unter dem Namen Genesis 1956 unter dem US-Amerikaner Edwin Link und Dr. George Bond, Station im Rahmen der Parole „Man-in-Sea“ 1964 (Bahamas): Robert Stenuit und John Lindbergh (Sohn) im Zelt zwei Tage auf 130 Meter, Helium-Atemgasgemisch inklusive dazugehöriger Kommunikationsprobleme, trockene Dekompression. Probleme unter anderem mit implodierenden Scheinwerfern und defekter Atemluftventilator (Austausch unter Wasser), Heizung.
  • Sealab (USA): jeweils in Form eines liegenden Zylinders
    • Sealab I 1964 (Bermudas): Station mit fünf Mann Besatzung auf 60 Meter Tiefe. Zur fünfköpfigen Besatzung gehörte der frühere Astronaut Malcolm Scott Carpenter. Leitung an Land durch Dr. George Bond. Spezielle „Gaszelle“ für störungsfreie Kommunikation. Unterwasserscooter für zwei Personen. Tödlicher Unfall durch Atmung von reinem Helium bei Außentauchgang konnte vermieden werden.
    • Sealab II 1965 (La Jolla, Kalifornien): drei verschiedene Besatzungen auf 60 Meter unter Leitung von Scott Carpenter und später Sheats. Erstmals Wissenschaftler zur Forschung in der Station. Elektronische Entzerrung des Spracheffekts zu Kommunikationszwecken, Medikamente gegen Ohrenentzündungen. Sprechfunkverbindung zu Gordon Cooper im Gemini-Raumschiff. Test elektrischer Anzugheizungen. Tauchgänge bis auf 100 Meter. Tauchrekord von Carpenter mit 29 Tagen auf 60 Metern. Botendienste zur Oberfläche durch den zahmen Delphin Tuffy des US Navy Marine Mammal Program.
    • Sealab III 1969 (San Clement, Kalifornien): 180 Meter, tödlicher Unfall bei Erprobung eines Kreislaufgeräts durch fehlenden Atemkalk. Gasregelprobleme. Vorzeitiger Abbruch.
  • Projekte Conself (Conshelf) bzw. Precontinent I-III (Frankreich, Unterwasserhäuser von Jacques-Yves Cousteau.
    • Precontinent I 1962 (Marseille): Wesley und Falco zwei Wochen in 10 Meter Tiefe im Zelt-Haus Diogenes, analog den ersten Ed Link-Experimenten. Fünf Stunden Arbeit auf 5-25 m Tiefe täglich. Behandlung von Zahnweh unter Wasser.
    • Precontinent II 1963 (Shaab Rumi vor Port Sudan): Haus in Seesternform mit Unterwassergarage für U-Boot auf 10 Meter Tiefe. Weiteres in 27 Meter Tiefe gelegenes zweistöckiges Haus als stehender Zylinder. Vermutlich erste Unterwassersiedlung. Papagei „Claude“ als Atemgasbeobachter wohlauf.
    • Precontinent III 1965 (Cap Ferrat, Monaco): zweistöckiges Kugelförmiges Haus von rund 6 Metern Durchmesser für sechs Personen, Atemgasgemisch. Rechnergestützte Auswertung der Ergebnisse am ozeanographischen Institut von Monaco. Tiefgefrorene Nahrung unter Mithilfe von Air France. Kompression und Dekompression trocken in und mitsamt Station im Hafen. Stromversorgung vom Cap Ferrat, Gesamtdauer 130 Tage auf 110 Meter. Test von Offshore-Arbeiten an Erdölfördereinrichtung, von NEOVOX zur Kommunikation, Frösche als Versuchstiere, Nargileh-(Nabelschnur)-Tauchen, spezielle Heißwasserduschen und nasse doppelte Isolieranzüge mit zusätzlichen Einsätzen aus Hartschaum.
    • Precontinent IV: Projekt mit größerer Tiefe und Atmung eines Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisches. Nicht durchgeführt. Stationsentwicklung wurde mit einem Tauchertransporttauchboot fortgeführt.
Unterwasserstation „Helgoland“
  • Helgoland 1969 (Deutschland), Form eines liegenden Zylinders, 23 Meter Tiefe. Hoher Aufwand und schnelle Verschlammung der Station. Versorgungsboje. Begleitet von Tauchkammerexperimenten.
  • Tektite I und II 1969 und 1970 (Jungferninseln, USA): zwei stehende, zweistöckige Zylinder auf 15 Meter Tiefe. Schwerpunkt: wissenschaftliche Unterwasserforschung im Korallenriff.

weiter sind zu nennen:

  • Caribe I (Havanna): Mergl und Montanez drei Tage auf 15 Meter
  • Permon (CZ) durch Tauchclub:
    • Permon I: Trockentauchgänge in lokaler Tauchkammer. Caisson-Symptome beobachtet.
    • Permon II (Adria vor Jugoslawien): Station bei Sturm vollgelaufen. Kein Experiment.
    • Permon III 1967 (Bruntal): Vier Tage, zwei Personen unter dem Eis eines Sees.
  • Großbritannien 1965 (Plymouth), zwei Personen, sieben Tage auf 10 Meter, durch den Club Claucus
  • Italiens Operation Atlantide 1969 im Lago di Cuvazzo, Siedlung mit drei identischen Häusern, höhenverstellbare Zylinder durch Seile am Bodengewicht.
  • verschiedene Projekte der UdSSR
    • Kitjesch, 1965 (Krim) auf 15 Meter
    • Sadko, 1966 auf 40 Meter
    • Tschernomor, 1968, 1969 (schwarzes Meer bei Gelendschih)
    • Schelf 1 (Bulgarien)
    • Bergwitzsee bzw. Steinbruch Wildschütz (DDR), Privatbau Volker Buder
    • Malter I/II (DDR)
  • kleines privates Unterwasserhaus von Erbauer der PC-Tauchboote, Perry.
  • Abyss 2007 bzw. Progetto Abissi 2007 (Ponza, Italien), für eine Fernsehsendung
  • Divescope (Neukaledonien), durchsichtige stationäre Taucherglocke
  • Subpup (Niederlande), Station zweier Tauchclubs, demontiert
  • MarineLab, früher MEDUSA (Midshipman Engineered And Designed Undersea Systems Apparatus), 1984 ff. (Key Largo, Florida), Labor, z.T. als Hotel genutzt
  • Jules Undersea Lodge (Key Largo, Florida), früher Labor Chalupa
  • Hydrolab, 1970-1985 (Bahamas, ab 1977 Virgin Islands), NOAA
  • Aquarius, 1989 ff. (Key Largo, früher Virgin Islands), Universitätslabor und NOAA, Nachfolger von Hydrolab

fiktive Unterwasserhäuser und Unterwasserstädte

  • Unterwasserschmugglerbasis des Kapitän John Helena „die Muräne“ im Schiffswrack der Discret unterhalb von Kap Rosa im Band „Das Versteck der Muräne“ („Le repère de la murène“) der Reihe „Spirou und Fantasio“ von André Franquin. In vielem mag dieser Band direkt durch die Arbeiten von Cousteau beeinflusst worden sein.
  • Unterwasserkuppelstadt Korralion im Band „Tiefenrausch“ der Reihe „Spirou und Fantasio“ von André Franquin
  • eine geheime Stadt bzw. Siedlung im Jugendbuch „Die lautlose Bombe: Schwarzer Tod im Weltraum“ der Reihe „Mark Brandis“ bzw. „Weltraumpartisanen“ von Nikolai von Michalewsky
  • „Atlantis“, die Wasser- bzw. Unterwasserbasis von Stromberg im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte
  • Basis im Comic „Die Manitoba antwortet nicht“ und im Nachfolgeband in Herges Serie „Die Abenteuer von Jo und Jette“
  • Basis von Rastapopoulous in einer im Stausee versunkenen Stadt im Zeichentrickfilm „Tim und der Haifischsee
  • Stadt „Templemere“, 7.000 m tief, im Film „Kapitän Nemo“ bzw. „Captain Nemo and the underwater city“ von 1969, sehr frei nach einem Thema von Jules Verne
  • Stadt „Pacifica“ im Film „Um 9 Uhr geht die Erde unter“ bzw. „City beneath the sea“ von 1971
  • Stadt „Äquatoriana“ im japanischen Film „U 4000 – Panik unter dem Ozean“
  • untergegangene Städte im Comic Yoko Tsuno, „Die Stadt des Abgrunds“ bzw. „Les Archanges de Vinea“ von Roger Leloup
  • Einsiedlerhaus im Film „Unter Wasser rund um die Welt“ bzw. „Around the World under the Sea“
  • Unterwasserstadt Atlantis und nebenan wohnende Fischmenschen im Doppelband „Das Dreieck des Teufels“ bzw. „Das Volk der Tiefsee“ der Comicreihe „Die Minimenschen“ von Seron
  • diverse Unterwasserstädte in der Fernsehserie „SeaQuest DSV
  • „The City Beneath the Sea“, in der Ägäis gelegen, in der Fernsehserie „Voyage to the Bottom of the Sea“ und ähnliches in anderen Folgen
  • die bewegliche Unterwasserbohrstation „Deep Core“ im Scifi-Film „The Abyss“. Die meisten Szenen im Film wurden real unter Wasser gedreht. Neben „Deep Core“ gibt es im Film eine eher fantasievolle Alien-Unterwasserstadt in einem Tiefseegraben, dem titelgebenden „Abyss“.
  • die Unterwasserstation „Deep Star Six“ mit nuklearer Energieversorgung im Horror-Scifi-Film gleichen Namens.
  • die Unterwasserstation „Shack 7“ im Scifi-Horror-Film „Leviathan“. Wie „DeepStarSix“ oder, zuvor, „Alien“, handelt der Plot vom „10 kleine Negerlein“ Abzählvers. Die Taucher benutzen Panzertauchanzüge.
  • U-Boot-Basis im zwei- bzw. dreibändigen Comic „Der Kampf um die Welt“ der Reihe „Blake und Mortimer“. Trockener Zugang über Höhlensystem, Helmtaucherausstieg.
  • fiktive begehbare Unterwasserstation als Teil der Ausstellung Expo 1998 (Lissabon).
  • verschiedene Unterwasserstädte und -stationen finden sich auch im klassischen Science-Fiction-Roman, etwa in den Büchern von Arthur C. Clarke, Edmond Hamilton (Captain Future) und auch bei Flash Gordon.
  • Unterwasserkuppelstadt „Otah Gunga“ im Film „Star Wars, Episode I, bewohnt von amphibischen „Gungans“, darunter der trottelige Jar Jar Binks.
  • Unterwasserstadt „Rapture“ als Handlungsort im Computerspiel BioShock, LeMU im Spiel Ever 17, OceanLab im Spiel Deus Ex, Lumeria im Spiel Champions Online.
  • Looking Glass in der Fernsehserie Lost, sowie Stationen in der Serie SeaLab 2021.
  • Die Unterwasserstädte im Rollenspielsystem LodlanD
  • Das fiktive, einst versunkene und nun bewohnte Höhlensystem Kanoli in Clive Cusslers Roman "Im Todesnebel" (Pacific Vortex)
  • Die Station "Neptune" der Martel Corporation im Horrorfilm "Lords of the Deep"
  • Das "ORCA (Oceanic Research Centre Australia)" ist eine Meeresforschungsstation am Great Barrier Reef in der australischen Fernsehserie "Ocean Girl".

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