Täuschkörper


Täuschkörper
Täuschkörper-Behälter der Transall C-160
F-16 beim Ausstoß von Flares

Täuschkörper sind ausstoßbare Verlustkörper, die fast ausschließlich von militärischen Plattformen wie Landfahrzeugen, Luftfahrzeugen und Schiffen eingesetzt werden, meist um anfliegende Lenkwaffen auf den Täuschkörper zu ziehen und sich selbst zu schützen. Als einzige zivile Fluggesellschaft stattet El Al ihre Flugzeuge mit Täuschkörpern aus.[1]

Inhaltsverzeichnis

Einsatztaktik

Täuschkörper können vorbeugend (präventiv, engl. preemptive) oder reaktiv eingesetzt werden.

Im Falle des präventiven Einsatzes besteht die Hauptaufgabe eines Täuschkörpers darin, den für die Zielerfassung und Zielverfolgung erforderlichen Kontrast der Szene auf ein für den jeweiligen Waffensystemsensor nicht mehr verwertbares Maß herabzusenken.

Beim reaktiven Einsatz soll der Täuschkörper die elektromagnetische Signatur des bereits ausgewählten, beleuchteten (engl. marked) Zielobjekts imitieren, um den Waffensystemsensor vom Ziel auf den Täuschkörper zu lenken (engl: break lock). Der Täuschkörper soll in diesem Fall das „attraktivere“ Ziel darstellen.

Luftfahrt

Grundsätzlich ist bei Luftfahrzeugen zwischen Infrarot- und Radartäuschkörpern zu unterscheiden.

IR-Täuschkörper

Hauptartikel: Flares (Täuschkörper)

IR-Täuschkörper (engl. Decoy Flares) dienen der Abwehr infrarot-gesteuerter Boden-Luft-Raketen beziehungsweise Luft-Luft-Raketen und werden je nach antizipierter Bedrohung in voreingestellten Sequenzen ausgestoßen. Als Infrarotbereich wird der Wellenlängenbereich zwischen 0,8–5,0 µm verstanden.

Radar-Täuschkörper

Hauptartikel: Düppel (Radartäuschung)

Zur Abwehr von radargelenkten Flugkörpern verwenden Luftfahrzeuge sogenannte Düppel. Düppel (engl. chaff) sind beispielsweise Aluminium- oder silberbeschichtete Glasfasern oder Nylonfäden mit Längen, die einem ganzzahligen Vielfachen der halben Wellenlänge der zu erwartenden Radar-Sendefrequenzen entsprechen. Luftwaffenradarsysteme arbeiten zwischen 3 und 30 GHz (entsprechend Wellenlängen von 100 bis 10 mm). Eine Gegenmaßnahme dazu ist das MTI-System, eine sogenannte „Festzeichen-Unterdrückung“, die die quasi-statischen, langsam zu Boden taumelnden Düppel in der Zielauswertung ausblendet und das bewegte, eigentliche Ziel als nunmehr einziges präzise weiter darstellt.

Radar-Störkörper

Konventioneller Chaff wurde insbesondere bei amerikanischen Kampfflugzeugen zum Teil durch abwerfbare Radarstörsysteme ersetzt. Diese generieren mit Hilfe von kleinen Batterien und integrierten Schaltkreisen aktiv Störsignale. Diese sollen eine Zielerfassung und -verfolgung durch feindliche Radarsysteme möglichst effektiv verhindern. Andere Typen versuchen in Abstimmung mit den feindliche Radaremissionen aktiv einen möglich großen Radarquerschnitt zu generieren, um so anfliegende Lenkwaffen abzulenken. Gegenüber Chaff besitzen abwerfbare Störgeräte zwei wesentliche Vorteile: Sie können weder durch MTI- noch durch HOJ-Betriebsmodi zuverlässig erkannt werden und stören das feindliche Radarsystem aktiv statt passiv. Die Modelle der amerikanischen Streitkräfte können ohne weiteren Konfigurationsaufwand in bereits vorhandene Gegenmaßnahmenwerfer integriert werden. Durch die geringe Größe ist allerdings die Abstrahlleistung und Sendezeit der Störkörper sehr begrenzt, so dass sie große und komplexe Störsysteme nicht vollständig ersetzen können.

Die US-Luftstreitkräfte verfügen aktuell über zwei abwerfbare Radarstörsysteme: Primed Oscillator Expendable Transponder (POET) und GENeric eXpendable (GEN-X).

Schifffahrt

Gegen angreifende Flugzeuge oder Flugkörper werden von Schiffen vergleichbare Mittel eingesetzt wie von Flugzeugen.

Zur Abwehr von zielsuchenden feindlichen Torpedos dienen ihrerseits zieldarstellende Gegentorpedos oder geschleppte Täuschkörper (z.b. AN/SLQ-25 Nixie), die ein oder mehrere Scheinziele simulieren, meist mit sehr starkem elektromagnetischen und/oder einem abgestimmten akustischen Frequenzspektrum (zur Schraubengeräuschdarstellung). Fast immer schalten angreifende Torpedos dann auf das stärkere Scheinziel auf (sogenanntes Lock On) – und ermöglichen dem Angegriffenen ein zwischenzeitliches Absetzen aus der bedrohlichen Lage.

Es gibt auch rein akustische Täuschkörper für U-Boote, welche durch eine spezielle Täuschkörperausstoßanlage oder die Müll-Luke ausgestoßen werden und große Mengen von Gas freisetzen. So entsteht für Sonargeräte eine „Gasblase“, in der sie nicht orten können.

Interkontinentalraketen

Auch bei den Gefechtsköpfen von modernen Interkontinentalraketen, häufig mit Mehrfachsprengköpfen, werden Täuschkörper eingesetzt, um Abwehrwaffen von den wirksamen Gefechtsköpfen abzulenken oder auch nur die Abwehr so zu sättigen, dass statistisch eine ausreichende Anzahl wirksamer Flugkörper durch ein Abwehrschild dringen kann.

Weblinks

 Commons: Täuschkörper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. CNN.com: Missile defense for El Al fleet. Abgerufen am 2. Mai 2011.

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