Top-Level-Domain

Top-Level-Domain

Jeder Name einer Domain im Internet besteht aus einer Folge von durch Punkte getrennten Zeichenfolgen. Die Bezeichnung Top-Level-Domain (von englisch top-level domain ‚Bereich oberster Ebene‘, Abkürzung TLD) bezeichnet dabei den letzten Namen dieser Folge und stellt die höchste Ebene der Namensauflösung dar. Ist der vollständige Domain-Name eines Rechners beziehungsweise einer Website beispielsweise de.example.com, so entspricht das rechte Glied (.com) der Top-Level-Domain dieses Namens.

Im Domain Name System (DNS) werden die kompletten Namen und damit auch die TLDs referenziert und aufgelöst, also einer eindeutigen IP-Adresse zugeordnet. Die Registrierungsstelle legt dabei einen Datenbank-Eintrag über den Inhaber an, der Whois-Abfragen über das gleichnamige Protokoll, ähnlich einem Telefonbuch, ermöglicht.

TLDs werden von der IANA in zwei Hauptgruppen und einen Sonderfall unterteilt:

  • allgemeine TLDs: generic TLDs (gTLDs), unterteilt in sponsored TLDs (sTLDs) und unsponsored TLDs (uTLDs)
  • länderspezifische TLDs: country-code TLDs oder ccTLDs
  • die Infrastruktur-TLD (iTLD) .arpa (Sonderfall) und das (jedoch nie in Gebrauch gewesene) .root

Nicht mehr in Gebrauch sind die Sonderfälle .bitnet und .uucp.

Länderspezifische TLD-Bezeichner bestehen dabei immer aus zwei Buchstaben, allgemeine TLD-Bezeichner bestehen aus drei oder mehr Buchstaben.

Eine Liste aller Top-Level-Domains findet sich auf der Internetseite der IANA. Siehe Abschnitt Weblinks „Root Zone Database“.

Inhaltsverzeichnis

Generische Top-Level-Domains

Die generischen Top-Level-Domains (gTLD) werden nach gesponserten (sTLD) und nicht gesponserten (uTLD) unterschieden. Die (sehr viel wichtigeren) nichtgesponserten Domains stehen unter der direkten Kontrolle von ICANN und der Internet Society. Die gesponserten Domains werden von unabhängigen Organisationen kontrolliert und finanziert. Diese Organisationen haben das Recht, eigene Richtlinien für die Vergabe von Domainnamen anzuwenden. Ein Beispiel ist .mil. Diese Domain wird vom US-amerikanischen Militär exklusiv genutzt.

Die mit großem Abstand meist gebrauchte TLD ist .com (mehr als 90 Millionen registrierte Domains im Oktober 2010[1]). Ursprünglich wurde sie von US-amerikanischen Unternehmen verwendet, heute ist sie aber weltweit verbreitet. Die klassischen,[2] in der Anfangsphase des DNS definierten TLDs sind in Fettschrift dargestellt.

Nichtgesponserte Domains (uTLD)

Nichtgesponserte Top-Level-Domains (englisch unsponsored top-level domain, Abk. uTLD) werden von einer bestimmten Gruppe verwendet. Sie bestehen aus drei oder mehr Zeichen und stehen für einen Begriff, der diese Gruppe auszeichnet.

TLD Bedeutung Anspruchsberechtigung
.arpa arpanet TLD des ursprünglichen Arpanets, jetzt verwendet als Address and Routing Parameter Area. Von der IANA wird diese TLD als „Infrastruktur-Domain“ bezeichnet.
.biz business nur für kommerzielle Verwendung; de facto für jeden frei zugänglich
.com commercial ursprünglich nur für Unternehmen, seit längerem für jeden frei zugänglich
.info information für Informationsanbieter gedacht, aber von Anfang an für jeden frei zugänglich
.name name nur für natürliche Personen oder Familien (Privatpersonen); de facto für jeden frei zugänglich
.net network ursprünglich für Netzverwaltungseinrichtungen, heute frei für jeden
.org organization für nichtkommerzielle Organisationen (Non-Profit-Organisationen), heute frei für jeden
.pro professionals für „qualifizierte Fachkräfte“ (einige wenige Berufsgruppen), welche sich durch „geeignete Zertifikate“ als solche ausweisen

Gesponserte Domains (sTLD)

Gesponserte Domains (engl. sponsored top-level domain, Abk. sTLD) werden von bestimmten Unternehmen oder Organisationen vorgeschlagen, die diese Namensräume gemäß detailliert ausgearbeiteter Richtlinien betreiben und auch Kontroll- und Sanktionsrechte haben, mit denen die bestimmungsgemäße und rechtmäßige Verwendung der registrierten Namen durch die Anbieter sichergestellt werden soll. Beispielsweise ist die TLD .aero von der SITA gesponsert, die die Nutzung auf Inhalte der Luftfahrt beschränkt, oder die Nutzung von .mobi-Namen daran gebunden, dass der Website-Anbieter die Einhaltung bestimmter Richtlinien sicherstellt, die für die geräteunabhängige Nutzung von Web-Inhalten als elementar angesehen werden, so dass z. B. Mobiltelefone diese Inhalte darstellen können.

Am 26. Juni 2008 beschloss die ICANN eine Lockerung der Regeln für neue gesponserte Domains. Damit soll es ab Anfang 2009 für jedermann möglich sein, eine beliebige eigene Domain zu beantragen.[3]

TLD Bedeutung Anspruchsberechtigung Sponsor
Existierende gesponserte Domains
.aero aeronautics in der Luftfahrt tätige Organisationen Société Internationale de Télécommunications Aéronautiques
.asia asia Personen und Unternehmen, die sich innerhalb der ICANN-Region Asien/Australien/Pazifik[4] befinden (seit Oktober 2007 für jeden zugänglich)
.cat catalan katalanische Sprache und Kultur Fundació puntCAT
.coop cooperatives Gesellschaften Dot Cooperation LLC
.edu educational seit 2001 beschränkt auf Bildungseinrichtungen, die von einer vom Bildungsministerium der Vereinigten Staaten anerkannten Akkreditierungsagentur akkreditiert sind. Bis auf einige wenige Institutionen, die schon vorher eine .edu-Domain hatten und Bestandsschutz genießen, sind dies fast ausschließlich U.S.-Colleges und -Universitäten.
.gov government nur Regierungsorgane der USA
.int international multinationale Organisationen IANA
.jobs jobs nur Unternehmen mit Stellenangeboten
.mil military nur militärische Einrichtungen der USA
.mobi mobile zur Kenntlichmachung von Diensten, die die Nutzung durch mobile Endgeräte explizit unterstützen mTLD Top Level Domain Limited[5]
.museum museums Museen Museum Domain Management Association
.tel telephone zum vereinfachten Anrufen von Unternehmen und Personen
.travel travel Reise-Industrie (beispielsweise Reisebüros, Fluggesellschaften etc.)
.xxx sex erotische und sexuelle Inhalte ICM Registry, Inc[6]
Geplante gesponserte Domains
.post postal Post und Logistikunternehmen Weltpostverein

Aufgrund der liberalen Vergaberegeln für die TLD .com, .net, .org sowie (mit kleineren Einschränkungen) .biz und (neuerdings) .name sind die ursprünglichen Bedeutungen dieser TLD weitgehend abhandengekommen. Eine derartige TLD weist nicht notwendigerweise auf einen entsprechenden Gebrauch hin. So wird etwa die eigentlich für nichtkommerzielle Organisationen gedachte .org-TLD heute gelegentlich von kommerziellen Anbietern verwendet. Weiterhin verwenden internationale, nicht-kommerzielle Seiten gerne .net (oder .org), um weder auf eine länderspezifische TLD noch auf das verbreitete .com zurückgreifen zu müssen.

Spezialfälle

Es gibt einige, meist historische, Spezialdomains oder Pseudo-Domains, sowie für bestimmte Zwecke reservierte Namen, für die aus unterschiedlichen Gründen keine TLD eingerichtet werden:

Domain Verwendungszweck
.arpa Die Domain wird heute als Infrastrukturdomain für technische Zwecke im DNS und einige andere Aufgaben verwendet und von der IANA verwaltet. Sie sollte ursprünglich nur eine temporäre Lösung bei der Einrichtung des DNS im Internet sein, jedoch stellte sich die spätere Auflösung dieser Domain als unpraktisch heraus. Die Subdomain in-addr.arpa ist weltweit im Einsatz, um das Auflösen einer IPv4-Adresse in einen Domainnamen (reverse lookup) zu ermöglichen, bei IPv6 wird für den gleichen Zweck ip6.arpa benutzt. Eine weitere Subdomain, e164.arpa, wird für ENUM, die Adressierung von Internet-Diensten über Telefonnummern, verwendet (Stichwort Voice-over-IP).
.bitnet Die Domain wurde in der frühen Zeit des Internets genutzt, als einige technologisch unterschiedliche Netze nebeneinanderher betrieben wurden. Es handelte sich um einen von IBM gesponserten Zweig des Netzes, um Machbarkeit zu demonstrieren; der Name bedeutet because it’s time - net.
.example Diese Domain ist laut RFC 2606 reserviert für Beispiele in Texten, Dokumentationen und Ähnlichem. Sie wird nicht vergeben, ebenso wie die Second-Level-Domains example.com, example.net, example.org, sodass z. B. automatisch generierte Links in Onlinedokumenten nicht auf reale Domains verweisen.
.invalid Diese Domain ist per RFC 2606 reserviert als Beispiel für eine garantiert nicht vorhandene Domain. Sie kann beispielsweise für Softwaretests eingesetzt werden.
.local Diese Domain wird bei Multicast DNS für Link-Local-Adressen verwendet.[7]
.localhost localhost wird bei den meisten Rechnern für deren Loopback Device lokal verwendet. Aus diesem Grund wird sie laut RFC 2606 nicht anderweitig vergeben, da sie in der Regel ohnehin nicht erreichbar wäre.
.nato .nato existierte ursprünglich für die NATO, wurde allerdings aufgegeben nachdem für diese die Domain .nato.int registriert wurde.
.root Die Domain „vrsn-end-of-zone-marker-dummy-record.root“ existierte über mehrere Zeiträume hinweg bis zu ihrer endgültigen Entfernung im Rahmen der Einführung von DNSSEC in der root-zone. Zweck ihrer Existenz war ein einfacher Test, ob die root-zone bei einem Zonen-Transfer vollständig übertragen wurde, was möglich war, da die Domain der letzte Eintrag der Zone war.
.test Diese Domain ist laut RFC 2606 reserviert für Tests und wird offiziell nicht vergeben, kann aber lokal genutzt werden.
.uucp Diese Domain war lange Zeit eine Pseudo-Domain in TCP/IP-Netzen für Rechner im uucp mapping project, die keine eigene Internet-Domain besaßen oder als Gateways fungierten. In der Regel waren diese Rechner nur über Telefonmodemverbindungen oder nur passiv erreichbar.

Länderspezifische Top-Level-Domains (ccTLD)

Weltkarte mit eingetragenen ccTLDs

Es gibt über 200 ccTLDs (cc = country code), dabei ist jedem Land genau ein Zwei-Buchstaben-Code (ALPHA-2) nach ISO 3166 zugeordnet. Daneben gibt es häufig noch eigene ccTLDs für abhängige Gebiete, die meist geographisch vom Mutterland getrennt sind.

Ausnahmen

  • Das Vereinigte Königreich benutzt die TLD .uk, obwohl nach ISO seine Kodierung GB lautet (GB,GBR,826). Zusätzlich wurde durch die ISO aber auch ausnahmsweise die Kodierung UK reserviert. Die TLD .gb ist ebenfalls reserviert, wird aber zurzeit wohl bis auf eine einzige Registrierung nicht genutzt.
  • Die Vereinigten Staaten besitzen neben .us noch die TLDs .mil (Militär), .gov (Regierung) sowie .edu (Bildungseinrichtungen).
  • Die Europäische Union benutzt mit .eu eine ccTLD,[8] obwohl sie kein eigenständiger Staat ist. Die Kodierung EU wurde jedoch durch die ISO 3166 Maintenance agency ausnahmsweise mit dieser Bedeutung reserviert. Dies erfolgte durch eine Sonderentscheidung aufgrund eines festgestellten praktischen Bedarfs.[9] Im Unterschied zu Staaten hat die EU aber weder eine Drei-Buchstaben- noch eine Drei-Ziffern-Kodierung. Ihre Mitgliedsländer behalten weiterhin ihre eigenen ccTLDs und es werden auch keine länderspezifischen Subdomains von .eu eingeführt.

Änderungen

  • .so für Somalia ist seit dem 1. April 2011 bei der SO Registry für die Öffentlichkeit zur Registrierung freigegeben. Auf Grund der politisch fragwürdigen Lage in Somalia war die ccTLD lange Zeit nicht zur Registrierung freigegeben.[10]
  • .dd wurde für die DDR vorgesehen, jedoch ausschließlich intern bei den Universitäten in Jena und Dresden benutzt. Es gab keine DNS-Delegation in den Root-Nameservern der IANA, die Top-Level-Domain .dd wurde nach der Wende durch .de der Bundesrepublik Deutschland ersetzt.[11]
  • .cs wurde früher für die Tschechoslowakei verwendet. Es war später für den inzwischen aufgelösten Staatenbund aus Serbien und Montenegro vorgesehen. Wegen Namenskonflikt mit weiterhin existierenden Websites und E-Mail-Adressen der ehemaligen Tschechoslowakei[12] wurde dies aber offenbar nicht auf den Servern implementiert. Stattdessen wurde .yu weiter benutzt. Mit dem Zerfall in die Einzelstaaten und deren Domänen .rs und .me hat sich die Angelegenheit erledigt. Zukünftig wird .cs nicht mehr benötigt.
  • .zr für Zaïre wurde 2004 aus den Root-Servern entfernt (jetzt .cd).
  • .um für die United States Minor Outlying Islands wurde 2008 gelöscht.[13]
  • .yu für Jugoslawien wurde zum 30. September 2009 aufgelöst (seit 30. März 2010 nicht mehr erreichbar[14]), da sie durch die beiden Domainendungen .rs für Serbien und .me für Montenegro ersetzt wurde.

Auslaufend

Des Weiteren sind einige obsolete TLDs aus Gründen der Erreichbarkeit noch aktiv:

  • In Russland wird neben .ru auch noch .su (ehemalige Sowjetunion) betrieben. Es werden auch 18 Jahre nach Auflösung der Sowjetunion noch neue Domänen unter .su registriert.[15] Dazu gehören auch Präsenzen aus dem deutschen Rhein-Sieg-Kreis (Kfz-Kennzeichen SU).
  • Osttimor wechselt von .tp auf .tl und betreibt für eine Übergangszeit beide TLDs.

Ungenutzt

Zugeteilt, aber ungenutzt sind zurzeit:

  • .eh für Westsahara.
  • .ss für Südsudan.[16]
  • .er für Eritrea. Es gibt nur TLD-Subdomains (wie .edu.er oder .com.er), die aber nicht von Privatpersonen genutzt werden

Bedingungen der Zuteilung

Jedes Land hat das Recht, eigene Vergaberichtlinien für seine Domain festzulegen. Diese werden in der weit überwiegenden Zahl von den Vergabestellen eigenständig aufgrund von technischen Notwendigkeiten und rechtlichen Anforderungen aufgestellt und können sich erheblich voneinander unterscheiden.

So ist es beispielsweise bei der französischen TLD .fr erforderlich, dass der Domain-Inhaber seinen Wohn- oder Unternehmenssitz in Frankreich hat.

In Deutschland wurde am 23. Oktober 2009 mit der Zuteilung ein- und zweistelliger sowie nur aus Ziffern bestehender Domains mit .de begonnen.[17] Bis dahin musste die .de-Domain mindestens aus drei Zeichen bestehen, und eines davon musste ein Buchstabe sein. Aus der Anfangszeit des Internets gab es noch drei zweistellige Domains: db.de, hq.de und ix.de. (Die für lange Zeit vierte Zwei-Buchstaben-Domain bb.de war zur Zeit der Regelung nicht mehr registriert.) Volkswagen klagte vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main auf die Zuteilung der Domain vw.de,[18] die dann auch zu dem Stichtag in Betrieb genommen wurde.

In der Schweiz haben nur die Kantone eine Domain mit zwei Zeichen, die sich aus dem offiziellen Kürzel ergibt (z. B. ar.ch, ge.ch, ur.ch, zh.ch). Daneben wird von der Schweizerischen Bundeskanzlei die Domain ch.ch betrieben. Abgesehen von diesen Ausnahmen müssen Schweizer Domains aus mindestens drei Zeichen bestehen. Ausnahmen sind www.expo.02.ch (zur sechsten Schweizerischen Landesausstellung 2002) und die Domain au.ch der Gemeinde Au im Kanton St. Gallen.

In anderen Fällen sind für die zweite Namensebene nur wenige vorgegebene Namen möglich; der eigentliche Name wird dann als Third-Level-Domain definiert (z. B. example.co.uk). Ein Beispiel ist die britische .uk-Domain, die nur die folgenden Second-Level-Domains zulässt:

  • .ac.uk – academic, Bildungsinstitutionen wie Universitäten
  • .co.uk – commercial
  • .gov.uk – government, zentrale und regionale Regierungsorganisationen
  • .ltd.uk – limited company
  • .me.uk – Präsenzen von Einzelpersonen
  • .net.uk – ISPs und andere Netzwerkunternehmen
  • .nic.uk – Network Information Center, nur für die interne Netzwerkverwaltung
  • .nhs.uk – National Health Service, staatliches Gesundheitssystem und dessen Institutionen
  • .org.uk – non-profit Organisationen
  • .plc.uk – public limited companies (Börsennotierte Unternehmen)
  • .sch.uk – Schulen

Darüber hinaus gibt es einige staatlich genutzte Second-Level-Domains wie .police.uk, .mod.uk (Ministry of Defence – Verteidigungsministerium), .british-library.uk (sowie .bl.uk – ebenfalls für die British Library) oder .parliament.uk. Diese stammen noch aus einer früheren Zeit und genießen Bestandsschutz.

Zweckentfremdungen

Vor allem kleinere oder von Armut betroffenen Staaten vermarkten ihre Domains, indem sie ihre Vergabepolitik sehr liberal handhaben und die Registrierung der Domains aktiv bewerben. Dabei entwickelt sich der Domainmarkt zu einem lukrativen Geschäft, da die Registrierungsgebühren teilweise deutlich über die tatsächlich anfallenden Kosten gesetzt werden.

.to

Einer der ersten solcher Staaten, die ihre Domains frei registrieren ließen, war 1998 Tonga mit .to. Die Resonanz war sehr gut, denn zu dieser Zeit waren sehr viele kurze und prägnante Domains unter .com nicht mehr erhältlich, und andere ccTLDs hatten zum Teil sehr strenge Registrierungsbedingungen. Außerdem ergaben sich durch die Endung .to interessante Domainnamen, die sich gut in Kurz-URLs nutzen ließen, wie come.to oder go.to. Heute wird die TLD .to gerne für Torrent- oder Warezseiten verwendet, unter anderem auch deshalb, weil das NIC keine Inhaberabfragen erlaubt, sodass diese Domains anonym registriert werden können.

Medien-Domains

.tv

Eine ebenfalls bekannte fremdgenutzte ccTLD ist .tv des Staates Tuvalu, die als Television vermarktet wird. Dazu wurde ein eigenes Unternehmen DotTV gegründet, das die Domain vermarktet und an dem der Staat Tuvalu Miteigentümer ist. Dieser Coup brachte dem Zwergstaat 50 Mio. US-Dollar ein, die in jährlichen Raten von 5 Mio. Dollar bezahlt werden. Tuvalu würdigt den Domainverkauf sogar mit einer eigenen Briefmarke. Tuvalus Regierung beschaffte von dem Geld IT-Infrastruktur für die wichtigsten staatlichen Einrichtungen und entrichtete die Aufnahmegebühr für die Vereinten Nationen.

.fm

Auf ähnliche Weise wird die ccTLD .fm der Föderierten Staaten von Mikronesien häufig im Rundfunkbereich genutzt, z. B. beim Internetradio last.fm. Die Abkürzung FM steht im Hörfunk für Frequenzmodulation, die im UKW-Rundfunk meistens zur Anwendung kommt und üblicherweise mit diesem assoziiert wird.

.im

Die Assoziation einer Abkürzung wird beispielsweise auch von Webpräsenzen einiger Instant-Messaging-Dienste (kurz IM) verwendet, deren TLD .im auf die Isle of Man registriert ist, z. B. beim Multi-Protokoll-Client Pidgin (pidgin.im).

Weitere Abkürzungen

Eine weitere Besonderheit stellt die ccTLD .tk (Tokelau) dar, die oft von Telekommunikationsunternehmen (Abkürzung TK-Unternehmen) zweckentfremdet wird. .ws (Samoa) kann als WebSite vermarktet werden, obwohl eine solche Abkürzung ungebräuchlich ist. Zudem nutzen mittlerweile einige DJs (Discjockeys) die Domain .dj (Djibouti) für ihren Internetauftritt.

Auch die ccTLD .ag des Inselstaates Antigua und Barbuda wird vom Betreiber neben der vorgesehenen Verwendung gezielt für Unternehmen im deutschsprachigen Raum beworben, um deren Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) zu verdeutlichen.[19] Gleichzeitig verdeutlicht diese Domain die Unsicherheit, in die man sich begibt, wenn man eine „exotische“ Domain registriert: Die gesamte Registry war wegen vermuteter Machtkämpfe um die TLD zwischen 1999 und 2000 nicht erreichbar. In gleicher Weise wurde eine Zeitlang deutschen Kommanditgesellschaften – Abkürzung KG – die Domain .kg von Kirgisistan angeboten.

Eine der neusten Domains, die eine Zweckentfremdung erlebt, ist die .me-Domain von Montenegro. Mit ihr lassen sich aussagekräftige Domains erstellen, wie z. B.: love.me, contact.me usw. Jedoch können solche höchstwahrscheinlich sehr beliebten Domains nicht einfach registriert werden, sondern werden nach der offenen Registration versteigert.

Geografische Gebiete

Auch Länder bzw. die Unternehmen, die deren TLDs vermarkten, versuchen einen Markt zu schaffen, indem Abkürzungen erfunden werden, die die Adresse in einen Kontext stellen sollen, der ursprünglich nicht gegeben war. So vermarktet ein Unternehmen die Domain .la (Laos) als Domain für Los Angeles.

Deutschland

Die ccTLD .by (Weißrussland) kann für Seiten mit bayerischem Hintergrund und einige Unternehmen in Bayern verwendet werden. Die ccTLD des Landes Liechtenstein .li wird von einigen Firmen und privaten Seiten aus Lindau (Bodensee) benutzt, da sich die Seitenbetreiber über das KFZ-Kreiskennzeichen LI identifizieren. Ähnliches gilt im Raum Münster in Nordrhein-Westfalen für die ccTLD des britischen Überseegebietes Montserrat .ms, da diese Endung auch dem KFZ-Kennzeichen (MS) entspricht. Die ccTLD von Rumänien .ro wird von der Stadt Rosenheim für deren Internetauftritt verwendet. Einige in Schleswig-Holstein ansässige Unternehmen verwenden die ccTLD .sh von St. Helena. Die ccTLD von Laos .la wird zum Beispiel von der Messe Landshut benutzt. Die deutsche ccTLD .de wird von Anbietern aus Delaware benutzt.

Schweiz

In der Schweiz, wo die Kantone immer zweibuchstabig abgekürzt sind, werden ccTLD teilweise benutzt, um auf Angebote mit Bezug zu einem Kanton zu vermarkten. So werden ccTLD wie beispielsweise .ag (Aargau, eigentlich Antigua und Barbuda), .be (Bern, eigentlich Belgien), .sh (Schaffhausen, eigentlich St. Helena), .lu (Luzern, eigentlich Luxemburg) oder .sg (St. Gallen, eigentlich Singapur) in den entsprechenden Gebieten verwendet.

Österreich

Die ccTLD .st des Inselstaates São Tomé und Príncipe wird oft als TLD für die Abkürzung des Bundeslandes Steiermark zweckentfremdet. Eine ebenfalls zweckenfremdete Nutzung ist die der TLD .md des Landes Moldavien für den Bezirk Mödling in Niederösterreich.

Asturien

In der autonomen spanischen Region Asturien wird die TLD des Landes Amerikanisch-Samoa .as sehr häufig von Privatpersonen, Firmen und auch Behörden genutzt, um Internet-Präsenzen mit dem Namen der Region zu assoziieren. Auch von Stadtverwaltungen aus der Region wird diese TLD häufig genutzt, wodurch offizielle Internetseiten verschiedener Gemeinden ausschließlich über eine zweckentfremdete TLD zu erreichen sind. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl von Amerikanisch-Samoa im Verhältnis zu Asturien kommt die Mehrheit der Inhaber einer Domäne mit dieser Endung aus Spanien.

Spezielle Verwendungen

Ungewöhnlich ist auch die Verwendung der Domain .nu (Niue) für die Seiten des Dresdner Kulturmagazins, die auf das im lokalen Dialekt Dresdens gebräuchliche Nu! für ‚Ja!‘ anspielt. Eine ähnliche Bedeutung hat die Domain in Schweden und Dänemark, da im Schwedischen wie im Dänischen nu ‚jetzt‘ bedeutet. Dazu kommt, dass .se-Domains früher für Privatpersonen nicht registrierbar waren.

Ebenfalls sehr beliebt ist die ccTLD .cc (Kokosinseln). Domains dieser ccTLD können von jedermann registriert werden. Besonders beliebt ist die ccTLD aufgrund des minimalistischen Whois-Systems, das nur den Domain-Registrar preisgibt. Hierdurch bleiben die Domain-Betreiber faktisch anonym.

Seit 2008 wird die ccTLD .sl (Sierra Leone) vermarktet und vor allem von Anhängern der virtuellen Welt Second Life genutzt.

Die technische und administrative Realisierung einer TLD

Für jede Top-Level-Domain existiert eine Gruppe von Nameservern, die den gesamten Namensraum dieser Domain verwalten (meist mittels Delegationen auf weitere Server). Diese Domain-spezifischen Nameserver sind über die Root-Nameserver erreichbar. Außerdem existiert eine zentrale Datenbank, die über alle unterhalb dieser TLD angesiedelten Second-Level-Domains administrative Informationen enthält, wie zum Beispiel Name und Adresse des jeweiligen Domain-Inhabers. Auf diese Datenbank kann über den Whois-Dienst zugegriffen werden.

Für den Betrieb der Server und der Datenbank wird von ICANN für jede Domain eine Organisation beauftragt, die in der Internet-Terminologie Domain Name Registry genannt wird. Für die .com-TLD beispielsweise ist das das Unternehmen VeriSign, für .de die DENIC. Eine derartige Registry ist außerdem für die Vergabe von direkt untergeordneten Second-Level-Domains zuständig (z. B. example.com). Diese Aufgabe wird allerdings oft an sogenannte Registrare delegiert (siehe hierzu auch: Domain-Registrierung).

Für jede TLD existieren Richtlinien, die die Vergabe von Second-Level-Domains regeln. Diese sind über die Websites der jeweiligen Registries abrufbar. Für einige TLDs existieren IDN-Sprachtabellen, in denen alle Sonderzeichen aufgelistet sind, die bei der Vergabe von Subdomains verwendet werden dürfen. So sind zum Beispiel bei .biz und .org deutsche Umlaute zulässig. Diese Tabellen werden von der IANA verwaltet und sind über die Websites der Registries einsehbar.

Alternative Root-DNS

Es gibt im Internet auch Organisationen, die alternative Namensserver betreiben, über die zusätzlich zu den oben aufgeführten, quasi-offiziellen, vom ICANN kontrollierten TLDs weitere TLDs verfügbar sind. Ein entscheidender Nachteil dabei ist, dass solche Adressen für herkömmliche Internet-Nutzer nicht erreichbar sind. Auch werden sie von Suchmaschinen wie Google ignoriert. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Namensräume zweier Betreiber kollidieren können, vor allem, wenn später weitere Top Level Domains eingeführt werden.

Das Projekt OpenNIC versucht, die alternativen Systeme zusammenzuführen, betrachtet jedoch die ICANN-TLDs als vorrangig und akzeptiert weder konfligierende noch private Namensräume. Die eigenen TLDs sind .glue, .indy, .geek, .null, .oss und .parody.

Des Weiteren gibt es den Betreiber New.net, der eine Vielzahl von zusätzlichen Top Level Domains anbietet, unter denen eigene Domains kostenpflichtig reserviert werden können.[20]

Statistische Angaben

Im Verlauf des Jahres 2008 stieg die Anzahl der registrierten Domains um 16 % auf insgesamt 177 Millionen.[21]

Die zehn TLDs mit den meisten Domains:[22]

TLD Registry Domains IDNA Staaten
.com VeriSign 96.367.091
.de DENIC[23] 14.543.739 3,94 % DeutschlandDeutschland Deutschland
.net VeriSign 14.054.878
.uk Nominet[24] 9.558.550 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
.org PIR[25] 9.319.027
.info Afilias 7.919.055
.cn CNNIC[26] 3.379.441 China VolksrepublikChina China
.nl SIDN[27] 4.619.228 NiederlandeNiederlande Niederlande
.eu EURid 3.365.329 Flagge der Europäischen Union Europäische Union
.biz Neustar[28] 2.116.782

Weitere TLDs von Staaten mit der deutschen Sprache als Amtssprache:

TLD Registry Domains IDNA Stand Staaten
.ch SWITCH 1.594.382 30. Juni 2011[29] SchweizSchweiz Schweiz
.at nic.at 1.065.479 2,43 % 14. August 2011[30] OsterreichÖsterreich Österreich
.li SWITCH 66.517 30. Juni 2011[31] LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. DeNIC e. V.: Domainzahlenvergleich international
  2. gemäß RFC 920 und RFC 1591
  3. Heise online: Grünes Licht für neue Internet-Adresszonen
  4. ICANN | ICANN Montréal Meeting Topic: Review of ICANN's Geographic Regions
  5. mtld.mobi
  6. registry.xxx
  7. IETF: Internet-Draft Multicast DNS
  8. IANA ccTLD-Database auf http://www.iana.org/
  9. ISO 3161 FAQ: What is the ISO 3166-1 code for the European Union? http://www.iso.org/iso/country_codes/iso_3166-faqs/iso_3166_faqs_specific.htm
  10. soregistry.so
  11. Informationen zur Top-Level-Domain .DD
  12. TLD .cs: Namenskonflikt
  13. iana.org
  14. rts.rs (serbisch)
  15. Registrierungsbedingungen für .su
  16. South Sudan secures internet country domain, in: Sudan Tribune, 11. August 2011
  17. Vergabe ein- und zweistelliger so wie nur aus Ziffern bestehender Domains auf denic.de
  18. Heise-Newsticker: Gericht: Denic muss Domain mit zwei Buchstaben zuteilen
  19. Urteil des OLG Hamburg zur Verwendung der TLD .ag in Deutschland
  20. New.net Startseite Alternativer kommerzieller Root-DNS-Anbieter
  21. The Domain Name Industry Brief – February 2009. VeriSign. Abgerufen am 4. September 2009.
  22. DENIC eG: Domainzahlenvergleich, Stand 1. August 2011
  23. http://www.denic.de/de/hintergrund/statistiken.html .de-Domain Statistiken auf denic.de
  24. www.nominet.org.uk
  25. www.pir.org
  26. www.cnnic.net.cn
  27. www.sidn.nl
  28. neustarregistry.biz
  29. .ch-Domain Statistiken auf http://www.nic.ch/
  30. .at-Domain Statistiken auf nic.at
  31. .li-Domain Statistiken auf http://www.nic.li/

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