Symbolik

Symbolik

Unter Symbolik versteht man ein System oder Repertoire von Symbolen, d. h. sinnlich wahrnehmbaren oder vorstellbaren Bedeutungsträgern (Lebewesen, Dingen, Handlungen, Vorgängen), denen von einer bestimmten Kultur, Gemeinschaft oder sich künstlerisch oder poetisch ausdrückenden Person eine über die sinnlich wahrnehmbare Sache hinausweisende Bedeutung zuerkannt wird.

Der Begriff Symbolik wird besonders für Symbolsysteme im Bereich der Religion und Mythologie, Kunst, Dichtung und Psychologie verwendet, während man bei Symbolsystemen, die vorrangig der praktischen Verständigung im Alltag dienen, etwa bei Schriftsystemen und wissenschaftlichen oder musikalischen Notationssystemen, Verkehrszeichen oder Erkennungszeichen im Bereich der Mode und Werbung, zwar in einem weiteren Sinn von Symbolen (in der Bedeutung von Zeichen) spricht, deren System oder Repertoire aber üblicherweise nicht als Symbolik bezeichnet. Derselbe Bedeutungsträger kann je nach Kontext sowohl in einem Symbolsystem zur praktischen Verständigung wie auch in einer Symbolik im engeren Sinn Bedeutung annehmen, wie z. B. der griechische Buchstabe Tau (T), der einerseits in der griechischen Schrift einen bestimmten Lautwert und bei alphanumerischer Verwendung einen aus der Stellung im Alphabet abgeleiteten Zahlwert (300) repräsentiert, andererseits aber im Kontext christlicher Buchstabensymbolik vermittels seiner visuellen Gestalt als Figur des Kreuzes Christi interpretiert oder aufgrund seines Zahlwertes auf andere religiöse Inhalte bezogen wird.

Wenn von der Symbolik eines bestimmten Bedeutungsträgers (z. B. Symbolik des Baumes) oder einer ganzen Klasse von Bedeutungsträgern (z. B. Pflanzensymbolik, Farbensymbolik) die Rede ist, so ist damit deren besonderer Zeichencharakter (Symbolcharakter) und/oder das Spektrum ihrer Bedeutungen (Symbolgehalt) innerhalb eines bestimmten Symbolsystems gemeint.

Inhaltsverzeichnis

Christliche Symbolik

Im Christentum existieren verschiedenste Symbole. Das Ankerkreuz (auch Mondsichelkreuz) verkörpert beispielsweise den Anker christlicher Hoffnung. Das Monogramm Labarum (XP) verkörpert hingegen das griechische Wort Christus. Hierbei formt das X die beiden Buchstaben CH und das P den Buchstaben R. Der Überlieferung zufolge soll es dem römische Kaiser Konstantin (zwischen 272 und 337) im Traum erschienen sein. Daraufhin soll er das XP auf seine Standarte und auf die Schilde seiner Soldaten setzen haben lassen. Ein anderer Ursprung liegt in der heidnischen Kultur. Dort soll es den alten chaldäischen Himmelsgott symbolisiert haben. Auch der Fisch hat im Christentum einen ganz besonderen Stellenwert: Er war ein frühes Geheimsymbol, dessen Herkunft im griechischen Wort ΙΧΘΥΣ ICHTHYS liegt. Übersetzt bedeutet dies: Jesus - Christus - Gottes - Sohn - der Erlöser. Der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabetes Alpha und Omega finden ihre Bedeutung in den Worten Jesu. Er soll einst verkündet haben: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Die Öllampe steht ebenfalls für die Worte Jesu: „Ich bin das Licht der Welt!“ Ein anderes christliches Symbol, die Palme, war für die Römer ein Zeichen militärischer Siege. So wurde der Palmzweig auch auf frühen christlichen Grabsteinen als Siegeszeichen für das Leben über den Tod hinaus verwendet. Dieses Zeichen findet auch heute noch auf Grabsteinen Gebrauch.

Farbsymbolik

Hauptartikel: Farbsymbolik

Diese Symbolik ordnet verschiedenen Farben je eine besondere Bedeutung zu. Farben können neben der bloßen Wahrnehmung sehr unterschiedliche Reize und Gefühle erzeugen.

  • Blau: Adel, Ferne, Freiheit, Freundlichkeit, Harmonie, Himmel, Kälte, Ruhe, Wasser, Wissen
  • Gelb: Gift, Lebensfreude, Luxus, Neid, Optimismus, Reichtum, Sonne, Urlaub, Wärme
  • Grau: Alter, Bürokratie, Depression, farblos, neutral, Pünktlichkeit, Schüchternheit
  • Grün: Frische, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Gift, Glück, Hoffnung, Natur, Neid
  • Rot: Aggression, Blut, Energie, Erotik, Feuer, Gefahr, Liebe
  • Schwarz: Dunkelheit, Edel, Einsamkeit, konservativ, Leere, Macht, Modern, Tod, Trauer, Unglück
  • Weiß: Gutes, Hygiene, Jungfräulichkeit, Leere, Licht, Medizin, neutral, Reinheit, Unsterblichkeit

Geometrische Symbolik

  • Das Dreieck verkörpert ein Bild der Vollkommenheit, der dreifältigen Natur des Universums. Es ist Symbol für: Himmel, Erde, Mensch; Vater, Mutter, Kind; Körper, Seele und Geist.
  • Das Quadrat ist ein Zeichen des Feststehenden, so zum Beispiel des Todes oder der Erde.
  • Der Kreis symbolisiert Bewegung. Somit auch indirekt den Himmel und das Leben.
  • Die Spirale steht für die Erneuerung, Entwicklung und Evolution.
  • Das Pentagramm beschreibt die Gestalt des Menschen mit gestreckten Armen und Beinen. Es wird mit dem menschlichen Mikrokosmos in Verbindung gebracht.
  • Das Kreuz verbindet die Horizontale und Vertikale zu einem Schnittpunkt. Die vertikale Linie ist hierbei die himmlisch-göttliche und spirituelle, auch aktiv-männliche Gerade, während die Horizontale die erdgebundene und passiv-weibliche Gerade ist. Das Kreuz wird also als Vereinigung von Himmel und Erde oder männlich und weiblich angesehen.
Siehe auch: Zahlensymbolik

Todessymbolik

Hauptartikel: Todessymbolik

Als Todessymbolik im engeren Sinn wird die symbolische, häufig allegorische Darstellung des Todes in verschiedenen Kulturen und Epochen bezeichnet (zum Beispiel der Sensenmann). Im weiteren Sinn gehören dazu aber auch alle Symbole, die direkt mit dem Tod in Verbindung gebracht werden (zum Beispiel das Kreuz, die Sanduhr...) Todessymbolik findet man in fast allen Zivilisationen, vor allem im Bereich der Mythologie, Religion und Mystik, der Kunst, Literatur und Dichtung als auch der Theologie, Psychologie und Philosophie.

Siehe auch


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