Simferopol

Simferopol
Simferopol
(Сімферополь)
Wappen von Simferopol Simferopol in der Ukraine
Basisdaten
Oblast: Autonome Republik Krim
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 350 m
Fläche: 101 km²
Einwohner: 363.600 (2004)
Bevölkerungsdichte: 3.600 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 95000-
Vorwahl: +380 652
Geographische Lage: 44° 57′ N, 34° 6′ O44.94972222222234.1350Koordinaten: 44° 56′ 59″ N, 34° 6′ 0″ O
KOATUU: 110100000
Verwaltungsgliederung: 3 Rajone, 4 SsT, 1 Siedlung
Bürgermeister: Hennadij Babenko
Adresse: вул. Толстого 15
95000 м. Сімферополь
Website: http://www.simferopol.org/
Statistische Informationen

Simferopol (ukrainisch Сімферополь; russisch Симферополь, krimtatar. Aqmescit) ist die Hauptstadt der autonomen Republik Krim, Ukraine. Die Stadt hat 344.000 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Stadtgliederung

Die Stadt gliedert sich in die 3 Stadtrajone Rajon Salisnyzja, Rajon Kiew und Rajon Zentral, die 4 SsT Ahrarne/Аграрне, Aeroflotskyj/Аерофлотський, Hressiwskyj/Гресівський und Komsomolske/Комсомольське sowie die Siedlung Bitumne/Бітумне

Geschichte

Historische Karte der Halbinsel Krim (um 1888)
Simferopol (Krim)
Simferopol
Simferopol
Razzia durch deutsche Feldgendarmen und Soldaten, Januar 1942

Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Simferopol stand einst die im 2. Jahrhundert v. Chr. von König Skiluros gegründete skythische Hauptstadt Neapolis. Ihr skythischer Name ist nicht überliefert. Die unter dem griechischen Namen Neapolis Skythika bekannte Stadt bestand auch noch in den Zeiten des von Rom abhängigen Bosporanischen Reiches (Regnum Bospori). Im Laufe des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde sie von den Goten zerstört.

Anfang des 16. Jahrhunderts bestand eine Tataren-Siedlung namens Aqmescit (auch Ak-Metschet). Sie war zeitweise Residenz des Statthalters des von den Osmanen abhängigen Krim-Khanats. Nach der russischen Eroberung der Krim im Russisch-Türkischen Krieg von 1768 bis 1774 wurde die Stadt Simferopol durch eine Verordnung Katharinas der Großen im Februar 1784 gegründet. 1914 wurde die Straßenbahn Simferopol in Betrieb genommen, diese wurde aber Ende 1970 wieder eingestellt.

Im Dezember 1941 fand das berüchtigte Simferopol-Massaker statt, wobei annähernd 14.000 jüdische Bürger innerhalb von wenigen Tagen von SS-Leuten ermordet wurden.[1]

In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 299 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2]

Am 25. September 1992 wurde Simferopol Hauptstadt der „Republik Krim“, seit 1995 ist sie Hauptstadt der Autonomen Republik Krim.

Lenindenkmal in Simferopol 2003

Politik

Partnerstädte

Heidelberg (Deutschland) ist seit 1991 Simferopols Partnerstadt. In der ukrainischen Stadt gibt es seit dem Jahr 2000 das Heidelberg-Haus, das aus Spenden einer Heidelberger Firma erbaut wurde. Es liegt im Zentrum der Stadt und bietet rund ums Jahr ein kulturelles Programm. Es werden dort auch ehemalige, im Zweiten Weltkrieg ausgebeutete Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter betreut. Weitere Partnerstädte sind Kecskemét (Ungarn), Salem (USA), Bursa (Türkei) und Russe (Bulgarien).

Puppentheater in Simferopol

Kultur

Kunstmuseum in Simferopol

International bekannt ist das Puppentheater von Simferopol.

2008 wurde bekannt, dass sich im Kunstmuseum der Stadt 87 Gemälde des Suermondt-Ludwig-Museum aus Aachen befinden, die nach der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg als Beutekunst hierher gekommen waren.[3] [4]

Als Hauptstadt der Krim ist Simferopol auch das Zentrum des von Krimtataren dominierten Islam in der Ukraine.

Der Bahnhofsplatz in Simferopol
Trolleybusbahnhof

Wirtschaft

Neben den traditionellen handwerklichen und kleinindustriellen Strukturen etablieren sich seit der Jahrtausendwende auch moderne Industrien. Neben lokalen Technologieanbietern haben sich mehrere internationale Softwareunternehmen in Simferopol angesiedelt.

Verkehr

Der Bahnhof von Simferopol ist Ausgangspunkt der längsten Trolleybus-Linie der Welt. Sie wird von der Gesellschaft Krymskyj trolejbus betrieben und verkehrt zwischen Simferopol, Aluschta und Jalta am Schwarzen Meer. In Simferopol selbst existiert außerdem noch ein städtisches Trolleybus-Netz, es wird ebenfalls von Krymskyj trolejbus betrieben und umfasst insgesamt fünfzehn Linien (1, 3 bis 13, 13A, 14 und 15).

Mit der Eisenbahn von Simferopol aus erreichbar sind unter anderem Sewastopol und die Touristenattraktion Bachtschyssaraj (Strecke nach Sewastopol) sowie die Kurstadt Jewpatorija. Außerdem gibt es täglich eine Zugverbindung zwischen Simferopol und Berlin. Die Reisezeit beträgt 41 bis 49 Stunden. In Simferopol gibt es einen internationalen Flughafen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Nikolai Papaleksi (1880–1947), russischer Hochfrequenztechniker
  • Adolf Joffe (1883–1927), russisch-sowjetischer Revolutionär und Weggefährte Trotzkis
  • Christofor Kuschnarjow (1890-1960), Komponist
  • Max Alpert (1899–1980), sowjetischer Fotojournalist
  • Reinhart Maurach (1902–1976), deutscher Jurist
  • Sara Lewina (1906–1976), russische Komponistin
  • Lev Sigalevitch (1921-2004), russischer Kunstmaler
  • Wiktor Grebennikow (1927–2001), russischer Naturforscher, Entomologe, Naturschützer, Schriftsteller und Buchillustrator
  • Yuri Manin (* 1937), Mathematiker und Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn
  • Valery Sigalevitch (* 1950), russischer Pianist
  • Oleg Kotow (* 1965), russischer Kosmonaut
  • Masha Dimitrieva (* 1966), russischstämmige deutsche Pianistin
  • Gennadij Fish (* 1973), ukrainisch-deutscher Schachgroßmeister
  • Ljudmyla Blonska (* 1977), ukrainische Siebenkämpferin
  • Rostislaw Wygranienko (* 1978), Organist
  • Ruslan Hryschtschenko (* 1981), ukrainischer Radrennfahrer
  • Wolodymyr Sahorodnij (* 1981), ukrainischer Radrennfahrer
  • Roman Kononenko (* 1981), ukrainischer Bahn- und Straßenradrennfahrer
  • Jana Klotschkowa (* 1982), ukrainisch-russische Schwimmerin
  • Andrij Hrywko (* 1983), ukrainischer Radrennfahrer
  • Ihor Boryssyk (* 1984), ukrainischer Schwimmer
  • Serhij Karjakin (* 1990), ukrainischer Schachgroßmeister
  • Andreas Strunski (* 1992), ukrainisch-deutscher Schachspieler

Weblinks

 Commons: Simferopol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Chronologie des Holocaust
  2. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  3. Artikel bei Spiegle-online
  4. FAZ.net (1. Februar 2009): „Beutekunst. Eigentum aufgeben, Besitz erhalten.“, Andreas Rossmann

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