Silvesterklaus


Silvesterklaus
Schöne Silvesterklausen in Schwellbrunn
Schö-Wüeschte Silvesterklausen in Schwellbrunn
Silvesterkläuse am Alten Silvester, 13. Januar 2010
Silvesterkläuse am Alten Silvester, 13. Januar 2010
Silvesterkläuse am Alten Silvester, 13. Januar 2010

Ein Silvesterklaus oder auch «Silvesterchlaus» ist eine maskierte Person. Sie tritt im Rahmen des Silvesterklausens, einem Brauch im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden, auf. Heute geht man davon aus, dass das Chlausen nicht einen heidnischen Ursprung hat, sondern auf einen spätmittelalterlichen Brauch der Klosterschüler zurückgeht. Im 15. Jahrhundert scheint das Treiben immer wilder und fasnächtlicher geworden zu sein und passte der Kirche nicht mehr in den Advent. Möglicherweise wurde das Chlausen deshalb von der Adventszeit auf den Silvester verlegt. Schriftlich wird das Chlausen 1663 erstmals erwähnt: Die kirchliche Behörde wehrte sich gegen das laute Herumlaufen in der Nacht. Im Kanton Appenzell Innerrhoden wurde das Chlausen laut dem Mandantenbuch von 1776 bis 1808 mit 5 Talern Busse bestraft, was wohl dazu führte, dass der Brauch nur im Kanton Appenzell Ausserrhoden erhalten blieb.

Der Brauch feiert die Jahreswende einmal nach dem aktuellen gregorianischen Kalender und einmal nach dem alten julianischen Kalender. Am 31. Dezember und am 13. Januar (Alter Silvester) ziehen die Silvesterkläuse noch heute mit ihren Schellen in Schuppeln (kleinen Gruppen) singend und «zauernd» (ein Naturjodel) von Haus zu Haus, um ein gutes Jahr zu wünschen. Falls der 31. Dezember oder der 13. Januar auf einen Sonntag fällt, pflegen die Silvesterkläuse bereits am Samstag ihr Brauchtum. Ein Schuppel besteht aus sechs Silvesterchläusen: Zwei Silvesterchläuse tragen Frauenkleidung und tragen mehrere Rollen (Schellen) und werden Rollewiiber oder Rolli genannt. Der Silvesterklaus, der den Schuppel anführt, wird Vorrolli genannt und hat eine weisse Blume im Mund, der Nachrolli heisst Noerolli und hat eine blaue Blume im Mund. Diejenigen Silvesterkläuse, die eine oder zwei Schellen auf Brust und Rücken tragen, werden Mannevölcher, Schelli oder Schellenchlaus genannt. Das ganze Kostüm heisst Groscht. Den Rundgang, den jeder Schuppel im voraus plant, wird Schtrech genannt.

In Urnäsch, Schwellbrunn, Hundwil, Waldstatt und Stein wird das Silvesterchlausen noch intensiv gepflegt.

Nach ihrer Verkleidung werden drei verschiedene Typen von Silvesterchläusen unterschieden; die Schöne (Schönen), die Schö-Wüeschte (Schön-Hässlichen) und die Wüeschte (Hässlichen).

  • Die Schöne haben kunstvoll und reich verzierte Kopfbedeckungen mit Szenen aus dem Alltag, die in liebevoller Handarbeit von oft über hundert Stunden angefertigt werden. Sie tragen einer Tracht ähnliche Kleidung.
  • Die Schö-Wüeschte haben eine Kostümierung aus Tannenreisig, Moos und anderen Naturmaterialien und Kopfbedeckungen, die nicht so reich verziert sind wie bei den Schönen.
  • Die Wüeschte tragen das gleiche Kostüm wie die Schö-Wüeschte und schreckenerregende Masken.

Alle Masken stellen Mannevölcher (Männer) und Wiiber (Frauen) dar, wegen der schweren Kostüme und Schellen stecken nur Männer hinter den Masken.

Literatur

  • Regina Bendix: Progress and Nostalgia. Silvesterklausen in Urnäsch, Switzerland. University of California Press, Berkeley CA 1985, ISBN 0-520-09959-1 (University of California publications – Folklore and mythology studies 33).
  • Marcel Grubenmann, Lisa Tralci: Silvesterchlausen. Wo das Jahr zweimal beginnt. Appenzeller Verlag, Herisau 1999, ISBN 3-85882-245-0.
  • Margit Thüler (Red.): Feste im Alpenraum. Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich. Migros-Presse, Zürich 1997, ISBN 3-9521210-0-2, S. 49 (Buchgabe des Migros-Genossenschafts-Bundes 14).
  • Appenzeller Magazin. Januar 2010, S. 8–19, ZDB-ID 2048536-0.

Weblinks

 Commons: Silvesterklaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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