Schwaighof (Hofform)

Schwaighof (Hofform)

Schwaighof/Schweighof ist ein im Alpenraum auf Viehzucht ausgerichteter herrschaftlicher Eigenbetrieb [1], woraus sich häufiger auch ein Ortsname oder Familienname entwickelte.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft und Wirtschaftsgeschichte

Schwaige, bairisch Schwoag, leitet sich von mittelhochdeutsch sweige für ‚Sennerei, Herde, Viehhof‘ ab. Die Begriffe Sennhof, Grashof, Viehhof, Schwaiglehen haben etwa dieselbe Bedeutung oder bezeichnen Teilaspekte der Schwaige.

Der Begriff der Schwaige ist im 12./13. Jahrhundert in den Nordalpen und deren Vorland entstanden und bezeichnet einen Wirtschaftshof an Berghängen oder in Haupttälern. Der Schwaighof war eine Dauersiedlung als Einzelhof, die hauptsächlich Sennwirtschaft (Viehzucht und Milchwirtschaft) betrieb. Im Salbuch des Klosters Benediktbeuern von 1294 sind zum Beispiel für die Jachenau 17 vaccariae (Viehhöfe, von lateinisch vacca ‚die Kuh‘) gelistet, die jährlich 100 bis 200 caseos (‚Käse[laibe]‘) als Kasgilt leisten mussten.[2]

Im 15. Jahrhundert verschwanden die Schwaighöfe allmählich wieder und wichen anderen Betriebsformen. Dennoch begründete das Kloster Benediktbeuern erst 1728 in Walchensee (Ort) einen Schwaighof zur Versorgung der ortsansässigen Taferne.[3]. Schwaigen wurden meist als Lehen vergeben. Der Betreiber versorgte in der Regel grundherrliches und eigenes Vieh. Für die Nutzung von Grund und Vieh des Gutsherrn war er diesem abgabenpflichtig.

Verbreitung und Varianten

Das Wort Schwaighof ist vor allem in Österreich und Bayern, Schweighof vor allem in Baden, der Schweiz und im Elsass verbreitet.

Erhalten haben sich zahlreiche Flurnamen, und das Wort Schwaige im Ostalpenraum für ‚Bergweide‘ (Alm/Alpe).

Beispiele:

analog:

Entsprechend häufig sind auch Herkunftsnamen wie Schwaiger, Schweiger, Schwaighofer.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Riepl, Reinhard, Wörterbuch zur Familien- und Heimatforschung in Bayern und Österreich, Waldkraiburg 2003, S. 339
  2. BHStA, KL Benediktbeuern 32, fol. 21
  3. BHStA, Grundbuch Kloster Benediktbeuern vom 25. Oktober 1728

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