Oker

Oker
Oker
Die Oker zwischen Okertalsperre und der Ortschaft Oker

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Daten
Gewässerkennzahl DE: 482
Lage Niedersachsen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Aller → Weser → Nordsee
Quelle Am Bruchberg im Harz
51° 46′ 42,3″ N, 10° 29′ 29,2″ O51.77840555555610.491444444444910
Quellhöhe 910 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Bei Müden in die Aller
52.52384444444410.36094444444445

52° 31′ 26″ N, 10° 21′ 39″ O52.52384444444410.36094444444445
Mündungshöhe 45 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 865 m
Länge 128,3 km[1]
Einzugsgebiet 1.834 km²[1]
Abflussmenge
am Pegel Gr. Schwülper (94,5 % des EZG[2], MQ an der Mündung: 12,1 m³/s)
NNQ: 1,51 m³/sdep1 (im Jahr 1959)
MNQ: 3,35 m³/sdep1
MQ: 11,5m³/sdep1
MHQ: 73,3 m³/sdep1
HHQ: 217 m³/sdep1 (im Jahr 1946)
Rechte Nebenflüsse Radau, Ecker, Ilse, Altenau, Schunter
Linke Nebenflüsse Abzucht, Warne
Durchflossene Seen Vienenburger See, Südsee, Ölpersee
Durchflossene Stauseen Okerstausee
Großstädte Braunschweig
Mittelstädte Goslar, Wolfenbüttel
Kleinstädte Altenau, Vienenburg,
Gemeinden Schulenberg, Oker, Schladen, Börßum, Heiningen, Dorstadt, Ohrum, Gr. Schwülper, Walle, Rothemühle, Neubrück, Didderse, Hillerse, Leiferde (Gifhorn), Meinersen
Zusammenfluss von Oker (links) und Gerlachsbach (rechts) in Altenau.
Oker bei Schladen.

Die Oker ist ein 128 km langer, linker Nebenfluss der Aller in Niedersachsen (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Quelle und Oberlauf

Die Oker entspringt als Große Oker auf ca. 910 m ü. NN Höhe im Nationalpark Harz in Hangmooren am Westhang des Bruchbergs, etwa einen Kilometer südwestlich der Wolfswarte. Etwa 2,5 km unterhalb der Quelle wird ihr Kerbtal vom Dammgraben gequert, der bei Niedrigwasser das gesamte Wasser der Oker in Richtung Westen ableitet. Einen Kilometer weiter nordwestlich erreicht die Große Oker das Stadtgebiet von Altenau, wo sie ab Einmündung der Kleinen Oker nurmehr Oker heißt, und auch die Altenau, die Rotenbeek und das Schwarze Wasser aufnimmt. Die Okertalsperre kurz unterhalb von Altenau liegt auf einer Höhe von 410 m ü. NN. Hier münden weitere Nebenflüsse wie Kellwasser, Kalbe, Hune, Lange und Schalke. Der Abfluss aus der Talsperre erreicht das Unterwasser in der Regel über das Kraftwerk Romkerhalle etwa einen Kilometer unterhalb der Staumauer. Bei Bedarf (Wasserüberschuss, Betriebsstörungen) erfolgt die Wasserabgabe über den Grundablass am Fuß der Staumauer; bei extrem seltenen Hochwasserereignissen (etwa alle 20 Jahre) auch über die Hochwasserentlastungsanlage. Unterhalb des Stausees ist das Okertal bis über 350 m tief in die umgebenden Oberharzer Rumpfflächen eingeschnitten. Hier befindet sich mit dem Brautstein-Osthang der mit nahezu 350 m höchste Steilhang des Harzes. Typisch sind zahlreiche Klippen wie z. B. die Kästeklippen. Auf einer Höhe von rund 190 m ü. NN verlässt der Fluss den Harz und nimmt von links die Abzucht auf, die den Unterlauf der Gose darstellt und auch den Goslarer Rammelsberg entwässert.

Steinfelder und Vorharz

Vom Ort Oker aus fließt die Oker in nordöstliche Richtung bis Vienenburg durch das Steinfeld, einem außerordentlich grundwasserreichen Gebiet[3], in dem der Fluss mit Dämmen von den Kiesabbau-Flächen getrennt wird. Zwischen Harlingerode und Vienenburg durchfliesst die Oker das Naturschutzgebiet Okertal südlich Vienenburg. Vorbei am Vienenburger See folgt die Oker nach Osten dem Harly-Wald, wo die von Bad Harzburg kommende Radau einmündet. Am Ende des Harly ist sie von der A 395 überbaut. In Wiedelah mündet die vom Brocken kommende Ecker soweit diese nicht als Eckergraben bis zur Steinfelder Mühle nördlich Schladen geführt wird. Die Oker knickt nach Norden ab und wird am linken Ufer von den Okerbergen begrenzt. Sie ist dort relativ naturbelassen und auf einer Höhe von etwa 110 m ü. NN bis Schladen reich an Mäandern. Das Flussbett in diesen ebenfalls als Steinfelder bezeichneten Landschaftteilen ist kiesig und steinig, der Fluss relativ breit und flach.

Die Kaiserpfalz Werla liegt am linken Ufer auf einer 20 m hohen Geländenase nördlich von Schladen, wo von rechts der Eckergraben mündet. Bei Börßum stößt die über Hornburg fließende Ilse von rechts auf einer Höhe von 84 m ü. NN dazu und komplettiert alle aus dem Harz kommenden Nebenflüsse.

Bei Dorstadt mündet die Warne als letzter linker Nebenfluss in die nunmehr auch im Sommer wasserreiche Oker. Das linke Ufer bildet die Hänge des Oderwalds. In Ohrum, dem Ort der ältesten Erwähnung, verengt sich das Okertal und hatte früher zwischen den verzweigten Armen ein breites Kiesbett, weshalb dieser Ort als Okerübergang schon im 8. Jahrhundert erwähnt wurde. Kurz davor mündete früher bei Hedwigsburg die Ilse in die Oker. Am rechten Flussufer erhebt sich der Ösel.

Wolfenbüttel

Bei Halchter führt die Altenau die Wassermassen aus dem Gebiet zwischen Elm und Asse heran, bevor die Oker ihren weit verzweigten Lauf durch Wolfenbüttel nimmt. Ab hier fließt sie durch den Lößboden der Magdeburger Börde, wobei links die Hänge des Lindenberg und rechts des Schieferbergs das Tal formen. Die Oker nimmt mit hier deutlich den Charakter eines Wiesenflusses an, das Flussbett ist nicht mehr steinig sondern schlammig. Bis Leiferde mäandriert sie bzw. sind alte Flussschleifen erkennbar.

Braunschweig

Floß auf dem Oker-Umflutgraben in Braunschweig
Hauptartikel: Oker in Braunschweig

Im Süden Braunschweigs ist die Oker in den 1960er Jahren stark reguliert worden und wird durch das Rüninger Wehr gestaut. Hochwasser kann in den eigens bei Melverode dafür angelegten Südsee ausweichen. Das Eisenbütteler Wehr ist das letzte wassertechnische Bauwerk vor der Braunschweiger Innenstadt. Im Bürgerpark kurz vor der Braunschweiger Innenstadt teilt sich die Oker in den Westlichen und den Östlichen Umflutgraben auf. Diese zusammen rund 6,5 km langen Umflutgräben wurden im 18. Jahrhundert als Ergänzung der mittelalterlichen Befestigungsgräben im Zuge der Bastionsanlagen angelegt. Sie liegen gut eingedämmt in den Hanglagen etwas über Altstadtniveau. Der natürliche Okerverlauf durch die Mitte der Stadt hatte häufig zu Hochwasserschäden geführt und wurde um 1900 weitestgehend überdeckt, er verläuft nun eingeschränkt unterirdisch in Röhren und kommt erst nördlich des Weichbilds Neustadt am Inselwall wieder zum Vorschein. Der Wasserstand für das innere Stadtgebiet wird durch das Petritorwehr im westlichen und das Wendenwehr im östlichen Umflutgraben reguliert.

Unterlauf

Mündung der Schunter in die Oker nahe Groß Schwülper

Nördlich der Braunschweiger Innenstadt ist der Okerlauf bis zum Ölper See stark reguliert. Dort steuert ein weiteres Bauwerk an der Stelle der ehemaligen Ölper Mühle den Wasserstand und damit die Hochwasser-Abschlagsmenge in den See. Bis Veltenhof und Watenbüttel ist trotz der Beeinträchtigung durch zahlreiche Verkehrswege der Charakter des mäandrierenden Wiesenflusses und der Okeraue erkennbar. Bei Watenbüttel wird die Oker in einem Düker unter dem Mittellandkanal hindurchgeführt und fließt bis zur Mündung durch sandige Böden (Spargelanbau). Ihr Einzugsgebiet ist an der Westseite deutlich durch die parallel fließende Erse/Aue begrenzt, sie hat ab der Mündung des Aue-Oker-Kanals keine linken Nebengewässer mehr.

Bei Walle (Schwülper) mündet die wasserreiche Schunter, die das gesamte nördliche Elmgebiet bis nach Helmstedt entwässert. Die Ortsnamen Schwülper und Walle sollen das Schwellen und Wallen der Wassermassen an der Mündung andeuten. Das rechte Ufer bilden eiszeitliche Sandablagerungen wie der Galgenberg bei Didderse, am linken Ufer erstreckt sich das Verregnungsgebiet des Abwasserzweckverbands Braunschweig. Nördlich von Hillerse bestimmen wieder ausgedehnte Wiesen, Mäander und alte Flussarme den Charakter der Landschaft.

Bei Meinersen verzweigt die Oker in einen Mühlengraben und wird durch ein neues Wehr reguliert. Von dort sind es noch etwa acht mäanderreiche Flusskilometer bis zum Wehr Dieckhorst in Müden, wo sie sich mit der Aller vereint und dabei hydrologisch sogar den Hauptfluss darstellt. Die Oker führt hier im Mittel 12,1 m³/s Wasser, während der mittlere Abfluss der Aller an dieser Stelle 8,2 m³/s beträgt.[4]

Geschichte

Grenzfluss

Bedeutende Ereignisse entlang der Oker
Jahr Ereignis
747 Ohrums Ersterwähnung
780 Historische Massentaufe der Sachsen
durch Karl den Großen in Ohrum belegt.[5]
804 Halberstadt wird Bischofssitz (Westgrenze ist die Oker)
815 Hildesheim wird Bischofssitz (Ostgrenze ist die Oker)
ab 822 Ersterwähnung Kissenbrücks
861 legendäre Gründung Braunschweigs durch die Brunonen
993-997 Bau der Niederungsburg Mundburg (Mundborg)
durch Bischof Bernward von Hildesheim an der Mündung
der Oker in die Aller[6]
1007 Steterburger Annalen erwähnen zahlreiche Dörfer
längs der Oker
1013 In Heiningen wird Kanonissenstift gegründet
1017 Werla wird zugunsten Goslars aufgegeben
1031 Erste urkundliche Erwähnung Braunschweigs
1090 Ersterwähnung der Scheverlingenburg bei Walle (Schwülper)
1118 Ersterwähnung Wolfenbüttels
1151 Ersterwähnung Meinersens
1154 Ersterwähnung Schladens
1167 Ersterwähnung Dorstadts
14. Jh. Die Pest bringt im Harz den Bergbau zum Erliegen,
die Wälder erholen sich
1527 Barward Tafelmaker baut in Braunschweig eine
Wasserversorgung mit Okerwasser auf.
1570 Juliusstau im Harz zur Förderung der Flößerei
1627 Aufstau der Oker im Dreißigjährigen Krieg
durch kaiserliche Truppen, um Wolfenbüttel einzunehmen
1745 Umfangreiche Kanalbauten im Okereinzugsbereich
unter Herzog Karl I.
1838 Im Okertal fährt die erste Dampflokomotive
der ersten Deutschen Staatsbahn.
1956 Einweihung der Okertalsperre

Bereits in der vorfränkischen Zeit war die Oker wegen ihres hohen und unregelmäßigen Wasseraufkommens Stammesgrenze zwischen den Sachsen (Ostfalengau) und Thüringern. Ohrum wird in den Fränkischen Annalen bereits für 747 als Okerübergang erwähnt. Es wird angenommen [5], dass ein historischer Ost-West-Deitweg bis zur Entstehung der Städte Braunschweig und Wolfenbüttel die Oker hier querte, der auch noch in ottonischer Zeit über Schöningen nach Magdeburg führte.

Die Oker bildete weiterhin eine wichtige strategische Grenze im Kampf gegen die Ungarneinfälle, so wurde die Pfalz Werla bereits 924 erwähnt und ab 968 zum regelmäßigen Tagungsort Ottos des Großen.

Ab dem 9. Jahrhundert bildete die Oker die Diözesangrenze zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim. Im Abschnitt Ohrum bis Börßum bildete sie außerdem die Ostgrenze des Fürstbistums Hildesheim gegenüber dem Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und weiter nach Süden bis Wiedelah gegenüber dem Fürstbistum Halberstadt, nach dessen Säkularisierung dem Kurfürstentum Brandenburg.

Nach 1814 war die Oker die Ostgrenze des Königreichs Hannover gegenüber dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Preußen. Nach 1866 war sie Grenze zwischen den preußischen Provinzen Hannover und Sachsen sowie nördlich von Börßum bis Ohrum zwischen der Provinz Hannover im Westen und dem Herzogtum Braunschweig im Osten. Von 1945 bis 1990 verlief die Innerdeutsche Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland zwischen Wiedelah und Schladen in der Flussmitte der Oker.

Flößerei

Zwar ist die Flößerei schriftlich erst aus den Zeiten Herzog Julius dokumentiert, es darf jedoch angenommen werden, dass das Holz aus dem Harz als Brenn- und Bauholz schon in den Jahrhunderten zuvor auf dem Wasserwege transportiert wurde. Julius ließ das obere Gebiet der Oker energisch ausbauen, so entstand 1570 an der Radau etwa auf der Höhe von Bündheim ein Stauwehr und später eine Spannstelle, zu der das geschlagene Holz gebracht und in den Fluss geworfen wurde. Mit Ziehen des Wehres erzeugte man einen ordentlichen Wasserschwall, der das Holz hinuntertrieb.

1576 wurde nahe dem Okertal das Kellwasser, ein Nebenfluss der Oker, gestaut, um Holz die Oker hinab zu transportieren. 1580 entstanden zum gleichen Zweck Stauwerke an der Ecker. Die Ilse lag nicht mehr im Territorialbereich des Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Die Flößerei wurde erst im 19. Jahrhundert eingestellt, nachdem die Eisenbahn bis zum Harz fuhr.

Schifffahrt

Im Oberlauf bis Braunschweig

Im oberen Okerbereich lässt die Erwähnung von 1425, dass die Stadt Braunschweig im Ösel (Berg) Kalk und Steine brechen lassen darf, darauf schließen, dass diese Materialien mit Lastkähnen die Oker hinab transportiert worden sind. In gleicher Weise gilt dies für den Ausbau der Residenzstadt Wolfenbüttel mit Steinen vom Ösel.

1576 ließ Herzog Julius prüfen, was für einen Ausbau der Oker zwischen Harzrand und Wolfenbüttel notwendig war. Bereits 1577 fuhren Lastkähne bis zum Schloss in Wolfenbüttel, wo sie an Befestigungsanlagen mit so klangvollen Namen wie "Wunderlicher Heinz" und "Wunderlicher Kurt" anlegten. Zu Julius' Zeiten entstanden auch Pläne, eine Kanalverbindung zwischen Oker und Saale-Gebiet über den Schiffgraben/GroßenGraben herzustellen, um auf dem Wasserweg nach Hamburg zu gelangen.

Im 18. Jahrhundert war es Herzog Karl I., der massiv die Schiffbarmachung des Okereinzugsbereiches förderte und dies auch gegen großen Protest der Landbevölkerung durchsetzte. 1745 ließ er entlang der Oker südlich von Wolfenbüttel über 1000 wirtschaftlich wertvolle Weidenbäume fällen, um einen Treidelweg anzulegen. Zwei Jahre später wurde der Weg zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig "frei" gemacht, wobei neben den Weidenbäumen auch etliche Flachsrotten von den Bauern - diesmal gegen Entschädigung - aufgegeben werden mussten.

Vor den südlichen Stadttoren Braunschweigs im Bruchgebiet wurde eine Anlegestelle errichtet. Bei Stöckheim bestand ein Hafen, in dem die Besatzungen der Schiffe ausgewechselt wurden, der Straßenname "Am Schiffhorn" weist noch darauf hin. Für 1753 sind 489 Fahrten dokumentiert, die überwiegend Bier, Brot und Baustoffe beförderten. Insbesondere bei dem Bier wurde nachweislich von Schiffsbesatzungen "genascht", was aus Gerichtsakten hervorgeht.

Die Schifffahrt auf der oberen Oker war auf Dauer wegen der Wasserwegunterhaltung nicht wirtschaftlich und wurde bereits 1770 wieder eingestellt.

Im Unterlauf bis zur Aller

Boot auf der Oker in Braunschweig bei der Bammelsburg (heute etwa Inselwall), Kupferstich aus der Werkstatt Beck 1716
Mündung der Oker (rechts) in die Aller bei Müden (Aller).

In der Stadtrechtsurkunde des Braunschweiger Weichbildes Hagen von 1227 wird auf das von Heinrich dem Löwen verbriefte Recht der freien Schifffahrt für die Braunschweiger Kaufleute bis Bremen verwiesen. Dieses Recht stand jedoch nur auf dem Papier, da wegen der territorialen Aufteilung des Herzogtums die Herzöge aus Braunschweig-Wolfenbüttel keinen Zugriff auf die nördliche Oker und die Aller besaßen. Die Stadt Celle dagegen besaß für die Aller das Schifffahrtsmonopol und kassierte vor allem für die auf diesem Weg beförderte Braunschweiger Mumme hohe Zölle.

Dieser Umstand führte dauerhaft zu Streitigkeiten zwischen der Stadt Braunschweig und den Territorialherren sowie unter den Fürstentümern. Für einen alternativen Schifffahrtsweg Richtung Nordsee gab es daher immer wieder interessante Pläne, wie der oben beschriebene einer Verbindung zur Saale sowie den aus napoleonischer Zeit zum Bau eines Kanals zur Aller - einem Vorgriff auf den späteren Mittellandkanal.

Ausflugsfahrten

Im Stadtgebiet Braunschweig gab es bis ins 20. Jahrhundert auf der Oker motorisierte Ausflugsfahrten zur Ölper Mühle und zum Großen Weghaus in Stöckheim.

Trinkwassergewinnung

Im 16. Jahrhundert wurde die Wasserversorgung in Braunschweig durch Barward Tafelmaker ausgebaut. Pumpwerke beschickten hölzerne Leitungen (Pipen) mit Okerwasser und versorgten so die angeschlossenen Häuser. Im 19. Jahrhundert wurde in Braunschweig untersucht, Wasser aus Brunnen im Steinfeld bei Vienenburg bis zur Stadt zu fördern.[3] Dies wurde damals verworfen und stattdessen ein Wasserwerk bei Rüningen gebaut, welches aus dem Grundwasserbereich der Oker schöpfte. In diesem Zuge wurden die Trinkwasser-Klärteiche des Braunschweiger Kennelgebietes sowie das Pumpwerk im Bürgerpark angelegt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung auf die Harzwasserwerke umgestellt. Neben dem steigenden Wasserbedarf spielte hierbei auch die bessere Qualität des Harzwassers (Wasserhärte) eine entscheidende Rolle.

Umwelt

Wasserqualität

Durch den Jahrhunderte dauernden Erzbergbau im Rammelsberg, den dortigen Metallhüttenbetrieben und den Abraumhalden im Goslarer Stadtteil Oker ist das Flusswasser mit Schwermetallen belastet. Dies betrifft durch die Sedimentation auch die Aueböden links und rechts der Oker.

Naturnahes Gewässer

Oker-Wehr in Oker.

In den letzten Jahren wird durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie nicht nur die biologische und chemische Qualität eines Fließgewässers beurteilt, sondern auch der Zustand „Naturnähe“.[7] Die Oker schneidet hier im Oberlauf schlecht ab, da durch die Talsperre, das Kraftwerk und das Ausgleichbecken die Oker nahezu vollständig verbaut ist und nur im Ausnahmefall in ihrem natürlichen Flussbett verläuft. Die früher starken Schwankungen des Wasseraufkommens durch Schneeschmelze und Regenereignisse werden heutzutage fast vollständig durch die Talsperre abgepuffert, wodurch aber auch natürliche Wechsel und Überschwemmungen im Unterland ausbleiben.

Im weiteren Verlauf der Oker bestimmen teilweise historische Barrieren das Bild des Flusses. Dazu gehören die Mühlen- und Brückenbauten sowie die Umflutgräben in den Städten. Seit den 1960er Jahren sind zahlreiche Regulierungen mit Sohlabstürzen und Wehren dazu gekommen. Abhilfe soll hier das Projekt Okerlachs 2000 schaffen, das gemeinsam vom Land Niedersachsen, kommunalen Einrichtungen und Angelsportvereinen in der Aller-Oker-Lachs-Gemeinschaft betrieben wird. In diesem Zuge wird insbesondere die Durchlässigkeit der Oker für Wanderfische wie Lachs und Meerforelle angestrebt. Sohlabstürze an Wehren werden durch Fischtreppen passierbar gemacht. Mit Stand 2010 bildet nur noch das Braunschweiger Petriwehr die letzte Barriere, dessen Umbau geplant ist.[8]

Heutige Bedeutung

Wassersport

Okertalsperre

Zwischen dem Auslass des Kraftwerks Romkerhalle und dem einige Kilometer unterhalb gelegenen Ausgleichsbecken der Oktertalsperre wird der Fluss aufgrund des intermittierenden Betriebes des Spitzenstromkraftwerkes für den Kanusport genutzt.

Ab Dorstadt ist die Oker auch im Sommer so wasserreich, dass sie ab hier bis zur Mündung von Kanufahrern und Paddlern genutzt wird.

Im Braunschweiger Südsee ist Segelsport möglich. Im Braunschweiger Stadtgebiet gibt es zahlreiche Stationen zum Bootsverleih.

Kulturort

Seit der Expo 2000 wurden innerhalb Braunschweigs Brücken über die Oker und deren Umgebung künstlerisch gestaltet, nach dem Jahr 2004 im Rahmen des Projektes Okerlicht.

Auf der Oker finden regelmäßig Floßfahrten mit Lesungen statt. Bisweilen gibt es auch Jazzkonzerte auf dem Fluss und Veranstaltungen im Rahmen der Braunschweiger Kulturnacht.

Angelsport

Die Oker und insbesondere ihre angrenzenden Seen und Nebengewässer sind seit einigen Jahren beliebtes Anglerrevier. Angelsportvereine haben etliche Gewässer- und Uferbereiche gepachtet und beteiligen sich aktiv an der Renaturierung der Oker und ihrer Nebengewässer (Projekt Okerlachs 2000).

Erholungsort

Verlobungsinsel mit Verlobungsbrücke im Okertal bei Romkerhall.

Im gesamten Okerverlauf gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu wandern, Rad zu fahren oder einfach nur das Gewässer zu genießen. Die Braunschweiger Grünanlagen bieten breiten Raum für Erholungssuchende und teilweise auch gastronomische Einrichtungen unmittelbar am Ufer. Die anliegenden Landkreise unterhalten ein gut ausgeschildertes Radwegenetz. Der Weser-Harz-Heide-Radfernweg führt unmittelbar durch die Okerniederungen.

Zitate zur Oker

„Die Oker, ein breiter Fluß von vier Klafter Tiefe, vom Harz kommend, fließt an Braunschweig und Wolfenbüttel vorbei. Unbedeutend, dennoch sehr nützlich.“

Stendhal (1808)[9]

„Der Name des Orts ist dem gleichlautenden Flusse entlehnt. Schon vom 12. bis 15. Jahrhundert findet man in Urkunden und Chroniken die Bezeichnung: die Nebelhütten, Galmhütten u. a. an der Oker.“

Schucht (1888)[10]

Herkunft und Bedeutung des Namens

Der Flussname wird um 830 als Obacra überliefert, später als Ovokare und Ovakara. Die Namensherkunft wird in aus den Silben ov- und -akara als „Ober“ und „Vorwärtsdrängende“ gedeutet, in Abgrenzung zu dem ebenfalls „vorwärtsdrängenden“ Nebenfluss Ecker.[11]

Literatur

  • Wilhelm Appelt und Theodor Müller: Wasserkünste und Wasserwerke der Stadt Braunschweig, in: Braunschweiger Werkstücke, Bd. 33. Braunschweig 1964
  • Wilhelm Bornstedt: Chronik von Stöckheim. Braunschweig 1967
  • Jürgen Hodemacher: Von der Quelle bis zur Mündung: Die Oker. Elm-Verlag, Cremlingen 1992, ISBN 3-927060-07-0
  • Theodor Müller: Schiffahrt und Flößerei im Flußgebiet der Oker, in: Braunschweiger Werkstücke, Bd. 39. Braunschweig 1968
  • Arnold Peters: Geschichte der Schiffahrt auf der Aller, Leine und Oker bis 1618, Forschungen zur Geschichte Niedersachsens, hg. vom Historischen Verein für Niedersachsen, Bd. 4, Heft 6. Hannover 1913

Weblinks

 Commons: Oker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Bestandsaufnahme zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, Oberflächengewässer, Bearbeitungsgebiet Oker; Tab. 2
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Weser-Ems-Gebiet 2005.
  3. a b Appel, Wilhelm; Müller, Theodor, Wasserkünste und Wasserwerke der Stadt Braunschweig, in Braunschweiger Werkstücke, Bd. 33, Waisenhaus-Verlag, Braunschweig 1964.
  4. Die Zahlen setzten sich zusammen aus den Pegelwerten Groß Schwülper (Oker) und Brenneckenbrück (Aller) und den errechneten Werten für die jeweils noch fehlenden (in beiden Fällen) rund 5% des Einzugsgebietes. Für die Restfläche wurde die gemittelte Abflussspende beider Flüsse zu Grunde gelegt.
  5. a b Riefenstein, Elisabeth, Chronik Ohrum 747-1997, Wolfenbüttel 1997.
  6. Schmidtsdorff, Dietrich, „Auf der Mundburg wurde Lösegeld für die Wikinger geprägt“, in: Geldgeschichtliche Nachrichten, September 2005, S. 167 ff.
  7. Veröffentlichungen des Landes Niedersachsen.
  8. Planungsunterlagen der Stadt Braunschweig.
  9. Guddas, Renate, "Die Stadt Braunschweig in literarischen Zeugnissen", Braunschweig 1979, S. 19.
  10. Schucht, Heinrich, Chronik und Heimatskunde des Hüttenortes Oker, Harzburg, Stolle 1888, S. 8.
  11. Blume, Herbert, "Oker, Schunter, Wabe", in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 86, Braunschweig 2005, S. 14 ff.

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  • òker — m 1. {{001f}}kem. mineralna boja od željeznih oksida u žutim, smeđim i crvenim tonovima 2. {{001f}}razg. ugašena žuta boja ✧ {{001f}}njem. ← grč …   Veliki rječnik hrvatskoga jezika

  • oker — òker m DEFINICIJA 1. kem. mineralna boja od željeznih oksida u žutim, smeđim i crvenim tonovima 2. razg. zagasita žuta boja ETIMOLOGIJA njem. ocker ≃ grč. ōkhrós: blijed, žut …   Hrvatski jezični portal

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