München-Stadelheim

München-Stadelheim
Haupteingang

Die Justizvollzugsanstalt München in der Stadelheimer Straße im Münchner Stadtteil Giesing gehört mit 14 Hektar zu den größten Justizvollzugsanstalten in Deutschland. Im Volksmund auch St. Adelheim genannt, ist ein „Stadelheimer“ umgangssprachlich in München ein Vorbestrafter.

Inhaltsverzeichnis

Zahlen

Die insgesamt fünf Gebäude des Geländes (Nord-, Süd-, West-, Ost- und Neubau[1]) inklusive der offenen Vollzugsanstalt in der Leonrodstraße besitzen eine Gesamtkapazität von 1379 Haftplätzen, die in Notständen auf 2100 erweitert werden kann. Die höchste Auslastung der JVA-Gebäude bestand am 9. November 1993 mit 1969 Gefangenen. In Stadelheim werden größtenteils männliche Gefangene ab 16 Jahren inhaftiert, hinzu kommen Jugendarrest und Frauenabteilung Neudeck, die zusammen weitere 124 Gefangene aufnehmen können. Die durchschnittliche Belegung betrug im Jahre 2001 1580,87 Inhaftierte und lag damit deutlich oberhalb der regulären Häftlingskapazität. Ebenfalls 2001 waren 596 Personen an der JVA Stadelheim tätig, davon 506 Beamte und 90 Angestellte.

Außenstellen

Die Justizvollzugsanstalt Neudeck, eine Außenstelle der JVA München-Stadelheim, befindet sich derzeit im Stadtteil Au und besorgt den Jugend- und Frauenstrafvollzug. Ein Neubau in der Stadelheimer Straße Ecke Tegernseer Landstraße soll Anfang 2009 eröffnet werden.[2] Im alten Gebäude soll ein Vier-Sterne-Hotel entstehen, in dem Menschen in sozialen Schwierigkeiten (junge Menschen ohne Ausbildung, unterqualifizierte Menschen, Menschen mit Leistungsminderungen, Schwerbehinderung, in Langzeitarbeitslosigkeit) Qualifizierung zur Integration in den Ersten Arbeitsmarkt erfahren sollen.[3]

Geschichte

Dauernde Überfüllung der Münchner Gefängnisse Anger, Baaderstraße und Lilienberg führten 1892 zu Überlegungen, der permanenten Überfüllung und den baulichen Mängeln durch ein neues Zentralgefängnis abzuhelfen. So entstand auf dem ehemaligen Gut Stadelheim in Giesing vor den Toren Münchens der sogenannte Nordbau 1894 als erster Bauabschnitt für 465 Gefangene. Sieben Jahre später, 1901, eröffnete der Südbau. Ab April 1901 wurden hier die Hinrichtungen ausgeführt. Beide Bauten stehen heute unter Denkmalschutz.

Insgesamt wurden in Stadelheim mindestens 1049 Hinrichtungen durchgeführt, wovon nur 14 auf die Zeit zwischen 1895 und 1927 entfallen (darunter die Gustav Landauers und Eugen Levinés 1919). Der Großteil der Hinrichtungen wurde in der Zeit des NS-Regimes zwischen 1933 und 1945 durchgeführt. Unter den mindestens 1035 Getöteten dieser Zeit fanden sich unter anderem Ernst Röhm († 1934) und die Mitglieder der Weißen Rose († 1943).

Rundfunksender

Stadelheim war von 1926 bis 1932 Standort des Zentralsenders des Bayerischen Rundfunks. Am 1. März 1926 nahm er den Probebetrieb und am 1. April 1926 den endgültigen Betrieb auf. Als Antenne verwendete der neben der Haftanstalt gelegene Sender eine an zwei 100 Meter hohen, freistehenden Stahlfachwerktürmen befestigte T-Antenne. Als Sender kamen ein Röhrensender und ein Maschinensender der Firma Carl Lorenz AG zum Einsatz. Allerdings bereitete der Betrieb des Maschinensenders zahlreiche technische Probleme.

Da die Sendeantenne sehr schnell den Anforderungen nicht mehr genügte, wurden im Herbst 1926 die beiden Stahltürme durch zwei 75 Meter hohe Holzfachwerktürme ersetzt. In der Nacht vom 22. zum 23. November 1930 knickte ein Sturm beide Türme ab, wobei auch einige Gebäude beschädigt wurden. Noch am gleichen Tag wurde der Sendebetrieb mit einer Notantenne, die zwischen den Turmstümpfen gespannt wurde, wieder aufgenommen. Als Ersatz für die zerstörten Türme baute man zum Jahreswechsel 1930/31 zwei Holztürme in größerem Abstand zu den Gebäuden, die eine T-Antenne trugen.

Nach der Inbetriebnahme der Sendeanlage Ismaning am 3. Dezember 1932 diente der Sender Stadelheim noch als Reservesender für den Sender Ismaning. Er dürfte im November und Dezember 1933 zum letzten Mal regulär in Betrieb gewesen sein, als der Sender Ismaning wegen Umbauarbeiten stillgelegt wurde.

Zwischenfälle

Am 22. August 1986 nahm ein Häftling einen Rechtsanwalt als Geisel, der im Besprechungszimmer der JVA auf einen Mandanten wartete. Der Anwalt konnte befreit werden, wurde jedoch durch eine selbstgebastelte Bombe des Geiselnehmers verletzt. Aufgrund ungenügender Sicherheitsmaßnahmen in der JVA erhielt er ein Schmerzensgeld vom Freistaat Bayern.

Gedenkstätte

Eine Gedenkstätte wurde 1974 errichtet und kann von Gruppen nach Anmeldung besucht werden. Am 65. Jahrestag der Hinrichtung (23. Februar 2008) von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst wurde die Gedenkstätte erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht [4].

Prominente Inhaftierte

Kurt Eisner, Graf Arco-Valley, Adolf Hitler und Ernst Röhm waren alle in Zelle 70 untergebracht.[5]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. justizvollzug-bayern.de: JVA München
  2. www.justizvollzug-bayern.de: Justizvollzug Bayern > Anstalten > Baumaßnahmen − 3. Neubauvorhaben, zuletzt aufgerufen am 25. Mai 2008.
  3. www.hotelbiss.de: Das Projekt > Sozialkonzept, zuletzt aufgerufen am 01.03.2009.
  4. C. Wessel „Ort des Terrors - Ort des Erinnerns“, Artikel der SZ, Nr. 47 vom 25. Februar 2008
  5. Allan Mitchell: Revolution in Bayern 1918/1919. Die Eisner-Regierung und die Räterepublik. Beck, München 1967, Anm. 57 auf S. 60.

48.09972222222211.5919444444447Koordinaten: 48° 5′ 59″ N, 11° 35′ 31″ O


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