Meton

Meton

Meton (altgr. Μέτων), der Sohn von Pausanias, war ein Astronom im antiken Griechenland. Er lebte im fünften Jahrhundert v. Chr. in Athen. Auf seinen Namen geht der Begriff Meton-Zyklus zurück.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Er wird allgemein als Athener bezeichnet. Claudius Aelianus sagt aber, er sei ein Lakonier, wie die Spartaner auch genannt wurden.[1] Auch der Name seines Vaters Pausanias war ursprünglich ein spartanischer Name. In der Komödie Die Vögel von Aristophanes, einem Zeitgenosse Metons, sagt Pisthetairos zu ihm Man treibt hier, wie in Sparta, die Fremden aus! Schon mancher ward beseitigt, und Prügel regnet's in der Stadt![2] Dies stützt Aelians Angabe zumal man sich zu dieser Zeit im Krieg mit Sparta befand.

Metons Wirken

Meton war ein Schüler von Phaeinos von Athen.[3] Von Meton selbst sind keine Aufzeichnungen erhalten. Er galt als einer der ersten Astronomen im antiken Griechenland. An ihn wird dauerhaft durch die Begriffe Meton-Jahr, Meton-Periode und Meton-Zyklus erinnert.[4] Auf der Pnyx errichtete er eine Sonnenuhr, auch Heliotropion genannt, von der die Fundamente heute direkt neben dem Altar des Zeus Agoraios vermutet werden.[5]

Als Meton-Zyklus gilt in der modernen historischen Literatur eine Zeitdauer von 19 Jahren beziehungsweise von 6.940 Tagen.[6] Das ist eine indirekte Festlegung der Länge des Sonnenjahres, die Meton benötigte, um auf dem von ihm auf dem Hügel Kolonos Agoraios in der Nähe der Athener Agora errichteten Parapegma allgemeine Angaben über das Wetter in den vom Sonnenjahr abhängigen Jahreszeiten zu machen.[7] Als Anfang einer solchen 19-jährigen Periode wählte er die Sommersonnenwende des Jahres 432 v. Chr., die er zusammen mit Euktemon am 13. Skirophorion (22. Juni) dieses Jahres beobachtete.[8][9] Der Zusammenhang, dass 19 Sonnenjahre auch annähernd gleich lang wie 235 synodische Monate sind, war den Babyloniern bekannt und wurde von ihnen seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. für die Interkalation ihres zivilen Lunisolarkalenders benutzt.[10] Meton und Euktemon hatten vermutlich Kenntnis davon, brauchten ihn aber nicht anzuwenden, da sie keinen neuen Lunisolarkalender aufstellen wollten (unter anderem begann kein neuer realer Mondmonat zusammen mit dem ersten Meton-Zyklus am Tage der Sommersonnenwende des Jahres 432 v. Chr.).[10] Diese Gleichheit der Periodendauern ganzzahliger Vielfacher von zwei Orbitalbewegungen unter sich und mit einer ganzen Zahl von Tagen wurde nachweislich konsequent als Prototyp für spätere Anwendungen (zum Beispiel bei der Osterrechnung) in der Seleukidischen Ära für die Interkalation eines Lunisolarkalenders benutzt.[11]

Der Brauch, die von Meton benutzte Zeitdauer von 19 Jahren als Zyklus zu bezeichnen, ist missverständlich. Ihre korrekte Bezeichnung wäre Meton-Periode. Korrekt ist hingegen, die Folge sich aller 19 Jahre wiederholenden Zusammentreffen von Sonne und Mond vor denselben Sternen als Meton-Zyklus zu bezeichnen.

Weitere Überlieferungen

Im Jahr 415 v. Chr. sollte Metons Sohn an der Sizilienexpedition teilnehmen. Da Meton vorausahnte, dass diese ein Desaster werde – manche behaupteten, er hätte das an einer ungünstigen Sternenkonstellation erkannt – versuchte er die Teilnahme seines Sohnes zu verhindern. Deshalb zündete er sein eigenes Haus an und gab Wahnsinn vor. Nun bat er wegen seines großen Unglücks seinen Sohn vom Militärdienst zu befreien und hatte damit schließlich Erfolg.[12][13][14]

Im Lustspiel Die Vögel, das als Bühnenstück erstmals im Jahr 414 v. Chr. aufgeführt wurde, tritt Meton als „Geometer“ auf und tut absurde Dinge, unter anderem versuchte er sich in der Quadratur des Kreises. Aber es wäre riskant, aus dieser Burleske auf Metons wirkliche mathematische Interessen zu schließen.[15]

Nach ihm wurde auch der Mondkrater Meton benannt.

Literatur

  • G. J. Toomer: Meton In: Dictionary of Scientific Biography. Band 9, S. 337–340.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Claudius Aelianus, Varia historia, 10, 7.
  2. Aristophanes, Die Vögel, 2. Szene
  3. Theophrastos von Eresos, Über das Wetter, 4.
  4. Ammianus Marcellinus, Res gestae, 26, 18.
  5. Philochoros, Schol. ad Aristophanes, Av 997.
  6. Otto Neugebauer: A History of Ancient Mathematical Astronomie, Springer, 1975, Seite 623
  7. Lucius Iunius Moderatus Columella, De re rustica libri XII, 18, 8.
  8. Diodor, Bibliothéke historiké‘, 12, 36, 1.
  9. Ptolemäus: Almagest, III, I
  10. a b Otto Neugebauer: A History of Ancient Mathematical Astronomie, Springer, 1975, Seite 622
  11. Otto Neugebauer: A History of Ancient Mathematical Astronomie, Springer, 1975, Seiten 355 und 1065
  12. Claudius Aelianus, Varia historia, 13, 12.
  13. Plutarch, Alkibiades, 17, 4.
  14. Plutarch, Nikias, 13, 5.
  15. G. J. Toomer: Meton. In: Dictionary of Scientific Biography. Band 9, S. 337–340, letzter Absatz.

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Metón — de Atenas (griego: Μέτων ὁ Ἀθηναῖος; gen.: Μέτωνος) fue un matemático, astrónomo, geómetra, e ingeniero que vivió en Atenas en el siglo V a. C. Es más conocido por su ciclo metónico de 19 años que introdujo en 432 a. C. en el… …   Wikipedia Español

  • Meton — Méton Méton d Athènes est un astronome natif d Athènes, ayant vécu dans la seconde moitié du Ve siècle av. J. C. Il appliqua en 432 le fameux cycle luni solaire qui porte son nom. Ce cycle a pour base une somme de 235 lunaisons ou 6 940 …   Wikipédia en Français

  • METON — Astrologus, ex his unus, qui Atheniensibus adscriptus fuit, navigaturis in expeditionem Siciliae, qui onus detrectare cupiens, tempestatem futuram praedixit: cumque propterea minime proficeret, simulavit insaniam, atque hoc modô missionem… …   Hofmann J. Lexicon universale

  • Méton — d Athènes est un astronome natif d Athènes, ayant vécu dans la seconde moitié du Ve siècle av. J.‑C. Il appliqua en 432 le fameux cycle luni solaire qui porte son nom. Ce cycle a pour base une somme de 235 lunaisons ou 6 940 jours …   Wikipédia en Français

  • Metón — (Métōn) ► (s. V a C) Astrónomo griego. Autor del ciclo de Meton correspondiente a 235 meses lunares …   Enciclopedia Universal

  • Meton — Meton, Athener, Sohn des Pausanias, Urheber der nach ihm genannten Zeitrechnung (Metonscher Mondeykel u. Metonsche Periode), nach welchem seit dem Jahr 432 v. Chr. der Anfang des Jahres auf den Neumond nach dem Sommersolstitium gesetzt wurde, s.u …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Meton — Meton, ein Athener, der 433 v. Chr. den nach ihm benannten Zyklus vorschlug, der 125 volle und 111 leere Monate (zu 30 und 29 Tagen) oder 12 gemeine Jahre zu 12 Monaten und 7 Schaltjahre zu 13 Monaten umfaßte, so daß im Mittel ein Monat = 29,532… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Meton — Meton, aus Athen, um 432 v.Chr., Begründer des Metonschen Zyklus (s. Zyklus) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • meton. — meton. abbr. metonimia …   Dizionario italiano

  • Meton — Mèton (5. st. pr. Kr.) DEFINICIJA grčki astronom iz Atene, korigirao pogreške lunarno solarnog kalendara u Grčkoj na temelju ciklusa od 19 godina (Metonov ciklus), koji je Atena 432. pr. Kr. službeno prihvatila …   Hrvatski jezični portal

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”