Mesosauridae


Mesosauridae
Mesosaurus
Mesosaurus, Lebendrekonstruktion
Zeitraum
Pennsylvanium bis Unterperm
320 bis 280 Mio. Jahre
Fossilfundorte
Systematik
Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Kriechtiere (Reptilia)
Anapsida (Schläfengrubenlose)
Mesosauridae
Wissenschaftlicher Name
Mesosaurus
Broom, 1913
Untertaxa
  • Mesosaurus tenuidens
  • Mesosaurus brasiliensis

Mesosaurus („Mittelechse“) ist eine ausgestorbene Gattung von anapsiden Reptilien aus der Zeit des Pennsylvaniums (spätes Karbon) und frühen Perms (vor 320 bis 280 Mio. Jahren) in Flüssen und Seen von Afrika und Südamerika.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Skelettrekonstruktion von Mesosaurus (aus Williston 1914)

Mesosaurus war ein verhältnismäßig kleines Reptil mit einem länglichen Körper, das nur eine Länge von etwa einem Meter erreichte, die meisten gefundenen Exemplare erreichten nur eine Länge von etwa 40 Zentimetern. Der Kiefer war stark verlängert und besaß eine Vielzahl nadelförmiger und unterschiedlich langer Zähne. Wahrscheinlich dienten diese nicht dem Zupacken, sondern als Reusenapparat zum Fang kleinerer Krebstiere und Fische, die zwischen den Zähnen festgehalten wurden, wenn das Tier das Maul schloss und das Wasser zwischen den ineinandergreifenden Zähnen auspresste. Der Hals bestand aus 12 Halswirbeln und war verlängert.

Die Mesosauriden waren nach heutiger Erkenntnis die ersten amniotischen (nicht-amphibischen) Landwirbeltiere, die zurück ins Wasser ging, eine Entwicklung, die später noch zahlreiche Landwirbeltiergruppen durchlaufen sollten. Als Anpassung an die aquatische Lebensweise entwickelten sich abgeflachte Gliedmaßen und ein Ruderschwanz für den Vortrieb im Wasser. Zudem wurde die Knochenzahl in den Hand- und Fußwurzeln reduziert und der Fuß paddelartig verbreitert. Manche Knochen, beispielsweise die Rippen, waren durch Pachyostose verdickt, ein Prozess, bei dem sich das umgebende Bindegewebe an den Knochen anlagert und ihn wie geschwollen erscheinen lässt. Die Pachyostose trat als charakteristisches Element auch in der Evolution vieler anderer sekundär aquatischer Wirbeltiere während der ersten Phase des Übergangs vom Land- zum Wasserleben auf.

Systematik

Aufgrund eines Schädels ohne Schädelfenster wird Mesosaurus zu den Anapsida gestellt. Seine Vorläufer stammen wahrscheinlich aus der Gruppe der Captorhinomorpha. Verwandte Gattungen sind die Mesosauriden (Mesosauridae) Brasileosaurus und Stereoternum. Der Holotyp von Mesosaurus wurde in einer südwestafrikanischen Eingeborenenhütte entdeckt, wo er als Kochtopfdeckel diente.

Mesosaurus und die Plattentektonik

Das kontinentübergreifende Verbreitungsgebiet von Mesosaurus (unten) und weitere Fossilbelege ermöglichen eine Rekonstruktion von Gondwana

Die Gattung Mesosaurus enthält zwei Arten: Mesosaurus brasiliensis aus Brasilien und Mesosaurus tenuidens aus Namibia, erstere wird jedoch von manchen Forschern nicht als eigenständige Art, sondern als jüngeres Synonym von M. tenuidens betrachtet. Die Fossilien der beiden Arten finden sich in den einander gegenüberliegenden Küstenregionen des östlichen Südamerika und Westafrikas, die heute durch tausende Kilometer des südlichen Atlantiks voneinander getrennt sind. Beide Kontinente waren einst Teil des Urkontinents Gondwana, der später auseinanderbrach. Die heutige Verteilung der Fossilien ist somit eine Folge der durch Vorgänge der Plattentektonik bewirkten Bewegungen der Lithosphärenplatten. Bereits Alfred Wegener war dieser Fossilbefund bekannt und er nutzte ihn, um damit die von ihm 1915 aufgestellte Theorie der Kontinentalverschiebung zu stützen.

Literatur

  • Martin Sander: Reptilien. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 1994
  • Michael J. Benton: Vertebrate Palaeontology. 3.Aufl., Blackwell Publishing, ISBN 0632056371

Weblinks


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