Maximilian zu Wied

Maximilian zu Wied
Maximilian zu Wied-Neuwied

Prinz Maximilian Alexander Philipp zu Wied-Neuwied (* 23. September 1782 in Neuwied; † 3. Februar 1867 in Neuwied; auch Maximilian zu Wied, Max zu Wied oder Maximilian von Wied zu Neuwied; selbstgewähltes Pseudonym bei den Expeditionen nach Brasilien und Nordamerika: Baron von Braunsberg) war ein deutscher Entdecker, Ethnologe, Zoologe und Naturforscher. Er trug nach dem Vorbild der Humboldts durch zwei mehrjährige Expeditionsreisen und ihre Auswertung in zahlreichen Publikationen Wesentliches zur Botanik, Zoologie und Ethnologie bei. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena verlieh ihm 1858 die Ehrendoktorwürde. Über 50 wissenschaftliche Gattungs- und Artenbezeichnungen tragen seinen Namen und erinnern an seine Forschungen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Lebenslauf

Maximilian zu Wied-Neuwied wurde als achtes von zehn Kindern des Erbgrafen Friedrich Carl zu Wied-Neuwied (1741-1809) und seiner Ehefrau Louise geb. Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1747-1823) im Schloss Neuwied geboren.

Christian Friedrich Hoffmann, ein Ingenieurleutnant, unterrichtete ihn vor allem in Naturkunde und Archäologie, verbrachte mit ihm viel Zeit in den umliegenden Wäldern, begleitete ihn bei der Jagd und leitete ihn an, Pflanzen zu sammeln.

Maximilian zu Wied-Neuwied diente ab 1802 in der preußischen Armee. Während der Napoleonischen Kriege nahm er unter anderem an der Schlacht bei Jena und Auerstedt teil. Am 28. Oktober 1806 geriet er bei Prenzlau in der Uckermark in französische Gefangenschaft, aus der er aber nach wenigen Tagen entlassen wurde.

Anschließend widmete er sich zu Hause dem Selbststudium der Geographie, Naturgeschichte und Völkerkunde. Außerdem führte er Briefwechsel mit Alexander von Humboldt und anderen Naturwissenschaftlern sowie mit gelehrten Gesellschaften und Institutionen. Er war im Wintersemester 1811/12 an der Georg-August-Universität Göttingen immatrikuliert, wohnte bei Dietrich in der Prinzenstraße und hörte Vorlesungen von Johann Friedrich Blumenbach. Weitere Universitätsstudien lassen sich nicht nachweisen.

1813 bis 1815 diente er während der Befreiungskriege in der preußischen Armee als Major beim Brandenburgischen Husaren-Regiment. 1814 wechselte er zur Kavallerie und nahm teil an den Kämpfen bei Chalons, Chateau Thierry, La Fère und St.-Martin und war im März 1814 beim siegreichen Einzug der Alliierten in Paris dabei. Er wurde für die Zeit der Expedition nach Brasilien beurlaubt und schied 1817 aus der Armee aus.

1815 bis 1817 führte er seine Expedition nach Brasilien durch und dokumentierte die Flora, Fauna und die indigene Bevölkerung. Die Ergebnisse dieser Expedition veröffentlichte er 1820/21 unter dem Titel Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817.

Von nun an widmete er sich ganz seinen naturkundlichen Studien. In den 1820er Jahren beschäftigte er sich in besonderer Weise mit Labrador, Nordamerika, Russisch-Asien und der Steppe Kirgisiens und entschied sich dann für eine weitere Expedition nach Nordamerika.

1832 bis 1834 führte er seine Expedition nach Nordamerika in Begleitung des Schweizer Malers Karl Bodmer und des fürstlichen Jägers und Präparators David Dreidoppel durch. Die Ergebnisse dieser Expedition veröffentlichte er zwischen 1837 und 1842 in seinem Werk „Reise in das innere Nord-Amerika 1832-1834“.

Seine bei den Expeditionen angelegte und durch Tausch oder Ankauf erweiterte Sammlung stellte er in der ehemaligen Fasanerie im Park der fürstlichen Residenz in Neuwied aus.

1842 nahm er Zeichenunterricht bei dem Düsseldorfer Maler Lorenz Clasen.

Am 3. Februar 1867 starb er an einer Lungenentzündung. Er wurde im Familiengrab der Fürsten zu Wied beigesetzt.

Vogelpräparat im Museum Wiesbaden, von Wied gesammelt

Die Expedition nach Brasilien 1815-1817

Die erste Expedition führte ihn 1815-17 nach Brasilien, wohin Alexander von Humboldt nicht reisen durfte. In Brasilien hatte Wied Gelegenheit, sechs Stämme von Indianern zu besuchen: Botokunden, Canacán, Coroados, Coropos, Pataxó und Puri.

Insbesondere interessierte sich Wied für die dortige Vogelwelt und legte eine entsprechende Sammlung an. Zurück in Deutschland beschrieb er zahlreiche Arten erstmalig für die Wissenschaft. Nicht nur von Goethe wurden seine eindrucksvollen Schilderungen der Natur Brasiliens wahrgenommen. Diese Sammlung gelangte dann zum größten Teil an das American Museum of Natural History und das Museum Wiesbaden.

Auf einem Teilstück der Brasilien-Expedition wurde er 1815-1817 von dem Pflanzenjäger Friedrich Sello und dem Vogelkundler Georg Wilhelm Freyreiss begleitet.

Das Werk „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834“

Das Werk beschreibt die Ergebnisse der völkerkundlichen Reise von Maximilian zu Wied-Neuwied, Karl Bodmer und David Dreidoppel in den Jahren 1832 bis 1834 nach Nordamerika. Das Ziel dieser Reise war die Erforschung der Flora und Fauna Nordamerikas und die Begegnung mit jenen Indianerstämmen, die seinerzeit westlich des Missouri lebten und zu den Forts am Ufer des Missouri kamen, um Pelzhandel mit der American Fur Company zu betreiben.

Die Beschreibung der Reise findet sich mit einigen während der Reise entstandenen Aquarellen von Karl Bodmer im Hauptartikel: Karl Bodmer: Die Reise nach Nordamerika.

Das Werk Reise in das innere Nord-Amerika 1832 bis 1834 wurde zu einer wichtigen Dokumentation der indianischen Bevölkerung der USA.

Reitender Indianer. Aquarell von Maximilian zu Wied-Neuwied 1833 oder 1834.

Karl Bodmer brachte von der Reise mehr als 400 Skizzen und Aquarelle von Indianern, Pflanzen, Tieren und Landschaften nach Deutschland zurück. Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied wählte unter den zahlreichen Aquarellen diejenigen aus, die er in sein Buch Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 aufnehmen wollte.

Er bat daraufhin Karl Bodmer, die Herstellung der Illustrationen gegen die Zahlung eines Monatslohnes von 100 Talern zu überwachen, von dem er die Hälfte des Geldes für Löhne und Spesen verwenden musste.

Karl Bodmer beaufsichtigte daraufhin 20 renommierte Kupferstecher in Paris, Zürich und London, die 63 Stahl- und 18 Kupferplatten herstellten, welche seine Aquarelle genau reproduzierten. Die Kupferstecher benutzten dabei Pantografen, um die Vorlagen und ihre Proportionen präzise zu vergrößern.

Von den 81 Platten erschienen 48 große als Bildtafeln (Tableau genannt) im Großformat und 33 kleinere als Vignetten. Nach dem Druck leitete er Künstler an, die die Bildtafeln und Vignetten gemäß seinen Angaben farbig kolorieren sollten. Er reiste deshalb ständig zwischen den Städten Paris, Zürich und London hin und her, um die exakte Ausführung der Drucke und ihrer farbigen Fassungen sicherzustellen. Am 10. November 1837 wurde die erste Lieferung der deutschen Ausgabe in fünf verschiedenen Ausführungen angeboten. Die Preise für jede der 20 Lieferungen lagen zwischen 3 Thalern, 5 Silbergroschen und 10 Thalern, je nach Art des Papiers und der Zahl der kolorierten Stiche. So ergaben sich Preise für das deutsche Gesamtwerk in Höhe von 60 - 200 Talern. Zum Vergleich: Ein gelernter Arbeiter verdiente seinerzeit in Koblenz im ganzen Jahr 200 Taler.

Zwischen 1837 und 1842 veröffentlichte Jakob Hölscher in Koblenz das deutschsprachige Buchprojekt Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 als zweibändiges Werk mit Bildatlas in Einzellieferungen. Wegen der 81 Bodmer-Illustrationen gilt es als Meilenstein in der Geschichte des Buchdrucks im 19. Jahrhundert.

Die Reisebeschreibungen umfassen insgesamt 1340 Textseiten, in die 52 kleine Holzschnitte eingefügt sind. Der Text von Maximilian zu Wied-Neuwied enthält in der Reihenfolge seiner Tagebuchaufzeichnungen nicht nur Reiseschilderungen und Berichte über die Indianervölker, sondern auch Aufzeichnungen über die Flora und Fauna Nordamerikas und eine Beschreibung der industrialisierten Oststaaten der USA. Der separate Bildatlas besteht aus 81 Illustrationen und einer Karte; er wurde in fünf verschiedenen Ausführungen angeboten, die unterschiedliche Papierqualitäten und entweder unkolorierte Schwarzweißbilder oder kolorierte Farbbilder enthielten.

Tagebucheintrag von Maximilian zu Wied-Neuwied vom 31. August 1832. Er zeichnet den Personenwagen der Pferdebahn, die zu dem Kohlebergwerk des Ortes Mauch Chunk in Pennsylvania, USA, hinaufführt, und die Weiche und Bremsvorrichtung (b).

Der gedruckte Text von Maximilian zu Wied-Neuwied umfasst rund 300 000 Wörter, während das Manuskript etwa 500 000 Wörter enthielt. Das Manuskript wurde also vor der Veröffentlichung stark gekürzt, beispielsweise um die Beschreibung von Trinkgelagen, um die Darstellung sexueller Gewohnheiten der besuchten Indianerstämme und um einige wenig schmeichelhafte Bemerkungen über die weißen Händler am Missouri. Zum Einstieg beim Lesen des Textes (etwa des Reprints vom Verlag L. Borowsky, München 1979) eignet sich Kapitel 21 im 2. Band; dort beschreibt Maximilian zu Wied-Neuwied die ursprüngliche Flusslandschaft des Missouri und seine Tierwelt im Jahr 1833. Diese Flussfahrt in unberührter Natur muss ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein. Laut Hermann Josef Roth[1] hat Karl May die Reiseberichte von Maximilian zu Wied-Neuwied gelesen und möglicherweise dessen Erlebnisse für die Romanfigur Old Shatterhand genutzt.

Die Subskribentenliste führt 215 Personen und Institutionen auf, die insgesamt 277 Exemplare bestellten, davon waren 160 Exemplare in der einfachsten Ausführung ohne Kolorierung. Es zeigte sich, dass weitere Käufer des Werkes nur sehr schwer zu gewinnen waren. Dabei kam es zu Spannungen zwischen Karl Bodmer und dem Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, da Bodmer vertraglich zugesagt hatte, die Verantwortung für den Verkauf in Frankreich und England zu übernehmen. Die französische Erstausgabe erschien 1840-1843, und die englische Erstausgabe folgte 1843-1844. Die wirtschaftliche Depression des Jahres 1846 und die Revolution von 1848 dämpften überall die Nachfrage, und ein finanzielles Debakel zeichnete sich ab. 1847 verzichtete Karl Bodmer auf alle seine Rechte an den Originalplatten und übertrug die Verantwortung für die Vermarktung auf Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied und seine Familie. Hans Peter Treichler berichtet (a.a.O. Seite 195), dass Karl Bodmer seinerzeit eine geradezu verheerende Bilanz zog: Er, Bodmer, habe zehn der besten Jahre seines Lebens dem Bildatlas geopfert. Auch wenn er die beiden Amerikajahre ausnehme, habe dieser Einsatz seiner Künstlerlaufbahn nachhaltig geschadet, das Versäumte lasse sich auch mit einem Höchstmaß an Einsatz und Willenskraft nicht wieder einbringen.

Er übergab die Platten aber erst 1856 der preußischen Botschaft in Paris zur Weitergabe, wo sie wegen des Deutsch-Französischen Krieges bis zum Jahr 1873 lagerten. Bodmers Werke und Druckplatten, die er Maximilian zu Wied-Neuwied überlassen musste, wurden im Schloss Neuwied aufbewahrt und gerieten in Vergessenheit. Dr. Stanley Pargellis von der Newberry Library und der deutsche Wissenschaftler Dr. Joseph Röder sorgten für ihre Wiederentdeckung. Durch eine Wanderausstellung kamen 118 Aquarelle 1953 – 1955 nach Amerika und machten die Aquarelle dort bekannt.

Im Jahr 1959 erwarb die Kunsthandlung M. Knoedler & Company aus New York die im Schloss Neuwied aufbewahrten gesamten Archivmaterialien sowie Karl Bodmers Kunstwerke und Druckplatten und stellte sie im Joslyn Art Museum in Omaha (Nebraska) aus. Im Jahr darauf kaufte die Northern Gas Company mit Sitz in Omaha die Sammlung für die Stiftung Inner North an und übergab sie dem Joslyn Art Museum zunächst als Leihgabe und 1986 als Geschenk.

Engagé mit einem indianischen Hundeschlitten bei Fort Clark. Aquarell von Maximilian zu Wied-Neuwied 1833.

In dem Museumsbestand befinden sich seitdem 386 Zeichnungen und Aquarelle von Karl Bodmer, die Tagebücher und die Reisekorrespondenz von Maximilian zu Wied-Neuwied sowie weitere Dokumente wie Zeitungsausschnitte, Rechnungen, Einladungen und Landkarten. Die Tagebücher von Maximilian zu Wied-Neuwied werden ab 2008 in drei Bänden in englischer Übersetzung mit den Zeichnungen und Aquarelle von Maximilian zu Wied-Neuwied publiziert. Der erste Band mit den Tagebüchern von Mai 1832 bis April 1833 ist 2008 erschienen.

1989 gab das Joslyn Art Museum eine handkolorierte und auf 125 Exemplare limitierte Neuausgabe vom Bildatlas der Reise in das innere Nord-Amerika 1832-1834 heraus, die mit den Original-Druckplatten hergestellt wurde.

In verschiedenen Buchveröffentlichungen hat das Museum gemeinsam mit der University of Nebraska Press Zeichnungen und Aquarelle aus dem Museumsbestand publiziert. 1984 erschien das Buch Karl Bodmer's America mit 359 Reproduktionen von Zeichnungen und Aquarellen, die Karl Bodmer während der Amerikareise angefertigt hatte.

Nach dem Urteil von Hans Peter Treichler (a.a.O. Seite 157) sind die Originalaquarelle in ihrer Spontaneität, aber auch in ihrer Farbgebung und Linienführung den späteren gestochenen Illustrationen künstlerisch überlegen.

Karl Bodmers Illustrationen von Nordamerika gibt es in unterschiedlichen Farbgebungen, da sie von Hand koloriert wurden. Sie befinden sich heute nicht nur in den genannten Museen, sondern auch in The Whitney Gallery of Western Art im Buffalo Bill Historical Center in der Stadt Cody (Wyoming, USA) und in einigen anderen vorwiegend amerikanischen Museen. Über den Kunsthandel werden viele Werke von ihm angeboten.

Das Werk „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834“ befindet sich in folgenden europäischen Bibliotheken und Museen:

Titelblatt des 1. Bandes von: Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834.

Belgien

  • Brüssel: Bibliothèque royale de la Belgique (Französische Edition)

Deutschland

  • Berlin: Ethnologisches Museum (Gebundene deutsche Edition ohne Kolorierung)
  • Berlin: Staatsbibliothek (Gebundene deutsche Edition ohne Kolorierung)
  • Leipzig: Private Kollektion (Tableau 23)
  • München: Bayerische Staatsbibliothek (Gebundene deutsche Edition ohne Kolorierung),
  • München: Staatliches Museum für Völkerkunde (Handkolorierte Tableaus der deutschen Edition, ungebunden)
  • Offenbach: Deutschen Ledermuseum (Verschiedene Tableaus)
  • Stuttgart: Lindenmuseum (zahlreiche Tableaus und Vignetten)

Weitere Bibliotheken besitzen die deutsche Edition.

England

  • Cambridge: University Library (Gebundene deutsche Edition ohne Kolorierung)
  • London: British Library (Gebundene deutsche Edition ohne Kolorierung, gebundene handkolorierte französische Edition, zahlreiche Tableaus und Vignetten aus dem Werk Nord-Amerika in Bildern ohne Kolorierung)
  • London: Museum of Mankind (Gebundene handkolorierte englische Edition ohne die Tableaus 1 und 5 und Vignetten XIX und XXIX.
  • London: Natural History Museum (Gebundene deutsche Edition mit und ohne Handkolorierung)
  • Oxford: Bodleian Library of the University (Gebundene französische Edition ohne Kolorierung)

Frankreich

  • Paris: Bibliothèque nationale de France (Gebundene deutsche Edition, zwei gebundene französische Editionen)

Österreich

  • Wien: Albertina (Gebundene deutsche Edition)

Schweiz

  • Zürich: Nordamerika Native Museum NONAM (zahlreiche Tableaus und Vignetten, zum Teil handkoloriert)

Die wissenschaftlichen Sammlungen

Die ethnologischen Objekte befinden sich zum großen Teil im Linden-Museum in Stuttgart und in dem Ethnologischen Museum in Berlin. Einzelobjekte sind im Deutschen Ledermuseum in Offenbach, im Canadian Museum of Civilization am Ottawa-Fluss in Gatineau, Québec und andernorts.

Die zoologischen Objekte werden zum großen Teil im National Museum of American History der Smithsonian Institution aufbewahrt. Einzelobjekte sind im American Museum of Natural History in New York, Museum für Naturkunde in Berlin, in der Naturhistorischen Abteilung des Museum Wiesbaden und andernorts.

Die Herbarmaterialien befinden sich zum großen Teil im Fürstlich-wiedischen Archiv im Schloss Neuwied in Neuwied, im Botanischen Museum Berlin-Dahlem und in Brüssel.

Die Autographen, Briefe und Notizen liegen zum großen Teil im Fürstlich-wiedischen Archiv im Schloss Neuwied in Neuwied, im Institute of Western Studies im Joslyn Art Museum in Omaha, in der Stuttgarter Brasilien-Bibliothek der Robert Bosch GmbH und in der Sammlung von Dr. Hermann J. Roth in Bonn.

Die Fossilien lagern im Goldfuß-Museum für Paläontologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Ausstellung aus Anlass des 200. Geburtstages von Karl Bodmer

Karl Bodmer wurde am 11. Februar 1809 in Zürich geboren. Die Stadt Zürich ehrt ihn vom 8. Februar bis 9. August 2009 mit einer Sonderausstellung in dem NONAM, Nordamerika Native Museum - Indianer und Inuit Kulturen, Seefeldstr. 317. Die Ausstellung mit der Bezeichnung «Karl Bodmer – ein Schweizer Künstler in Amerika» zeigt sämtliche Drucke (zum Teil in verschiedenen Versionen) aus dem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834. Hinzu kommen wertvolle Exponate von dieser Amerikareise aus der Sammlung des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, die das Linden-Museum in Stuttgart und das Ethnologische Museum in Berlin als Leihgaben zur Verfügung stellen. Damit dürfte dies die umfassendste Ausstellung zu Karl Bodmer sein, die je in Europa gezeigt wurde. Sie wird durch einen Katalog ergänzt, der die ausgestellten Bilder und Objekte behandelt und darüberhinausgehende grundlegende Beiträge enthält. Der Kurator der Ausstellung ist der Amerikanist und Bodmer-Spezialist Professor Hartwig Isernhagen aus Basel.

Ehrungen

1820 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena verlieh ihm 1858 die Ehrendoktorwürde.

Über 50 wissenschaftliche Gattungs- und Artenbezeichnungen tragen seinen Namen und erinnern an seine Forschungen, beispielsweise: Rotwangen-Schmuckschildkröte, Bergmeerschweinchen, Nacktschnabelhäher und Weißflügel-Pompadourkotinga.

Werke

Expedition nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817

Deutsche Erstausgaben

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817, Frankfurt 1820 - 1821
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens. Weimar 1822-1831. (Im Bestand der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden mit der Signatur Rara 04 C 359)
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Beiträge zur Naturgeschichte Brasiliens, 1824-1833, 4 Bände in 5 Teilen (Beiträge zur Naturalgeschichte von Brasilien. Weimar 1825-33). Digitalisierte Fassung von Band 3 (1830) und Band 4 (1832).
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Brasilien, Nachträge, Berichtigungen, Zusätze. Brönner, Frankfurt am Main 1850. Mikrofiche-Ausgabe: Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 1994 - 1998 (Gesamttitel: Fürstliche Bibliothek Corvey - Microedition der Sachliteratur).

Englische Erstausgabe

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Travels in Brazil in the years 1815, 1816, 1817. Henry Colburn & Co, London 1820.

Französische Erstausgabe

  • Maximilian de Wied: Voyage au Brésil dans les années 1815, 1816 et 1817. Arthus Bertrand, Paris 1821-1822. 3 Bände und Tafelband.

Deutsches Reprint

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817. Bearb. und hrsg. von Wolfgang Joost. F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1987. ISBN 3-325-00093-2
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817. Herausgegeben v. Hermann Josef Roth. Reprint der zweibändigen Ausgabe aus den Jahren 1820/21. Gardez! Verlag, Remscheid 2001. Band 1: ISBN 3-89796-027-3 - Band 2: ISBN 3-89796-028-1 - Gesamtwerk: ISBN 3-89796-026-5
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817. Reprint in zwei Bänden, 2001. Gardez. ISBN 3-89796-026-5

Spätere Veröffentlichungen

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Unveröffentlichte Bilder und Handschriften zur Völkerkunde Brasiliens. Hrsg. Josef Röder und Hermann Trimborn. Dümmler, Bonn 1954.
  • Brasilien-Bibliothek der Robert-Bosch-GmbH: Katalog. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart
    • 1: Abgeschlossen zum Jahresende 1983. Bearb. von Susanne Koppel. ISBN 3-421-02840-0
    • 2: Nachlaß des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied:
      • Teil 1: Illustrationen zur Reise 1815 bis 1817 in Brasilien. Bearb. von Renate Löschner. ISBN 3-421-02938-5
      • Teil 2: Briefwechsel und Zeichnungen zu den naturhistorischen Werken. Bearb. von Birgit Kirschstein-Gamber. ISBN 3-421-03005-7

Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834

Diese von Karl Bodmer erstellte wissenschaftliche Illustration wurde 1865 veröffentlicht und zeigt die nordamerikanische Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans), die von Maximilian zu Wied-Neuwied beschrieben wurde.

Deutsche Erstausgaben

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834, 2 Textbände und 1 Bildband mit Illustrationen von Karl Bodmer, J. Hölscher, Koblenz 1839-41.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Verzeichnis der auf meiner Reise in Nord-Amerika beobachteten Säugethiere. Nicolai Verlag, Berlin, 1862. Mit 4 Lith. von C.F. Schmidt.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Verzeichnis der Reptilien welche auf einer Reise im nördlichen America beobachtet wurden. Nova Acta Academiae Caesareae Leopoldinae Nat. Cur. 32, I, 8, E.Blochmann&Sohn, Dresden 1865 (Mit 7 handkolorierten Illustrationen von Karl Bodmer von Schildkröten und zwei Salamandern. Auch separat veröffentlicht: Frommann, Jena.)

Französische Erstausgabe

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Voyage dans l’interieur de L’Amérique du Nord exécuté pendant les années 1832, 1833 et 1834. Arthus Bertrand 1840 – 1843.

Englische Erstausgabe

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Maximilian Prince of Wied’s Travels in the Interior of North America, during the years 1832 – 1834. Achermann & Comp., London 1843-1844 (Übersetzung von H. Evans Lloyd). Auszüge daraus erschienen 1906 als fotomechanisches Faksimile mit Halbtonbildern in Early Western Travels, 1748-1848 (vol. 22-25) von Reuben Gold Thwaites, Arthur H. Clark Compagny, Cleveland - Ohio.

Deutsche Reprints

  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-Amerika 1832-1834. Reprint mit zwei Textbänden, Vignettenband und Tafelmappe. Verlag L. Borowsky, München 1979 (vollständige Ausgabe, antiquarisch erhältlich).
  • Walter Hansen: Die Reise des Prinzen Wied zu den Indianern. Verlag W. Ludwig, Pfaffenhofen-Ilm 1977 (gekürzt zu einer fortlaufenden und gut lesbaren Textfassung mit Schwarzweißphotographien).
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-Amerika 1832-1834. Reprint der Tableaus und Vignetten in guter Farbdruckqualität mit sehr stark gekürztem Text, preiswert. Taschen Verlag Köln 2001.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Verzeichnis der Reptilien welche auf einer Reise im nördlichen America beobachtet wurden. Bibliomania!, Salt Lake City ca. 2006. ISBN 1-932871-04-7 (gebunden), ISBN 1-932871-03-9 (ungebunden).

Englische Reprints

  • Reuben Gold Thwaites Early Western Travels, 1748-1846. AMS Press, New York 1966.

Amerikanische Erstausgaben der Skizzen und Aquarelle von Karl Bodmer

  • John C. Ewers: Views of vanishing frontier. Joslyn Art Museum, Omaha. Neb. 1985, ISBN 0-936364-12-2 (Ausstellungskatalog)
  • Marsha V. Gallagher: Karl Bodmer's eastern views. Joslyn Art Museum, Neb. 1996, ISBN 0-936364-26-2 (Ausstellungskatalog)
  • David C. Hunt, u.a. (Hrsg.): Karl Bodmer's America. Joslyn Art Museum, Omaha (Nebraska) 1984, ISBN 0-8032-1185-6 (Mit einer Biographie von William J. Orr: Karl Bodmer. The Artist's Life. und der Erstveröffentlichung von Bodmers amerikanischen Skizzen und Aquarelle in bester Qualität)
  • Brandon K. Ruud (Hrsg.): Karl Bodmer's North American Prints. Joslyn Art Museum, Omaha, Neb. 2004, ISBN 0-8032-1326-3

Reisetagebücher von Maximilian zu Wied-Neuwied

Die Berliner und Stuttgarter Nordamerikasammlung von Maximilian zu Wied-Neuwied

  • Nordamerika Native Museum Zürich: Karl Bodmer. A Swiss Artist in America 1809-1893. Ein Schweizer Künstler in Amerika. Scheidegger & Spiess, Zürich 2009. ISBN 978-3-85881-236-0 (Text: deutsch und englisch. Mit einer Bibliografie und mit Abbildungen aller Tableaus und Vignetten aus dem NONAM, Nordamerika Native Museum - Indianer und Inuit Kulturen in Zürich.).

Siehe auch

Literatur

Biografien

Maximilian zu Wied-Neuwied
  • Hans Läng: Prärie- und Plainsindianer. Die Reise in das innere Nord-America von Maximilian Prinz zu Wied und Karl Bodmer. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1993. ISBN 3-87439-289-9
  • Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz und Hermann Josef Roth (Hrsg.): Maximilian Prinz zu Wied. Jäger, Reisender, Naturforscher. GNOR, Nassau/Lahn 1994. ISSN 0938-7684.
  • Hermann Josef Roth: Maximilian Prinz zu Wied - Leben und Wirken. Biographische Streiflichter. In: Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 17, Seite 13-26, Landau 1995.
  • Hermann Josef Roth (Hrsg.): Prinz Maximilian zu Wied. Jäger, Forscher, Reisender. Westerwald und Amerika. Leben und Werk. Verlag der Museen des Westerwaldkreises, Montabaur 1995 ISBN 3-930081-04-0
  • Philipp Wirtgen: Zum Andenken an Prinz Maximilian zu Wied. Sein Leben und wissenschaftliche Thätigkeit. Heuser, Neuwied 1867

Bibliografie

  • Claus Nissen: Die zoologische Buchillustration. Ihre Bibliographie und Geschichte. Band I: Bibliographie. Anton Hiersemann Verlag Stuttgart 1969. Seite 432.
  • Hermann Josef Roth: Vorarbeiten zu einer Bibliographie zu Maximilian Prinz zu Wied. In: Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 17, Seite 325-344, Landau 1995.

Sekundärliteratur

  • Siegfried Schmidt: Die Büchersammlung des Prinzen Maximilian zu Wied. Entstehung, Bestandsaufnahme und Schicksal einer naturwissenschaftlichen Privatbibliothek des 19. Jahrhunderts. Bouvier, Bonn 1985 ISBN 3-416-01890-7
  • Susan Delano McKelvey: Botanical Exploration of the Trans-Mississippi West 1790-1850. Jamaica Plain 1955.
  • Friedrich Ratzel: Neuwied, Max Prinz von Wied zu. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 559–564.

Einzelnachweise

  1. Andreas Fasel (2006): Der Prinz, der Old Shatterhand war. - Welt am Sonntag 13: NRW 3.

Weblinks


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