Max Newman


Max Newman

Maxwell Herman Alexander Newman (* 7. Februar 1897 in London; † 22. Februar 1984 in Comberton nahe Cambridge) war ein britischer Mathematiker und Kryptoanalytiker. Während des Zweiten Weltkrieges trug er in Bletchley Park wesentlich zur Entzifferung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs bei.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Max Neumann wurde als Sohn seines deutschen Vaters Hermann Alexander Neumann im Londoner Stadtteil Chelsea geboren. Die Familie seines Vaters stammte aus der damals deutschen Stadt Bromberg, die heute in Polen liegt. Hermann Neumann war mit seiner Familie im Alter von 15 Jahren von Deutschland nach England ausgewandert und arbeitete dort später als Sekretär in einer Firma. Im Jahr 1896 heiratete Hermann Neumann die englische Grundschullehrerin Sarah Ann Pike, die aus einer britischen Bauernfamilie stammte. Ein Jahr später brachte sie Max zur Welt.

Die Familie Neumann zog im Jahr 1903 in den Londoner Stadtteil Dulwich und der kleine Max besuchte zunächst die Schule in der Goodrich Road und ab 1908 die direkt in der City of London an der Themse gelegene City of London School. Im Jahr 1915 erhielt Max Neumann ein Stipendium für Mathematik am St John’s College in Cambridge.

Durch den Ersten Weltkrieg litt sein Studium und vor allem auch seine Familie. Schon zu Kriegsbeginn, im Jahre 1914, war sein Vater als „feindlicher Ausländer“ in ein Internierungslager gesperrt worden. Nach seiner Freilassung verließ er das Land und kehrte nach Deutschland zurück. Max und seine Mutter blieben in England und änderten im Jahre 1916 ihren Familiennamen in die anglifizierte Form Newman.

Im Februar 1918 sollte Max zum britischen Wehrdienst einberufen werden, aber, mit Hinweis auf sein Gewissen und seine deutschen Wurzeln, verweigerte er dies und es gelang ihm, die Teilnahme an Kampfhandlungen zu vermeiden. Im Oktober 1919 nahm er sein durch den Weltkrieg unterbrochenes Studium in Cambridge wieder auf und schloss es im Jahr 1921 ab. Am 5. November 1923 erhielt er den Status eines Fellow des St John’s College. Er arbeitete als Mathematiker auf den Gebieten der Topologie und der Logik.

Ab 1927 hielt Newman Vorlesungen in Mathematik in Cambridge. Einer seiner Studenten war im Jahr 1935 Alan Turing, der, durch Newman inspiriert, nur ein Jahr später die Grundlagen für die modernen Computer legte (siehe auch: Turingmaschine). Im Dezember 1934 heiratete Newman die englische Schriftstellerin Lyn Lloyd Irvine, die ihm zwei Söhne schenkte, Edward (* 1935) und William (* 1939).

Am 3. September 1939, zwei Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, erklärte Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg. Da Newman, und damit auch seine Kinder, jüdischer Abstammung waren und diese wegen der drohenden Invasion Englands und aufgrund der nationalsozialistischen Rassenideologie in großer Gefahr schwebten, wurden seine Kinder zusammen mit ihrer Mutter vorsichtshalber in die Vereinigten Staaten evakuiert. Max Newman selbst blieb in Cambridge und setzte zunächst seine üblichen Lehr- und Forschungsaufgaben fort. Im Frühjahr 1942 jedoch bewarb er sich darum, kriegswichtige Aufgaben übernehmen zu dürfen. Er fürchtete, aufgrund seiner deutschen Abstammung nicht für geheime Regierungsprojekte in Frage zu kommen. Seinen Befürchtungen zum Trotz, fiel seine Bewerbung auf fruchtbaren Boden, und ab dem 31. August 1942 arbeitete er als Kryptoanalytiker im etwa 70 km nordwestlich von London gelegenen Bletchley Park an der Entzifferung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs.

Er wurde dort einer Forschungsabteilung zugeteilt, die sich unter der Leitung von Major Ralph Tester speziell mit der Entzifferung der deutschen Fernschreibverbindungen befasste, die mit dem Lorenz-Schlüsselzusatz SZ42 verschlüsselt waren. Diesem Verfahren gaben die britischen Codeknacker den DecknamenTunny“ (deutsch: „Thunfisch“). Die Abteilung war, wie in Bletchley Park üblich, nach ihrem Leiter benannt und wurde als „Testery“ bezeichnet. Newman zeigte sich nach kurzer Zeit mit den dort praktizierten mühsamen manuellen Methoden zur Entzifferung wenig zufrieden und sah dort sein Talent vergeudet. Er konnte seine Vorgesetzten schon im Dezember 1942 davon überzeugen, dass der deutsche Schlüsselzusatz effizienter mit geeigneten maschinellen Verfahren entziffert werden konnte, deren Entwicklung und Bau er vorschlug.

Die Konstruktion startete bereits im Januar 1943 und der erste Prototyp der neuen Entzifferungsmaschine stand im Juni desselben Jahres zur Verfügung. Er wurde in Newmans eigener neuer Abteilung aufgestellt, die nach seinem Namen als „Newmanry“ bezeichnet wurde und zunächst in Hut 11 (deutsch: Baracke 11) untergebracht war. Zu seinem Team gehörte sein Kollege Donald Michie, zwei Ingenieure und 16 weibliche Hilfskräfte, die in Bletchley Park als „Wrens“ bezeichnet wurden. Die Wrens gaben der Maschine den Spitznamen „Heath Robinson“ nach dem englischen Cartoon-Zeichner und Illustrator William Heath Robinson (1872–1942), der unter anderem auch besonders trickreiche und absurde mechanische Maschinen zeichnete.

Durch einen weiteren Mitarbeiter, Tommy Flowers, wurden später auch die Colossus-Maschinen unter der Leitung von Max Newman in der Newmanry entwickelt, die ebenfalls sehr erfolgreich gegen den deutschen Schlüsselzusatz eingesetzt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1945, erhielt Newman den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Manchester, den er bis 1964 innehatte und zu internationaler Anerkennung führte. Danach zog er sich nach Comberton zurück, einer kleinen Ortschaft nahe Cambridge mit etwa 2000 Einwohnern in der englischen Grafschaft Cambridgeshire. Nach dem Tod seiner Frau Lyn im Jahr 1973 heiratete er Margaret Penrose, die Witwe von Lionel Penrose. Max Newman lebte in Comberton bis zu seinem Tod im Jahr 1984.

Ehrungen

1939 wurde Newman als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society aufgenommen, die ihm 1958 die Sylvester-Medaille verlieh.[1] 1962 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Stockholm (Geometrical Topology).

Siehe auch

Literatur

Belege

  1. Eintrag im Archiv der Royal Society.

Weblinks


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