Mars-Chroniken

Mars-Chroniken

Die Mars-Chroniken (im englischen Original: The Martian Chronicles) ist ein Buch des US-amerikanischen Schriftstellers Ray Bradbury. Es erschien 1950 im Verlag Doubleday. Das Buch ist eine in Romanform gebrachte Zusammenstellung von Kurzgeschichten, von denen einige bereits in den 1940er Jahren in diversen SF-Magazinen erschienen sind. 1981 veröffentlichte der Diogenes Verlag das Buch in der deutschen Übersetzung von Thomas Schlück. Die deutsche Erstausgabe erschien bereits 1972 im Marion von Schröder Verlag. Die Mars-Chroniken sind ein Klassiker des Science Fiction.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Die Mars-Chroniken beschreiben eine fiktive Kolonisierung des Planeten Mars in den Jahren 1999 bis 2026. Drei Phasen können unterschieden werden: Erst kommen die Raumfahrer zu Erkundungsmissionen. Dann versuchen die ersten Pioniere Fuß zu fassen, bis der Mars soweit hergerichtet ist, dass später Außenseiter auf den Mars auswandern und Senioren dort ihren Lebensabend verbringen wollen. Schließlich veranlassen Kriegswirren auf der Erde die Marsbewohner den Planeten zu verlassen, bis später die letzten Überlebenden eines Atomkriegs auf dem Mars Zuflucht suchen. Die Kolonisierung des Mars wird mit starken Parallelen zur Eroberung von Amerika nach der Entdeckung durch Kolumbus erzählt.

Januar 1999 bis April 2000: Verschiedene Raumfahrtmissionen machen sich auf den Weg zum Mars. Ihre Besatzungen verschwinden spurlos. Sie treffen auf Marsianer, die sich der Erdlinge auf teils kuriose Weise entledigen.

Der Marsianer Yll erschießt aus Eifersucht zwei Raumfahrer der ersten Mission: Seine Frau Ylla hatte mit ihren telepathischen Fähigkeiten die Mission herankommen sehen und Yll erzählt, wie der Missionskommandant sie küsste.

Die vier Männer der zweiten Mission kommen in die Irrenanstalt als sie erzählen, dass sie von der Erde kommen. In der Irrenanstalt treffen sie auf all die wirren Marsianer, die angeblich von Erde, Jupiter und Saturn kommen. Dort erleben sie, wie Marsianer ihre Körperform und andere Gegenstände durch manifestierte Halluzinationen verändern können. Dies wird auch von den vier Menschen vermutet. In der Auseinandersetzung mit dem Anstaltspsychiater findet dieser nur einen Weg Halluzination von Realität zu trennen: Er erschießt die vier Menschen vor ihrem Raumschiff. Als Raumschiff und ermordete Menschen nicht als Halluzination verschwinden, glaubt dieser, sich angesteckt zu haben und erschießt sich selbst.

Die dritte Marsmission wird von den Marsianern aktiv bekämpft. Die 16 Männer landen in einem Gelände, das einer amerikanischen Kleinstadt aus dem Jahr 1926 entspricht. Zunächst müssen sie sich zurechtfinden und klären, ob sie irrtümlich wieder auf der Erde gelandet sind, ob sie eine Zeitreise gemacht haben, oder ob es schon früher heimliche Marsmissionen gab, deren Besatzung sich hier eine zweite Erde geschaffen hat. Noch bevor sie weitere Schlüsse ziehen können, trifft jeder der Besatzungsmitglieder in der Kleinstadt einen längst verstorbenen Verwandten oder Bekannten wieder, der ihn einlädt und bei dem er übernachtet. Die Kleinstadt ist jedoch eine Halluzination, geschaffen von den Marsianern aus den Erinnerungen und Wünschen der Erdlinge. Kein Mensch überlebt die Übernachtung.

Juni 2001: Die 20 Mann der vierten Expedition finden eine zusammengebrochene Mars-Zivilisation vor. Die Städte sind verlassen, in einigen liegen Tausende tote Marsianer. Der mitreisende Arzt macht die Todesursache aus: Windpocken. Eine der vergangenen drei Expeditionen muss diese Kinderkrankheit eingeschleppt haben. Dem Archäologen Jeff Spender missfällt das Benehmen seiner Kollegen: Die Mars-Zivilisation muss sehr friedfertig gewesen sein, und seine Kollegen benehmen sich wie Barbaren. Er befürchtet, dass die Menschen zwar auf dem Planeten Mars ein neues Leben beginnen wollen, trotzdem aber alle Probleme mitbringen, bis hin zu Gewalt und Krieg. Spender vertieft sich in die Hinterlassenschaften der Marsianer: ihre Kunst, Musik, Literatur. Er will die Ankunft der Menschen verzögern. Es kommt zur Konfrontation mit der Besatzung. Spender erschießt einige Besatzungsmitglieder, darunter Cheroke, ein Mann indianischer Abstammung. Von ihm erhoffte er vergeblich Verständnis für seine Befürchtungen: dass die Menschen sich anschicken den Mars zu erobern wie bei der Kolonialisierung Amerikas. Kommandant Wilder erschießt schließlich Spender.

August 2001 bis Februar 2002: Die ersten Siedler rücken auf dem Mars vor. Sie verwandeln den Marsboden in grüne Wiesen und Wälder – Setzlinge und Samen hatten sie dazu vor der Erde mitgebracht. Die ersten Bergarbeiterstädte entstehen. Die Menschen richten es sich häuslich ein: 90.000 Einwohner haben die Mars-Kolonien.

August 2002: Der Mensch Tomas Gomez und der Marsianer Muhe Ca treffen sich mit ihren Fahrzeugen auf einsamer Strecke. Sie können sich zwar auf Englisch verständigen, doch sie verstehen sich nicht: Bei der Begrüßung mit Handschlag, greifen ihre Hände wie durch Nebel durch den Anderen hindurch. Jeder der beiden sieht die eigene Zivilisation noch am Leben und die des Anderen zerstört oder nicht vorhanden. Es ist ein Treffen zweier Zivilisationsangehöriger aus unterschiedlichen Zeiten. Sie möchten einander näher kennenlernen, doch sie wissen, dass dies jenseits ihrer Erfahrungsmöglichkeiten ist.

Oktober 2002 bis Juni 2003: Nach den Siedlern kommen alle möglichen anderen Menschen, überwiegend US-Amerikaner, zum Mars, während auf der Erde Kriege drohen oder ausbrechen. Die Amerikaner kopieren ihre Heimat: Manche Stadt auf dem Mars sieht aus, als läge sie in Iowa. Dann kommen die auf der Erde Ausgegrenzten und Erniedrigten zum Mars: Die Schwarzen wandern aus den USA aus. Zurück bleiben Weiße, die nun die Dienste und Handlangerarbeiten der vormals Erniedrigten selbst machen müssen.

2004-2005: Der Mars wird zum Reiseziel für Wohlbetuchte. Gesetz und Bürokratie halten Einzug.

William Stendahl ist ein Fan der fantastischen Literatur, die auf der Erde seit 1975 verboten ist. Er lässt sich auf dem Mars ein Spukschloss bauen, in dem fantastische Träume ausgelebt werden können. Doch er wartet nur auf die Behördenvertreter, die das Schloss wieder einreißen werden. Während eines Maskenballs kommen alle Gegner der Meinungsfreiheit, Zensoren und Bücherverbrenner sowie der Behördenvertreter um. Das Schloss fällt daraufhin zusammen. Das Bücherverbrennen ist ein Verweis auf Ray Bradbruys Roman Fahrenheit 451.

Der Mars ist nun so lebensfreundlich, dass auch alte Menschen übersiedeln. Das alte Ehepaar LaFarge verbringt den Lebensabend auf dem Mars und meint in einem Marsianer ihren auf der Erde gestorbenen Sohn Tom wieder zu erkennen. Der Marsianer nimmt diejenige Gestalt an, die die Menschen in ihm zu sehen wünschen. Als das Ehepaar mit Tom in die Stadt geht, nimmt das Drama seinen Lauf: Jeder sieht in dem Marsianer einen Anderen, jeder möchte ihn für sich behalten. Am Ende stirbt der Marsianer abgekämpft.

Die Menschen auf dem Mars hören Gerüchte eines sich ankündigenden Atomkriegs auf der Erde. Manche machen sich bereit, in ihre Heimat zurückzukehren, um den Zurückgebliebenen zu helfen. Sam Parkhill von der Crew der vierten Marsmission betreibt die erste Frittenbude auf dem Mars. Er macht Bekanntschaft mit Marsianern, die ihm die Landrechte des halben Mars vermachen. Er fühlt sich wie ein Krösus, erkennt aber, dass ihm das Land nichts bringt: Mit Anderen beobachtet er eine brennende Erde am Firmament. Der Atomkrieg ist ausgebrochen. Die Länder der Erde rufen um Hilfe, die Marskolonisten folgen. Der Mars entvölkert sich. Nur eine Handvoll Menschen, die von der Rückreisewelle nichts mitbekommen haben, bleiben zurück.

2026: Mr. Hathaway, der Arzt der vierten Marsmission, vollführt täglich das Ritual, mit Frau und drei Kindern in den Himmel zu starren, ob nicht ein Raumschiff von der Erde kommt. Die Rückreisewelle hat er verpasst. Doch zunächst kommt Captain Wilder von einer 20-jährigen Jupitermission zurück – auch er ohne Nachricht von der Erde. Wilder ist irritiert, da im Gegensatz zu Hathaway Frau und Kinder nicht gealtert sind. Hathaway stirbt an Herzversagen und Wilder bekommt bestätigt, dass die anderen vier Familienmitglieder Androiden sind. Hathaway hatte sich diese gebaut, nachdem seine Angehörigen im Jahr 2007 an einem Virus gestorben sind. Wilder lässt die Androiden auf dem Mars zurück, die seitdem ihr Ritual unablässig fortführen.

Die Zivilisation der Erde ist durch einen Atomkrieg erloschen. Doch einige wenige Familien konnten sich mit ihren Raumfähren auf den Mars retten. William Thomas hat die Flucht auf den Mars als Familienausflug getarnt. Auf dem roten Planeten erklärt er sich der Familie: Sie werden nie zur Erde zurückkehren. Die Raumfähre zerstört er. Nun hoffen sie, dass auch die anderen Familien eintreffen. Als die Kinder vom Vater die versprochenen Marsianer gezeigt haben wollen, deutet dieser auf die Spiegelbilder ihrer Köpfe im Wasser. Die Erde ist nicht mehr bewohnbar. Die Menschen auf dem Mars sind nun Marsianer.

Intention

Die Mars-Chroniken machen auf Gefahren aufmerksam, die beim Zusammentreffen verschiedener Kulturen auftreten können und aufgetreten sind. Bradbury zeigt dies in seinem Buch anhand eines Extremfalles, der Konfrontation einer außerirdischen Spezies mit der menschlichen. Das Werk kann als Dystopie angesehen werden.

Jenseits der gegenständlichen Ebene weist das Werk zahlreiche allegorische und symbolische Bezüge auf und stellt letztlich die Abgründe des menschlichen Verhaltens, die Aussichtslosigkeit des Sehnens und Wollens der "Erdenbürger" in teilweise skurrilen, teilweise beklemmenden Bildern dar. Die Marsbewohner scheinen dabei eher Spiegelbilder der Menschen als eine substanziell gänzlich andere Spezies zu sein. Sie treten als selbstständig denkende Wesen wenig hervor, werden von den menschlichen Problemfiguren als Protagonisten eher an den Rand gedrängt. Der Roman ist also ein Roman über die Menschen. So verkörpert der auf dem Mars lebende Erdianer Hathaway, der sich nach dem Tod seiner Familie diese in Form von Robotern nachbaut, die Einsamkeit des modernen Menschen, der sich mit immer mehr Technik umgibt, dabei aber immer weniger Nähe erfährt.

Der Mars als Projektionsfläche menschlicher Ausbruchsphantasien gerät gerade zu Beginn der "Mars-Chroniken" zu einer Falle, später immer mehr zur Metapher der Ausweglosigkeit menschlicher Utopie.

Verfilmung

Das Buch wurde 1979 als dreiteilige Mini-Serie verfilmt. In einer der Hauptrollen war Rock Hudson zu sehen. Die deutsche Erstausstrahlung war am 3. April 1983 (Teil 1: The Expedition - Die Expedition), 4. April 1983 (Teil 2: The Settlers - Die Siedler) und 6. April 1983 (Teil 3: The Martians - Die Marsianer) im ZDF. In den 80er Jahren sendete das ZDF während der Sendepausen am frühen Nachmittag jeweils einen kurzen englisch- und deutschsprachigen Ausschnitt dieser Serie als Trailer für den neu eingeführten 2-Kanal-Ton: Zu sehen war eine Szene mit Maria Schell und die wiederkehrenden Worte ("You are not David - Du bist nicht David").

Weiteres

In einer englischen Ausgabe aus dem Jahr 1997 ist der Zeitraum der Kolonisation um 31 Jahre auf 2030 bis 2057 verschoben.

Für Juni 2008 kündigt der Diogenes Verlag eine revidierte Übersetzung der von Ray Bradbury durchgesehenen und aktualisierten Mars-Chroniken aus dem Jahr 1997 an. Diese Ausgabe enthält mehrere neue Kurzgeschichten.

Literatur

Ray Bradbury: Die Mars-Chroniken, Diogenes, 2008, ISBN 978-3-257-20863-4

Weblinks


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