Mariazell


Mariazell
Mariazell
Wappen von Mariazell
Mariazell (Österreich)
Mariazell
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Bruck an der Mur
Kfz-Kennzeichen: BM
Fläche: 6,44 km²
Koordinaten: 47° 46′ N, 15° 19′ O47.77305555555615.316388888889868Koordinaten: 47° 46′ 23″ N, 15° 18′ 59″ O
Höhe: 868 m ü. A.
Einwohner: 1.508 (1. Jän. 2011)
Bevölkerungsdichte: 234,16 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8630
Vorwahl: 03882
Gemeindekennziffer: 6 02 10
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Pater-Hermann-Geist-Platz 1
8630 Mariazell
Website: www.stadt-mariazell.at
Politik
Bürgermeister: Josef Kuss (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
8 ÖVP, 4 Gemeinsam für unser Mariazell, 3 SPÖ
Lage der Stadt Mariazell im Bezirk Bruck an der Mur
Aflenz Kurort Aflenz Land Breitenau am Hochlantsch Bruck an der Mur Etmißl Frauenberg Gußwerk Halltal Kapfenberg Mariazell Oberaich Parschlug Pernegg an der Mur Sankt Ilgen Sankt Katharein an der Laming Sankt Lorenzen im Mürztal Sankt Marein im Mürztal Sankt Sebastian Thörl Tragöß Turnau SteiermarkLage der Gemeinde Mariazell im Bezirk Bruck an der Mur (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Mariazell vom Ötscher aus gesehen
Mariazell vom Ötscher aus gesehen
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Mariazell ist eine Stadt in der nördlichen Obersteiermark nahe der niederösterreichischen Grenze mit 1508 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2011).

Mariazell ist durch die Gnadenstatue Magna Mater Austriae in der Basilika Mariä Geburt mit Abstand der wichtigste Wallfahrtsort Österreichs und darüber hinaus auch für viele Katholiken in den östlichen Nachbarländern von Bedeutung. Auch Wintersport wird in Mariazell betrieben.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Mariazell liegt im Gebiet der nördlichen Kalkalpen (Türnitzer Alpen) auf einer schiefen Hochfläche am Hang der Bürgeralpe. Nordöstlich von Mariazell befindet sich das Fadental.

Geschichte

Historische Ansicht der Basilika Mariazell, ca. 1880
Historische Ansicht von Mariazell, ca. 1900

Frühzeit

In vorchristlicher Zeit und im ersten Jahrhundert nach Christus sind im Tal des heutigen Mariazellerlandes keine größeren bzw. geschlossenen Siedlungen nachweisbar. Die Vielzahl der illyrisch-keltischen Berg- und Flussnamen in der Region, wie z.B. die Erlauf, geben jedoch Hinweise auf kleinere Siedlungen dieser Volksstämme. Auch dürften den Illyrern und Kelten die Salzquellen im Halltal nicht unbekannt gewesen sein.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. war den Römern der Salzweg vom Halltal in das Traisental schon bekannt und einigen Berichten zufolge existierte auch ein Römerweg von Neuhaus kommend über den Zellerrain und die Brunnsteiner Marmorbrüche in die Mariazeller Gegend.

Im 6. Jahrhundert n. Chr. nahmen - unter der Herrschaft der Awaren - die Slawen von dem Land Besitz, siedelten sich in der Bergregion an und betrieben hier Ackerbau. Auch hier lässt sich die Verbreitung dieses Volkes wieder aufgrund noch heute existierender Orts- und Bergbezeichnungen nachweisen (z.B. Ötscher - abgeleitet vom alpenslawischen Wort "oce" für "Vater").

Mittelalter

1025 machte Kaiser Konrad II. seiner Schwägerin Beatrix - vermählt mit Adalbero von Eppenstein - Teile der Grafschaft im Mürztale zum Geschenk. Bei der Schenkung handelte es sich um 100 Huben (niederdeutsch "Hufe"), zu denen auch das Gebiet des späteren Marktes Mariazell gehörte. Langjährige Streitprozesse wurden um diese Schenkung vor dem Reichsgericht und sogar vor dem Papst ausgetragen. Der Salzburger Erzbischof Eberhard entschied im Jahre 1151 in der Sache zugunsten des Stiftes St. Lambrecht, das die letzten Eppensteiner (erloschen 1122) in den Jahren um 1100 gegründet hatten. Es dürfte schon kurz darauf zur Teilung des Pfarrgebietes Mariazell und der Herrschaft Aflenz gekommen sein. Aus einer Urkunde von Papst Hadrian IV. entnehmen wir das Datum 21. Dezember 1157 - noch heute wurde dieser Tag traditionellerweise als Gründungstag von Mariazell gefeiert, auch wenn er historisch nicht belegbar ist.

1157 kam der Mönch Magnus mit seiner aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue in das Zellertal und errichtete um die auf einen Baumstrunk stehende Statue die erste Kapelle, um die der spätere Ort heranwuchs. Diese hatte der Legende nach zuvor einen Felsen geteilt, der den Weg versperrte. Aus ‚Maria in der Zelle‘ entstand der Name Mariazell.

1344 wurde der Ort zum Markt erhoben. 1340-1380 wurden an der Kirche Umbauten im gotischen Stil vorgenommen.

1420 kamen die Türken das erste Mal nach Mariazell, wobei es zu einem Brand des Ortes und der Kirche kommt. 1474 verwüstet ein weiterer Brand den Ort. 1532 kamen die Türken abermals nach Mariazell und steckten mehrere Häuser in Brand. Die Kirche blieb diesmal verschont.

Neuzeit

1644 wurde die Barockisierung der Kirche durch Abt Benedikt Pierin eingeleitet und mit den Arbeiten Baumeister Sciassia beauftragt. Nach seinem Tode wurden die Bauarbeiten von verschiedenen Baumeistern fortgesetzt und 1780 abgeschlossen.

1679 besuchte Kaiser Leopold I. die Mariazeller Gnadenmutter und schleppte in seinem Gefolge durch einen infizierten Kammerdiener die Pest in Mariazell ein. 156 Personen fielen der Seuche zum Opfer.

1683 wurden aus Furcht vor neuerlichen Türkeneinfällen die Gnadenstatue sowie das Schatzkammerbild nach St. Lambrecht gebracht, von wo diese noch im selben Jahr wieder zurückkamen.

Tief winterlicher Friedhof

1742 erteilte die Kaiserin Maria Theresia dem Abt Eugen Inzaghi die Privilegien zum Erzabbau in Gollrad und Aschbach, sowie für den Bau und Betrieb eines Mariazeller Eisengusswerkes. 1786 hob Kaiser Joseph II. im Rahmen seiner Klosteraufhebungen auch das Stift St. Lambrecht auf, wovon auch Mariazell betroffen war. Die Wallfahrten wurden erschwert und später gänzlich untersagt.

1798 verwüstete neuerlich ein Großbrand den Ort, wobei vornehmlich die Wiener Straße betroffen war. 1805 kam es zum ersten Franzoseneinfall und zu Kampfhandlungen im Raum Mariazell.

1809 wurde der Kirchenschatz vor den französischen Truppen nach Temesvár in Ungarn in Sicherheit gebracht. Wenige Wochen später rückten die Franzosen in Mariazell ein. Kampfhandlungen, Requirierung und Missernten führten in diesen Jahren zur Ausblutung der Bevölkerung.

Denkmal für die Erbauer der Mariazellerbahn

1816 wurde zu einem regelrechten Hungerjahr. Erzherzog Johann ließ die Kartoffel einführen und Armenäcker in der Gegend zur Bekämpfung des Hungers anlegen. 1818 kaufte Erzherzog Johann den Brandhof.

1827 kam es in der Allerseelennacht zum größten Brand, der fast den gesamten Ort einäscherte und bei dem die Kirche schwere Brandschäden erlitt. 1828-1832 konnte der Ort unter großen Mühen und Opfern wieder aufgebaut werden.

1892 wurde im stillgelegten Bohrwerk des Eisenwerkes ein Elektrizitätswerk aufgebaut und in den folgenden Jahren Mariazell erstmals mit elektrischem Strom versorgt. 1896 erfolgte der Bau der ersten allgemeinen Wasserleitung. 1898 wurde das Mariazeller Eisengusswerk stillgelegt.

1907 wurde die im Jahr zuvor fertiggestellte Mariazellerbahn dem öffentlichen Verkehr übergeben. 1911 wurde die Mariazellerbahn elektrifiziert.

1924 wurden die ersten Festspiele im neu erbauten Festspielhaus eröffnet. 1925 erlebten die Festspiele ihren Höhepunkt. In den folgenden Jahren kam es jedoch zum finanziellen Niedergang und zum Ende der Spiele.

1928 wurde als eine der ersten Seilbahnen in Österreich eine Gondelbahn auf die Bürgeralpe gebaut. Im gleichen Jahr wurde die allgemeine Wasserleitung um die "Student-Quelle" erweitert.

Zweite Republik

Die Grazerstraße
Die Basilika von der Grazerstraße aus gesehen

1945 zog die Rote Armee der Sowjetunion in Mariazell ein und nahm mit 5.000 Mann Quartier, als Teil der Steiermark kam der Ort aber später im Jahr zur britischen Besatzungszone.

1948 wurde Mariazell zur Stadt erhoben. Eine generelle Kirchensanierung erfolgte 1955-1957. In diesen Jahren wurden auch die Ortsumfahrung und ein neues Postamt gebaut.

1966 lösten die Patres des Stiftes Kremsmünster die Patres des Schottenstiftes, welche seit 1949 die kirchliche Leitung Mariazells innehatten, ab. In den Folgejahren wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche und am Pfarrhof sowie den umliegenden Kapellen vorgenommen und der neue Rosenkranzweg gebaut.

1976 erhielt Mariazell ein Hallenbad und einige Jahre darauf eine Erweiterung der Hauptschule.

1983 besuchte Papst Johannes Paul II. Mariazell. Der Papstaltar wurde am Hauptplatz aufgebaut. Im Zuge dieses Großereignisses wurden in der gesamten Stadt umfassende Fassadenrenovierungen vorgenommen, der Hauptplatz neu gestaltet und Parkplätze geschaffen. 1990 fand eine Dank- und Freiheitswallfahrt der ehemaligen Ostblockländer mit 25.000 Teilnehmern statt. 1992 erfolgte die Übergabe der Wallfahrtsseelsorge von den Benediktinern aus Kremsmünster in die Obhut des Gründerstiftes und Mutterklosters St. Lambrecht.

1988 erfolgte die Einstellung der Mariazellerbahn zwischen Mariazell und Gußwerk.

1993 wurde die Vermählung von Karl von Habsburg mit Baroness Francesca von Thyssen-Bornemisza in der Basilika gefeiert.

2003 erfolgte die Abtragung der Mariazellerbahn zwischen Mariazell und Gußwerk.

2004: Mitteleuropäischer Katholikentag - Wallfahrt der Völker nach Mariazell mit über 100.000 Besuchern.

2007: Bartholomäus I., 270. Nachfolger des Apostels Andreas und Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, Oberhaupt der rund 300 Millionen orthodoxen Christen, besucht Mariazell.

Kopie der Magna Mater Austriae ohne das typische Prunkgewand

Vom 12. - 15. August 2007 luden die österreichischen Bischöfe zu einer Jugendwallfahrt nach Mariazell ein. Rund 3000 Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich nahmen daran teil.

Am 8. September 2007 besuchte Papst Benedikt XVI. Mariazell, um anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums der Basilika einen Gottesdienst (Vesper) zu feiern.

Politik

  • Bürgermeister ist Josef Kuss (ÖVP).
  • Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandataren der folgenden Parteien zusammen:
    • 8 ÖVP – stellt den Bürgermeister und den Vizebürgermeister
    • 4 Gemeinsam für unser Mariazell
    • 3 SPÖ
  • Stadtrat: Der Stadtrat besteht aus 3 Mitgliedern und setzt sich aus folgenden Stadträten zusammen:
    • Josef Kuss (ÖVP) – Bürgermeister
    • Helmut Schweiger (ÖVP) - Vizebürgermeister
    • Walter Surböck (Gemeinsam für Mariazell) - Finanzreferent

Wappen

Das Stadtwappen zeigt in schwarzem Schild die stilisierte Darstellung des gotischen Torbogens der Basilika von Mariazell in Gold; davor ebenfalls in Gold die gekrönte Mariazeller Madonna mit dem gleichfalls gekrönten Jesuskind auf ihrem rechten Arm. Die Madonna ist mit einem blauen Mantel und einem auch das Jesuskind einhüllenden weißen, silbern bestickten Gewand bekleidet; das Gewand ist auf der Brustseite der beiden Gestalten mit je einem weißen Kreuzchen geziert

Städtepartnerschaften

In der Zusammenarbeit „Shrines of Europe“ ist Mariazell seit 1996 mit fünf anderen Marienwallfahrtsorten verbunden. Diese sind:

Deutschland Altötting (Deutschland)
Portugal Fátima (Portugal)
Italien Loreto (Italien)
Frankreich Lourdes (Frankreich)
Polen Tschenstochau (Polen; poln. Częstochowa)

Verkehr

Mariazeller Bahnhof

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Basilika von Mariazell

Hauptartikel: Basilika von Mariazell

Eine gotische Basilika aus dem 14. Jahrhundert. Auffällig sind die prächtige barocken Innenausstattung und die drei Türme an der Westfront. Die Kirche beherbergt in der so genannten Gnadenkapelle die Magna Mater Austriae. Bei diesem Gnadenbild handelt es sich um eine kleine hölzerne Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert, die mit einem Prachtgewand bekleidet ist und in der Volksfrömmigkeit vieler Katholiken aus dem gesamten mitteleuropäischen Raum eine große Rolle spielt.

Pilgerwege

Zahlreiche nationale und internationale Pilgerwege führen nach Mariazell. Solche sind auszugsweise:[1][2]


Panoramafoto

Panorama von der Bürgeralpe über das Mariazeller Becken
Panorama von der Bürgeralpe über das Mariazeller Becken

Literatur

  • E. und F. Käfer: „Pilgerwege nach Mariazell“, Band Ost + Nord, 2009

Weblinks

 Commons: Mariazell – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Internationaler Pilgerweg Via Slavorum in der Pertoldsdorfer Rundschau 10/2009
  2. Pilgerwege Mariazell ONline vom 17. Jänner 2011

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