Mali-Burkina-Faso-Grenzkrieg


Mali-Burkina-Faso-Grenzkrieg
Malisch-Burkinischer Grenzkrieg
Teil von: Militär
Datum 14. Dezember 198529. Dezember 1985
Ort Westafrika, Grenze zwischen Mali und Burkina Faso
Ausgang Urteil des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag
Territoriale Änderungen Teilung des Grenzstreifens
Folgen Überwachung der Einhaltung der Friedensbestimmungen durch eine Kommission aus Vertretern afrikanischer Staaten
Friedensschluss 17. Januar 1986 in Yamoussoukro (Côte d'Ivoire)
Konfliktparteien
Flag of Burkina Faso.svg Burkina Faso Flag of Mali.svg Mali
Befehlshaber
Hauptmann Thomas Sankara Genéral Moussa Traoré
Truppenstärke
4600 Mann 7600 Mann
Verluste
141 Menschenleben 38 Menschenleben

Die beiden afrikanischen Staaten Mali und Burkina Faso führten vom 24. bis zum 29. Dezember 1985 einen Grenzkrieg. Im französischen Sprachraum wird der Krieg als Guerre de la Bande d’Agacher bezeichnet.

Der Grenzkonflikt beruhte auf 20 Jahre alten Streitigkeiten um vier Dörfer in dem 160 km langen und 30 km breiten Wüstenstreifen Agacher, den Mali kontrollierte und in dem reichhaltige Bodenschätze (wie Erdgas, Mangan, Titan und Uran) vermutet werden. Nach der von Frankreich in der Kolonialzeit festgelegten Grenzziehung gehörte das Gebiet zu Burkina Faso, Mali jedoch versuchte die Grenze militärisch zu revidieren. Bereits im Jahr 1974 war es zu einem Grenzkonflikt zwischen Mali und Burkina Faso (damals noch Obervolta) gekommen. Da es jedoch nur sporadische Schusswechsel gab, wird dieser Konflikt nicht als Krieg angesehen.

Nach blutigen Scharmützeln, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen, ordnete die Regierung von Burkina Faso unter Staatschef Thomas Sankara die Generalmobilmachung an. Nach dem Scheitern von zwei Waffenstillstandsabkommen am 26. und 27. Dezember 1985, vermittelt durch den Außenminister Libyens, Al Traiki, und die Organisation Afrikanische Einheit (OAU), stimmte am 29. Dezember 1985 der Präsident von Burkina Faso einem von mehreren afrikanischen Staaten, u. a. Elfenbeinküste, Nigeria und Libyen, ausgearbeiteten Waffenstillstandsplan zu. In einer vom staatlichen Rundfunk Malis verbreiteten Verlautbarung wurde bekannt gegeben, dass beide Länder übereingekommen seien, ihre Truppen wieder in die Ausgangsstellungen zurückzuziehen. Eine Kommission aus Vertretern Libyens, Nigerias, Malis, Burkina Fasos und der OAU soll die Einhaltung der Friedensbestimmungen überwachen. Schätzungsweise über 160 Menschen starben durch den Konflikt.

Am 10. Januar 1986 forderte der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag in einem vorläufigen Spruch zu dem Grenzkonflikt beide Seiten zum freiwilligen Rückzug ihrer Truppen auf; Mali und Burkina Faso hatten gemeinsam den IGH angerufen, um die Lage zu stabilisieren. Nach einer Konferenz der ANAD, eines westafrikanischen Verteidigungspakts der Staaten Senegal, Elfenbeinküste, Mauretanien, Niger, Togo, Mali und Burkina Faso am 17. Januar 1986 in Yamoussoukro (Elfenbeinküste) schlossen die Staatschefs von Burkina Faso (Hauptmann Thomas Sankara) und Mali (General Moussa Traoré) Frieden.

Im Dezember 1986 erließ der Internationale Gerichtshof in Den Haag ein von beiden Staaten akzeptiertes Urteil, wonach der Streifen zwischen beiden Staaten geteilt wurde.

Literatur

  • Internationaler Gerichtshof: Affaire du différend frontalier (Burkina Faso/République du Mali). United Nations Publications 2007, ISBN 9210708296

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